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Behandlung · Nephrologie

Nierentransplantation: Spezialisten & Infos

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Verfahren
Eine Nierentransplantation ersetzt die Funktion einer dauerhaft geschädigten Niere durch ein gesundes Spenderorgan.
Anwendungsgebiete
Bei chronischem Nierenversagen gilt sie als beste Behandlungsmethode.
Wirksamkeit
Im Vergleich zur Dialyse ermöglicht sie meist eine höhere Lebenserwartung und deutlich mehr Lebensqualität.
Wartezeit
Die Wartezeit auf der Warteliste reicht von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren, abhängig unter anderem von der Blutgruppe und Gewebemerkmalen.
Nachsorge
Nach der Transplantation ist eine lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva notwendig, damit der Körper das neue Organ nicht abstößt.

Was ist eine Nierentransplantation?

Jeder gesunde Mensch hat zwei Nieren. Die Nieren übernehmen lebenswichtige Aufgaben: Sie filtern Stoffwechselabfälle und Giftstoffe aus dem Blut, regulieren den Wasserhaushalt und sind an der Einstellung des Blutdrucks beteiligt.

Geht die Funktion der Nieren durch eine chronische Erkrankung dauerhaft verloren, kann eine Blutwäsche bzw. Dialyse zunächst überbrücken. Sie ersetzt jedoch nicht alle Aufgaben einer gesunden Niere. Bei vielen Betroffenen ist deshalb die Transplantation einer Niere die sinnvollste Therapieoption. 

Das Spenderorgang kann von einer verstorbenen Person stammen oder von einem Lebendspender, häufig aus dem engen familiären Umfeld, da der Körper auch mit nur einer Niere gut funktionsfähig bleibt.

Wann ist eine Transplantation der Niere im Transplantationszentrum notwendig?

Eine Nierentransplantation ist die beste Behandlungsmethode bei einer unheilbaren Niereninsuffizienz, da die Nierenfunktion irreversibel eingeschränkt ist. 

Verschiedene Erkrankungen können die Nieren nachhaltig schädigen, etwa

Kontraindikationen für Transplation des Organs

Nicht jeder Patient mit Niereninsuffizienz kommt für eine Transplantation infrage. Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aktive Tumorerkrankungen, unbehandelte Infektionen oder ausgeprägte Begleiterkrankungen können eine Kontraindikation darstellen. Auch der individuelle Gesundheitszustand, das biologische Alter und die zu erwartende Operationsverträglichkeit fließen in die Entscheidung ein. Ziel der Voruntersuchungen ist es, das Risiko für Komplikationen während und nach der Operation so gering wie möglich zu halten.

Ablauf einer Nierentransplantation: Dialyse, Warteliste, Immunsuppression

Eine Nierentransplantation läuft über mehrere Stufen ab, in der Regel sind das:

  • Wartezeit,
  • Vorbereitung und operativer Eingriff,
  • die erste Zeit nach der Operation,
  • der Weg in das neue Leben.

Dialyse und Wartezeit

Da deutlich mehr Menschen auf ein Spenderorgan warten, als Nieren zu Verfügung stehen, wird jeder Dialysepatient nach ausführlicher Diagnostik auf die Warteliste aufgenommen. Die Organvermittlung erfolgt in Deutschland über Eurotransplant, das passende Spender und Empfänger anhand medizinischer Kriterien wie Blutgruppe, Gewebemerkmalen und Wartezeit zusammenführt. Bis zum Zeitpunkt der Nierentransplantation ist häufig eine regelmäßige Dialysebehandlung notwendig, um die fehlende Nierenfunktion zu überbrücken und den Stoffwechsel zu stabilisieren.

Vorbereitung auf das neue Organ im Transplantationszentrum

Sobald ein Organ verfügbar ist, muss der Patient kurzfristig im Transplantationszentrum erscheinen. Bei einer Spende von einem lebenden Spender lässt sich der Termin langfristig planen. Vor dem Eingriff wird mittels Kreuzprobe geprüft, ob Spender und Empfänger immunologisch zueinanderpassen, auch die Blutgruppe muss kompatibel sein. Häufig erhalten Patienten bereits vor dem Eingriff Immunsuppressiva, die das Immunsystem dämpfen.

Bei stark angeschlagenen Patienten mit einer Niereninsuffizienz kann vorab noch eine Dialyse durchgeführt werden.

Der operative Eingriff

Die neue Niere wird in der Regel nicht anstelle der erkrankten Organe eingesetzt, sondern zusätzlich im Unterbauch platziert. Der Chirurg verbindet die Blutgefäße des Spenderorgans mit den Beckengefäßen und den Harnleiter mit der Harnblase, damit der Urin normal abfließen kann. Die eigenen, funktionslosen Nieren verbleiben meist im Körper. Der Eingriff dauert üblicherweise zwei bis drei Stunden, bereits während der Operation beginnt die neue Niere häufig mit der Urinproduktion, was als gutes Zeichen für eine funktionierende Durchblutung gilt.

Medikamente einnehmen: Die Einnahme von Immunsuppressiva nach der OP

Direkt nach der Operation beginnt die dauerhafte Immunsuppression. Die Einnahme von Immunsuppressiva unterdrückt die körpereigene Abwehrreaktion und verhindert, dass das Immunsystem das fremde Gewebe angreift. In den ersten Wochen erfolgen engmaschige Kontrollen von Nierenwerten und Medikamentenspiegel, um die Dosierung individuell anzupassen. Nach stabilem Verlauf folgen die Entlassung aus der Klinik und eine strukturierte Nachbetreuung, bei der viele Kontrolltermine später ambulant stattfinden können. 

Risiken und Komplikationen bei Nierentransplantationen

Bei jeder Operation bestehen Risiken und Gefahren. Es kann etwa zu Entzündungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen kommen.

Nieren, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre
Der gesunde Mensch hat zwei Nieren. Funktionieren sie nicht mehr, ist oft eine Nierentransplantation die beste Behandlung © pixdesign123 | AdobeStock

Da die Immunsuppressiva die Abwehrkräfte schwächen, sind Patienten in den ersten Monaten besonders infektanfällig, weshalb Hygienemaßnahmen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen in dieser Phase besonders wichtig sind.

Trotz sorgfälitiger Vorbereitung kann es vorkommen, dass der Körper das Spenderorgan als fremd erkennt und abzustoßen versucht. Man unterscheidet zwischen einer akuten Abstoßung, die meist innerhalb der ersten Monate auftritt und sich häufig gut behandeln lässt und einer chronischen Abstoßung, die sich schleichend über Jahre entwickelt. Eine akute Reaktion lässt sich in der Regel durch eine Anpassung der Immunsuppression beherrschen, sofern die frühzeitig erkannt wird. Wird die Spenderniere abgestoßen und dauerhaft geschädigt, kann erneut eine Dialysepflicht oder eine weitere Transplantation notwendig werden.

Nierenfunktion und Lebensqualität nach der Transplantation

Arbeitet die transplantierte Niere zuverlässig, verbessert sich die Lebensqualität meist deutlich gegenüber der vorherigen Einschränkungen der Lebensqualität durch die Dialysepflicht. Viele Patienten berichten von mehr körperlicher Belastbarkeit, weniger Ernährungseinschränkungen und einer größeren zeitlichen Unabhängigkeit, da regelmäßige Dialysetermine entfallen. Der Langzeitverlauf hängt von mehreren Faktoren ab: dem Alter des Patienten, der Dauer der vorherigen Dialysebehandlung, der Verträglichkeit der Medikamente sowie davon, ob es sich um eine Lebendspende oder die Niere von einem Organspender nach dem Tod handelt. Die höchste Erfolgsrate wird in der Regel durch nahe Angehörige erreicht. Viele Nierentransplantierte können nach der Erholungsphase wieder ein weitgehend normales Alltagsleben führen, inklusive Berufstätigkeit und sportlicher Aktivität in angepasstem Umfang.

Kosten einer Nierentransplantation

Die Kosten einer Nierentransplantation umfassen die Voruntersuchungen, den operativen Eingriff, den stationären Aufenthalt sowie die lebenslange medikamentöse Nachsorge. In Deutschland werden diese Kosten bei medizinischer Notwendigkeit von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Welcher Arzt führt eine Nierentransplantation durch?

Im Rahmen einer Nierentransplantation kommen verschiedene Mediziner zum Einsatz. Allen voran sind Nephrologen sehr wichtig, also Nierenspezialisten. Die Nephrologie ist ein Zweig der Inneren Medizin, der sich vor allem mit Nieren- und Hochdruckerkrankungen befasst.

Aber auch Chirurgen oder Urologen sind rund um eine Nierentransplantation beteiligt.

Die richtigen Fachleute sind sowohl in der Vor- und Nachsorge als auch bei der OP essentiell für einen langfristigen Therapieerfolg.

Häufig gestellte Fragen zur Nierentransplantation

Wie lange dauert eine Nierentransplantation?

Der operative Eingriff selbst dauert in der Regel zwei bis drei Stunden, abhängig vom individuellen Befund.

Wie lange muss man nach einer Nierentransplantation im Krankenhaus bleiben?

Üblich ist ein stationärer Aufenthalt von etwa ein bis zwei Wochen, bevor die ambulante Nachsorge beginnt.

Muss man nach einer Nierentransplantation lebenslang Medikamente einnehmen?

Ja, die Einnahme von Immunsuppressiva ist in der Regel dauerhaft notwendig, um die Abstoßung des Transplantats zu verhindern.

Wie hoch ist die Lebenserwartung nach einer Nierentransplantation?

Sie lässt sich nicht pauschal beziffern, da sie von Alter, Vorerkrankungen, Spenderart und dem Ansprechen auf die Medikamente abhängt. Im Schnitt liegt sie jedoch deutlich über der von Dialysepatienten.

Sabine Schneider

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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