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Erkrankung · Allgemeine Orthopädie

Piriformis-Syndrom: Symptome und Schmerzen im Gesäß mit Physiotherapie behandeln

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Piriformis-Syndrom. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: G57.8

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Das Piriformis-Syndrom verursacht häufig einseitige, schmerzhafte Beschwerden im Gesäß, die in den Oberschenkel oder das Bein ausstrahlen können. Ursache kann eine Reizung oder Kompression des Ischiasnervs im Bereich des Piriformis-Muskels sein. Die klinische Diagnostik dient auch dazu, andere Ursachen wie einen Bandscheibenvorfall oder Erkrankungen der Wirbelsäule auszuschließen. Physiotherapie, manuelle Therapie, Dehnung und gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen können zur Linderung beitragen.

Das Piriformis-Syndrom bezeichnet Beschwerden im Gesäßbereich, bei denen der Piriformis beziehungsweise Musculus piriformis und der nahe verlaufende Ischiasnerv eine zentrale Rolle spielen. Typisches Symptom sind Schmerzen im Gesäß, die über die Rückseite des Oberschenkels bis in das Bein ausstrahlen können.

Der Piriformis-Muskel liegt tief in der Gesäßmuskulatur und unterstützt unter anderem die Außenrotation der Hüfte. Eine Reizung des Ischiasnervs kann beispielsweise durch muskuläre Verspannungen, Überlastung oder langes Sitzen begünstigt werden. Beim Piriformis-Syndrom können sich die Beschwerden insbesondere beim Sitzen, Treppensteigen oder bei bestimmten Bewegungen verstärken.

Da ähnliche Schmerzen auch bei einem Bandscheibenvorfall oder Problemen der Lendenwirbelsäule auftreten können, ist eine sorgfältige Diagnostik wichtig. Die Behandlung des Piriformis-Syndroms erfolgt meist konservativ und kann Physiotherapie, Dehnübungen sowie gezielte Übungen zur Entspannung und Kräftigung der Muskulatur umfassen.

Was ist das Piriformis-Syndrom?

Beim Piriformis-Syndrom kommt es zu einer Einengung des Ischiasnervs durch den Piriformis-Muskel. Die Folge sind teils starke Schmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen. Kribbeln und Taubheitsgefühle können ebenfalls auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren für das Piriformis-Syndrom

Das Piriformis-Syndrom ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die manche mit anderen Erkrankungen wie Ischialgie oder Bandscheibenvorfall verwechseln.

Mögliche Auslöser für die Einengung des Ischiasnervs sind:

  • Sportliche Betätigung (ungewohnter oder zu starkes Krafttraining, Radfahren, Jogging)
  • Anhaltender Druck (z. B. durch zu langes Sitzen auf einer harten Unterlage)
  • Sturz auf das Gesäß oder
  • Langfristig veränderte Muskelspannung mit einer Fehlstellung des Kreuzbeins (z. B. bei Funktionsstörung des Iliosakralgelenks)

Die genauen Auslöser lassen sich nicht immer klären. Für das Piriformis-Syndrom ist meist eine Quetschung im Gesäßbereich verantwortlich. Denn dort tritt der Piriformis-Muskel aus dem Beckenknochen heraus und deckt den Ischiasnerv ab. Deshalb treten die Schmerzen entlang des gesamten Versorgungsbereichs des Ischiasnervs auf.

Symptome des Piriformis-Syndroms

Menschen mit dem Piriformis-Syndrom leiden häufig unter Schmerzen sowie Taubheits- und Kribbelgefühlen im Gesäß. In vielen Fällen strahlen die Schmerzen und Missempfindungen bis in den Oberschenkel, die Waden oder den Fuß aus.

Oft treten die Schmerzen beim Sitzen auf. Manchmal zeigen sie sich aber auch beim Treppensteigen, Joggen und Radfahren. Jede Körperhaltung und Bewegung kann grundsätzlich die Beschwerden auslösen, wenn sie zu einem festen Druck über dem Piriformis-Muskel führt.

Oft sind Bewegungen oder Körperhaltungen mit angewinkelten Beinen dafür verantwortlich. Daher treten bei einigen Menschen auch beim Schlafen Beschwerden auf. Vor allem Seitenschläfer, die ihre Beine stark anwinkeln, sind betroffen. Beugen Betroffene die Beine weniger oder strecken sie lange aus, dann lassen die Beschwerden in der Regel nach.

