Haben Sie Schmerzen im Unterleib, wenn Sie länger gesessen sind und anschließend aufstehen? Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen mit den Füßen, weil es Ihnen dabei einen schmerzhaften Stich versetzt? Steht Ihr Fahrrad nur noch im Keller, weil die Fahrten damit so wehtun? Dann leiden Sie möglicherweise an einer Schambeinentzündung.
Hier erfahren Sie alles über die schmerzhafte Erkrankung im Becken. Außerdem finden Sie hier ausgewählte Spezialisten für die Behandlung von Schambeinentzündungen und Schambeinschmerzen.
Was ist eine Schambeinentzündung?
Die Schambeinentzündung heißt auch Osteitis pubis, Os pubis -Syndrom oder Pubalgie. Es handelt sich dabei um eine Entzündung der Schambeinfuge (Symphyse) als Reaktion auf Überlastung. Für eine bessere Vorstellung ist es sinnvoll, zunächst einmal einen Blick auf unsere Anatomie zu werfen.
Der Schambeinknochen liegt im vorderen Teil unseres Beckens. Es handelt sich dabei um den vorderen Teil, der aus zwei aufeinander zulaufenden Knochen besteht, diese nennt man Schambeinäste.
Dazwischen liegt die Schambeinfuge, die Mediziner Symphyse nennen. Im gesamten Schambeinbereich ist die Symphyse von festem Bindegewebe umgeben. Übermäßige Belastung entsteht in diesem Bindegewebe und im Kapsel-/Bandapparat feinste Risse. Diese lösen letztendlich eine Schambeinentzündung aus.
Es gibt ein linkes und ein rechtes Schambein, die Schambeinfuge verbindet beide miteinander @ Henrie /AdobeStock

Schambein
Welche Symptome treten bei einer Schambeinentzündung auf?
Typische Symptome sind Schmerzen im Bereich des Schambeins und der Symphyse. Die Diagnostik ist für Mediziner häufig schwer, da die Schmerzen ausstrahlen. Daher können Ärzte sie oft nicht eindeutig zuordnen.
Außerdem nimmt die Intensität der Schmerzen schleichend zu. Was Sie momentan nur als unangenehm empfinden, kann in einigen Wochen oder Monaten schmerzhaft sein.
Zunächst geht es oft mit einem unangenehmen Ziehen in den Oberschenkeln los, ähnlich wie bei einem Muskelkater. Selten erfolgt bereits in diesem Stadium eine Behandlung, weshalb die nächste Stufe meist diffuse Hüftschmerzen sind.
Leistenschmerzen und Beschwerden in den Adduktoren (das sind Teile der Hüftmuskulatur) sind dabei häufig. Genauso möglich ist es, dass die Schmerzen in den unteren Rücken, die Wirbelsäule oder den Bauch ausstrahlen.
Charakteristisch ist auch, dass bestimmte Bewegungen die Schmerzen verstärken. Dazu gehört eine einseitige Belastung der Hüfte, beispielsweise wenn Sie im Stand das Knie anheben.
Auch Treppensteigen, das Aufstehen nach längerem Sitzen, Schmerzen beim Gehen oder Sit-ups lösen stechende Schmerzen im Unterbauch aus.
Hinzu kommt, dass das Schambein und die Symphyse zunehmend druckempfindlich sind. Grund dafür sind Wassereinlagerungen (Ödeme), die mit der Entzündung im Knochen einhergehen.
Ursache für eine Schambeinentzündung ist meist eine Überbeanspruchung @ georgpfluegl /AdobeStock

Schambeinentzündung
Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht eine Schambeinentzündung?
Die häufigste Ursache einer Schambeinentzündung ist eine anhaltende Überbeanspruchung. Diese sogenannten Mikrotraumata führen zu Mikrorissen im Gewebe, den Faszien und im Kapsel-/Bandapparat rund um die Symphyse.
Die Belastung kommt vor allem von Zugspannungen der Muskulatur, die auf das Becken wirken. An der Schambeinfuge verlaufen sowohl die Bauch- als auch die Adduktorenmuskeln.
Betroffen sind vor allem Männer im Durchschnittsalter von 30 Jahren. Deshalb glaubten Sportmediziner lange, dass eine Schambeinentzündung hauptsächlich Sportler betrifft. Besonders häufig betrifft sie Leistungssportler wie Fußballer, Hockey- oder Rugbyspieler, Hürdenläufer oder Tennisspieler. Das liegt daran, dass bei diesen Sportarten mit schnelle Richtungswechseln auch ruckartige Bewegungen im Hüftbereich dazugehören.
Mittlerweile weiß man jedoch: Auch langes Sitzen führt zu einem einseitigen Zug auf die Bauchmuskeln. Dieser Zug kann ebenfalls eine Schambeinentzündung hervorrufen.
