Zystozele (Blasensenkung): Ursachen, Symptome und Therapie

29.10.2025
Prof. Dr. med. Christl Reisenauer
Medizinische Fachautorin

Eine Zystozele, auch Blasensenkung oder Vorfall der Harnblase genannt, entsteht, wenn sich die Harnblase nach unten in Richtung der Vagina verlagert. Ursache ist meist eine Schwächung des Beckenbodens, die durch Schwangerschaften, Geburten, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren oder eine angeborene Bindegewebsschwäche begünstigt wird. Infolge der Senkung kann die Harnblase nicht mehr in ihrer normalen Position gehalten werden, was Beschwerden beim Wasserlassen, ein Fremdkörpergefühl in der Scheide oder Harninkontinenz verursachen kann.

Die Zystozele zählt zu den häufigsten Formen des sogenannten Beckenorganprolaps und betrifft vor allem Frauen. Je nach Schweregrad reicht das Spektrum von leichten Senkungen ohne Symptome bis hin zu einer ausgeprägten Vorwölbung der Vaginalwand, die den Alltag deutlich beeinträchtigt. Dank moderner Diagnostik und individueller Behandlungsmöglichkeiten – von gezielten Beckenbodenübungen bis zur Zystozele-Operation – lässt sich eine Blasensenkung heute sehr gut therapieren.

ICD-Codes für diese Krankheit: N81.1

Kurzübersicht:

Eine Zystozele ist eine Blasensenkung, bei der sich die Harnblase in Richtung der Vagina absenkt. Häufig entsteht sie durch eine Schwächung des Beckenbodens nach Geburten oder während der Wechseljahre. Typische Symptome sind ein Druckgefühl, häufiger Harndrang und Harninkontinenz. Leichte Formen lassen sich mit Beckenbodenübungen behandeln, schwere Fälle erfordern meist eine Operation.

Artikelübersicht

Wie entsteht eine Zystozele (Blasensenkung)?

Eine Zystozele entsteht, wenn die Harnblase nicht mehr ausreichend von der Beckenbodenmuskulatur und dem umgebenden Bindegewebe gestützt wird. Dadurch verlagert sich die Blase nach unten in Richtung der Vagina und wölbt sich teilweise in die vordere Vaginalwand vor. Diese Absenkung – auch Blasenvorfall genannt – ist die häufigste Form eines Beckenorganprolaps bei Frauen.

Die Ursachen sind vielfältig. Häufig führt eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur durch Geburten, Überdehnung während der Schwangerschaft oder Geburtsverletzungen dazu, dass die Blase und die Scheidenwand ihre stabile Position verlieren. Besonders nach mehreren Entbindungen oder bei kurzen Abständen zwischen den Schwangerschaften kann sich das Stützgewebe nicht vollständig regenerieren.

Auch eine angeborene Bindegewebsschwäche kann das Risiko für eine Zystozele erhöhen. Das Gewebe, das normalerweise die Beckenorgane an ihrem Platz hält, ist dann zu elastisch, um der Harnblase dauerhaft Halt zu geben. In solchen Fällen kann eine Zystozele sogar in jungen Jahren auftreten.

Mit zunehmendem Alter und hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre nimmt die Elastizität des Gewebes weiter ab. Der sinkende Östrogenspiegel schwächt die Vaginalwände und das Stützgewebe um die Blase, wodurch die Blase leichter absinken kann.

Weitere begünstigende Faktoren sind Übergewicht, chronischer Husten (z. B. bei COPD oder Rauchen), Verstopfung, permanentes Heben schwerer Lasten oder langjähriges Arbeiten im Stehen. All diese Belastungen erhöhen den Druck im Bauchraum und können die Senkung der Blase beschleunigen.

In seltenen Fällen verursacht eine Zystozele sogar einen Knick in der Harnröhre oder den Harnleitern, was zu Harnverhalt, unvollständiger Blasenentleerung und langfristig zu Nierenschäden führen kann. Wird die Blase nicht vollständig entleert, steigt zudem das Risiko für Blasenentzündungen und Harninkontinenz.

