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Sichelfuß und Pes adductus: Häufige angeboren Fußfehlstellung (Sichelfuss) von Vorfuß und Fuss

02.06.2026
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin

Der Sichelfuß ist eine häufige Fußfehlstellung im Kindesalter und wird auch als Pes adductus bezeichnet. Dabei ist der Vorfuß beziehungsweise der Vorderfuß stark nach innen gedreht, während der Rückfußes oft normal erscheint. Die Fehlstellung entsteht häufig bereits angeboren im Mutterleib oder durch Platzmangel in der Gebärmutter beim Fetus. Besonders bei Säugling und Kleinkindern fällt der Fuss durch eine gebogene Sichel-Form auf.

Je nach Ausprägung kann sich der Sichelfußes spontan zurückbilden oder eine Korrektur mit Einlagen, Physiotherapie oder Dehnungsgymnastik erforderlich machen. In schweren Fällen kommen operative Verfahren wie eine Osteotomie oder operative Korrektur infrage. Die Kinderorthopädie achtet dabei besonders auf die Fußstellung, die Muskulatur und mögliche Fehlstellungen wie Spitzfuß oder Hohlfuß. Eine frühzeitige Behandlung verbessert die vollständige Korrektur und kann Beschwerden beim Gehen verhindern.

ICD-Codes für diese Krankheit: Q66

Kurzübersicht:

Sichelfuß ist eine häufige angeboren auftretende Fußdeformität mit nach innen gerichteten Zehen und Vorfuß. Beim Pes adductus bleibt der Rückfuß meist beweglich, während der Vorderfuß stark nach innen zeigt. Die Behandlung erfolgt konservativ mit Einlagen, Physiotherapie oder Gipstherapie und nur selten operativ. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern sind frühe Diagnose und konsequent durchgeführte Korrektur wichtig.

Artikelübersicht

Was ist ein Sichelfuß und wie zeigt er sich?

Bei der Erkrankung des Sichelfußes nimmt der Fuß die Form einer Sichel an. Der Vorderfuß dreht sich dabei nach innen ein und die Zehen sind stark nach innen gebogen. Mediziner sprechen hier von einer sogenannten Adduktionsstellung (Adduktion bedeutet Heranziehen an den Körper). Häufig ist auch das Grundgelenk des großen Zehs nach innen abgeknickt.

Diese Fehlstellung tritt meist an beiden Füßen auf, ist aber in der Regel schmerzfrei. Die betroffenen Kinder können sich bis auf Ausnahmen auch völlig normal bewegen. Es kommt jedoch vor, dass Kleinkinder mit einem Sichelfuß Probleme beim Laufen lernen haben, da sie die Füße und Beine stark nach innen richten. Dies führt möglicherweise zu orthopädischen Problemen.

Die Ursache dieser Fußfehlstellung liegt bereits in der Schwangerschaft. Doch in den meisten Fällen reguliert sie sich von allein. Falls dies nicht der Fall ist, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, die erfolgversprechend sind.

Was sind die Ursachen des Sichelfußes?

Für gewöhnlich entsteht der Sichelfuß bei Babys bereits im Mutterleib. Eine der Hauptursachen dafür ist Platzmangel. Die Gebärmutter (Uterus) ist eng und der vorhandene Platz begrenzt– in manchen Fällen kommt es so beim Ungeborenen zu einer Zwangshaltung. Diese führt mitunter zum Abknicken des Fußes.

So lässt sich erklären, warum viele Kinder die Fußfehlstellung bereits bei der Geburt zeigen. Frühgeborene sind aus diesem Grund vom Sichelfuß nur sehr selten betroffen: Sie verlassen die Gebärmutter bereits, bevor es zu einem solchen Platzmangel kommt.

Baby in Gebärmutter
Manchmal zu eng: das Baby im Mutterleib © poco_bw / Fotolia

Weitere Ursachen für den Sichelfuß sind:

  • genetische Faktoren (wenn beide Eltern die Erbmerkmale dafür tragen)
  • der Säugling liegt häufig in Bauchlage
  • verkürzte Muskulatur am Innenfuß

Liegen Babys oder Kleinkinder häufig auf dem Bauch, werden die Füße ungünstig abgespreizt. Die Zehen liegen auf dem Boden auf, wodurch die Vorderfüße nach innen abknicken. So entsteht in einigen Fällen ein Sichelfuß nach der Geburt, was allerdings sehr selten und die Ausnahme ist.