Eine weitere, deutlich seltenere Ursache ist der Schambeinbruch oder eine Stressfraktur durch anhaltende Belastung. Dies entsteht durch heftige Tritte oder Stöße. In diesem Fall treten jedoch gravierendere Symptome wie Nervenschmerzen und Bewegungseinschränkungen auf.
Bei Frauen tritt die Erkrankung manchmal auch im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt auf. Grund dafür ist die hormonelle Umstellung, die zu einer Lockerung der Bänder und einer Erweiterung der Symphyse führt. Das zunehmende Gewicht des Embryos kann schließlich zur Überlastung des Schambeins führen.
Untersuchung und Diagnose: Die Feststellung einer Schambeinentzündung
Da die Schmerzen häufig ausstrahlen, ist die klinische Diagnosestellung für Sportmediziner und Orthopäden manchmal schwierig. Auf jeden Fall gehört eine ausführliche Anamnese, also ein Gespräch über die Lebensumstände des Patienten, zur Untersuchung. Dadurch kann der Arzt Risikofaktoren entdecken.
Ergänzt wird dieses Gespräch durch eine körperliche Untersuchung. Bei dieser Untersuchung führt der Patient bestimmte Bewegungen durch, wie etwa den Einbeinstand. Wie beispielsweise auf einem Bein zu stehen.
Währenddessen sollte der Patient die Schmerzintensität beschreiben. Der Symphysen-Klaff-Test gehört ebenfalls zu den gängigen Untersuchungsmethoden. Beim Symphysen-Klaff-Test übt der Arzt Druck auf den Bereich der Schambeinfuge aus und überprüft die Schmerzhaftigkeit.
Für ein besseres Bild der Strukturen im Beckenbereich ordnet der Mediziner häufig noch eine Röntgenaufnahme oder ein MRT an. Dabei kann er den Zustand der Symphyse, beispielsweise eine Erweiterung, des Knochens sowie mögliche Wassereinlagerungen (Knochenmarködeme) erkennen.
Die Therapien bei einer Schambeinentzündung
Die Behandlung einer Schambeinentzündung ist häufig langwierig. Selten heilt die Erkrankung von alleine aus. Deshalb gehen Orthopäden in der Regel zunächst konservativ vor.
Physikalische Therapie und die besten Übungen mit gezielter Dehnung zu Hause sollen der Entzündung entgegenwirken. Schmerzmittel und Kortison unterstützen die Behandlung. Eine Sportpause ist am hilfreichsten.
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, können Sie Injektionen mit Kortison oder einer lokalen Betäubung ausprobieren. Die meisten Patienten verspüren danach eine deutliche Besserung. Außerdem ist eine Stoßwellentherapie zur Verbesserung des Knochenmarködems und zur Heilung der Sehnenansätze sinnvoll.
In letzter Instanz kann eine Operation erfolgen, um die Schambeinentzündung zu behandeln. Dabei schaben Ärzte entweder das Gewebe rund um die Symphyse aus. In besonders hartnäckigen Fällen kommt eine Stabilisierung der Schambeinfuge zusammen mit einer Leistenstabilisierung zum Einsatz.
Verlauf und Prognose: Wie verläuft eine Schambeinentzündung?
Die Schambeinentzündung heilt selten von alleine aus und wenn, dann in Verbindung mit Schonung. Unbehandelt können die Schmerzen chronisch werden und die Lebensqualität des Patienten zunehmend beeinträchtigen. Alltagsbewegungen sind dann nur noch eingeschränkt möglich.
Fazit
Je früher der Arzt eine Schambeinentzündung feststellt, desto schneller heilt sie normalerweise aus. Zögern Sie daher nicht, bei Schmerzen einen Sportmediziner oder Orthopäden aufzusuchen!
Wenn Sie an einer Schambeinentzündung leiden, helfen Ihnen konservative oder minimal-invasive operative Therapien dabei, bald schmerzfrei zu sein.
FAQ
1. Was ist eine Schambeinentzündung?
Eine Schambeinentzündung ist eine Entzündung der Symphyse – der Schambeinfuge im vorderen Becken – meist durch Überlastung der umliegenden Strukturen.
2. Welche Sportarten sind besonders betroffen?
Besonders häufig tritt sie bei Sportarten wie Fußball, Hockey oder Tennis auf – überall dort, wo schnelle Richtungswechsel und ruckartige Hüftbewegungen vorkommen.
3. Wie lange dauert die Heilung?
Die Heilung ist oft langwierig. Lindern lassen sich die Beschwerden durch Physiotherapie und Schonung – bei konsequenter Behandlung erholen sich die meisten Patienten innerhalb weniger Monate.
4. Wann ist eine Operation nötig?
Nur in hartnäckigen Fällen, wenn konservative Maßnahmen versagen, kommt eine operative Stabilisierung der Symphysis infrage.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
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