Piriformis-Syndrom - Informationen und Spezialisten

17.05.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Bei einigen Menschen verursachen langes Sitzen oder Stehen sowie einseitige Bewegung Schmerzen in Rücken und Gesäß. Ist der Schmerz anhaltend und tritt bei Belastung wiederholt auf, ist das Piriformis-Syndrom eine mögliche Ursache. Erfahren Sie hier, wie es zum Piriformis-Syndrom kommt und wie es behandelt wird, und finden Sie ausgewählte Spezialisten für das Priformis-Syndrom.

ICD-Codes für diese Krankheit: G57.8

Empfohlene Spezialisten für Piriformis-Syndrom

Artikelübersicht

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Beim Piriformis-Syndrom kommt es zu einer Einengung des Ischiasnervs durch den im Gesäß liegenden Piriformis-Muskel. Die Folge sind teils starke Schmerzen, die mitunter bis in die Beine ausstrahlen. Kribbelnde Missempfindungen sowie Taubheitsgefühle können ebenfalls auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren für das Piriformis-Syndrom

Als neuromuskuläre Erkrankung wird das Piriformis-Syndrom aufgrund der auftretenden Schmerzen manchmal mit anderen Erkrankungen wie Ischialgie oder Bandscheibenvorfall verwechselt.

Mögliche Auslöser für die Einengung des Ischiasnervs sind beim Piriformis-Syndrom

  • sportliche Betätigung (ungewohnter oder zu starkes Krafttraining, Radfahren, Jogging),
  • anhaltender Druck (z. B. durch zu langes Sitzen auf einer harten Unterlage),
  • Sturz auf das Gesäß oder
  • langfristig veränderte Muskelspannung mit einer Fehlstellung des Kreuzbeins (z. B. bei Funktionsstörung des Iliosakralgelenks).

Die genauen Auslöser lassen sich nicht immer klären. Eigentliche Ursache für das Piriformis-Syndrom ist eine Quetschung im Gesäßbereich, wo der Piriformis-Muskel aus dem Beckenknochen heraustritt und den Ischiasnerv abdeckt. Deshalb treten die Schmerzen meist auch entlang des gesamten Versorgungsbereichs des Ischiasnervs auf und werden mit den bereits erwähnten Erkrankungen verwechselt.

Symptome des Piriformis-Syndroms

Menschen mit dem Piriformis-Syndrom leiden häufig unter Schmerzen sowie Taubheits- und Kribbelgefühlen im Gesäß. In vielen Fällen strahlen die Schmerzen und Missempfindungen bis in den Oberschenkel, die Wade oder auch den Fuß aus.

Oft treten die Schmerzen beim Sitzen auf. Manchmal zeigen sie sich aber auch beim Treppensteigen, Joggen und Radfahren. Die Beschwerden können grundsätzlich durch jede Körperhaltung und Bewegung ausgelöst werden, bei der es zu einem festen Druck direkt über dem Piriformis-Muskel und damit einer Belastung des Ischiasnervs kommt.

Nicht selten sind Bewegungen oder Körperhaltungen mit angewinkelten Beinen dafür verantwortlich. Daher treten bei einigen Menschen auch beim Schlafen Beschwerden auf. Abhängig ist dies dann von der Schlafposition. Vor allem Seitenschläfer, die ihre Beine stark anwinkeln, sind betroffen. Werden die Beine weniger gebeugt oder lang ausgestreckt, lassen die Beschwerden in der Regel nach.

Diagnose des Piriformis-Syndroms

Im Rahmen der Diagnose eines Piriformis-Syndroms erhebt der Arzt zunächst eine Anamnese und befragt den Patienten nach den Beschwerden. Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, in einigen Fällen kann der Arzt eine starke Anspannung des Piriformis-Muskels ertasten. Häufig reagieren Patienten auch schmerzempfindlich.

Einen Test zum direkten Nachweis des Piriformis-Syndroms gibt es bislang nicht, weshalb es sich um eine Auschlussdiagnose handelt. Dabei muss der Arzt also sicherstellen, dass die Beschwerden nicht von einer anderen Erkrankung verursacht werden.

Um andere Krankheiten wie

  • Ischiasnerv-Reizung durch Bandscheibenvorfall der unteren Lendenwirkbelsäule oder durch Nervenwurzelreizsyndrome,
  • Hüftgelenkserkrankungen,
  • Störungen der Funktion des Iliosakralgelenks, wie das ISG-Syndrom,
  • Verschleiß der Gelenke im Bereich von Lendenwirkbelsäule und Kreuzbein oder
  • Tumore im kleinen Becken

auszuschließen, werden weitere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren durchgeführt. Als diagnostische Möglichkeiten erweisen sich

als ratsam, wenngleich ein Nachweis des Piriformis-Syndroms damit nicht möglich ist. Daher kann das Piriformis-Syndrom erst in Erwägung gezogen werden, wenn andere Erkrankungen auszuschließen sind.

Behandlung des Piriformis-Syndroms

Die Behandlung des Piriformis-Syndroms besteht im ersten Schritt in einer Meidung von Körperhaltungen und Bewegungen, die Schmerzen und Missempfindungen auslösen oder auch verstärken. Treten Schmerzen beim Sitzen oder bei bestimmten Bewegungen und Aktivitäten auf, erweist sich ein Wechsel der Haltung als sinnvoll. Bei sportlichen Aktivitäten, die Beschwerden verursachen, ist eine vorübergehende Pause ratsam. Zur Linderung tragen zudem Entspannungsübungen sowie Wärme- oder Kälteanwendungen bei.

Patienten mit sitzender Tätigkeit sollten während der Arbeit bestenfalls alle 20 Minuten aufstehen, um die Muskeln im Bereich des Gesäßes zu strecken.

Mitunter wird der Arzt zur Linderung der Schmerzen Medikamente verordnen, die entzündungshemmend wirken. Auch Mittel zur Entspannung der Muskeln (sogenannte Muskelrelaxanzien) kommen in Frage. In Abhängigkeit des Ausmaßes der Beschwerden rät der Arzt unter Umständen auch zu einer Schmerzmittel-Injektion oder zu einer Injektion entzündungshemmender Glukokortikoide.

Ergänzend können physiotherapeutische Maßnahmen zu einer Verringerung des Drucks auf den Ischiasnerv beitragen. Dabei wird der Physiotherapeut die umgebende Muskulatur dehnen oder den Triggerpunkt in der Gesäßmuskulatur bearbeiten.

Patienten erlernen im Rahmen der Physiotherapue zudem eine korrekte Körperhaltung sowie Übungs- und Dehnungsmöglichkeiten, welche speziell auf den Piriformis-Muskel ausgelegt sind und problemlos auch zu Hause durchgeführt werden können. Eine Lockerung der Muskeln vor den Dehnübungen mit Wärme ist hilfreich, zudem sollte zur Vermeidung zusätzlicher Reizungen des Nervs eine sanfte Dehnung erfolgen.

Bei einigen Betroffenen hat sich gezeigt, dass die Beschwerden mit Ultraschallbehandlungen zurückgehen. In sehr schweren Fällen ist auch ein operativer Eingriff möglich, bei welchem der Arzt den Piriformis-Muskel durchtrennt.

Verlauf des Piriformis-Syndroms

Der Verlauf des Piriformis-Syndroms ist von der zugrundeliegenden Ursache abhängig. In der Regel ist aber Geduld gefragt, denn meist dauert es länger, bis sich eine Besserung einstellt.

Langfristig sind Therapieerfolge nur zu erwarten, wenn neben den Symptomen auch die Ursache erkannt und behandelt wird. Da häufig Fehlstellungen die Auslöser sind, die zu muskulären Dysbalancen führen, ist eine Korrektur der Fehlstellung erforderlich. Eine Haltungsschule oder ein Stabilitätstraining können den Behandlungserfolg langfristig positiv beeinflussen.

Vorbeugung eines Piriformis-Syndroms

Das Piriformis-Syndrom ist meist die Folge von Sportarten sowie Bewegungen, bei denen es zu einer Belastung des Piriformis-Muskels kommt. Soll dem Piriformis-Syndrom also vorgebeugt werden, müsste auf entsprechende Sportarten verzichtet werden. Da dies jedoch keine Lösung ist, müssen einige Dinge beim Sport beachtet werden. Vorbeugend können daher folgende Tipps helfen:

  • Vor dem Sport ist eine ausreichende Aufwärmung wichtig.
  • Die Leistung sollte nach Möglichkeit langsam gesteigert werden.
  • Beim Joggen gilt es, Steigungen und unebenen Boden zu vermeiden.
  • Beim Joggen spielt eine gute Körperhaltung eine wichtige Rolle. Gleiches gilt für Kraftübungen, die zudem korrekt ausgeführt werden sollten.
  • Treten Schmerzen auf, sollte eine Pause eingelegt werden, bis die Schmerzen wieder nachlassen.
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