Leading Medicine Guide Logo

Priapismus – Dauererektion und Behandlung beim urologischen Notfall

20.05.2026
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Der Priapismus ist eine seltene, aber ernstzunehmende Dauererektion des Penis, die unabhängig von sexueller Erregung auftritt. Charakteristisch für den Priapismus ist eine schmerzhafte Erektion, die länger als zwei Stunden anhält und häufig medizinisch behandelt werden muss. Ursache ist meist eine Störung des Blutabfluss aus den Schwellkörper beziehungsweise den Corpora cavernosa.

Besonders der ischämischer Priapismus beziehungsweise Low-Flow-Priapismus stellt einen urologischen Notfall dar. Ohne sofortige Behandlung kann dauerhaft eine erektile Dysfunktion entstehen. Neben Bluterkrankungen wie Sichelzellanämie oder Leukämie können auch Psychopharmaka, SKAT-Injektion oder Verletzungen einen Priapismus auslösen. Die Therapie des Priapismus reicht von Kühlung und Punktion bis hin zu Aspiration, operativem Shunt oder arteriellen Verfahren wie Embolisation.

ICD-Codes für diese Krankheit: N48.3

Kurzübersicht:

Priapismus bezeichnet eine schmerzhafte Dauererektion des Penis ohne sexuelle Erregung. Beim ischämischen Priapismus kommt es zu gestörtem Blutabfluss aus den Penisschwellkörpern. Der Low-Flow-Typ gilt als urologischen Notfall und benötigt sofortige Behandlung. High-Flow-Priapismus beziehungsweise nicht-ischämischer Priapismus verläuft meist weniger schmerzhaft und wird häufig konservative Therapie behandelt.

Artikelübersicht

Formen des Priapismus

Es werden zwei Formen der Störung unterschieden: der Low-Flow-Priapismus und der High-Flow-Priapismus.

Low-Flow-Priapismus

Bei dieser Form der Dauererektion verhärtet sich der Penis sehr stark und die Eichel nimmt eine fahle bläuliche Farbe an. Das Blut kann nicht aus den Schwellkörpern abfließen, da diese blockiert sind. Dadurch verbleibt das Blut im Gewebe und belastet die Schwellkörper.

Hierbei können unangenehme Schmerzen entstehen und der Sauerstoffgehalt im Blut abnehmen. Dies kann eine Veränderung des Gewebes des Schwellkörpers nach sich ziehen, was einen Potenzverlust zur Folge haben kann. In etwa 90 Prozent aller Fälle liegt diese Form der Dauererektion vor.

Etruskische Statue des Priapus
Eine etruskische Statue des Priapus

High-Flow-Priapismus

In etwa 10 Prozent aller Fälle liegt High-Flow-Priapismus vor. Dieser wird meist durch Verletzungen im Damm- oder Genitalbereich verursacht. Dabei strömt unkontrolliert sehr viel Blut über die Arterien in die Schwellkörper des Penis. Dieser ist dadurch im Gegensatz zum Low-Flow-Priapismus eher elastisch und pulsiert.

Die Erektion ist nur wenig oder gar nicht schmerzhaft. Da das Blut ungehindert abfließen kann, verändert sich der Sauerstoffgehalt im Blut nicht, weswegen die Gefahr des Potenzverlustes bei dieser Form der Dauererektion sehr viel geringer ist.

Mischformen des Priapismus

Neben High- und Low-Flow-Priapismus kann es auch zu Mischformen kommen. Diese treten häufig als Folge einer Behandlung von Impotenz mittels Medikamenten auf.

Ursachen für die Dauererektion

Eine Dauererektion kann viele Ursachen haben. Häufig bleiben diese ungeklärt. Zu den Faktoren, die eine Dauererektion auslösen können, zählen:

  • urologische Erkrankungen (zum Beispiel Entzündungen am Penis, Peniskrebs)
  • Erkrankungen des blutbildenden Systems (zum Beispiel Leukämie)
  • Dialyse (Blutwäsche)
  • Diabetes
  • neurologische Erkrankungen (zum Beispiel Entzündungen oder Hirntumore)
  • Gefäßerkrankungen (zum Beispiel Blutgerinnungsstörungen)
  • Medikamente (zum Beispiel Psychopharmaka oder Blutdruckmittel)
  • Drogen- und Alkoholkonsum
  • Verletzungen im Damm- und Penisbereich
  • Komplikationen bei der Behandlung von Impotenz

Diagnose

Besteht die Dauererektion länger als zwei Stunden, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Dieser erfragt zunächst die Vorgeschichte des Patienten. Dazu gehört beispielsweise, ob der Betroffene bereits zuvor eine Dauererektion hatte, an bestimmten Krankheiten leidet oder Medikamente einnimmt.