Rückenschmerzen beim Piriformis-Syndroms
Die Schmerzen beim Piriformis-Syndrom treten meist einseitig im Gesäß und im unteren Rücken sowie als Beinschmerzen auf @ Microgen /AdobeStock

Diagnose des Piriformis-Syndroms

Zunächst führt der Arzt ein Anamnesegespräch mit dem Patienten durch und befragt ihn nach seinen Beschwerden. Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung. In einigen Fällen kann der Arzt eine starke Anspannung des Piriformis-Muskels ertasten. Häufig reagieren Patienten auch schmerzempfindlich.

Einen Test, um das Piriformis-Syndroms nachzuweisen, gibt es bislang nicht. Daher handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. Dabei muss der Arzt sicherstellen, dass die Beschwerden nicht von einer anderen Erkrankung kommen.

Mögliche andere Erkrankungen sind:

  • Ischiasnerv-Reizung durch Bandscheibenvorfall der unteren Lendenwirkbelsäule oder durch Nervenwurzelreizsyndrome,
  • Hüftgelenkserkrankungen
  • Störungen der Funktion des Iliosakralgelenks, wie das ISG-Syndrom
  • Verschleiß der Gelenke im Bereich von Lendenwirbelsäule und Kreuzbein
  • Tumore im kleinen Becken

Um diese Erkrankungen auszuschließen, führt der Arzt weitere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren durch.

Ein direkter Nachweis des Piriformis-Syndroms ist mit bildgebenden Verfahren zwar nicht möglich, andere Erkrankungen auszuschließen jedoch schon.

Behandlung des Piriformis-Syndroms

Der erste Schritt ist die Meidung von Körperhaltungen und Bewegungen, die Schmerzen und Missempfindungen auslösen oder verstärken. Treten Schmerzen beim Sitzen oder bei bestimmten Bewegungen und Aktivitäten auf, erweist sich ein Wechsel der Haltung als sinnvoll.

Bei sportlichen Aktivitäten, die Beschwerden verursachen, ist eine vorübergehende Pause ratsam. Zur Linderung tragen Entspannungsübungen sowie Wärme- oder Kälteanwendungen bei. Patienten, die viel sitzen, sollten alle 20 Minuten aufstehen, um die Muskeln im Bereich des Gesäßes zu strecken.

Mitunter wird der Arzt zur Linderung der Schmerzen Medikamente verordnen, die entzündungshemmend sind. Auch Mittel zur Entspannung der Muskeln (sogenannte Muskelrelaxantien) kommen in Frage. Je nach Ausmaß der Beschwerden rät der Arzt zu einer Schmerzmittel-Injektion oder zu einer Injektion entzündungshemmender Glukokortikoide.

Ergänzend können physiotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz kommen, um die Beschwerden zu verringern. Der Physiotherapeut dehnt und bearbeitet die umgebende Muskulatur oder den Triggerpunkt in der Gesäßmuskulatur.

Patienten erlernen außerdem eine korrekte Körperhaltung bei der Physiotherapie. Sie lernen Übungs- und Dehnungsmöglichkeiten, die speziell für den Piriformis-Muskel sind. Diese Übungen sollte der Patient auch zu Hause durchführen. 

Physiotherapie beim Piriformis-Syndrom
Physiotherapie beim Piriformis-Syndrom @ New Africa /AdobeStock

Eine Lockerung der Muskeln vor den Dehnübungen mit Wärme ist hilfreich. Um den Nerv nicht zusätzlich zu reizen, sollten Sie nur sanfte Dehnungen durchführen.

Auch Ultraschallbehandlungen helfen bei der Reduktion der Beschwerden. In schweren Fällen ist auch ein operativer Eingriff möglich, bei dem der Arzt den Piriformis-Muskel durchtrennt.

Verlauf des Piriformis-Syndroms

Der Verlauf des Piriformis-Syndroms hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In der Regel ist aber Geduld gefragt, denn meistens dauert es länger, bis sich eine Besserung einstellt.

Langfristig sind Therapieerfolge dann zu erwarten, wenn der Arzt neben den Symptomen auch die Ursache erkennt und behandelt. Meist sind Fehlstellungen Auslöser und führen zu muskulären Dysbalancen. In diesem Fall ist eine Korrektur der Fehlstellung erforderlich. Eine Haltungsschule oder ein Stabilitätstraining können den Behandlungserfolg positiv beeinflussen.

