CMD-Spezialisten & Infos zur Craniomandibulären Dysfunktion

09.09.2024
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist ein Sammelbegriff für Fehlfunktionen im Zusammenspiel zwischen Schädel (Cranium) und Unterkiefer (Mandibula). Die Fehlregulationen können struktureller, funktioneller, biochemischer oder psychischer Natur sein.

Etwa acht Prozent der Menschen in Deutschland sind von einer Craniomandibulären Dysfunktion betroffen.

ICD-Codes für diese Krankheit: K07.6

Artikelübersicht

Die Craniomandibuläre Dysfunktion ist weit verbreitet und doch kaum bekannt. Nicht alle Erkrankten benötigen eine Behandlung, aber bei manchen ist die Lebensqualität durch die Beschwerden stark beeinträchtigt.

Die häufigste Art der Craniomandibulären Dysfunktion ist ein Fehlbiss, bei dem Ober- und Unterkiefer nicht richtig aufeinander passen.

Dieser führt zu Störungen im Kausystem und kann unangenehme Auswirkungen auf den gesamten Körper haben.

VorbissBei einer Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) passen Ober- und Unterkiefer nicht richtig aufeinander @ Марина Демешко /AdobeStock

Die Ursachen einer Craniomandibulären Dysfunktion

Die Craniomandibuläre Dysfunktion ist eine multifaktorielle Störung. Dies bedeutet, dass mehrere Faktoren an der Entstehung der Fehlfunktion beteiligt sind.

Die häufigste Ursache sind Zahnfehlstellungen (zum Beispiel ein Fehlbiss). Wenn Ober- und Unterkiefer nicht richtig ineinandergreifen, nennen Mediziner das Malokklusion.

Zahnfehlstellungen können genetisch bedingt sein. Zahnlücken und hohe bzw. zu niedrige Füllungen oder Kronen können ebenfalls verantwortlich sein.

Fehlstellungen können sich außerdem nach kieferorthopädischen Behandlungen entwickeln. Auf die Belastung der Kiefergelenke reagiert die umliegende Muskulatur wie Kopf- und Gesichtsmuskulatur mit starker Verspannung. So versucht der Körper, die Kieferfehlstellung auszugleichen.

Gelingt dieser Ausgleich nicht, kann es zu dauerhaften Muskelverspannungen im Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers kommen.

Eine weitere häufige Ursache für eine Craniomandibuläre Dysfunktion ist das Zähneknirschen (Bruxismus), das vor allen Dingen nachts stattfindet.

Permanentes Zähneknirschen, das über das normale Maß hinausgeht, führt zu einer starken Abnutzung der Zähne. Im schlimmsten Fall zu einem verkürzten Gebiss.

Auch dauerhafter Stress und psychische Anspannung können eine Craniomandibuläre Dysfunktion fördern. Stress kann zu einer ständigen Anspannung im Kieferbereich führen.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • traumatische Veränderungen der Kiefergelenke oder Halswirbelsäule
  • starkes Fingernägelkauen und Kaugummikauen
  • Operationen im Kopf- und Halsbereich
  • Fehlhaltungen und schlechte Sitzhaltung
  • Entzündungen der Gelenke

Symptome, die auf eine Craniomandibuläre Dysfunktion hindeuten

Die Symptomatik der Craniomandibulären Dysfunktion ist äußerst vielfältig und unspezifisch. Häufig bleibt sie unentdeckt oder Ärzte entdecken sie erst nach längerer Zeit. Wenn mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten, sollten Sie sich auf eine Craniomandibuläre Dysfunktion hin untersuchen lassen.

Dafür sind folgende Beschwerden charakteristisch:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Ohrenschmerzen
  • Tinnitus
  • Kiefer- und Zahnschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Gesichtsschmerzen
  • Schwindel
  • Sehstörungen und/oder Lichtempfindlichkeit
  • Nackenschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen

Es können auch andere Symptome auftreten, die in der Regel nicht mit einer Craniomandibulären Dysfunktion in Verbindung stehen.