Außerdem wird der Arzt den Penis äußerlich begutachten und eventuell den Damm- und Genitalbereich auf Verletzungen untersuchen. Darüber hinaus kann er Blut aus den Schwellkörpern des Penis entnehmen, um dieses einer Blutgasanalyse zu unterziehen. Diese ermöglicht die Unterscheidung zwischen einem Low- oder High-Flow-Priapismus.

Handelt es sich um einen Low-Flow-Priapismus, hat das Blut eine dunkle Färbung und einen niedrigen pH-Wert. Leidet der Betroffene unter High-Flow-Priapismus, ist das Blut hellrot gefärbt und weist einen nahezu normalen pH-Wert auf.

Zusätzlich kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Dabei werden Zufluss und Abfluss des Blutes in die Schwellkörper begutachtet. Beim Low-Flow-Priapismus ist kaum ein Abfließen des Blutes erkennbar.

Behandlung des Low-Flow-Priapismus

Die Behandlung der Dauererektion sollte spätestens vier bis sechs Stunden nach Eintreten der Versteifung stattfinden, um Folgeschäden zu vermeiden.

Handelt es sich um einen Low-Flow-Priapismus, sorgt die Therapie dafür, dass das Blut wieder aus den Schwellkörpern abfließen kann. Dafür wird das gestaute Blut abgesaugt, indem der Penis mit einer Spritze punktiert wird. Zusätzlich werden die Schwellkörper mit einer Kochsalzlösung gespült. Darüber hinaus kann der Arzt auch eine Substanz in den Penis spritzen, die dafür sorgt, dass die Muskeln sich kontrahieren und das Blut wieder abfließen kann.

Wenn diese Behandlungsmethoden nicht zum gewünschten Ergebnis führen, muss der Penis des Betroffenen operiert werden. Bei der Operation wird ein sogenannter Shunt zwischen die blutgefüllten Schwellkörper und die Eichel gelegt. Bei dem Shunt handelt es sich um eine Kurzschlussverbindung, die dafür sorgt, dass das Blut wieder aus dem Penis abfließen kann.

Behandlung des High-Flow-Priapismus

Die Dauererektion beim High-Flow-Priapismus lässt meist wieder von alleine nach.

In den seltenen Fällen, in denen dies nicht geschieht, kann der Arzt eine Angiografie durchführen. Auf dieser kann er nach Gabe eines Kontrastmittels die Blutgefäße des Betroffenen erkennen. Anschließend wird das beschädigte Gefäß mittels Embolisation (künstlicher Gefäßverschluss) verschlossen. Allerdings kann diese Methode selbst zu einer erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung) führen.

Eine weitere Möglichkeit sind Medikamente, die zum Abschwellen der Dauererektion beitragen.

FAQ

Was ist ein Priapismus?
Ein Priapismus ist eine schmerzhafte Dauererektion des Penis, die ohne sexuelle Erregung entsteht. Die Erektion hält mindestens zwei Stunden oder länger an und betrifft meist die Schwellkörper beziehungsweise das Corpus cavernosum. Priapismus ist ein Notfall und sollte schnell ärztlich behandelt werden.

Welche Formen des Priapismus gibt es?
Man unterscheidet den ischämischen Priapismus als Low-Flow-Typ und den High-Flow-Priapismus. Beim ischämischen Priapismus ist der venösen Blutabfluss gestört, wodurch Blut aus den Schwellkörpern nicht mehr abfließen kann. Der arterielle beziehungsweise nicht-ischämischer Priapismus entsteht dagegen oft durch Verletzungen einer Arterie.

Welche Ursachen kann ein Priapismus haben?
Zu den Ursachen eines Priapismus zählen Sichelzellanämie, Leukämie, Bluterkrankungen sowie bestimmte Medikamente oder Psychopharmaka. Auch Injektion zur Behandlung von Erektionsstörungen, SKAT-Therapie oder Verletzungen können Priapismus auslösen. In manchen Fällen bleibt die genaue Ursache unklar.

Wie wird ein Priapismus behandelt?
Die Behandlung von Priapismus richtet sich nach Typ und Dauer der Beschwerden. Beim ischämischen Priapismus erfolgt häufig eine Aspiration oder Punktion mit Kochsalzlösung und Medikamenten wie Adrenalin. Falls konservative Therapie nicht hilft, kann operativ ein Shunt angelegt oder eine Embolisation durchgeführt werden.

Warum ist Priapismus ein medizinischer Notfall?
Wenn eine schmerzhafte Dauererektion länger als zwei Stunden anhält, kann das Gewebe der Schwellkörper geschädigt werden. Ohne sofortige Behandlung drohen dauerhaft Erektionsstörungen beziehungsweise erektilen Dysfunktion. Deshalb stellt Priapismus einen urologischen Notfall dar.

Medizinisches Spektrum

Spezialisierungen

Empfohlene Priapismus-Spezialisten