Das Spinaliom ist ein bösartiger Hauttumor und wird medizinisch als Plattenepithelkarzinom bezeichnet. Es zählt zu den häufigeren Formen von hellem Hautkrebs und entsteht aus Zellen der Oberhaut. Spinaliome treten besonders an Hautstellen auf, die über viele Jahre intensiv der UV-Strahlung ausgesetzt waren, beispielsweise an Gesicht, Unterlippe oder Handrücken. Eine aktinische Keratose kann eine Vorstufe für ein Plattenepithelkarzinom der Haut darstellen.
Typische Hinweise sind eine neu auftretende oder anhaltende Hautveränderung, ein Knötchen oder eine verhornte Stelle, die teilweise auch bluten kann. Wird der Tumor frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen in der Regel sehr gut. Bei einem fortgeschrittenen Spinaliom können jedoch Lymphknoten betroffen sein oder Metastasen entstehen, weshalb eine frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig sind.
Die Ursachen des Spinalioms
Das Durchschnittsalter für das Plattenepithelkarzinom liegt bei 70 Jahren. Männer erkranken häufiger als Frauen. Besonders Hautstellen, die oft in der Sonne sind, sind betroffen. Dazu gehören neben dem Gesicht und den Lippen auch die Hände oder die Kopfhaut. Doch auch die Zunge und der Genitalbereich können von einem Stachelzellkarzinom betroffen sein.

Zunge und Mund werden oftmals durch chronischen Tabak- und Alkoholkonsum geschädigt, was ein Plattenepithelkarzinom begünstigt @ freshidea /AdobeStock
Ebenso wie beim malignen Melanom spielt die UV-Belastung durch Sonneneinstrahlung bei der Entstehung des Spinalioms eine entscheidende Rolle. Eine Sonnenbestrahlung über mehrere Jahre kann das Erbgut (DNA) in den Zellen der Haut so verändern, dass sie entarten. In vielen Fällen entwickelt sich der Tumor aus einer Krebsvorstufe (Präkanzerose).
Die aktinische Keratose tritt als scharf begrenzte Rötung mit sandpapierartiger Oberflächenstruktur auf. Sie ist an sich zwar nicht bösartig, sie sollten Sie aber aufgrund des Entartungsrisikos trotzdem behandelt lassen. In seltenen Fällen kann ein Spinaliom auch aus chronischen Wunden, Verbrennungsnarben oder anderen Hauterkrankungen entstehen.
Ebenso können krebsauslösende Stoffe wie Arsen und Röntgen- oder Gammastrahlen die Entstehung eines Spinalioms begünstigen. Humane Papillomaviren (HPV) stehen ebenfalls im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Das Plattenepithelkarzinom der Lippe ist eine Erkrankung, die bevorzugt bei Pfeifenrauchern und Glasbläsern auftritt.
Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben generell ein erhöhtes Risiko, ein Spinaliom zu entwickeln. So erkranken Patienten mit HIV-Infektionen oder Menschen, die immunschwächende Medikamente einnehmen, häufiger. Sie haben zumeist auch einen ungünstigeren Krankheitsverlauf.
Plattenepithelkarzinom – die Symptome
Im Anfangsstadium ähnelt das Spinaliom noch der aktinischen Keratose. Es tritt also in Form von geröteten Flecken mit leichter Schuppung auf. Im Krankheitsverlauf wächst der Tumor knotig mit Schuppen- und Krustenbildung.

Plattenepithelkarzinom der Haut (auch Spinaliom, Stachelzellkarzinom) ist der zweithäufigste bösartige Hauttumor @ Luis /AdobeStock
Die festhaftenden Verhornungen des Tumors lassen sich nicht lösen, beziehungsweise bluten beim Ablösungsversuch. Das Spinaliom bereitet wenig oder gar keine Schmerzen. Es kann aber mit zunehmendem Wachstum in das umliegende Gewebe eindringen und die dortigen Strukturen zerstören. Dabei weist das Spinaliom ein eher langsames Wachstum auf. Phasenweise scheinen sich die Beschwerden zu bessern oder sogar komplett zu verschwinden.
Im Gegensatz zum malignen Melanom metastasiert das Spinaliom eher selten. Plattenepithelkarzinome der Haut metastasieren nur in drei bis fünf Prozent aller Erkrankungsfälle. Tumore der Schleimhäute und der Übergangsschleimhäute sind hingegen aggressiver und weisen eine höhere Metastasierungsrate auf. Dabei sind in der Regel zunächst die Lymphknoten und erst später andere Organe betroffen.
Spinaliom – die Diagnosestellung
Ein Hautarzt kann die typischen Hautveränderungen schnell als Spinaliom identifizieren. Um die Diagnose zu sichern, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe des Tumors (Biopsie) und lässt sie im Labor untersuchen.
Um das Plattenepithelkarzinom von anderen Tumoren der Haut zu unterscheiden, setzen Experten immunhistochemische Verfahren ein.
Zum Ausschluss einer Metastasenbildung tastet der Arzt die Lymphknoten der Umgebung ab und führt eine Ultraschalluntersuchung durch. Fernmetastasen in anderen Organen kann der Arzt mittels Röntgenuntersuchung oder Computertomographie aufspüren.
Die Behandlung des Spinalioms
Zur Behandlung des Spinalioms können verschiedene Therapieverfahren zum Einsatz kommen.
