Wadenkrämpfe entstehen durch eine plötzliche, unwillkürliche Kontraktion der Muskulatur und können äußerst schmerzhaft sein. Bei einem Wadenkrampf verhärtet sich der betroffene Muskel in der Wade meist innerhalb weniger Sekunden. Besonders häufig treten nächtliche Wadenkrämpfe auf, doch auch beim Sport können sich Muskeln verkrampfen.
Die Ursache für Wadenkrämpfe ist nicht immer eindeutig und reicht von körperlicher Belastung bis zu bestimmten Erkrankungen oder Medikamenten. Auch Veränderungen im Elektrolythaushalt und bei Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium, Natrium oder Kalzium können eine Rolle spielen. Ein Magnesiummangel ist jedoch nicht automatisch die Ursache jedes Krampfs, weshalb die Einnahme von Magnesium nicht pauschal notwendig ist. Wer sehr häufig unter Wadenkrämpfen leidet oder zusätzliche Symptome bemerkt, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Definition: Was sind Wadenkrämpfe?
Bei einem Wadenkrampf zieht sich ein einzelner Muskel oder eine ganze Muskelgruppe der Waden plötzlich schmerzhaft zusammen und verkrampft. Anstatt sich gleich wieder zu entspannen, verhärten sich die betroffenen Wadenmuskeln spürbar. Sie verbleiben mehrere Sekunden bis Minuten in diesem starren, schmerzhaften Zustand, ehe sie sich meist von selbst wieder entkrampfen. Wadenkrämpfe sind zwar sehr schmerzhaft, aber in der Regel harmlos.
Prinzipiell lassen sich drei verschiedene Arten von Wadenkrämpfen unterscheiden:
- Gelegentliche Muskelkrämpfe, die unvermittelt und ohne erkennbare Ursache auftreten,
- Wadenkrämpfe, die durch einen gestörten Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt im Körper ausgelöst werden sowie
- Muskelkrämpfe, die auf eine andere Grunderkrankung hindeuten, die in jedem Fall behandelt werden sollte.
Häufigkeit von Wadenkrämpfen
Wadenkrämpfe sind keine Seltenheit. Etwa 40 Prozent der Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens hin und wieder darunter.
- Sportler,
- Frauen,
- Schwangere und
- Senioren
sind häufiger betroffen.
Besonders oft treten die schmerzhaften Muskelkrämpfe in den Sommermonaten sowie in einer Ruhephase während der Nacht auf.

Wadenkrämpfe treten oft nachts auf © Creative Cat Studio | AdobeStock
Ursachen für Wadenkrämpfe
Wadenkrämpfe entstehen meist ohne einen erkennbaren Grund. Lassen sich doch Ursachen für das Auftreten der Muskelkrämpfe erkennen, sind diese zumeist harmlos.
Einer der häufigsten Gründe für Wadenkrämpfe ist ein gestörter Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt im Körper. Dieser kann unter anderem durch
- Wassermangel,
- starkes Schwitzen,
- entwässernde Medikamente oder
- Abmagerungskuren
zustande kommen. Dem Körper gehen mit der Flüssigkeit auch wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium und Kochsalz verloren. Dadurch sind die Wadenmuskeln stärker für Krämpfe anfällig.
Vor allem ein Mangel an Magnesium wird häufig für Wadenkrämpfe verantwortlich gemacht. Magnesiummangel kann unter anderem durch Hormon- und Stoffwechselveränderungen während der Schwangerschaft ausgelöst werden. Auch Übermüdung und körperliche Überanstrengungen bei der Arbeit oder beim Sport können Wadenkrämpfe verursachen. Das ist etwa der Fall, wenn die untrainierten Muskeln zu stark beansprucht werden. Weitere mögliche Ursachen sind die Langzeiteinnahme bestimmter Medikamente sowie der Konsum von Tabak und Alkohol.
In seltenen Fällen können Wadenkrämpfe auch krankhafte Ursachen haben. Sie treten dann als Begleiterscheinung anderer Grunderkrankungen auf. Hierzu gehören insbesondere
- Gefäßerkrankungen wie Durchblutungsstörungen in den Beinen,
- Muskel- oder Nervenerkrankungen wie Nervenstörungen in den Muskelfasern sowie
- Stoffwechselstörungen wie Diabetes.
