Schwindel: Informationen & Schwindelärzte

20.06.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Schwindel (auch Vertigo genannt) ist ein körperliches Phänomen, das sich auf verschiedene Weise äußert. Es kann von mehreren Nebenleiden begleitet werden. Schwindel tritt häufig abrupt auf und lässt sich zumeist nicht sofort auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Schwindelärzte und Zentren für Schwindel.

ICD-Codes für diese Krankheit: H81, H82, R42

Empfohlene Schwindelärzte

Schwindel Fälle in Deutschland

258.688 Fälle im Jahr 2020
264.612 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Ursachen: Im höheren Alter können Schwindelanfälle auftreten. Kinder leiden häufig an Schwindel, der jedoch verschwindet, sobald das Schwindelorgan vollständig ausgebildet ist. Auch diverse Erkrankungen können Schwindelanfälle auslösen, darunter Epilepsie, Herzerkankungen, Migräne und weitere.
  • Arten von Schwindel: Man unterscheidet verschiedene Formen von Schwindel, etwa Drehschwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel und den Sekundenschwindel.
  • Symptome: Schwindel bedeutet, dass der Patient keinen festen Boden mehr spürt bzw. er seine Position im Raum nicht richtig einordnen kann. Seine Umgebung scheint sich zu drehen oder zu bewegen.
  • Behandlung: Der Hausarzt wird den Betroffenen je nach Verdacht an verschiedene Fachärzte verweisen, etwa an einen Neurologen, HNO-Arzt oder Orthopäden. Die Therapie richtet sich nach der diagnostizierten Erkrankung und kann Medikamente genauso umfassen wie gezielte Gymnastikübungen und eine Anpassung des Lebensstils.

Artikelübersicht

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung erleidet im Leben zumindest einmal einen schwerwiegenden Schwindelanfall. Etwa zehn Prozent der Arztpatienten geben an, unter Schwindel zu leiden. Die Ursachen dafür sind vielfältig und nicht leicht zu ermitteln.

Schwindelanfälle gehören zwar zu einem zusammenhängenden Komplex, unterscheiden sich jedoch in ihrer individuellen Ausformung oftmals gravierend. Sie können für Sekunden auftreten, aber auch über längere Zeiträume andauern. Auch chronische Schwindelbeschwerden sind keine Seltenheit.

Welche Arten von Schwindel gibt es und welche Symptome treten auf?

Betroffene können aus demselben Grund an Schwindelbeschwerden leiden und doch nicht jedes Symptom miteinander teilen.

Der Drehschwindel ist die gängigste Form des Schwindelgefühls. Er tritt zumeist nach dem Alkoholkonsum ein. Der Betroffene fühlt sich in seiner Wahrnehmung gestört und glaubt, die Welt drehe sich um ihn herum.

Der Drehschwindel beeinträchtigt den Gleichgewichtssinn und führt zu Übelkeit. Deswegen wird diese Art Schwindel häufig von Erbrechen begleitet. Drehschwindel kann auch

  • morgens nach dem Aufstehen, oder
  • nachdem der Körper schnellen Rotationen ausgesetzt war (z.B. beim Karusselfahren)

entstehen.

Schwindel

Beim Schwankschwindel haben Betroffene Probleme damit, geradeaus zu gehen. Die Symptome halten an, auch wenn der Betroffene stehenbleibt. Während Drehschwindel eher eine waagerechte Auswirkung hat, glaubt der Betroffene beim Schwankschwindel, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Erbrechen und Unwohlsein sind zwar auch hier möglich, aber wesentlich seltener.

Der Liftschwindel ähnelt dem Schwankschwindel. Der Betroffene fühlt sich hierbei aber nicht so, als würde ein fester Boden weggezerrt. Vielmehr scheint es, es gäbe gar keinen Boden und er befände sich in einem unablässig auf- und abgleitenden Fahrstuhl.

Der Sekundenschwindel kann sich auf verschiedene Weise äußern. Bei dieser Art von Schwindel verschwinden die Symptome so schnell, wie sie gekommen sind. Er kann Symptome der anderen Schwindelarten kombinieren und lässt sich nicht präzise zuordnen. Charakteristisch ist das rasche Aufblitzen der Symptome.

Was sind die Ursachen für Schwindel?

Die Ursachen von Schwindel sind vielgestaltig und nicht immer leicht ausfindig zu machen. Einerseits gibt es altersbedingte Schwindelbeschwerden.

Auch viele Kinder leiden bei Reisen mit dem Schiff oder Auto unter Schwindelstörungen. Nachdem der Gleichgewichtssinn sich vollständig ausgebildet hat, verschwinden diese Beschwerden in der Pubertät häufig wieder.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit, die äußeren Eindrücke schnellstmöglich im Gehirn zu verarbeiten, wieder ab. Deshalb leiden etwa 30 Prozent der Ü-65-Jährigen an häufigen Schwindelattacken. Unter 65 leidet nur jeder Sechste an schweren Schwindelattacken.