Dazu gehören:
- Operation
- Bestrahlung
- Chemotherapie
- Immuntherapie
Standardtherapie ist die vollständige operative Entfernung des Tumors. Sind die Lymphknoten auch befallen, werden diese ebenfalls entfernt. Wenn eine Operation nicht möglich ist, können Ärzte den Tumor vereisen oder mittels photodynamischer Therapie behandeln. Bei diesem Verfahren werden durch bestimmte Prozesse toxische Substanzen erzeugt, die den Tumor schädigen. Auch eine lokale Chemo- und Immuntherapie gehört zu den Therapieoptionen.
Im fortgeschrittenen Stadium oder bei Metastasen in anderen Organen behandeln Ärzte das Spinaliom mit einer systemischen Chemotherapie. Dabei erhalten die Patienten Substanzen, die das Zellwachstum und die Zellteilung im gesamten Körper hemmen.
Nach erfolgreicher Behandlung müssen die Patienten alle drei bis sechs Monate zur Nachkontrolle. Dies ist wichtig, um mögliche Metastasen oder Rückfälle frühzeitig zu entdecken. Betroffene müssen das UV-Licht weitgehend meiden, ihre Haut regelmäßig kontrollieren und bei Auffälligkeiten direkt einen Hautarzt aufsuchen.
Die Prognose des Spinalioms
Die Prognose des bösartigen Tumors hängt vor allem von der Lokalisation und der Größe der Geschwulst ab. Auch die Eindringtiefe, der Feinaufbau des Tumors sowie das Vorliegen einer Therapie, die das Immunsystem schwächt, beeinflussen den Krankheitsverlauf.
Plattenepithelkarzinome, die im Durchmesser kleiner als zwei Zentimeter sind, bilden selten Metastasen und haben daher eine gute Prognose. Sie lassen sich mittels Operation und Chemotherapie behandeln. Da sie allerdings häufig zu Rückfällen neigen, ist eine endgültige Heilung in den meisten Fällen nicht möglich.
Vorhandene Metastasen und eine späte Behandlung verschlechtern die Prognose deutlich. Insgesamt ist die Letalität eher gering. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 70 Prozent. Das bedeutet, dass fünf Jahre nach Diagnosestellung noch rund 70% aller Spinaliom-Patienten leben.
FAQ
Was ist ein Spinaliom?
Ein Spinaliom ist ein bösartiger Tumor der Haut und wird auch Plattenepithelkarzinom oder spinozelluläres Karzinom genannt. Das Plattenepithelkarzinom der Haut entwickelt sich aus bestimmten Zellen der Oberhaut. Spinaliome entstehen häufig auf chronisch sonnenbelasteten Hautarealen. Eine aktinische Keratose gilt als mögliche Vorstufe, aus der sich ein invasiver Hauttumor entwickeln kann.
Wie sieht ein Plattenepithelkarzinom der Haut aus?
Ein Plattenepithelkarzinom kann sich klinisch beispielsweise als verhärtete, schuppende oder verhornte Hautveränderung zeigen. Möglich sind außerdem Knötchen oder Wunden, die nicht richtig abheilen und wiederholt bluten. Besonders häufig betroffen sind sonnenexponierte Bereiche wie Gesicht, Unterlippe und Handrücken. Da sich ein Spinaliom nicht allein anhand seines Aussehens sicher diagnostizieren lässt, sollte eine verdächtige Hautveränderung von einem Hautarzt untersucht werden. Zur Sicherung der Diagnose kann eine Biopsie mit anschließender Untersuchung des Gewebes unter dem Mikroskop erfolgen.
Wie wird ein Spinaliom behandelt?
Die operative Entfernung des Tumors ist bei einem lokal begrenzten Spinaliom in der Regel die wichtigste Therapie. Ziel der Operation ist die vollständige chirurgische Entfernung des Plattenepithelkarzinoms mit ausreichendem Sicherheitsabstand und anschließender feingeweblicher Kontrolle. Abhängig von Lage, Größe und Stadium des Tumors kommen weitere Behandlungsmöglichkeiten infrage. Bei bestimmten Patientinnen und Patienten kann beispielsweise eine Strahlentherapie eingesetzt werden. Bei fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinomen stehen darüber hinaus systemische Therapien zur Verfügung.
Kann ein Spinaliom Metastasen bilden?
Ja. Im Gegensatz zum Basaliom können Spinaliome in Lymphknoten oder andere Körperregionen streuen und Tochtergeschwülste bilden, insgesamt geschieht dies jedoch vergleichsweise selten. Das Risiko für Metastasen hängt von verschiedenen Merkmalen des Tumors und der betroffenen Person ab. Ein erhöhtes Risiko kann unter anderem bei fortgeschrittenen Tumoren oder einem geschwächten Immunsystem bestehen, beispielsweise nach einer Organtransplantation. Deshalb sind eine frühzeitige Behandlung und eine an das individuelle Risiko angepasste Nachsorge wichtig.
Wie sind die Heilungschancen bei einem Spinaliom?
Die Prognose und Heilungschancen sind bei früh erkannten und vollständig entfernten Plattenepithelkarzinomen der Haut meist sehr gut. Ungünstiger kann die Prognose sein, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist oder Metastasen gebildet hat. Nach der Therapie sollten regelmäßige Kontrollen beim Hautarzt wahrgenommen werden. Zur Vorbeugung weiterer aktinischer Keratosen und Plattenepithelkarzinome ist zudem konsequenter UV-Schutz wichtig.
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →