Professor Dr. med. Amadeus Hornemann ist ein hochgeschätzter Facharzt für Gynäkologie, der im Oktober 2024 die Leitung der neu gegründeten Klinik für Operative Gynäkologie am Bürgerhospital in Frankfurt am Main übernommen hat. Mit seiner umfassenden Expertise in der gynäkologischen Onkologie und minimal-invasiven Chirurgie ist er eine bedeutende Bereicherung für das Bürgerhospital, das für seine hohe Spezialisierung in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe bekannt ist.
Prof. Dr. Hornemann hat sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet, insbesondere in der Behandlung von Endometriose, Myomen und anderen gynäkologischen Erkrankungen. Nach seinem Studium der Humanmedizin und der Facharztausbildung sammelte er wertvolle Erfahrungen in verschiedenen leitenden Positionen, unter anderem als Oberarzt an den Universitätskliniken in Lübeck und Mannheim. Seine akademische Tätigkeit als außerplanmäßiger Professor an der Universität Heidelberg belegt zudem seine wissenschaftliche Expertise.
Die neue Klinik für Operative Gynäkologie wird unter der Leitung von Prof. Dr. Hornemann einen besonderen Schwerpunkt auf minimal-invasive Operationstechniken legen, die den Patientinnen schonende Eingriffe und eine schnellere Genesung ermöglichen. Die Klinik ist darauf spezialisiert, eine breite Palette gynäkologischer Erkrankungen zu behandeln, darunter Gebärmutter- und Scheidensenkungen sowie Endometriose.
Ein herausragendes Beispiel für seine innovative Denkweise ist die von ihm entwickelte Methode zur Behandlung von Gebärmuttersenkungen, bei der körpereigenes Gewebe verwendet wird. Seine Pionierarbeit in der laparoskopischen gynäkologischen Chirurgie, insbesondere die Einführung der 3-D-Laparoskopie, hat die Präzision und Sicherheit chirurgischer Eingriffe erheblich verbessert.
Die Redaktion des Leading Medicine Guide hatte Gelegenheit, mit Prof. Dr. Hornemann zu sprechen, um mehr zur operativen Gynäkologie zu erfahren.

Die operative Gynäkologie ist ein spezialisiertes Teilgebiet der Frauenheilkunde, das sich mit der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen des weiblichen Fortpflanzungssystems befasst. Sie umfasst eine Vielzahl von Verfahren, die von minimal-invasiven Techniken bis hin zu komplexen Eingriffen reichen. Ziel der operativen Gynäkologie ist es, Beschwerden und Erkrankungen wie Endometriose, Myome, Gebärmutter- und Scheidensenkungen sowie bösartige Tumore effektiv zu behandeln und gleichzeitig die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern. Dank modernster Technologien und fortlaufender wissenschaftlicher Fortschritte ermöglicht die operative Gynäkologie präzisere und schonendere Eingriffe, die eine schnellere Genesung und weniger postoperative Komplikationen zur Folge haben. Durch individuelle Therapieansätze und ein ganzheitliches Betreuungskonzept wird der Fokus auf die Bedürfnisse der Frauen gelegt, um bestmögliche Behandlungsergebnisse zu erzielen.
In den letzten Jahren hat die operative Gynäkologie bedeutende Fortschritte durch innovative Techniken erfahren, die sowohl die Patientensicherheit als auch die Genesung erheblich verbessern.
„Es hat signifikante Fortschritte gegeben, allein durch die minimal-invasive Chirurgie, die immer schonender geworden ist. Es gibt weniger Verletzungen, weniger Komplikationen und kleinere Narben – ein großer Vorteil für die Patientinnen. Dann ist man heute insgesamt zurückhaltender geworden, was Operationen betrifft, da man zunächst nach anderen Therapiewegen sucht. Als Beispiel sei die Gebärmutterentfernung genannt. Noch vor wenigen Jahren wurden noch etwa 200.000 Hysterektomien pro Jahr alleine in Deutschland durchgeführt; heute sind es nur noch halb so viele. Das liegt daran, dass man heute auch mit Hormonen arbeiten kann oder mit anderen Methoden, wenn es um Blutungsstörungen geht, wodurch man Frauen davor bewahren kann, eine Operation durchführen zu müssen. Und bei der Entfernung von Myomen kann man heute auch sehr gut gebärmuttererhaltend operieren und nur die Gebärmutterschleimhaut abtragen. Hier im Bürgerhospital wird genau abgewogen, ob eine Operation wirklich notwendig ist, und wenn dies der Fall ist, wird immer die kleinstmögliche Variante angestrebt“, so Prof. Dr. Hornemann zur allgemeinen Entwicklung in der Gynäkologie.