Welche möglichen Folgen von Sichelfüßen gibt es?

Gewöhnlich verschwindet die Fußfehlstellung im Laufe der frühen Entwicklung von selbst. Ist dies nicht der Fall und es erfolgt keine Therapie des Sichelfußes, sind weitere Folgen möglich.

Neben Problemen mit dem Laufen lernen oder einem veränderten Gangbild kommt es mitunter zu diesen Auswirkungen:

  • der Mittelfuß versteift durch die Fehlstellung
  • die fehlerhafte Belastung führt zu Druckstellen (beispielsweise am Kniegelenk)
  • frühzeitiger Abbau von Knorpel und eine Schädigung der Knochen (Arthrose) ist möglich
  • besonders bei Erwachsenen: Schmerzen beim Laufen, Druckstellen

Wie wird ein Sichelfuß diagnostiziert?

Die Diagnose des Sichelfußes bei Kleinkindern erfolgt grundsätzlich bei der ärztlichen Allgemeinuntersuchung. Bei Babys werdenbereits Kinderärzte bei den obligatorischen U-Untersuchungen auf die Fehlstellung der Füße aufmerksam. Typische Symptome wie der eingeknickte Mittelfuß und der gebogene große Zeh reichen meist zur Blickdiagnose aus.

Bei Kleinkindern liefert das typische Gangbild mit nach innen gedrehten Füßen und Beinen einen sicheren Hinweis darauf, dass ein Sichelfuß vorliegt. Bei entsprechendem Verdacht auf einen Sichelfuß haben Mediziner zudem die Möglichkeit, das genaue Ausmaß der Erkrankung mithilfe eines Röntgenbildes abzuklären.

Orthopäden testen zudem, ob sich der Sichelfuß passiv korrigieren lässt. Dafür halten sie den Fuß hinten fest und bewegen ihn langsam in die normale Stellung hinein. Dieser Test gibt wichtige Hinweise und Hilfestellungen auf die bestmögliche weitere Behandlung.

Was können Eltern zur Unterstützung tun?

In vielen Fällen verschwindet der Sichelfuß mit der Zeit von selbst. Bei etwa 80-90% der Patienten ist eine umfassende Therapie daher nicht nötigt. Eltern sollten dennoch einige Tipps beherzigen, um ihre Kinder zu unterstützen:

Baby Fußmassage
© PhotographyByMK / Fotolia

  • manuelle Korrektur: den Fuß mithilfe der Hände immer wieder in die normale Stellung bringen
  • den Fußrand sanft mit dem Finger streichen – so stellt der Fuß sich häufig von selbst in die physiologische (also normale) Position
  • Fußmassagen, beispielsweise regelmäßig beim Wickeln
  • bei warmen Füßen mit Eiswürfeln vorsichtig Reize auslösen
  • Babys nicht zu lange oder zu oft auf den Bauch legen
  • bei Bauchlage Schaumstoffringe um die Beine legen

Schaumstoffringe werden einfach um die Oberschenkel gelegt, wenn das Baby auf dem Bauch liegt. Dies ist einerseits eine Möglichkeit, den Sichelfuß bei seiner Heilung zu unterstützen. Es ist aber auch eine Vorsichtsmaßnahme: Eltern verhindern damit, dass ein Sichelfuß bei gesunden Babys überhaupt erst entsteht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einem Sichelfuß?

In den meisten Fällen korrigieren sich leichte Fehlstellung mit der Zeit von selbst. Ist dies nicht der Fall beziehungsweise wenn die Fehlstellung sehr ausgeprägt ist, kommen verschiedene Behandlungsmethoden und -möglichkeiten infrage. Man unterscheidet 

  • konservative (ohne Operation) sowie 
  • chirurgische Verfahren

Welche konservativen Therapieverfahren gibt es?

Bei der Auswahl der Therapieverfahren ist vor allem entscheidend, ob die Kinder bereits laufen können oder sich noch in der Krabbelphase befinden. 

  • Im Säuglingsalter und bei Babys, welche noch nicht laufen können, werden für einige Wochen an den Oberschenkeln korrigierende Gipsverbände angelegt.
  • Anschließend erhalten die Babys sogenannte Lageschalen, die den Fuß nur noch in der Nacht korrigieren.
  • Bereits laufende Kleinkinder erhalten unterstützende Einlagen für die Schuhe. Diese umfassen die Fersen stützend und weisen einen erhöhten Innenrand auf, der die Fehlstellung ausgleicht.
  • Auch Physiotherapie (also Krankengymnastik) sind sinnvoll. Sie stabilisieren den Fuß und stärken die Muskulatur.