Dazu gehören zum Beispiel:

Eine Craniomandibuläre Dysfunktion richtig diagnostizieren

Eine frühzeitige Diagnose der Störung ist wichtig, da eine fortschreitende Belastung der Kiefergelenke die Aussichten einer Heilung verschlechtert. Eine Craniomandibuläre Dysfunktion stellt in der Regel ein Zahnarzt fest.

Für die Diagnose steht eine sogenannte Funktionsanalyse beziehungsweise Funktionsdiagnostik zur Verfügung. Im ersten Schritt der klinischen Funktionsanalyse führt der Zahnarzt eine gründliche Anamnese durch. 

Die Krankengeschichte des Patienten gibt Aufschluss über die Beschwerden und mögliche genetische Vorbelastungen.

Im Anschluss an die Anamnese folgt ein Abtasten der Kiefergelenke und Kaumuskulatur, um Verspannungen, Bewegungsabweichungen oder Geräusche festzustellen. 

Zur Erkennung eines Fehlbisses muss der Patient auf eine farbige Folie beißen. Zeigt der Abdruck Veränderungen, folgt eine instrumentelle Funktionsanalyse

Mithilfe eines Bissregistrats bestimmt der Zahnarzt die Lagebeziehung zwischen Ober- und Unterkiefer. Ein Bissregistrat ist eine weiche Platte (aus Wachs oder Kunststoff), auf die der Patient beißt. 

Ein Gesichtsbogen vermisst die Lage des Kiefers zum Schädel. Aus den gewonnenen Daten stellen Mediziner ein Modell aus Gips her, das die Kaubewegungen des Patienten imitiert.

Der Artikulator simuliert nicht nur die Kaubewegungen, sondern auch verschiedene Behandlungen. So kann der Zahnarzt die Therapie mit den besten Ergebnissen auswählen.

Die Behandlungsmöglichkeiten einer Craniomandibulären Dysfunktion

Die Therapie der Craniomandibulären Dysfunktion richtet sich nach der Ursache der Erkrankung und erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. In der Regel arbeiten mehrere Fachärzte bei der Behandlung zusammen.

Der Zahnarzt korrigiert Zahnfehlstellungen, indem er eine Aufbissschiene verschreibt. Die Aufbissschiene aus Kunststoff lindert die Beschwerden schnell und hilft, den Kiefer in die richtige Position zu rücken.

Der Patient trägt die Schiene je nach Ausprägung der Symptome nur nachts oder auch rund um die Uhr.

Bei Patienten, die keine Aufbissschiene tragen möchten, können verschiedene Verfahren zur dauerhaften Korrektur der Bisslage zum Einsatz kommen. Kauflächen lassen sich neu einschleifen oder mithilfe von Keramik-Onlays, Kronen oder Implantaten aufbauen.

Knirscherschiene

Für die permanente Korrektur von Zahnfehlstellungen kommen auch kieferorthopädische Maßnahmen infrage. Physiotherapeuten, Orthopäden und Osteopathen wirken bei der Therapie von falschen Körperhaltungen oder von Störungen der Muskeln und Gelenke mit.

Wenn depressive Verstimmungen oder andere psychische Probleme bei der Craniomandibulären Dysfunktion auftreten, ist eine Behandlung durch einen Psychologen sinnvoll.

Stress sollten Patienten durch geeignete Maßnahmen wie Sport, autogenes Training oder Muskelentspannung abbauen.

Diese verschiedenen Therapieansätze können bei Bedarf ergänzend zueinander stattfinden.

Hier finden Sie CMD-Spezialisten

Erster Ansprechpartner bei Schmerzen und Beschwerden im Kieferbereich ist ein Zahnarzt oder ein Kieferorthopäde. Dieser kann in der Regel eine Funktionsdiagnostik und Anamnese durchführen und somit eine CMD erkennen. 

Nicht jeder Arzt kennt die Erkrankung, daher erkennen sie sie durch ihre vielfältigen Symptome nicht immer. Am besten ist daher ein Arzt, der Mitglied im CMD-Dachverband und auf dem neuesten Stand ist.

Treten Beschwerden in Schultern, Nacken oder Hüfte auf, ist es sinnvoll, einen Orthopäden aufzusuchen. Dieser kann den Zusammenhang mit der CMD bestätigen oder verwerfen.

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