Gefäßerkrankungen: Ursachen, Diagnose, Symptome und Behandlung

05.12.2025
Prof. Dr. med. Susanne Regus
Medizinische Fachautorin

Gefäßerkrankungen umfassen Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße, die durch Verengungen, Verschlüsse, Ablagerungen oder entzündliche Veränderungen der Gefäßwände entstehen. Zu den häufigsten arteriellen Gefäßerkrankungen gehören die Arteriosklerose, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) und Durchblutungsstörungen der Halsschlagader oder Hauptschlagader. Venöse Erkrankungen umfassen Krampfadern, venöse Insuffizienz, Venenthrombosen und Embolien. Risikofaktoren sind unter anderem Diabetes mellitus, Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Übergewicht und Bewegungsmangel. Die Diagnostik erfolgt abhängig vom betroffenen Gefäß mittels Duplexsonografie, Funktionsdiagnostik oder bildgebenden Verfahren. Die Behandlung reicht von Lebensstiländerungen über Medikamente bis hin zu endovaskulären Eingriffen wie Stents, Ballonkathetern oder Operationen. Frühe Diagnosestellung und konsequente Therapie sind entscheidend, um Organschäden, Geschwüre oder lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden.

ICD-Codes für diese Krankheit: I77, I78

Kurzübersicht:

Gefäßerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Gefäßsystems und betreffen Arterien, Venen und Lymphgefäße. Je nach Art der Erkrankung kommt es zu Verengungen, Ablagerungen oder vollständigen Verschlüssen von Blutgefäßen, wodurch Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Besonders häufig treten arterielle Gefäßerkrankungen wie die Arteriosklerose oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) auf, während venöse Erkrankungen wie Varizen, Venenthrombosen oder chronische Venenschwäche ebenfalls weit verbreitet sind. Werden Gefäßerkrankungen nicht frühzeitig erkannt und behandelt, drohen schwere Durchblutungsstörungen, Embolien, Ulcus cruris oder sogar lebensbedrohliche Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Erkrankungen der kleinen Blutgefäße, etwa bei Diabetes oder entzündlich bedingten Gefäßschäden, spielen eine wichtige Rolle. Eine rechtzeitige Diagnostik und Therapie in der Angiologie oder Gefäßchirurgie verbessert Verlauf und Prognose deutlich. Ein gesunder Lebensstil und die Reduktion von Risikofaktoren tragen dazu bei, neuen Gefäßerkrankungen vorzubeugen.

Artikelübersicht

Die Ursache von Gefäßerkrankungen

Die schweren Symptome dieser Krankheiten werden vor allem durch Ablagerungen (Plaques) innerhalb der zu- und ablaufenden Systeme verursacht. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um

  • Blutfette
  • Cholesterin
  • Gerinnsel
  • Zucker
  • Kalk

Plaques bilden sich an der Gefäßwand nach dem Auftreten einer starken Entzündung. Diese kann jedoch durch unterschiedliche Dinge verursacht werden. Je nach befallener Region treten dabei unterschiedliche Gefäßerkrankungen auf.

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Links ein gesundes Gefäß, rechts ein durch Plaques verengtes Gefäß (hier am Beispiel einer Koronararterie)

Risikofaktoren für eine Gefäßerkrankung

Zahlreiche Risikofaktoren begünstigen die Bildung von Plaque und die Entwickelung einer Gefäßerkrankung. Aktuell gilt noch immer der übermäßige Konsum von fettreicher und cholesterinhaltiger Nahrung als einer der Hauptgründe für die Ablagerung von Blutfetten in den Gefäßwänden. Weiterhin steigern auch Übergewicht und hoher Blutdruck das Risiko auf eine Erkrankung.

Darüber sind vor allem Patienten mit erhöhten Blutzuckerspiegeln (Diabetiker) besonders gefährdet, eine Gefäßerkrankung zu entwickeln. Dies gilt ebenso für Raucher und Menschen mit übermäßigem Alkoholgenuss.

Formen von Gefäßerkrankungen

Die unterschiedlichen Formen dieser Krankheiten werden hauptsächlich in zwei Kategorien unterteilt. Dabei handelt es sich um

  • Erkrankungen des zuführenden Systems (Schlagadern) und
  • Krankheiten des ableitenden Systems (Venen und Lymphgefäße).

Daraus werden schließlich die drei Hauptformen von Gefäßerkrankungen abgeleitet: Diese können entweder die Arterien, die Venen oder das Lymphsystem betreffen.

Bei einer arteriellen Gefäßerkrankung handelt es sich meist um die sogenannte Arteriosklerose. Diese zeichnet sich durch die Bildung von Engstellen und Verschlüssen innerhalb der Arterien ab.

Die venösen Gefäßerkrankungen hingegen umfassen neben dem sogenannten Krampfaderleiden ebenfalls die venöse Insuffizienz und die Venenthrombose.

Im Bereich der Erkrankungen der Lymphsysteme unterscheidet man hauptsächlich ein primäres sowie ein sekundäres Lymphödem. Dabei handelt es sich um sicht- sowie tastbare Flüssigkeitsansammlungen, die nicht mehr abtransportiert werden können.

Krampfadern
Krampfadern © zlikovec / Fotolia

Die Behandlung der Krankheit

Zahlreiche Gefäßerkrankungen lassen sich auch ohne einen operativen Eingriff erfolgreich behandeln. Das für die Therapie eingesetzte Mittel ist jedoch stark vom aktuellen Stadium der Erkrankung abhängig. Arterielle Durchblutungsstörungen werden in der Regel mit Medikamenten therapiert, die die Gefäße erweitern. Dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes und die Versorgung des Gewebes kann sich verbessern. Zusätzlich kann neben dem Ballonkatheter-Verfahren auch eine Operation notwendig werden (Bypassanlage).

Eine medizinische Behandlung der unterschiedlichen Erkrankungen ist in jedem Fall notwendig, da sich die jeweiligen Systeme im Zuge der Plaquebildung auch vollständig verschließen können. Tritt diese Situation ein, entstehen an den betroffenen Organen und Gewebezellen meist dauerhafte Schäden, unter anderem beim Herzinfarkt oder dem Schlaganfall.

Bei venösen Problemen kann eine Versorgung mit Kompressionsstrümpfen oder die Blutverdünnung (z.B. Marcumar®) notwendig sein. Teilweise wird eine Verödungsbehandlung erfolgreich eingesetzt, um Beschwerden in einem frühen Stadium der Erkrankung zu lindern. Bei starken Schwellungen und Ödemen ist jedoch meist ein operativer Eingriff notwendig.

Dabei werden Krampfadern entfernt, entweder durch Anwendung von Hitze, welche über einen Katheter von innen abgegeben wird und zu einer Verklebung der Venenwand führt. Diese Vorgehen erfolgen ohne Hautschnitt (minimal-invasiv), die Katheter werden durch die Haut eingestochen. Zunächst in den USA eingeführt, werden diese endovenösen (von der Veneninnenwand aus) Verfahren seit 1998 zunehmend auch in Europa durchgeführt. Althergebrachte Verfahren sind die Entfernung von Krampfadern über einen Hautschnitt in der Leiste oder Kniekehle sowie am Unterschenkel.

Die richtige Vorbeugung von Gefäßerkrankungen

In den meisten Fällen kann Gefäßerkrankungen jedoch effektiv vorgebeugt werden. Ohne eine zusätzliche Steigerung des Risikos treten diese Krankheiten nur sehr selten auf. Durch die Vermeidung von Risikofaktoren können Sie Ihr Erkrankungsrisiko deutlich senken.

Gefährdete Personen sollten daher auf den Konsum von Zigaretten und Alkohol vollständig verzichten. Darüber hinaus ist vor allem eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung von entscheidender Bedeutung. Weiterhin sollten Sie Stresssituationen so weit wie möglich aus dem Weg gehen, um das Erkrankungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

Bei Erkrankungen der Venen wird in Risikosituationen (lange Flug- oder Autoreise) das Tragen von Kompressionsstrümpfen empfohlen.

