Der unerfüllte Kinderwunsch oder wiederholte Fehlgeburten (habituellen Aborten) stellen für viele Frauen eine enorme psychische Belastung dar. Nicht selten liegt die Ursache in der Anatomie verborgen: Uterine-Malformationen (Fehlbildungen der Gebärmutter) sind angeborene Veränderungen, die oft erst im Rahmen einer Schwangerschaft oder bei der Abklärung von Infertilität entdeckt werden. Diese Congenital uterine anomalies entstehen während der Embryonalentwicklung, wenn sich die sogenannten Müller-Gänge nicht korrekt vereinen oder zurückbilden. Das Spektrum reicht von harmlosen Varianten bis hin zu komplexen Fehlbildungen, die eine Schwangerschaft erschweren.
Kurzübersicht:
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Entstehung und Ursachen: Die Müller-Gänge
Um uterine Fehlbildungen zu verstehen, lohnt ein Blick in die Embryologie. Die Gebärmutter (Uterus), die Eileiter und der obere Teil der Vagina entwickeln sich aus den zwei Müller-Gängen (Müllerian duct). Im Normalfall verschmelzen diese Röhren zu einem einzigen Hohlorgan. Findet diese Fusion nicht oder nur teilweise statt, entstehen Fehlbildungen der Gebärmutter. Man spricht in der Fachliteratur (z.B. Obstetrics & Gynecology) oft von "anomalies associated with Müllerian duct defects". Auch Fehlbildungen der Vagina können begleitend auftreten.
Klassifikation der uterinen Fehlbildungen
Die Einteilung und Klassifikation dieser Anomalien ist entscheidend für die Therapie. Internationale Gesellschaften wie die ESHRE (European Society of Human Reproduction and Embryology) oder ASRM haben Leitlinien zur Classification of uterine anomalies erstellt. Auch das VCUAM-System (Vagina Cervix Uterus Adnex – associated Malformation) wird genutzt.
Hier sind die wichtigsten uterine anomalies in women:
1. Uterus septus und Subseptus
Der Uterus septus ist die häufigste uterine Fehlbildung. Hierbei ist die Verschmelzung der Müller-Gänge zwar erfolgt, aber die trennende Wand (Septum) hat sich nicht aufgelöst.
- Uterus subseptus: Das Septum ragt nur teilweise in die Höhle.
- Uterus septus completus: Das Septum teilt die Höhle vollständig und reicht bis in die Zervix (Gebärmutterhals).
- Klinische Bedeutung: Da das Endometrium (Schleimhaut) auf dem Septum oft schlecht durchblutet ist, ist das Risiko für einen Abort erhöht. Ein septierter Uterus gilt als häufige Ursache für Infertility.
2. Uterus bicornis
Beim Uterus bicornis ist die Verschmelzung der Müller-Gänge im oberen Teil ausgeblieben. Die Gebärmutter besitzt zwei "Hörner" (Horn). Man unterscheidet oft zwischen Uterus bicornis partialis und Uterus bicornis unicollis (zwei Hörner, ein Gebärmutterhals). A bicornuate uterus stellt oft weniger ein Problem für die Empfängnis dar, erhöht aber das Risiko für Frühgeburten durch Platzmangel.
3. Uterus didelphys
Beim Uterus didelphys (doppelte Gebärmutter) fand gar keine Verschmelzung statt. Es liegen zwei separate Uterushöhlen, zwei Zervizes (Cervix) und oft auch eine doppelte Vagina vor.
4. Uterus unicornis
Hier hat sich nur ein Müller-Gang entwickelt. Es liegt ein Unicornuate uterus vor, oft mit nur einem Eileiter. Manchmal existiert auf der Gegenseite ein rudimentäre Horn, das Probleme bereiten kann, wenn sich dort eine Schwangerschaft einnistet (ektop).
5. Uterus arcuatus
Der Uterus arcuatus ist die mildeste Form. Der Fundus (Dach der Gebärmutter) ist leicht eingedellt. Er wird oft als Normvariante angesehen und hat meist keine negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft.

Von Uterus septus bis Uterus bicornis – angeborene Anomalien der Gebärmutter können vielfältig sein und erfordern eine präzise Diagnostik per Ultraschall oder MRT.
