Tinnitus | Infos & qualifizierte Tinnitus-Spezialisten

07.09.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Der Begriff Tinnitus aurium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Klingeln der Ohren“. Unter Tinnitus fasst man alle Ohr- und Kopfgeräusche zusammen, die nicht einer äußeren Schallquelle zugeordnet werden können. Es handelt sich dabei um eine akustische Wahrnehmung, die meistens nur der Betroffene hören kann. Das Geräusch wird als klingend, piepsend, brummend oder zischend beschrieben.

Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Tinnitus-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: H93

Empfohlene Tinnitus-Spezialisten

Tinnitus Fälle in Deutschland

3.766 Fälle im Jahr 2020
3.855 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist Tinnitus? Ein Geräusch, das nur der Betroffene ständig hört und als störend empfunden wird. Meistens handelt es sich um ein Brummen, Zischen, Piepsen oder Klingeln.
  • Formen: Unterschieden wird zwischen einem objektiven (die Geräusche gehen von Blutgefäßen oder Muskeln aus) und subjektiven Tinnitus (es gibt keinen Ursprung für das Geräusch).
  • Symptome: Durch das ständige Wahrnehmen eines Geräusches ist belastend und kann zu Gereiztheit, Konzentrations- und Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und weiteren führen.
  • Ursachen (objektiver Tinnitus): Geräusche können durch verengte Blutgefäße, Muskelkrämpfe im Bereich des Kopfes, einen Ohrtumor und weitere Erkrankungen entstehen. 
  • Ursachen (subjektiver Tinnitus): Mediziner nehmen an, dass er ähnlich entsteht wie Phantomschmerzen. Ein Hörsturz, Knalltraumata, Mittelohrentzündungen, Drogen, Stress, psychische Belastungen und weitere Vorerkrankungen können ihn begünstigen.
  • Schweregrade: Je nachdem, wie störend der Betroffene das Geräusch empfindet, teilt man einen Tinnitus in einen von vier Schweregraden ein, die von “nicht störend” bis hin zu massiven Beeinträchtigungen des Lebens reichen.
  • Diagnose: Nach dem Patientengespräch führt der Arzt einen Hörtest und eine Hirnstammaudiometrie durch. Eine Doppelsonografie, eine MRT und ein Bluttest helfen ihm dabei, die Ursache abzuklären.
  • Behandlung: Beim objektiven Tinnitus muss die Grunderkrankung behandelt werden. Ein chronischer subjektiver Tinnitus kann nur selten geheilt werden. Hier steht das Lindern der Beschwerden und der Umgang mit dem Geräusch im Vordergrund.

Artikelübersicht

Was ist Tinnitus?

Mediziner unterscheiden zwischen

  • dem seltenen objektiven Tinnitus und
  • dem häufigen subjektiven Tinnitus.

Beim objektiven Tinnitus verursacht eine körpereigene Schallquelle Geräusche. Die Töne gehen von der Muskulatur oder den Blutgefäßen aus und können häufig mittels Stethoskop wahrgenommen werden.

In den allermeisten Fällen sind Betroffene aber vom subjektiven Tinnitus geplagt. Nur der Betroffene selbst kann das Geräusch wahrnehmen. Besteht das Ohrengeräusch seit weniger als sechs Monaten, sprechen Ärzte vom akuten Tinnitus. Länger andauernde Beschwerden werden als chronischer Tinnitus bezeichnet.

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Tinnitus ist keine Krankheit, sondern lediglich ein Symptom. Dennoch wird er von einigen Betroffenen als lebensbeeinträchtigend wahrgenommen und verursacht psychischen Stress.

In manchen Fällen kann das Ohrgeräusch schwerwiegende Auswirkungen auf das Berufs- und/oder das Privatleben haben.

In Deutschland sind rund vier Prozent aller Erwachsenen von einem Tinnitus betroffen. In der Regel leiden mehr Frauen als Männer unter den Ohrengeräuschen. Auch immer mehr junge Menschen unter 30 Jahren sind betroffen.

Der akute Tinnitus vergeht in 80 Prozent der Fälle wieder, zum Teil sogar ohne Behandlung. Beim chronischen Tinnitus ist die Heilungschance deutlich niedriger. Allerdings verliert das Ohrgeräusch in der Regel mit der Zeit an Bedeutung.

Wie erkennt man einen Tinnitus?

Fast jeder Mensch hat ein von innen kommendes Geräusch schon einmal erlebt. So spontan es kommt, geht es auch wieder. Passiert dies allerdings nicht, sprechen Ärzte von einem Tinnitus.

Betroffene berichten von Tönen wie

  • Klingeln,
  • Pfeifen,
  • Rauschen,
  • Sägen oder
  • Brummen.

Die Geräusche sind permanent da oder tauchen mit Pausen auf. Sie sind laut oder leise.

Durch die andauernde akustische Belastung können gesundheitliche Probleme auftreten:

Ursachen für Tinnitus

Wie entsteht ein objektiver Tinnitus?

Körpereigene Schallquellen, die im Innenohr oder im umliegenden Gewebe liegen, verursachen einen objektiven Tinnitus. Die Ursachen dafür sind organischer Natur:

  • Verengte Blutgefäße (das Geräusch wird in der Regel pulssynchron wahrgenommen)
  • Verkrampfungen der Ohr- oder Gaumenmuskulatur
  • Ohrtumor
  • Beschwerden im Kiefergelenk
  • Verschlussdefekt der Eustachischen Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Bereich)

Wie entsteht ein subjektiver Tinnitus?

Für subjektive Ohrgeräusche gibt es viele mögliche Ursachen. Sehr häufig ist der Tinnitus die Folge einer Hörstörung. Mediziner gehen davon aus, dass der Tinnitus ähnlich entsteht wie Phantomschmerzen, die nach einer Amputation auftreten.

Durch die Hörstörung bleiben entsprechende Signale aus oder werden nur schwach wahrgenommen. Dies versucht das Gehirn zu kompensieren, indem es die Aktivität im entsprechenden Bereich erhöht und eigene Töne produziert.

Entsteht der Tinnitus aus nichtorganischen Gründen, so ist zumeist Stress der Auslöser.

Folgende Faktoren können einen Tinnitus auslösen oder begünstigen:

  • Altersbedingte oder vererbte Schwerhörigkeit
  • Hörsturz
  • Lärm- und Knalltrauma
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohres)
  • Mittelohrentzündung
  • Trommelfelldefekt
  • Funktionsstörungen der Eustachischen Röhre
  • Verschlüsse oder Verengungen im äußeren Gehörgang (auch Ohrenschmalz!)
  • Fremdkörper im Ohr
  • Tumoren
  • Otosklerose (Erkrankung des Innenohrknochens)
  • Drogen
  • Bestimmte Medikamente wie manche Schmerzmittel, Antibiotika, Antidepressiva oder Chemotherapeutika
  • Kiefergelenksprobleme, Zähneknirschen und Verspannung der Nackenmuskulatur
  • Stress
  • Psychische Belastungen
  • Seelische Kränkungen
  • Chronische Lärmbelästigung
  • Burnout

Tinnitus
Stetige Geräusche können psychisch stark belasten © Stasique | AdobeStock

In welche Schweregrade wird der Tinnitus eingeteilt?

Je nachdem, wie stark die Belastung des Betroffenen ist, sprechen Ärzte von vier Schweregraden.

  • Grad 1: Der Betroffene fühlt sich nicht gestört, der Tinnitus ist gut kompensiert
  • Grad 2: Das Ohrgeräusch ist zwar weitgehend kompensiert, insbesondere in Stresssituationen oder unter psychisch-physischer Anstrengung wirkt es aber belastend
  • Grad 3: Das Ohrgeräusch stört erheblich. Die Symptome ziehen Folgen im Berufs- und im Privatleben nach sich. Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen sowie Kopfschmerzen beeinträchtigen den Alltag ebenso wie Gefühle der Hilflosigkeit.
  • Grad 4: Enorme Belastung für den Patienten. Das andauernde Ohrengeräusch ist oft für eine Berufsunfähigkeit verantwortlich und bringt massive psychische Störungen mit sich. Aufgrund von starken Ängsten und/oder Depressionen ist ein normales soziales Leben unmöglich.

Wer diagnostiziert einen Tinnitus?

Die Ansprechperson bei Tinnitus ist der HNO-Arzt. Zuerst wird der Mediziner die Krankengeschichte erheben. Er benötigt genaue Informationen über

  • die Art und die Häufigkeit,
  • mögliche Auslöser oder Veränderungen im Tagesverlauf sowie
  • die Belastung im Alltag.

Danach folgt die körperliche Untersuchung.

So kann etwa eine Ohrmikroskopie Auskunft darüber geben, ob

  • ggf. nur Ohrenschmalz vorliegt oder
  • etwa das Trommelfell verletzt ist.

Ein Hörtest klärt die Hörleistung des Innenohres, schließlich ist Schwerhörigkeit häufig die Ursache für einen Tinnitus.

Weiterführende Untersuchungen sind

  • eine Hirnstammaudiometrie zur Überprüfung des Hörnervs oder
  • das Tympanogramm, bei dem die Beweglichkeit des Trommelfells getestet wird.

Bei den bildgebenden Diagnostikmethoden wird insbesondere

veranlasst.

Anatomie menschliches Ohr
Anatomischer Aufbau und die Funktion des Ohrs © bilderzwerg / Fotolia

Ein Tinnitus ist nicht zwingend die Folge von Störungen im Hörsystem. Auch Störungen des Kauapparats oder der Halswirbelsäule können Tinnitus verursachen. Daher folgen zumeist noch weitere Untersuchungen.

So kann eine Blutdruckmessung einen erhöhten Blutdruck anzeigen. Dieser könnte möglicherweise zu Gefäßveränderungen in der Nähe des Ohrs geführt haben.

Weitere Erkenntnisse können bspw.

  • ein Bluttest,
  • die Untersuchung des Kauapparates oder
  • eine orthopädische Untersuchung der Halswirbelsäule

ergeben.

Behandlung des objektiven Tinnitus

Beim objektiven Tinnitus liegt immer eine Grunderkrankung vor, die für die Schallquelle im Körper verantwortlich ist. Die Therapie umfasst deshalb in erster Linie die Beseitigung dieser Erkrankung.

Im Falle eines Tumors oder Arteriosklerose kann eine Operation notwendig werden. Bei Verkrampfungen im Mittelohr bringen Magnesiumpräparate eine erste Entlastung. Medikamente werden ebenfalls eingesetzt, etwa zur Senkung des Blutdrucks oder zur Gefäßerweiterung.

Ein wichtiger Pfeiler der Behandlung ist zudem die mentale Unterstützung des Patienten. Das können etwa Aufklärung oder Bewältigungstraining sein.

Therapie bei subjektivem Tinnitus

Die größtmöglichen Heilungschancen gibt es beim akuten Tinnitus. Wird sofort mit der Behandlung begonnen, ist die Prognose für die vollständige Beseitigung der Ohrgeräusche am größten.

Chronischer Tinnitus hingegen kann nur selten geheilt werden. Die Linderung der Beschwerden sowie der bestmögliche Umgang mit dem Ohrgeräusch stehen im Vordergrund der Therapie.

Unter Umständen kann das subjektive Ohrengeräusch von anderen Erkrankungen verursacht werden. Dann sieht die Therapie, wie beim objektiven Tinnitus, die Heilung der Grunderkrankung vor. Häufig liegen aber andere Gründe vor, die eine umfangreichere Behandlung notwendig machen.

Folgende Therapiewege werden einzeln oder in Kombination begonnen:

  • Tinnitus-Counseling (Bewältigungstraining und Aufklärung)
  • Tinnitus-Retraining-Therapie
  • Physiotherapie
  • Gehirnstimulationsverfahren (magnetisch und/oder elektrisch)
  • Hörgeräteakustik (bei Schwerhörigkeit)
  • Körpertherapien wie Hydrotherapie, Biofeedback oder Tai Chi
  • Medikamente

Tinnitus-Counseling

Das Tinnitus-Counseling ist bei subjektivem und objektivem Tinnitus ein unbedingter Bestandteil der Therapie.

Die Kernpunkte des Counselings sind die Aufklärung und die individuelle Beratung des Betroffenen. Besprochen werden Lebenssituationen, in denen der Tinnitus besonders wenig oder besonders schlimm stört. So haben manche Patienten tagsüber kaum Probleme mit dem Tinnitus, beim Einschlafen dagegen schon.

Einfache und effiziente Erleichterung könnte in manchen Fällen

  • das Erlernen einer Entspannungstechnik oder
  • eine künstliche Geräuschkulisse im Schlafzimmer

schaffen.

Erklärtes Ziel des Counseling ist es, dem Patienten Mut zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man am besten mit den Ohrgeräuschen umgeht.

Tinnitus-Retraining-Therapie

Eine wichtige Behandlungsmethode beim chronischen Tinnitus ist die Gewöhnungstherapie. Die bekannteste Form ist die Tinnitus-Retraining-Therapie. Die TRT umfasst neben dem Counseling eine Geräuschtherapie.

Die Behandlung zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit des Betroffenen vom Ohrgeräusch wegzulenken. Damit lässt sich der Tinnitus in den Hintergrund drängen.

Dazu wird ein Tinnitus-Masker eingesetzt. Das kleine Geräte soll das Ohrgeräusch übertönen und im Laufe der Behandlung komplett auslöschen. Im Gegensatz dazu steht der Tinnitus-Noiser, der das Geräusch nicht überdeckt, sondern mittels Hintergrundrauschen vom Tinnitus ablenkt.

Beide Varianten werden über einen längeren Zeitraum angewendet, ein Erfolg ist aber nicht garantiert.

Medikamente beim Tinnitus

Nur bei der akuten Form macht eine medikamentöse Behandlung Sinn. Arzneimittel sollen

  • die Verbesserung der Innenohrdurchblutung,
  • die Wiederherstellung der normalen Nervenaktivität im Gehirn und
  • die Normalisierung der Signalverarbeitung im Innenohr

erreichen.

Verschrieben werden

  • Kortisonpräparate,
  • durchblutungsfördernde und muskelentspannende Substanzen,
  • Entwässerungsmittel oder
  • Calcium-Antagonisten zur Beruhigung der Nervenzellen.

Welcher Arzt behandelt Tinnitus?

Der Facharzt für Menschen mit Ohrgeräuschen ist der Hals-Nasen-Ohrenarzt. Er kann feststellen, ob die Ursache eine Erkältung ist, Ohrenschmalz den Gehörgang verstopft oder ob es sich um einen Hörsturz (plötzlicher Hörverlust) handelt. Auch Probleme mit Halswirbelsäule oder Kiefergelenk können sich sie auf die Funktionsfähigkeit der Ohren auswirken. Die hier aufgeführten Ärzte sind hochqualifizierte Tinnitus-Spezialisten.


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