Eine ausgeprägte Zystozele kann mit anderen Formen des Beckenorganprolaps kombiniert sein, etwa einer Rektozele (Senkung des Enddarms) oder einer Uterusdeszensus (Gebärmuttersenkung). In solchen Fällen sprechen Fachärzte von einem kombinierten Prolaps der Beckenorgane, der eine umfassende gynäkologische Untersuchung und individuelle Behandlungsmöglichkeiten erfordert.

Blasensenkung
Bei einer Blasensenkung (Zystozele) verlagert sich die Harnblase nach unten © bilderzwerg | AdobeStock

Welche Symptome treten bei einer Zystozele auf?

Eine Zystozele kann sich anfangs kaum bemerkbar machen. Viele Patientinnen bemerken die Blasensenkung erst, wenn sich ein Fremdkörpergefühl in der Scheide oder ein Druck im Unterbauch einstellt. Typisch ist das Gefühl, als würde „etwas nach unten ziehen“ oder in der Vagina vorwölben.

Im weiteren Verlauf treten häufig Probleme beim Wasserlassen auf. Betroffene klagen über Harnverhalt, häufigen Harndrang, Urinverlust oder ein Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung. Auch wiederkehrende Blasenentzündungen können auf eine Zystozele hinweisen.

Viele Frauen leiden zusätzlich unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) oder einem Völlegefühl im Beckenbereich. Bei ausgeprägten Formen ist die Vorwölbung der Vaginalwand teilweise sichtbar.

Bleibt die Zystozele unbehandelt, kann sich das Symptombild verschlimmern – bis hin zu einer Störung des Harnflusses oder einem Knick der Harnröhre, was das Risiko für Komplikationen erhöht.

Wie wird eine Zystozele diagnostiziert?

Die Diagnose einer Zystozele erfolgt in der Regel durch eine gynäkologische Untersuchung. Bereits das Patientengespräch liefert erste Hinweise, etwa zu Beschwerden beim Wasserlassen, Harninkontinenz oder einem Fremdkörpergefühl in der Vagina.

Bei der Untersuchung beurteilt der Arzt die Scheidenwand, die vordere Vaginalwand und die Harnblase, um das Ausmaß der Blasensenkung festzustellen. Mithilfe einer Uroflowmetrie kann die Funktion der Blase überprüft werden – dabei misst man den Harnfluss, um einen möglichen Harnverhalt zu erkennen.

Ergänzend erfolgt meist eine Ultraschalluntersuchung der Beckenorgane. Sie zeigt, ob die Blase vollständig entleert wird und ob andere Organe, wie Gebärmutter oder Enddarm, mit betroffen sind. In Einzelfällen wird zur genaueren Beurteilung eine Blasenspiegelung durchgeführt.

Wie wird eine Zystozele behandelt?

Die Behandlung einer Zystozele richtet sich nach dem Schweregrad der Blasensenkung und den individuellen Beschwerden. In leichten Fällen helfen meist nicht-chirurgische Maßnahmen wie gezielte Beckenbodenübungen, um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und die Blase an ihrem Platz zu halten. Regelmäßiges Training kann die Symptome lindern und eine Operation häufig vermeiden.

Wenn hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren die Ursache sind, kann eine lokale Östrogentherapie mit Cremes oder Vaginalzäpfchen das Bindegewebe kräftigen. Alternativ stabilisiert ein Pessar, das in die Vagina eingeführt wird, die Blase und die vordere Vaginalwand. Es wird vom Arzt angepasst und regelmäßig kontrolliert.

Bei einer stark ausgeprägten Zystozele oder wenn konservative Methoden nicht ausreichen, ist eine Zystozele-Operation erforderlich. Der chirurgische Eingriff erfolgt meist vaginal unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie. Dabei wird das Stützgewebe um die Blase gestrafft oder verstärkt, um die Blase wieder in ihre normale Position zu bringen. In seltenen Fällen wird körpereigenes oder künstliches Material eingesetzt, um die Blase an Ort und Stelle zu fixieren.