Diagnostik bei Uterinen Malformationen
Besteht bei einer Patientin der Verdacht auf eine uterine Fehlbildung, z.B. nach Fehlgeburten, ist eine präzise Diagnostik unerlässlich.
- Ultraschall (Ultrasound): Der 3D-Ultraschall ist heute der Goldstandard, um etwa einen septate uterus and dessen Ausdehnung zu beurteilen.
- Hysteroskopie & Laparoskopie: Die Gebärmutterspiegelung und Bauchspiegelung ermöglichen einen direkten Blick auf die Anomalien.
- MRT: Hilft bei komplexen Fehlbildungen des Female genital Trakts.
In medizinischen Nachschlagewerken wie dem DocCheck Flexikon oder Fachjournalen (Obstet Gynecol) wird betont, dass auch die Nieren untersucht werden sollten, da Nierenfehlbildungen häufig mit Mullerian anomalies vergesellschaftet sind (associated with renal anomalies).
Therapie: Wann muss operiert werden?
Nicht jede Malformation muss behandelt werden. Bei Patientinnen mit habituellen Aborten und einem nachgewiesenen Uterus septus ist die hysteroskopische Septumdissektion (Entfernung des Septums) jedoch Standard.
- Präoperative Planung ist essenziell.
- Das Ziel ist eine normale Uterushöhle, um die Einnistung zu erleichtern.
- Postoperativ kann eine Hormongabe erfolgen, um das Endometrium aufzubauen und Intrauterine adhesions (Verwachsungen) zu verhindern.
Bei einem Uterus unicornis oder Uterus didelphys ist eine operative Korrektur zur Vereinigung oft nicht möglich oder zu riskant. Hier steht die engmaschige Überwachung der Schwangerschaft im Vordergrund.
Fazit
Uterine-Malformationen sind komplex, aber dank moderner Medizin gut diagnostizierbar. Eine Congenital uterine malformation ist kein absolutes Hindernis für eine Schwangerschaft, erfordert aber spezialisierte Betreuung. Ob Uterus septus, Bicornis oder Arcuatus: Eine individuelle Beratung durch Spezialisten für Gynecology und Reproduktionsmedizin ist der Schlüssel zum Wunschkind.
FAQ: Häufige Fragen zu Uterinen Fehlbildungen
Was ist die häufigste uterine Fehlbildung?
Der Uterus septus (einschließlich Uterus subseptus) gilt als die häufigste Anomalie. Hierbei teilt eine Gewebewand die Gebärmutterhöhle. Studien zeigen, dass ein Uterine septum is oft mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten assoziiert.
Kann ich mit einem Uterus bicornis schwanger werden?
Ja, Frauen mit einem Uterus bicornis können oft problemlos schwanger werden. Allerdings ist das Risiko für eine Frühgeburt oder eine Beckenendlage des Kindes erhöht, da der Platz in einem Horn der Gebärmutter begrenzt ist.
Wie werden uterine Malformationen erkannt?
Meist zufällig bei Routineuntersuchungen oder gezielt bei Kinderwunsch. Der 3D-Ultraschall ist die wichtigste Methode der Diagnostik. Bei Unklarheiten hilft eine MRT oder eine diagnostische Laparoskopie.
Ist eine Operation immer notwendig?
Nein. Ein Uterus arcuatus benötigt fast nie eine Therapie. Ein Uterus septus wird jedoch oft operiert, wenn es zu Fehlgeburten kam. Bei komplexen Fehlbildungen wie dem Didelphic uterus wird meist nur interveniert, wenn Symptome (z.B. Menstruationsbeschwerden durch Abflussstörungen) auftreten.
Was ist der Unterschied zwischen Uterus unicornis und bicornis?
Beim Uterus bicornis sind zwei Hörner vorhanden, die unten verbunden sind. Beim Uterus unicornis ist nur eine Hälfte der Gebärmutter (ein Horn) angelegt; die andere fehlt oder ist verkümmert (rudimentäre Horn).
6. Gibt es einen Zusammenhang mit anderen Erkrankungen? Ja, Uterine malformations and Nierenfehlbildungen treten oft gemeinsam auf. Auch Septate uterus and endometriosis (Endometriose) können gemeinsam vorkommen. Zudem können Verwachsungen (Intrauterine adhesions) nach Entzündungen ähnliche Symptome wie angeborene Anomalien zeigen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
- Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)
- European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE)