Symptome bei Wadenkrämpfen
Bei Wadenkrämpfen ziehen sich die Muskeln der Wade heftig zusammen. Das äußert sich als messerstichartiger Schmerz in der Wade und Verhärtung der Wadenmuskeln. Meist dauert es mehrere Sekunden bis Minuten, bis sich die betroffenen Wadenmuskeln von selbst wieder entspannen. Dann lässt auch der Schmerz nach.
Wadenkrämpfe treten in der Regel einseitig auf und entstehen plötzlich und ohne Vorwarnung. Vor allem in der nächtlichen Ruhephase kommen Muskelkrämpfe im Bereich der Waden sehr häufig und dann auch besonders intensiv vor. Diese nächtlichen Muskelkrämpfe können so stark sein, dass sie den gesamten Schlafrhythmus durcheinanderbringen.
Zwar lässt der akute Schmerz mit dem Entspannen der Muskeln wieder nach. Nach besonders starken Wadenkrämpfen können aber noch eine Zeit lang Muskelschmerzen und -verspannungen bestehen bleiben. Sie ähneln einem Muskelkater.
Diagnose von Wadenkrämpfen
Um abzuklären, wodurch die Krämpfe verursacht werden, erfragt der Arzt, in welchen Situationen die Muskelkrämpfe auftreten. Danach wird er den Betroffenen fragen,
- ob und welche Medikamente er derzeit einnimmt,
- welche Vorerkrankungen er hat und
- ob in seiner Familie neurologischen Erkrankungen oder Nervenschädigungen bekannt sind.
Nach diesem Anamnesegespräch können verschiedene körperliche Untersuchungen durchgeführt werden. Sie dienen der Identifizierung der genauen Ursache der Wadenkrämpfe. Sollten andere Erkrankungen die Ursache für die Wadenkrämpfe sein, müssen sie diagnostiziert und behandelt werden.
Hierzu gehören sowohl Blutuntersuchungen zur Bestimmung
- des Blutzuckers,
- der Schilddrüsenwerte,
- der Nierenwerte,
- der Leberwerte und
- der Elektrolyte (z.B. Magnesium).
Auch gezielte Nervenfunktionsprüfungen und bildgebende Verfahren können herangezogen werden.
Behandlung von Wadenkrämpfen
Erste Hilfe bei akuten Wadenkrämpfen
Akute Wadenkrämpfe lassen sich in der Regel durch vorsichtiges Dehnen des betroffenen Wadenmuskels schnell lösen. Dazu gibt es zwei hilfreiche Übungen:
- Umfassen Sie im Sitzen die Fußspitzen und zieht diese in Richtung Schienbein, während Sie langsam das Bein durchstrecken.
- Strecken Sie das betroffene Bein im Stehen nach hinten durch und drückt dabei die Ferse fest auf den Boden.
Helfen kann auch,
- die Wadenmuskulatur zu massieren oder
- die Wade mit sehr warmem Wasser abzubrausen, um den Muskel zu entspannen.
Medikamente gegen Wadenkrämpfe
Sind die Wadenkrämpfe auf einen Magnesiummangel zurückzuführen, können Magnesiumpräparate Abhilfe schaffen. Auch durch Chininpräparate können die Krämpfe gelindert werden. Diese weisen eine krampflösende und schnell eintretende Wirkung auf. Sie verhindern außerdem, dass starke Nervenimpulse des Gehirns auf den Wadenmuskel übertragen werden und dort schmerzhafte Wadenkrämpfe auslösen. Besprechen Sie die Einnahme von Medikamenten jedoch in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt.
Vorbeugung von Wadenkrämpfen
Werden Wadenkrämpfe durch eine Erkrankung verursacht, muss diese behandelt werden. Haben die Wadenkrämpfe keine krankhaften Ursachen, genügt es zur Vorbeugung, einige Verhaltensregeln zu beachten.
So bieten sich zur Vorbeugung von Wadenkrämpfen
- regelmäßige Dehnübungen der Unterschenkelmuskulatur,
- Wechselbäder zur Förderung der Durchblutung sowie
- maßvolle, aber regelmäßige Bewegung
an. Achten Sie außerdem auf eine ausgewogene und magnesiumreiche Ernährung. Dazu gehören beispielsweise Vollkornprodukte sowie reichlich Obst und Gemüse sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
Verzichten Sie dagegen auf
- Alkohol und Nikotin sowie
- Abführmittel und entwässernde Medikamente, die dem Körper wichtige Mineralien entziehen.
Wann zum Arzt?