Die 3-D-Laparoskopie hat sich als ein innovativer Fortschritt in der gynäkologischen Chirurgie etabliert.
„Die Laparoskopie, die Bauchspiegelung, war in ihrer Anfangszeit sehr umstritten. Als ein Kollege aus Kiel, Professor Dr. Kurt Semm, erste Operationen mit der Methode durchgeführt hat, gab es keinen Jubel, und es hat viele Jahre gedauert, bis sie wirklich akzeptiert wurde. Ein Argument dagegen war, dass man nur zwei dimensional sieht – dies kann man simulieren, indem man sich ein Auge zuhält. Wir Menschen sehen mit zwei Augen dreidimensional, und wenn man dann bei einer Operation nur in zwei Dimensionen arbeitet, ist das deutlich schwieriger. Im Jahr 2012 habe ich in Deutschland die 3D-Laparoskopie eingeführt, die diese fehlende dritte Dimension sichtbar macht und die Strukturen noch viel präziser darstellt. Je genauer man sieht, desto präziser kann man operieren. Damals hatte ich viele Hospitationsveranstaltungen, bei denen Arztkollegen aus anderen Kliniken diese neue Technik ausprobierten. Von ihnen hörte ich oft den Kommentar: „Na, so kann das ja jeder“, weil die Sicht mit 3D erheblich verbessert wurde. Heute wird die 3D-Laparoskopie von vielen Chirurgen angewandt und ist gerade in der Roboterchirurgie (zum Beispiel mit daVinci-Systemen) Standard. Merkwürdigerweise gibt es jedoch immer noch Kollegen, die meinen, darauf verzichten zu können, obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen. Diese Technik macht die gesamte Operation entspannter, da man sich nicht ständig die dritte Dimension vorstellen muss“, schildert Prof. Dr. Hornemann.
Die laparoskopische Chirurgie begann mit Eingriffen an Organen wie dem Wurmfortsatz (Appendix, umgangssprachlich „Blinddarm“) und der Gallenblase. Im Jahr 1983 führte der Kieler Gynäkologe Prof. Dr. Kurt Semm die weltweit erste laparoskopische Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) durch. Vier Jahre später, 1987, gelang es Dr. Mouret in Lyon, als Erstem eine Gallenblase mittels Laparoskopie zu entfernen (Cholezystektomie). In der Schweiz führte Dr. Ch. Klaiber aus Aarberg 1989 die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung durch.
Die präzisere Darstellung der anatomischen Strukturen hat auch direkte Auswirkungen auf die Operationszeiten und Komplikationsraten. Durch die schnellere Identifizierung und Handhabung komplexer Gewebeverhältnisse können Chirurgen die Eingriffe effizienter gestalten. Dies führt nicht nur zu kürzeren Operationszeiten, sondern reduziert auch das Risiko von intraoperativen Komplikationen, da unerwartete anatomische Herausforderungen leichter bewältigt werden können. Bei Eingriffen wie der Entfernung von Myomen oder der Rekonstruktion von Organen nach der Behandlung von Endometriose ermöglicht die verbesserte Sicht eine schonendere Vorgehensweise, die das umliegende Gewebe weniger verletzt. Dies kann entscheidend sein, um postoperative Schmerzen und Komplikationen zu minimieren und die Heilungszeit zu verkürzen.
Der Fokus auf minimal-invasive Techniken in der Gynäkologie hat einen tiefgreifenden Einfluss auf die postoperative Genesung und die Lebensqualität der Patientinnen.
„Natürlich kommt es zunächst darauf an, welche Operation durchgeführt werden soll. Es gibt verschiedene Zugangswege, um in den Bauchraum zu gelangen. So kann man beispielsweise einen queren Schnitt machen, wie er beim Kaiserschnitt üblicherweise gemacht wird, wodurch man gut an die Organe im kleinen Becken herankommt. Bei großen Befunden, wie etwa großen Tumoren, wird ein Längsschnitt vorgenommen. Diese Schnitte sind zwar Verletzungen, die der Körper heilen kann, doch Narbengewebe ist längst nicht so stabil wie das ursprüngliche Gewebe. Daher ist es ein großer Vorteil, wenn man solche Schnitte vermeiden kann. Hinzu kommt, dass ein offener Bauch nur eine eingeschränkte Übersicht bietet. Bläht man ihn jedoch mit Kohlendioxidgas auf, wie es bei einer Bauchspiegelung geschieht, erhält man eine umfassende Sicht auf den gesamten Bauchraum und kann alle Strukturen präzise erkennen“, erklärt Prof. Dr. Hornemann.