FAQ zu Gefäßerkrankungen

Was sind Gefäßerkrankungen und welche Krankheitsbilder gehören dazu?
Gefäßerkrankungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Gefäße und betreffen Arterien und Venen sowie Kapillaren und das lymphatische System. Dazu gehören unter anderem die periphere arterielle Verschlusskrankheit, venenerkrankungen wie Krampfadern, Besenreiser oder die tiefe Venenthrombose sowie entzündliche Krankheitsbilder wie Vaskulitis, Angiopathie und diabetische Retinopathie.

Wie erkenne ich Gefäßerkrankungen und warum ist frühzeitige Diagnostik so wichtig?
Hinweise können geschwollene Beine, Schmerzen beim Gehen (Schaufensterkrankheit), Hautveränderungen oder Stauungsbeschwerden durch den Rückfluss des Blutes sein. Gefäßerkrankungen frühzeitig zu erkennen ist wichtig, weil unbehandelte Gefäßverengungen, Stenosen oder ein Totalverschluss schwerwiegende Folgen für Gewebe und Organe haben können.

Wie entstehen Gefäßerkrankungen und welche Rolle spielen Ablagerungen in den Gefäßwänden?
Viele Gefäßerkrankungen entstehen aufgrund von Ablagerungen an den Gefäßwänden, etwa durch Atherosklerose als Folge einer Arteriosklerose. Solche krankhaften Veränderungen verengen den Gefäßdurchmesser, beeinträchtigen den Blutfluss und können unterschiedlichste Verschlusskrankheiten auslösen.

Welche Beschwerden treten bei arteriellen und venösen Gefäßerkrankungen auf?
Arterielle Erkrankungen führen häufig zu Schmerzen bei Belastung, typischerweise zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Venöse Erkrankungen verursachen eher geschwollene, schwere Beine, sichtbare Venenveränderungen und Beschwerden, die bei langem Sitzen oder Stehen zunehmen. Eine tiefe Venenthrombose kann gefährlich werden, wenn sich ein Blutgerinnsel löst.

Wodurch entstehen Gefäßverengungen, Stenosen oder eine krankhafte Aufweitung?
Gefäßverengungen (Stenosen) entstehen oft durch Ablagerungen, entzündliche Prozesse oder Bindegewebsschwäche. Auch eine krankhafte Aufweitung von Gefäßen ist möglich, etwa bei einem Aneurysma. Beide Veränderungen beeinträchtigen das Gefäßsystem und müssen medizinisch erkannt und behandelt werden.

Welche Rolle spielen Diabetes, entzündliche Erkrankungen oder lymphatische Störungen?
Diabetische Angiopathien können kleine Gefäße schädigen und den Blutfluss vermindern. Entzündliche Gefäßerkrankungen wie Vaskulitis betreffen die Gefäßwände direkt und können den Blutstrom in arteriellen und venösen Gefäßen beeinträchtigen. Lymphatische Erkrankungen führen zu Flüssigkeitsstauungen, weil Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und Lymphe nicht richtig abtransportiert wird.

Wie werden Gefäßerkrankungen diagnostiziert und behandelt?
Die Diagnosestellung erfolgt je nach Krankheitsbild durch Anamnese, körperliche Untersuchung, Duplexsonografie, bildgebende Verfahren und Funktionsmessungen. Die Behandlung reicht von Medikamenten und Kompression über minimal-invasive Verfahren bis hin zu operativen Eingriffen, um Gefäßverengungen zu beseitigen und den Blutfluss zu verbessern.

Quellen

Kompaktwissen Gefäßchirurgie: Differenzierte Diagnostik und Therapie, Bernd Luther (Hrsg.), Springer, 2. Aufl. 2010.
Operative und interventionelle Gefäßmedizin, Eike Sebastian Debus & Walter Gross-Fengels (Hrsg.), Springer, 2012.

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