Endometriose ist eine gutartige, aber oftmals schmerzhafte chronische Frauenkrankheit. Dabei bilden sich außerhalb der Gebärmutterhöhle Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium).
Diese nicht bösartigen Gebärmutterschleimhautwucherungen, die Endometrioseherde heißt, treten meist im Unterleib auf, etwa an:
Sie können prinzipiell auch andere Organe im weiblichen Körper befallen, beispielsweise die Lunge.
Je nachdem wie stark die Endometriose ausgeprägt ist, können die Wucherungen lediglich stecknadelkopfgroß sein. Es können sich aber auch größere, blutgefüllte Zysten bilden, die mitunter zu Verklebungen der Eileiter und Eierstöcke führen.
Anders als das Endometrium im Uterus, die die Scheide abstößt, bleiben bei Endometrioseherden Rückstände im Körper. Sie können zu Verwachsungen und Entzündungen führen. Betroffene Frauen leiden daher oftmals unter Kinderlosigkeit.

An diesen Stellen treten häufig Endometrioseherde auf © Henrie | AdobeStock
Je nachdem, an welchen Organen die für die Endometriose typischen Gebärmutterschleimhautwucherungen auftreten, unterscheiden Mediziner drei verschiedene Formen der Erkrankung:
- Endometriosis genitalis interna (innere genitale Endometriose)
- Endometriosis genitalis externa (äußere genitale Endometriose)
- Endometriosis extragenitalis (extragenitale Endometriose)
Bei der Endometriosis genitalis interna treten die Wucherungen innerhalb der Gebärmuttermuskulatur auf.
Bei der Endometriosis genitalis externa sind die Genitalbereiche außerhalb des Uterus von Wucherungen betroffen.
So treten die Endometrioseherde bei dieser Form der Erkrankung etwa an folgenden Stellen auf:
- Äußere Gebärmutterwand
- Am Bandapparat der Gebärmutter
- In den Eierstöcken
- In den Eileitern
- Im sogenannten Douglas-Raum zwischen Mastdarm und Uterus sowie
- An der Scheide
Bei der Endometriosis extragenitalis sind die Nachbarorgane der Gebärmutter von Gebärmutterschleimhautwucherungen befallen.
Betroffen können sein:
- der Darm
- die Harnblase oder
- Organe außerhalb des kleinen Beckens, beispielsweise die Lunge. Diese Art der Endometriose ist allerdings extrem selten
Schätzungen zufolge leiden zwischen 7 und 15 Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter an einer Endometriose. Nach Myomen stellt die Endometriose damit die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung dar.
Insgesamt sind in Deutschland zwischen 2 und 6 Millionen Frauen von einer Wucherung der Gebärmutterschleimhaut betroffen. Mehr als 30.000 Frauen erkranken jedes Jahr neu an dieser gynäkologischen Krankheit.
Da die Endometriose vom weiblichen Zyklus abhängig ist, tritt sie hauptsächlich bei Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Mit dem Beginn der Wechseljahre verschwinden die Leiden in den meisten Fällen wieder.
Endometriose ist außerdem einer der häufigsten Gründe für einen unerfüllten Familienzuwachs.