Die kleineren Narben, die bei minimal-invasiven Techniken entstehend, sind auch kosmetisch besser als bei herkömmlichen Verfahren. Zudem zeigen Studien, dass minimal-invasive Verfahren oft mit geringeren Komplikationsraten verbunden sind. Weniger postoperative Probleme bedeuten niedrigere medizinische Kosten und weniger Stress für die Patientinnen, was sich wiederum positiv auf deren psychische Gesundheit auswirkt.
Prof. Dr. Hornemann veranschaulicht dies mit einem konkreten Beispiel: „Bei einer offenen Gebärmutterentfernung ist der Schnitt etwa 15 cm lang, während bei der minimal-invasiven Technik mehrere kleine Schnitte von nur 5–10 mm erforderlich sind. Die Wundheilung ist entsprechend kürzer und verläuft deutlich besser. Ein großer Bauchschnitt muss ruhiggestellt werden, um gut auszuheilen – ähnlich wie ein gebrochener Knochen, der zum Ausheilen eingegipst wird. Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus ist bei minimal-invasiven Eingriffen deutlich kürzer, und viele Eingriffe können inzwischen ambulant durchgeführt werden. Früher blieben Frauen nach einer Gebärmutterentfernung mehrere Wochen im Krankenhaus.“
Endometriose: Wenn die stille Krankheit laut Aufmerksamkeit fordert.
„Endometriose ist eine weit verbreitete Erkrankung, die bei vielen Frauen erhebliche Beschwerden verursacht. Die Zunahme dieser Erkrankung lässt sich darauf zurückführen, dass die Natur vorgesehen hat, dass Frauen im gebärfähigen Alter entweder schwanger sind oder stillen. In beiden Situationen haben die Frauen keine Menstruation, die ursächlich für das Entstehend der Endometriose gesehen wird. Heutzutage werden Schwangerschaften jedoch geplant bzw. bewusst verhindert, beispielsweise durch die Einnahme der Pille. Mit der Zunahme der Menstruationszyklen steigt auch das Risiko, dass sich Gebärmutterschleimhaut, um die es bei der Endometriose geht, im Bauchraum ansiedelt. Diese Gewebeverdickung tritt üblicherweise in der Nähe der Gebärmutter auf, kann jedoch auch andere Stellen betreffen. Das Problem: Dieses Schleimhautgewebe kann nicht wie aus der Gebärmutter monatlich `abbluten´, wodurch die typischen Menstruationsbeschwerden entstehend. Um diese Beschwerden zu lindern, ist es entscheidend, das Gewebe operativ zu entfernen. Anschließend wird eine hormonelle Behandlung ohne monatliche Unterbrechung empfohlen, um weitere Menstruationsblutungen zu verhindern. Diese Hormone sollten dann bis zur Menopause oder bis zu einer geplanten Schwangerschaft eingenommen werden“, erläutert Prof. Dr. Hornemann zur Problematik der Endometriose.
Die Therapie von Gebärmuttersenkungen stellt Fachärzte vor mehrere speziellen Herausforderungen, die sowohl anatomischer als auch patientenbezogener Natur sind.
Eine der größten Herausforderungen ist die individuelle Variabilität der Anatomie und der Schweregrad der Senkung. Dies erfordert eine präzise Diagnostik und einen maßgeschneiderten Therapieansatz. Zudem sind viele Patientinnen oft besorgt über die Auswirkungen der Behandlung auf ihre Lebensqualität, insbesondere in Bezug auf Sexualität und Blasenfunktion.