Wer regelmäßig unter Muskelkrämpfen der Waden leidet, sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Es gilt dann, die Ursache abzuklären.
Ein Arztbesuch ist auch anzuraten, wenn die Wadenkrämpfe
- sich nicht durch eine Dehnung der Wadenmuskulatur lösen,
- extrem schmerzhaft sind und häufig minutenlang anhalten,
- immer bei bestimmten Bewegungen auftreten und im Ruhezustand nachlassen,
- nach einem längeren Aufenthalt in der Sonne und starkem Schwitzen auftreten
- oder nach der Einnahme von Medikamenten auftreten.
Und auch wenn die folgenden Punkte auf Sie zutreffen, ist ein Arztbesuch dringend angeraten:
- Sie leiden aufgrund der Wadenkrämpfe nachts unter Schlaflosigkeit und tagsüber unter Konzentrationsschwächen.
- Sie leiden unter Diabetes, Schilddrüsen- oder Lebererkrankungen.
- Sie haben Krampfadern.
- Sie trinken vermehrt Alkohol.
FAQ
Was ist die häufigste Ursache für Wadenkrämpfe?
Eine einzelne häufigste Ursache für Wadenkrämpfe lässt sich nicht immer feststellen. Wadenkrämpfe sind meist harmlos und können nach körperlicher Belastung, beim Sport oder ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Auch ältere Menschen leiden häufiger unter nächtlichen Wadenkrämpfen. Weitere mögliche Ursachen sind bestimmte Medikamente, Veränderungen im Mineralstoffhaushalt oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Treten Wadenkrämpfe häufig auf, sollte deshalb nicht automatisch von einem Magnesiummangel ausgegangen werden.
Was hilft sofort bei einem Krampf in der Wade?
Bei einem akuten Krampf hilft es häufig, den betroffenen Muskel vorsichtig zu dehnen. Dazu kann das Bein gestreckt und der Fuß beziehungsweise die Zehen in Richtung Körper gezogen werden. Im Stehen kann es helfen, die Ferse fest auf den Boden zu drücken und die Wadenmuskulatur langsam zu dehnen. Ein Wadenkrampf dauert oftmals nur Sekunden bis mehrere Minuten, auch wenn die Muskulatur anschließend noch schmerzhaft oder verhärtet sein kann.
Hilft Magnesium gegen Wadenkrämpfe?
Magnesium ist für die normale Muskelfunktion wichtig, aber wenig Magnesium ist nicht bei allen Betroffenen die Ursache für Wadenkrämpfe. Eine Einnahme von Magnesium ist deshalb nicht grundsätzlich bei jedem Wadenkrampf erforderlich. Ein erhöhter Bedarf an Magnesium kann in bestimmten Situationen bestehen, beispielsweise während der Schwangerschaft. Auch Durchfall und Erbrechen können den Elektrolyt- und Mineralstoffhaushalt beeinflussen. Bei wiederkehrenden Muskelkrämpfen sollte die mögliche Ursache ärztlich geklärt werden, bevor Mineralstoffe dauerhaft eingenommen werden.
Warum treten Wadenkrämpfe nachts auf?
Warum Wadenkrämpfe nachts auftreten, lässt sich nicht bei jedem Menschen eindeutig erklären. Nächtliche Wadenkrämpfe betreffen häufig die Wade, können aber auch den Fuß und die Zehen einbeziehen. Die unwillkürliche Kontraktion der Muskulatur führt dazu, dass sich ein Muskel oder eine Muskelgruppe plötzlich stark zusammenzieht. Regelmäßige passive Dehnübungen der Wadenmuskulatur können bei wiederkehrenden nächtlichen Wadenkrämpfen einen Versuch wert sein.
Wann sollte man mit Wadenkrämpfen zum Arzt?
Wer nur gelegentlich einen Wadenkrampf bekommt, muss dahinter nicht automatisch eine ernsthafte Erkrankung vermuten. Treten Wadenkrämpfe häufig, ungewöhnlich stark oder neu auf, sollten Betroffene sie jedoch ärztlich abklären lassen. Das gilt besonders, wenn weitere Symptome wie Muskelschwäche, Taubheitsgefühle oder andere neurologische Beschwerden auftreten. Der Arzt oder die Ärztin kann mögliche Ursachen und Medikamente prüfen und entscheiden, ob weitere Untersuchungen, beispielsweise aus dem Bereich der Neurologie, erforderlich sind.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
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