Medikamentensucht - Spezialisten und Informationen

21.07.2024
Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb
Autor des Fachartikels

Bei einer Medikamentensucht liegt eine sowohl körperliche als auch psychische Abhängigkeit von bestimmten Medikamenten vor, die oft schleichend entsteht. Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie ausgewählte Spezialisten für Medikamentensucht.

ICD-Codes für diese Krankheit: F13

Artikelübersicht

Bei welchen Mitteln kann eine Medikamentensucht auftreten?

Zu den Medikamenten, die am häufigsten abhängig machen gehören:

  • Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) wie Valium®, Tavor®, Tafil® und
  • Verschiedene Schmerzmittel wie Thomapyrin ®, Spalt®, Vivimed®

Diese Medikamente verschreibt der Arzt häufig zur Behandlung von Angstsymptomen, Schlafstörungen oder Schmerzen. Sie führen erst später zu einer Medikamentenabhängigkeit.

BenzodiazepineSchätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 1,1 Millionen Menschen abhängig von Benzodiazepinpräparaten @  luchschenF /AdobeStock

Wie entsteht eine Medikamentensucht?

Die Gründe, warum Patienten nicht von den Medikamenten loskommen sind:

  • Sie müssen die Dosis erhöhen, um den erwünschten Effekt zu erreichen
  • Es treten beim Absetzen Entzugssymptome auf, die Angstsymptome oder Schlafstörungen verschlechtern sich wieder

Daher ist es wichtig, diese Medikamente nur zeitlich begrenzt einzunehmen (max. 6 Wochen). Es sollten zur Behandlung von Ängsten, Schlafstörungen, Depressionen andere Medikamente zum Einsatz kommen, die nicht abhängig machen.

Beispiele sind:

  • Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Pflanzliche Stoffe

Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen

In Deutschland sind etwa 1,2 Millionen Menschen von Benzodiazepinen abhängig. Wenn eine Medikamentensucht nach Benzodiazepinen besteht, kann es bei Absetzen zu psychischen und körperlichen Entzugssymptomen kommen.

Diese sind von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt.

Wirkung von BenzodiazepineBenzodiazepine hemmen Nervenzellen im limbischen System, der Teil des Gehirns, der Emotionen wie Angst verarbeitet @ joshya /AdobeStock

Symptome des Entzugs von Benzodiazepinen

Psychische Entzugssymptome sind:

  • Angstzustände
  • Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Schlaflosigkeit und 
  • Depressive Verstimmung

Bei schweren Entzugssymptomen kann es auch zu einem Delir mit Verwirrtheit und psychotischem Erleben (z.B. Wahnerleben und Halluzinationen) kommen.

Körperliche Symptome sind:

Bei schweren Entzugssyndromen können auch epileptische Anfälle auftreten.

Mann im DelirEin Delir ist ein Zustand von akuter Verwirrtheit, das sich innerhalb von Stunden oder Tagen entwickelt @ New Africa /AdobeStock

Therapie der Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen

Es ist wichtig, Benzodiazepine in enger Absprache mit dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie langsam über Wochen abzusetzen.

So lassen sich Entzugssymptome verhindern oder zumindest erträglicher machen. Oft ist für die Behandlung der Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen eine stationäre Behandlung notwendig.