„Genauso wie bei der Endometriose lässt sich auch bei der Gebärmuttersenkung eine Zunahme feststellen, weil Frauen heute bei der ersten Geburt deutlich älter sind als früher. Älterwerden bedeutet dabei auch eine Veränderung des Bindegewebes, was man beispielsweise an Faltenbildung im Gesicht oder an anderen Körperstellen sehen kann. Viele Frauen wünschen sich aber auch im fortgeschrittenen Alter unbedingt eine natürliche, also vaginale Geburt, wobei das Bindegewebe stark beansprucht wird. Tritt eine Senkung auf, verspüren Frauen zunächst ein störendes Fremdkörpergefühl im Bereich der Scheide. Oftmals werden zusätzlich Probleme beim Wasserlassen und beim Stuhlgang geäußert. Eine operative Korrektur zielt darauf ab die schwachen Strukturen zu verstärken oder sie zu ersetzen. Viele der entwickelten Techniken führten nicht zum Erfolg. Daher versuchte man schließlich das schwache Gewebe durch Kunststoffe (Kunststoffnetz) zu verstärken, was prinzipiell auch gut funktioniert. Aber man hat dann nach einigen Jahren vermehrt Komplikationen festgestellt, die man bis dahin gar nicht kannte. Beim Versuch, die Kunststoffnetze wieder zu entfernen, hat man gesehen, wie stark die Netze mit dem Gewebe verwachsen waren, sodass eine Entfernung kaum möglich war. Ich habe das selber viele Jahre gemacht, weil es einfach keine Alternative gab“, so Prof. Dr. Hornemann zur Problematik der Behandlung. Er schildert dann, wie er auf die Idee kam, mit körpereigenen Sehnen zu arbeiten:
„Ich habe bei einem befreundeten Unfallchirurg gesehen, wie er eine Sehne aus dem Oberschenkel eines Patienten nahm, um ein gerissenes Kreuzband im Knie zu ersetzen. Beeindruckt hat mich, dass der Kollege eine Sehne aus dem bereits geschädigten Bein entnahm, ohne dass der Patient hier zusätzlichen Schaden nahm. Und dann habe ich gedacht, dass wenn das Sehnengewebe so wenig gebraucht wird, kann ich das auch verwenden. Und tatsächlich eignet sich die Sehne sehr gut. Man kann damit die Gebärmutter wieder an Ort und Stelle ziehen oder, wenn die Gebärmutter entfernt worden ist, die Scheide fixieren. Der große Vorteil ist eben, dass man mit körpereigenem Gewebe und nicht mit Fremdmaterial arbeitet. Was die Methode betrifft, so habe ich nur zwei etablierte Verfahren miteinander kombiniert, weswegen man diese Methode sofort einsetzen konnte. Mittlerweile arbeiten in Deutschland sechs Krankenhäuser damit, in der Schweiz und in Österreich jeweils ein Krankenhaus. Die Ergebnisse bei allen sind ermutigend, und die Nachfrage der Patientinnen nimmt stark zu“.
Die neue Klinik für Operative Gynäkologie im Bürgerhospital in Frankfurt am Main setzt auf eine integrative Herangehensweise, um die neuesten Forschungsergebnisse und Technologien in die Behandlung von Frauen mit urogynäkologischen Beschwerden einzubringen.
Die neue Klinik für Operative Gynäkologie am Bürgerhospital erweitert das Spektrum gynäkologischer Behandlungen und setzt dabei auf ein breites Angebot sowie spezialisierte, minimalinvasive Verfahren. Besonders Frauen mit Gebärmuttererkrankungen, Endometriose oder gutartigen Tumoren wie Myomen finden hier moderne und individuell angepasste Therapiemöglichkeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Behandlung von Gebärmuttersenkungen, die zu den häufigsten Beschwerden bei Frauen ab 50 Jahren zählen, aber auch jüngere Frauen nach Schwangerschaften oder durch andere Belastungen betreffen können. Mit der Gründung der Klinik stärkt das Bürgerhospital seine führende Rolle in der Frauenheilkunde, ergänzt durch eine bereits etablierte Geburtshilfe, die mit deutlich über 4.000 Geburten pro Jahr seit vielen Jahren die Klinik mit den meisten Geburten in Deutschland ist.
„Momentan ist die Krankenhausreform im Gang, und da ist es für Krankenhäuser gut, wenn sie sich Expertise ins Haus holen. Und hier im Bürgerhospital hat das einfach sehr gut gepasst. Denn es ist das Krankenhaus mit der größten Geburtshilfe in Deutschland, mit den meisten Geburten. Gleichzeitig hat man sich hier bisher nicht so sehr auf die gynäkologischen Operationen konzentriert, was ich jetzt übernommen habe. Insofern ergänzen wir uns sehr gut. Ich freue mich, dass ich hier mit einem ganz tollen Team arbeiten kann. Und viele Mitarbeiter sind mir bereits sehr vertraut, weil wir schon seit einigen Jahren zusammenarbeiten. Das Bürgerhospital ist ein ganz besonderes Krankenhaus mit einer jahrhundertelangen Tradition und spezialisierten Abteilungen, weswegen meine Abteilung hier gut ins Konzept passt“, betont Prof. Dr. Hornemann am Schluss unseres Gesprächs.
Herzlichen Dank, Prof. Dr. Hornemann, für diese hilfreichen Informationen!