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Nierenbeckenentzündung - Infos, Symptome & Behandlung der akuten Pyelonephritis

20.05.2026
Dr. med.  Rolf  Gillitzer
Medizinischer Fachautor

Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine bakterielle Entzündung von Nieren und Nierenbecken. Sie entsteht durch eine aufsteigende Infektion von Keimen. Ausgangspunkt einer Nierenbeckenentzündung ist eine nicht oder ungenügend therapierte Blasenentzündung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Welcher Arzt eine Nierenbeckenentzündung behandelt und wie die Therapie aussieht, erfahren Sie weiter unten. Außerdem finden Sie hier ausgewählte Spezialisten für die Behandlung einer Nierenbeckenentzündung.

ICD-Codes für diese Krankheit: N10, N11

Kurzübersicht:

Eine Nierenbeckenentzündung ist eine bakterielle Infektion, bei der sich eine Entzündung des Nierenbeckens durch aufsteigende Erreger aus den Harnwegen entwickelt. Frauen sind aufgrund ihrer kurzen Harnröhre häufiger betroffen als Männer. Symptome einer akuten Nierenbeckenentzündung sind starke Schmerzen in der Flanke mit hohem Fieber sowie Übelkeit und Erbrechen. Die Therapie der Nierenbeckenentzündung erfolgt durch eine Behandlung mit Antibiotika – bei schwerem Verlauf ist ein stationärer Aufenthalt notwendig.

Artikelübersicht

Ursachen und Sonderformen der Nierenbeckenentzündung

Sehr seltene Sonderformen der Nierenbeckenentzündung sind:

  • die emphysematöse Nierenbeckenentzündung und
  • die xanthogranulomatöse Nierenbeckenentzündung

Die emphysematöse Nierenbeckenentzündung ist durch Gasbildung in der Niere bzw. im nieren-umliegenden Gewebe gekennzeichnet.

Begünstigende Faktoren sind:

Die Symptome sind ähnlich wie bei der gewöhnlichen Pyelonephritis. Die Erkrankung verläuft jedoch schnell und dramatisch. Der Patient erfährt häufig keine Besserung unter der eingeleiteten antibiotischen Therapie.

Bei der xanthogranulomatösen Nierenbeckenentzündung finden sich gewebszerstörende Veränderungen der Niere. Die Niere ist zudem oft steintragend (Nierensteine).

Eine Verwechslung mit einer bösartigen Geschwulst der Niere ist möglich. Dies lässt sich häufig mit bildgebender Diagnostik (Computertomographie) nicht unterscheiden. Die letzte Gewissheit haben Ärzte erst intraoperativ bei einer Nierenoperation.

Der Name der Erkrankung beruht auf den in der feingeweblichen Untersuchung der Niere auffallenden, fett tragenden Zellen (Xanthomzellen).

Anatomie der Niere

Anatomie der Niere @ bilderzwerg /AdobeStock

Wiederkehrende und chronische Nierenbeckenentzündungen

Wiederkehrende Nierenbeckenentzündungen können im Langzeitverlauf zur Narbenbildung innerhalb der Niere und letztendlich zu Funktionseinbußen führen. Eine bestehende Funktionsminderung der Niere ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Eine Nierenbeckenentzündung kann auch chronisch verlaufen, wobei der Patient keine Beschwerden oder Symptome haben muss.

Eine Urinkultur zeigt nur Bakterien im Falle einer aktiven Infektion.

Die chronische Pyelonephritis kann ebenfalls zur Funktionsminderung der Niere führen.

Bei Kindern mit wiederkehrender oder chronischer Nierenbeckenentzündung sollten Ärzte eine anatomische oder funktionelle Ursache ausschließen oder therapieren.

Funktionelle Ursachen können sein:

  • Vesicoureteraler Reflux
  • Neurogene Blasenentleerungsstörung

Symptome einer Nierenbeckenentzündung

Die akute Nierenbeckenentzündung ist durch ein allgemeines Krankheitsgefühl gekennzeichnet.

Diese sind beispielsweise:

  • Fieber
  • Schüttelfrost und
  • Schmerzen in der Nierengegend

Vorausgegangen sind in der Regel typische Beschwerden einer Blasenentzündung, wie z.B.:

  • schmerzhaftes Wasserlassen
  • häufiger Harndrang mit kleinen Urinportionen
  • gehäuftes Wasserlassen

Die Beschwerden können in der Intensität variieren. Bei älteren Personen kann das Beschwerdebild untypisch sein. Unbehandelt kann diese Erkrankung zur Sepsis (Blutvergiftung) führen.

Diagnose einer Nierenbeckenentzündung

Die Diagnose einer akuten Pyelonephritis erfolgt klinisch durch die typischen Symptome. Zudem zeigen sich im Urin Schnelltest typische Zeichen eines Harnwegsinfektes. 

Diese sind:

  • weiße und rote Blutkörperchen
  • Nitrit als indirekter Bakteriennachweis

Im Blut zeigen sich ebenfalls erhöhte Entzündungszeichen, wie z.B.:

  • Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • Leukozytose
  • C-reaktives Protein

Ärzte sollten vor Beginn der antibiotischen Therapie eine Urinkultur entnehmen, um den auslösenden Keim gezielt zu züchten.

Beim Keimnachweis sollte er verschiedene Antibiotikagruppen testen, um auf ein passendes Antibiotikum (ohne Resistenzen) wechseln zu können.

Der häufigste Keim ist mit 80 Prozent der Escherichia coli (E. coli).

Andere verursachende Keime sind:

  • Klebsiellen
  • Proteus und
  • Enterobacter

Eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und der ableitenden Harnwege kann weitere Ursachen ausschließen oder bestätigen.

Weitere Ursachen können sein:

  • Steinleiden
  • Abflusshindernis der Nieren

Außerdem lässt sich eine Eiteransammlung in der Niere (Nierenabszess) damit häufig erkennen.

Bei unsicherer Klinik oder fehlendem Ansprechen auf die eingeleitete antibiotische Therapie sollte eine Computertomographie (CT) erfolgen.

Veränderungen der Nierendurchblutung mit computertomographischen Muster sowie Veränderungen der Nierengröße deuten auf eine akute Nierenbeckenentzündung bzw. Nierenentzündung.

Behandlung einer Nierenbeckenentzündung

Die Therapie einer Pyelonephritis richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Dabei gilt, dass eine wirksame Antibiotikatherapie so früh wie möglich zum Einsatz kommen sollte.

Bei beginnender Entzündung mit unverändertem Allgemeinbefinden reichen in der Regel Antibiotika zum Einnehmen und körperliche Schonung.

Bei schwerwiegenden Befunden mit drohender oder bereits vorliegender Blutvergiftung (ca. 60 Prozent der Fälle) ist ein stationärer Aufenthalt notwendig.

Maßgeblich sind dann:

  • Bettruhe
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr und
  • Einleitung einer sofortigen antibiotischen Infusion mit einem breit wirkenden Antibiotikum

Zudem kommen fiebersenkende und entzündungshemmende Maßnahmen zum Einsatz.

Eine Harnabflussstörung (z.B. infolge eines Harnleitersteines, Blasenrestharn), die eine Infektionen begünstigt, müssen Ärzte dringend beheben. Dies erfolgt über einen Harnleiterkatheter oder eine Nierenfistel, die den infizierten Urin abfließen lassen.

Die meisten Nierenbeckenentzündungen heilen unter diesen Maßnahmen folgenlos ab.

FAQ

1. Was ist die häufigste Ursache einer Nierenbeckenentzündung?
Häufigste Ursache einer Nierenbeckenentzündung ist ein aufsteigender Harnwegsinfekt – Erreger gelangen über die Harnröhre und die Harnblase bis ins Nierenbecken. Begünstigend wirken Harnabflussstörungen, etwa durch eine Verengung der Harnleiter oder eine vergrößerte Prostata.

2. Welche Formen der Nierenbeckenentzündung gibt es?
Neben der akuten gibt es auch eine chronische Form, die oft ohne Beschwerden verläuft und langfristig die Nierenfunktion beeinträchtigen kann. Seltene Formen der Nierenbeckenentzündung sind die emphysematöse und die xanthogranulomatöse Pyelonephritis.

3. Wann besteht Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung?
Bei Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung erfolgt eine körperliche Untersuchung sowie ein Urinschnelltest. Flankenschmerzen, Fieber und Schmerzen beim Wasserlassen nach einem Harnwegsinfekt sind typische Warnzeichen.

4. Kann eine Nierenbeckenentzündung gefährlich werden?
Bei schwerem Verlauf droht eine Urosepsis, eine lebensbedrohliche Komplikation. Bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten kann es zu einer Erkrankung der Niere mit dauerhaftem Funktionsverlust kommen – in schweren Fällen ist ein operativer Eingriff, etwa zur Entfernung eines Abszesses, notwendig.

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