Viele Frauen mit Endometriose bleiben ungewollt kinderlos © zinkevych | AdobeStock
Die Ursache der Endometriose ist bislang trotz intensiver Forschung nicht geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, die versuchen zu erklären, wie es zu Gebärmutterschleimhautwucherungen außerhalb des Gebärmutterraums kommen kann.
Hierzu gehören:
- die Theorie der Gewebeveränderung sowie
- die Theorie der Verschleppung
Die Theorie der Gewebeveränderung besagt, dass Wucherungen durch die Umwandlung einer Gewebe- oder Zellart in eine andere entstehen.
Im Falle der Endometriose wandeln sich unreife Körperzellen in Zellen des Endometriums um (Metaplasie).
Die Theorie der Verschleppung besagt, dass Uterusschleimhaut Zellen über Blut-, Lymphbahnen oder Operationen aus der Gebärmutter in andere Körperbereiche wandern.
Je nach Lage und Ausprägungsgrad kann eine Endometriose verschiedene Beschwerden und chronische Schmerzen verursachen. Häufig treten jahrelang gar keine Anzeichen auf, so dass die Wucherungen des Gebärmutterschleim in vielen Fällen lange Zeit unentdeckt bleibt.
Ob, wann und mit welchen Symptomen eine Endometriose auftritt, hängt vom Menstruationszyklus der Frau und der Lokalisation ab.
Zu den typischen Anzeichen der Endometriose gehören unter anderem:
- Starke Unterleibsschmerzen und Krämpfe
- Blutungsstörungen
- Ein aufgeblähter Bauch und
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Häufig verursacht Endometriose sehr starke Schmerzen während der Menstruation © Pixel-Shot | AdobeStock
Da hormonelle Veränderungen während des weiblichen Menstruationszykluses die Endometrioseherde beeinflussen, treten Symptome kurz vor oder während der Regelblutung auf.
Befinden sich Endometriosestellen in der Bauchfellhöhle zwischen Darm und Uterus, können Kreuzschmerzen und Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs auftreten.
Bei Gebärmutterschleimhautwucherungen in der Blase oder im Darm kommt es unter anderem zu möglichen Symptomen wie:
- Blut im Urin
- Blut im Stuhl
- Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang und
- Entleerungsstörungen
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann auch durch eine Endometriose ausgelöst werden.
Besteht Verdacht auf Endometriose, findet zunächst ein Anamnesegespräch statt. Dabei befragt der Arzt die Patientin zu ihren Leiden. Anschließend führt der Arzt eine gynäkologische Untersuchung durch.
Er tastet dabei die Größe, Lage und Beweglichkeit der inneren Geschlechtsorgane ab. Auf diese Weise kann er feststellen, ob in der Scheide, am Gebärmutterhals oder an den Eierstöcken Gebärmutterschleimhautwucherungen vorliegen.
Zur weiteren Endometriose-Diagnostik können bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, wie etwa:
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie) durch die Scheide
- Magnetresonanztomographie (MRT) und
- Computertomographie (CT)
Mithilfe dieser Untersuchungen lässt sich das Ausmaß der Wucherungen und Organveränderungen feststellen.
Um eine Endometriose eindeutig zu diagnostizieren, ist eine feingewebliche Untersuchung der Wucherungen notwendig. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) kann Gewebeproben der Wucherungen für eine anschließende mikroskopische Untersuchung entnehmen.
Da die Ursache für eine Endometriose bislang nicht geklärt ist, gibt es auch keine zielführende und abschließende Therapie.
Eine Endometriose-Therapie sollte daher die Wucherungen entfernen bzw. sie verringern und die Beschwerden der Patientin lindern. Hierfür stehen mit der Endometriose-OP und der medikamentösen Therapie zwei verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung.
Die operative Behandlung erfolgt meist minimal-invasiv im Rahmen einer Bauchspiegelung, bei der der Eingriff direkt in der Bauchhöhle vorgenommen wird. Ziel ist es, möglichst viele Endometriosestellen – beispielsweise an der Gebärmutter, am Eierstock oder im Bauchfell – auszuschneiden oder sie mittels Laserstrahlen zu zerstören.
Eine Entfernung der Gebärmutter behebt die Beschwerden nachhaltig. Allerdings ist eine Schwangerschaft danach nicht mehr möglich, so dass das Verfahren nur bei abgeschlossener Familienplanung infrage kommt.
Der modernste medikamentöse Behandlung ist das auch in die Therapie von Myomen verwendete Ulipristalacetat. Gegen die auftretenden Schmerzen erhält die Patientin Schmerzmittel.
Eine langfristige Hormonbehandlung mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination (Antibabypille) führt durch die Rückbildung von Uterusschleimhaut ebenfalls zu Schmerzlinderung.

Bestimmte Präparate der Antibaby-Pille führen für die Dauer der Behandlung zu einer Besserung der Beschwerden © zenstock | AdobeStock
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Ob eine Therapie notwendig ist und welche Behandlungsmethode zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:
- das Ausmaß der Beschwerden
- die Lokalisation der Gebärmutterschleimhautwucherungen sowie
- das Alter und die Kinderplanung der Frau
Eine Kombination aus medikamentöser und operativer Behandlung kann die Chancen einer Kinderwunschbehandlung erhöhen.
Endometriose ist keine lebensbedrohliche oder tödliche Erkrankung und benötigt nicht zwingend eine Therapie. Verursacht die Endometriose keine Beschwerden, beeinträchtigt sie weder die Lebensqualität noch die Lebenserwartung der Patientin. Allerdings kann sie auch ohne spürbare Symptome die Fruchtbarkeit beeinflussen und zu Kinderlosigkeit beitragen.
Eine Vorhersage des Krankheitsverlaufes ist nicht möglich. Bei manchen Frauen entwickeln sich die Endometrioseherde spontan zurück.
Durch eine Behandlung bessern sich die Beschwerden häufig. Doch nach dem Absetzen der Medikamente kehren sie nach einiger Zeit oft wieder zurück (hohe Rezidivrate).
Auch eine OP verspricht oft keine vollständige Heilung: Bei bis zu 80 % aller behandelten Frauen bilden sich später erneut Endometrioseherde.
Mit den Wechseljahren und dem Ausbleiben der Regelblutung verschwindet bei vielen die Erkrankung oder die Beschwerden schwächen sich ab.
Endometriose-Spezialisten sind hochqualifizierte Fachärzte für Gynäkologie, die Patientinnen versorgen, die unter nicht bösartigen, aber schmerzhaften Wucherungen des Endometriums außerhalb der Gebärmutter leiden.
Endometriose-Spezialisten verfügen über eine große Kompetenz und Erfahrung im Bereich der Diagnostik und Therapie der Endometriose.
Dabei halten Endometriose-Spezialisten stets die von Fachgesellschaften definierten strengen Qualitätskriterien und Richtlinien für die Endometriose-Behandlung ein. Sie arbeiten fachübergreifend mit den Fachärzten weiterer beteiligter medizinischer Fachbereiche zusammen.
Aufgrund der Qualifikationen sind Endometriose-Spezialisten insbesondere in zertifizierten Endometriosezentren anzutreffen. Medizinische Einrichtungen, die das Qualitätssiegel „Zertifiziertes Endometriosezentrum“ haben, erhalten eine Auszeichnung.
Diese vergeben die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V., die Stiftung Endometriose-Forschung und die Europäische Endometriose-Liga.
Damit Patientinnen in allen Phasen ihrer Erkrankung eine optimale Versorgung erhalten, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Fachärzte notwendig.
Diese fachübergreifende Zusammenarbeit kann am besten in zertifizierten Endometriosezentren erfolgen.
Dort sind Spezialisten aus folgenden Fachbereichen tätig: