Die Radiojodtherapie ist eine Bestrahlung von innen mit radioaktivem Jod. Die Radiojodtherapie behandelt ausgewählte Schilddrüsenerkrankungen und jodspeichernden Schilddrüsenkrebs. Das Präparat wird oral verabreicht, danach bleiben Sie einige Tage stationär im Krankenhaus.
Die Wirkung konzentriert sich auf Zellen, die Jod aufnehmen. Vorübergehende Beschwerden sind möglich. Schwangerschaft und Stillzeit schließen die Behandlung aus.

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Was ist eine Radiojodtherapie und für wen eignet sie sich?
Die Radiojodtherapie nutzt die natürliche Fähigkeit der Schilddrüse, Jod aufzunehmen. Nach der Einnahme gelangt die radioaktive Substanz in das Schilddrüsengewebe. Ihre Strahlung verursacht in den aufnehmenden Schilddrüsenzellen Schäden und zerstört dadurch überaktives Gewebe gezielt. Die Schreibweise Radioiodtherapie bezeichnet dasselbe Verfahren.
Die Radiojodtherapie wird bei ausgewählten Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wird die Hormonbildung meist zunächst mit Medikamenten gebremst. Abhängig von der Ursache folgt anschließend eine dauerhafte Behandlung.
Für folgende gutartige Erkrankungen kommt die Radiojodtherapie infrage:
- Morbus Basedow: Die medikamentöse Behandlung reicht nicht aus.
- Schilddrüsenautonomie: Zellen bilden unabhängig von der normalen Steuerung zu viele Schilddrüsenhormone. Dazu zählt die disseminierte Autonomie, bei der über das Organ verteilte Zellbereiche selbstständig arbeiten.
- Hormonbildende Knoten: Gutartige Knoten verursachen eine Überfunktion.
- Struma nodosa: Bei dieser knotigen Schilddrüsenvergrößerung führen mehrere Knoten zu einer Überfunktion.
Kalte Knoten gehören nicht zu den hormonbildenden Knoten. Besteht Krebsverdacht, spricht eher eine Operation für sich. Ob die Radiojodtherapie eine Alternative zur Operation ist, hängt von der Diagnose und dem Behandlungsziel ab.
Wer schwanger ist oder stillt, darf nicht mit Radiojod behandelt werden. Vor der Behandlung muss deshalb eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein.
Wann wird Radiojod bei Schilddrüsenkrebs eingesetzt?
Bei bestimmten differenzierten Formen von Schilddrüsenkrebs schließt sich die Radiojodtherapie an die Operation an. Bei den papillären und follikulären Schilddrüsenkarzinomen können die Tumoren Jod speichern. Die Behandlung soll verbliebenes Tumorgewebe beseitigen und einem örtlichen Rückfall vorbeugen.
Auch bei erneut aufgetretenem Krebs oder Metastasen kann eine zusätzliche Radiojodtherapie infrage kommen. Voraussetzung ist, dass die Karzinome weiterhin Jod aufnehmen.
Medullärer und anaplastischer Schilddrüsenkrebs sprechen dagegen nicht auf die Behandlung an. Diese Tumorarten speichern kein Jod, sodass die Strahlendosis das bösartige Gewebe nicht gezielt erreicht.
Wie wirkt die Behandlung auf die Schilddrüse?
Bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen setzt die Wirkung gewöhnlich verzögert ein. Meist zeigt sie sich nach etwa zwei bis drei Monaten. Sie kann aber früher beginnen oder erst innerhalb eines halben Jahres eintreten.
Bei einer Vergrößerung der Schilddrüse durch Knoten kann sich das Organ innerhalb eines Jahres um bis zu 50 % verkleinern. Das Ausmaß der Verkleinerung der Schilddrüse wird mit ihrer Größe vor der Behandlung verglichen.
Besteht sechs Monate später weiterhin eine Überfunktion und ist relevantes Schilddrüsengewebe vorhanden, empfiehlt die Leitlinie die Planung einer zweiten Radiojodtherapie.
Welche Alternative geeignet ist, richtet sich nach der zu behandelnden Erkrankung und dem Behandlungsziel.
| Verfahren | Für wen kommt es infrage? | Zeitlicher Rahmen | Vor- und Nachteile |
|---|---|---|---|
| Radiojodtherapie | Ausgewählte gutartige Erkrankungen sowie jodspeichernder Krebs | Wirkung bei gutartigen Erkrankungen meist nach etwa zwei bis drei Monaten | Gezielte Aufnahme in Schilddrüsenzellen; stationärer Aufenthalt und verzögerte Wirkung |
| Medikamente | Meist zur ersten Behandlung einer Überfunktion | Vor der Wahl einer dauerhaften Behandlung | Bremst zunächst die Hormonbildung; kann etwa bei Morbus Basedow unzureichend wirken |
| Schilddrüsenoperation | Eher bei Krebsverdacht oder Druck auf benachbarte Organe | Operativer Eingriff | Kann in diesen Situationen geeigneter sein; erfordert eine Operation |
Wie bereiten Sie sich auf die Radiojodtherapie vor?
Vor der Behandlung hilft ein Radiojodtest dabei, die passende Dosis zu berechnen.
Für die Vorbereitung sind folgende Punkte relevant:
- Jodarme Ernährung: Bei gutartigen Erkrankungen empfiehlt die Leitlinie über zwei Wochen eine Ernährung ohne zusätzliches Jodsalz und Seefisch.
- Kontrastmittel: Vor einer Radiojodtherapie wegen einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung sollte nach jodhaltigem Röntgenkontrastmittel nach Möglichkeit ein Abstand von zumindest zwei Monaten eingehalten werden.
- Schwangerschaft: Vor der Radiojodtherapie muss sie ausgeschlossen werden.
- Persönliche Sachen: Klären Sie vorab, was Sie auf die nuklearmedizinische Station mitnehmen dürfen.
Manche Gegenstände dürfen nach der Durchführung der Radiojodtherapie nicht sofort wieder mit nach Hause genommen werden. Welche Regelungen gelten, erfahren Sie vor der stationären Aufnahme im Klinikum.
Wie wird die Radiojodtherapie durchgeführt?
Das Präparat wird in fester Form geschluckt oder in Wasser gelöst verabreicht. Wegen des Strahlenschutzes findet die Radiojodtherapie in Deutschland stationär statt.
Der typische Ablauf umfasst folgende Schritte:
- Mit der Einnahme der Kapsel oder der Flüssigkeit beginnt die Behandlung mit der berechneten Menge.
- Sie bleiben einige Tage auf der abgeschirmten Therapiestation.
- Während des stationären Aufenthaltes ist Besuch in der Regel nicht möglich.
- Vor der Entlassung misst das Personal, wie viel Strahlung noch vom Körper ausgeht.
- Sie dürfen die Station verlassen, sobald die Radioaktivität den vorgeschriebenen Grenzwert unterschreitet.
In den ersten 24 Stunden nach der Verabreichung sollten Sie ausreichend trinken und die Blase regelmäßig entleeren. Dadurch lässt sich die Strahlenbelastung der Blase verringern.
Welche Risiken bestehen?
Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören vorübergehende Beschwerden im Hals- und Kopfbereich. Dazu zählen eine Halsschwellung, Halsschmerzen, trockene Augen und Geschmacksstörungen.
Bei Morbus Basedow können Augenprobleme neu entstehen oder zunehmen. Die Leitlinie nennt rund 5 % mit Glukokortikoiden und bei zusätzlichen Risikofaktoren bis zu rund 15 % ohne diese Medikamente. Augenbeschwerden können auch unabhängig von der Radiojodtherapie auftreten.
Schwerwiegende Komplikationen wie Herzbeschwerden sind sehr selten. Bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs können Schäden an den Speicheldrüsen eine Mundtrockenheit verursachen.
Nach einer Radiojodtherapie gegen Schilddrüsenkrebs ist das Risiko einer späteren zweiten Krebserkrankung geringfügig erhöht.
Worauf sollten Sie nach der Behandlung achten?
Nach der Entlassung kann es ratsam sein, für einige weitere Tage engen Körperkontakt mit Kindern, Schwangeren und Stillenden zu vermeiden. Die genaue Dauer richtet sich nach der persönlichen Situation.
Frauen und Männer sollen nach einer Radiojodtherapie gutartiger Schilddrüsenknoten für mindestens ein halbes Jahr verhüten.
Zur Nachsorge werden die Schilddrüsenwerte und das Organ regelmäßig kontrolliert. Dabei lässt sich beurteilen, ob die Behandlung ausreichend gewirkt hat oder eine weitere Therapie notwendig ist.
Was übernimmt die Krankenversicherung?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die stationäre Radiojodtherapie, wenn sie medizinisch notwendig und ausreichend ist.
Gesetzlich Versicherte zahlen bei einem Krankenhausaufenthalt 10 Euro je Kalendertag, begrenzt auf 28 Tage pro Kalenderjahr. Diese Zuzahlung ist kein Selbstzahlerpreis für die Radiojodtherapie.
Bei einer privaten Krankenversicherung richtet sich die Erstattung nach dem jeweiligen Versicherungsvertrag.
Wer führt die Radiojodtherapie durch?
Die Behandlung gehört zum Fachgebiet der Nuklearmedizin. Ob sie gerechtfertigt ist, muss eine Ärztin oder ein Arzt mit Fachkunde in der Therapie mit offenen radioaktiven Stoffen entscheiden.
Eine Klinik für Nuklearmedizin kann die benötigte Jodmenge berechnen, den stationären Aufenthalt organisieren und die verbleibende Strahlung vor der Entlassung messen. Auch die vorgesehenen Kontrollen sollten vor Behandlungsbeginn feststehen.
Für das Erstgespräch eignen sich unter anderem diese Fragen:
- Warum kommt die Radiojodtherapie bei mir infrage?
- Wie wird die benötigte Jodmenge berechnet?
- Welche persönlichen Gegenstände darf ich mitbringen?
- Welche Nachkontrollen sind vorgesehen?
Spezialistinnen und Spezialisten für Radiojodtherapie finden Sie im Anschluss an diesen Text.
Häufige Fragen zur Radiojodtherapie
Ist eine Radiojodtherapie eine Strahlentherapie?
Ja, sie ist eine Bestrahlung von innen mit radioaktivem Jod. Die Substanz wird von der Schilddrüse aufgenommen und wirkt überwiegend im jodspeichernden Gewebe.
Wie lange bleibt man für die Radiojodtherapie im Krankenhaus?
In Deutschland bleiben Patientinnen und Patienten einige Tage stationär. Die Entlassung ist möglich, sobald die vom Körper ausgehende Strahlung einen festgelegten Grenzwert unterschreitet.
Wann ist mit einer Wirkung zu rechnen?
Bei gutartigen Erkrankungen setzt die Wirkung meist nach etwa zwei bis drei Monaten ein. Sie kann früher beginnen oder bis zu einem halben Jahr benötigen.
Wie fühlt man sich nach einer Radiojodtherapie?
Vorübergehend können eine Schwellung am Hals, Halsschmerzen, trockene Augen oder Geschmacksstörungen auftreten. Nach der Behandlung von Schilddrüsenkrebs kann eine Schädigung der Speicheldrüsen außerdem Mundtrockenheit verursachen.
Kann die Radiojodtherapie wiederholt werden?
Ja, eine weitere Behandlung kann bei jodspeicherndem, erneut aufgetretenem Schilddrüsenkrebs oder Metastasen infrage kommen. Besteht eine gutartige Überfunktion nach sechs Monaten fort und ist noch relevantes Gewebe vorhanden, empfiehlt die Leitlinie die Planung einer zweiten Behandlung.
Wann ist eine Operation eher geeignet?
Bei Krebsverdacht oder Beschwerden durch Druck auf benachbarte Organe spricht eher eine Operation für sich. Medulläre und anaplastische Schilddrüsenkarzinome lassen sich nicht mit Radiojod behandeln, weil sie kein Jod speichern.
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Mehr über den Fachautor →Quellen
- Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom). Krebsinformationsdienst des DKFZ
- Wann und wie werden Schilddrüsenknoten behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Basedow-Krankheit (Morbus Basedow): Operieren oder mit radioaktivem Jod behandeln (bestrahlen) lassen?. IQWiG
- Radioiodtherapie bei benignen Schilddrüsenerkrankungen. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, 2022
- Was erstattet die Krankenkasse?. Verbraucherzentrale
- Zuzahlungen zu Medikamenten oder Hilfsmitteln. Verbraucherzentrale
- Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?. IQWiG
- Basedow-Krankheit (Morbus Basedow). IQWiG
- Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen. Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, 2025
- Nuklearmedizin: Techniken und Anwendungsbeispiele. Krebsinformationsdienst des DKFZ