Das Piriformis-Syndrom vorbeugen

Das Piriformis-Syndrom ist meist eine Folge von Sportarten und Bewegungen, bei denen es zu einer Belastung des Piriformis-Muskels kommt. 

Möchten Sie dem Piriformis-Syndrom vorbeugen, müssten Sie auf entsprechende Sportarten verzichten. Da dies jedoch keine Lösung ist, müssen Sie einige Dinge beim Sport beachten. 

Vorbeugend können daher folgende Tipps helfen:

  • Vor dem Sport sollten Sie sich ausreichend aufwärmen
  • Steigern Sie die Leistung nach Möglichkeit langsam
  • Vermeiden Sie beim Joggen Steigungen und unebenen Boden
  • Achten Sie beim Joggen auf eine gute Körperhaltung
  • Gleiches gilt für Kraftübungen, die Sie korrekt ausführen sollten

 Treten Schmerzen auf, sollten Sie eine Pause einlegen, bis die Schmerzen wieder nachlassen

FAQ

Was ist das Piriformis-Syndrom und welche Symptome sind typisch?
Beim Piriformis-Syndrom stehen Beschwerden im Bereich des Piriformis beziehungsweise Piriformis-Muskels und des Ischiasnervs im Vordergrund. Ein typisches Symptom sind einseitige Schmerzen im Gesäß, die über die Rückseite des Oberschenkels in das Bein ausstrahlen können. Teilweise treten auch stechende Schmerzen oder Taubheitsgefühle auf. Die Beschwerden können sich durch langes Sitzen, Treppensteigen oder beim Joggen verstärken.

Was verursacht ein Piriformis-Syndrom?
Als mögliche Ursachen und Risikofaktoren gelten unter anderem Überlastung, Verspannungen der Gesäßmuskulatur oder eine ungünstige mechanische Belastung. Der Musculus piriformis liegt anatomisch in enger Beziehung zum Nervus ischiadicus. Ist der Muskel verspannt oder gereizt, kann dies mit einer Reizung des Ischiasnervs beziehungsweise Kompression des Ischiasnervs einhergehen. Auch langes Sitzen kann die Beschwerde im Gesäßbereich verstärken.

Wie unterscheidet sich das Piriformis-Syndrom von einem Bandscheibenvorfall?
Sowohl ein Piriformis-Syndrom als auch ein Bandscheibenvorfall können Schmerzen verursachen, die in das Bein ausstrahlen und einer Ischialgie ähneln. Bei einem Bandscheibenvorfall können jedoch Nervenwurzeln im Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen sein, während beim Piriformis-Syndrom die Beschwerden mit Strukturen im tiefen Gesäßbereich in Verbindung stehen. Eine klinische und gegebenenfalls weiterführende diagnostische Untersuchung hilft bei der Unterscheidung. Bildgebende Verfahren wie ein MRT können vor allem zum Ausschluss anderer Ursachen eingesetzt werden.

Welche Behandlung hilft beim Piriformis-Syndrom?
Die Behandlung des Piriformis-Syndroms erfolgt in vielen Fällen als konservative Therapie. Physiotherapie, manuelle Therapie, Dehnübungen und gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen können helfen, die Muskulatur zu entspannen und Beschwerden zu lindern. Je nach Ausprägung können außerdem entzündungshemmende Schmerzmittel oder in ausgewählten Fällen eine Injektion infrage kommen. Welche Behandlung geeignet ist, sollte insbesondere bei anhaltenden oder akuten Schmerzen ärztlich beziehungsweise orthopädisch beurteilt werden.

Welche Übungen können die Beschwerden beim Piriformis-Syndrom lindern?
Gezielte Übungen können darauf ausgerichtet sein, den Piriformismuskel zu dehnen, Verspannungen zu reduzieren und die Hüftmuskulatur sowie Gesäßmuskulatur zu kräftigen. Eine kontrollierte Dehnung des Piriformis kann bei manchen Betroffenen zur Linderung beitragen. Ergänzend können Übungen für die Außenrotatoren und den großen Gesäßmuskel sinnvoll sein. Da Schmerzen im unteren Rücken, im Becken oder Bein unterschiedliche Ursachen haben können, sollten Übungen bei starken oder anhaltenden Beschwerden individuell mit der Physiotherapie oder ärztlich abgestimmt werden.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

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