Solche vestibulären Schwindelarten entstehen, wenn das Gehirn mit Informationen der Vestibularapparate (Gleichgewichtsapparate) und der Augen überladen wird und diese nicht rechtzeitig auswerten kann.

Andererseits sind unterschwellige Krankheitsbilder verantwortlich für Missempfindungen in der Wahrnehmung. Schwindel tritt beispielsweise als Nebeneffekt bei

auf.

Andere Ursachen finden sich in

  • Schwankungen des Blutdrucks (sowohl zu hoch als auch zu niedrig) oder
  • Blockaden der Halswirbelsäule.

Gerade Blockaden der oberen Halswirbel bewirken eine Migräne cervicale. Sie schlägt sich in heftigen Kopfschmerzen und Schwindelattacken nieder.

Krankheitsursachen für Schwindel:

  • Hirnerkrankungen wie Tumore
  • Beschwerden entlang der HWS
  • extremer Blutdruck und Herzerkrankungen
  • Epilepsie
  • Migräne

Eine dritte Sorte Schwindel wird durch körperliche Extremzustände erzeugt. Dazu gehören

  • Suchtmittel wie Alkohol, Drogen, Nikotin (vor allem bei Entzug)
  • psychische Ausnahmezustände (Panikattacken, Hypochondrie, Stress)
  • Schwangerschaft.

Oftmals entspringt Schwindel auch psychischen Faktoren. Viele Menschen bilden sich ein, unter schweren Erkrankungen zu leiden und erwähnen im Rahmen der Untersuchung Schwindelempfindungen. Diese werden durch die vermeintliche Gewissheit, unheilbar krank zu sein, verstärkt.

Wie wird Schwindel behandelt?

Schwindelbetroffene sollten sich an ihren Hausarzt wenden, wenn die Symptome immer wiederkehren oder nicht mehr verschwinden. Falls dieser keine Ursache für das Leiden ausmachen kann, wird der Patient, je nach Verdacht des Hausarztes, an einen Spezialisten verwiesen.

Bei Verdacht auf

  • einen psychischen oder zerebralen Hintergrund kommt der Patient in die Obhut eines Neurologen.
  • Probleme mit der Halswirbelsäule oder anderweitigen Blockaden erfolgt die Überweisung an einen Orthopäden.

Auch Fachärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde beschäftigen sich mit der Behandlung von Schwindel.

Zunächst macht sich der jeweilige Arzt ein Bild von der Patientengeschichte (Anamnese). Der Patient sollte schon im Vorfeld versuchen, seine Symptome einzuordnen und zu deuten. So fällt es dem Arzt leichter, die Art des Schwindels festzustellen.

Für gewöhnlich untersucht der Arzt den Puls und den Blutdruck, gegebenenfalls führt er auch ein EKG durch. Solche Routineuntersuchungen dienen dazu, naheliegende Ursachen wie

  • Blutdruckstörungen,
  • Herzprobleme oder
  • Blutarmut

auszuschließen.

Bei anschließenden neurologischen Tests wird das Gleichgewicht geprüft. Eine gängige Methode besteht darin, den Patienten bei geschlossenen Augen auf einem Bein stehen zu lassen. Gangtests ergänzen das Verfahren.

Außerdem kann der Arzt auf eine Reihe von Hörtests zurückgreifen. Der Gleichgewichtssinn hat einen ähnlichen neuralen Weg zum Gehirn wie der Hörsinn. Deswegen können hierbei ebenfalls Probleme mit dem Gleichgewicht festgestellt werden. In manchen Fällen werden auch die Hirnströme gemessen.

Es gibt keine pauschale Behandlungsmethode von Schwindelproblemen. Je nach Diagnose wird der Patient individuell betreut. Starke Schwindelanfälle werden akut mit Antivertiginosa (Arzneimittel gegen Schwindel) behandelt.

Bei Durchblutungsstörungen oder einem hohen Blutdruck kommen regulierende Medikamente zum Einsatz. Auch Sport kann helfen. Vor allem bei Problemen mit der Halswirbelsäule wird eine physiotherapeutische Behandlung in Betracht gezogen. Durch eine Lockerung und Stärkung der Wirbelsäule stabilisiert sich auch das zentrale Nervensystem. Die Nerven werden aus einer Verspannung gelöst und sorgen so nicht mehr für eine gestörte Wahrnehmung.

Bei Störungen des Gleichgewichtssystems werden gezielte Übungen verordnet, die die Koordination verbessern und die Balance fördern. Begleitende Gleichgewichtsübungen trainieren nicht nur die Gleichgewichtsorgane, sie sorgen außerdem dafür, dass das Gehirn besser mit Vertigozuständen umgehen kann.

Darüber hinaus ist der Patient oftmals auch selbst in der Pflicht. Erhöhtes Konsumverhalten (Alkohol, Nikotin, Drogen) oder eine schlechte Ernährung haben negative Auswirkungen auf die Gehirnleistung. Eine gesunde Lebensweise begünstigt nicht nur die Resistenz gegenüber Krankheiten, sie beugt außerdem Schwindelanfällen vor.

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