Welche operativen Therapieverfahren gibt es?

Nur sehr selten wird zur Operation geraten. Insbesondere bei Babys versuchen Mediziner, diese Option zu vermeiden. Zeigen andere Therapiemaßnahmen jedoch keine Wirkung, ist die Operation eine zuverlässige Behandlungsmethode. 

  • Eine Option dabei ist es, die Ansatzsehne in der Großzehe zu durchtrennen. 
  • Außerdem besteht die Möglichkeit, Gelenkkapseln im gesamten Fuß zu entfernen, um diesen leichter korrekt auszurichten.
  • Anschließend wird der Fuß mit Drähten stabilisiert.

Bei Erwachsenen sieht die Behandlung meist noch etwas anders aus. Hier werden in einer Operation meist Knochenteile entfernt. So besteht die Möglichkeit, die Stellung des Fußes zu beeinflussen und eine normale Ausrichtung zu erreichen.

Wie sieht die Prognose eines Sichelfußes aus?

Mit etwas Hilfestellung korrigiert sich der Sichelfuß oft von allein. Sichelfüße kommen also bei Kindern und Erwachsenen vor – wobei sich die Fehlstellung meist im Laufe der früheren Entwicklung von selbst korrigiert. 

Eltern haben viele Möglichkeiten, diese Selbstheilung zu unterstützen

  • Fußmassagen
  • gezielte Reize und 
  • die vermehrte Rücken- oder Seitenlage sind wichtige Tipps, die es zu befolgen gilt.

Korrigiert sich die Fehlstellung nicht von selbst, kommen verschiedene Therapieansätze infrage. Von Physiotherapie über medizintechnische Hilfsmittel bis hin zu Operationen gibt es viele gute Optionen. Es ist wichtig, diese wahrzunehmen: Bleibt ein Sichelfuß über einen langen Zeitraum unbehandelt, führt er meist zu weiteren Schäden.

FAQ

Was ist ein Sichelfuß?

Der Sichelfuß ist eine häufige Fußfehlstellung, bei der der Vorfuß beziehungsweise Vorderfuß stark nach innen gerichtet ist. Diese Fußdeformität wird auch als Pes adductus bezeichnet und tritt oft angeboren bei Säugling oder im Kindesalter auf. Der Begriff Sichelfuß beschreibt die sichelförmig gebogene Form des Fuss.

Wie entsteht ein Sichelfuß?

Die Ursache des Sichelfußes liegt häufig im Platzmangel innerhalb der Gebärmutter oder im Mutterleib während der Entwicklung des Fetus. Auch eine Fehlhaltung, muskuläre Einflüsse oder erworben auftretende Fehlstellungen können eine Rolle spielen. Oft betrifft die Fehlstellung beide Füße und zeigt sich durch eine Einwärtsdrehung des Vorfußes.

Wie wird ein Sichelfuß behandelt?

Je nach Ausprägung kommen konservative Methoden wie Einlagen, Physiotherapie, Bandage oder Dehnübungen zum Einsatz. Bei Säuglingen und Kleinkindern helfen oft manuell unterstützte Dehnungsgymnastik und ein Gipsverband zur vollständige Korrektur. Nur selten wird der Sichelfuß operativ behandelt, etwa durch eine Osteotomie oder operative Korrektur.

Woran erkennt man einen Sichelfuß?

Typisch sind innen gerichteten Zehen, ein gebogener Fußrand und eine Fehlstellung des Fußes mit stark nach innen gedrehtem Vorderfuß. Klinisch zeigt sich häufig eine Adduktion des Mittelfußes bei gleichzeitig normalem Rückfuß. Die körperliche Untersuchung in der Kinderorthopädie hilft dabei, den Unterschied zum Klumpfuß festzustellen.

Kann ein Sichelfuß Beschwerden verursachen?

Unbehandelte Sichelfüße können später zu Fehlbelastung, Schmerzen beim Gehen oder eingeschränkter Fußstellung führen. In manchen Fällen entwickeln sich Hohlfuß, Spitzfuß oder weitere Fußfehlstellungen. Frühzeitige Therapie kann Beschwerden lindern und eine normale Entwicklung der Muskulatur und Achillessehne fördern.

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