Nach der Operation sollte körperliche Belastung für mehrere Wochen vermieden werden. Eine anschließende Physiotherapie mit Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur unterstützt die Heilung und beugt einem Rückfall vor.

Verlauf, Komplikationen und Nachsorge

Der Verlauf einer Zystozele hängt stark vom Schweregrad und der gewählten Behandlung ab. In frühen Stadien kann regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur eine weitere Senkung der Blase verhindern. Bleibt die Erkrankung jedoch unbehandelt, kann sich die Blasensenkung mit der Zeit verschlimmern.

Zu den möglichen Komplikationen einer Zystozele zählen Harninkontinenz, Harnverhalt, Urinverlust oder wiederkehrende Blasenentzündungen, weil sich die Blase nicht vollständig entleeren lässt. In seltenen Fällen kann eine ausgeprägte Zystozele einen Knick in den Harnleitern verursachen und langfristig sogar zu Nierenschäden führen.

Nach einer Zystozele-Operation ist eine konsequente Nachsorge wichtig. Schonende Bewegung, Vermeidung von schwerem Heben und regelmäßige Beckenbodenübungen unterstützen den Heilungsprozess. Ärztlich begleitete Kontrollen stellen sicher, dass die Blase in ihrer normalen Position bleibt und keine erneute Vorwölbung der Vaginalwand entsteht.

FAQ Häufige Fragen zur Zystozele (Blasensenkung)

Ist eine Zystozele gefährlich oder kann sie schwerwiegend verlaufen?

In den meisten Fällen ist eine Zystozele gut behandelbar. Wird sie jedoch über längere Zeit nicht erkannt, kann sich die Schwere der Zystozele erhöhen. In seltenen Fällen kann eine Zystozele so ausgeprägt sein, dass die Blase in die Vagina absinkt und sich die Vagina ganz oder teilweise verengt. Dadurch wird es schwieriger, die Blase zu entleeren, und es können Harnstau oder Nierenschäden entstehen. Daher sollte eine Zystozele immer ärztlich abgeklärt werden.

Wie wird der Grad der Zystozele bestimmt?

Ärzte unterscheiden meist drei Grade der Zystozele:
Bei Grad 1 ist die Blasensenkung nur gering ausgeprägt und verursacht kaum Beschwerden. Bei Grad 2 senkt sich die Blase teilweise in die Vagina ab, während bei Grad 3 ein deutlicher Vorfall sichtbar sein kann. Der Schweregrad wird durch eine gynäkologische Untersuchung oder Bildgebung ermittelt, um die passende Behandlung festzulegen.

Wann ist eine Operation bei einer Zystozele notwendig?

Eine Operation wird empfohlen, wenn nicht-chirurgische Maßnahmen wie Beckenbodenübungen oder ein Pessar keine ausreichende Besserung bringen. Bei ausgeprägten Fällen wird die Blase wieder in ihre normale Position gebracht, und die Blase und die Vaginalwände werden gestützt, um die Funktion dauerhaft zu erhalten. Der Eingriff erfolgt meist vaginal; einige Fachärzte bevorzugen, die Operation nach der Menstruation durchzuführen, um das Infektionsrisiko zu verringern.

Ist eine Zystozele die häufigste Art eines Beckenorganprolaps?

Ja, die Zystozele ist die häufigste Art des sogenannten Beckenorganprolaps bei Frauen. Sie entsteht durch eine Schwächung der Muskeln und des Bindegewebes, die normalerweise die Blase an ihrem Platz halten. Besonders nach mehreren Geburten oder in den Wechseljahren kann das Gewebe an Elastizität verlieren, wodurch sich die Blase nach unten verlagert.

Welche Symptome treten bei einer Zystozele auf und wann sollte man zum Arzt gehen?

Typische Symptome einer Zystozele sind Fremdkörpergefühl, Druck im Becken, häufiger Harndrang und Urinverlust. Treten solche Symptome auf, sollte frühzeitig eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine unbehandelte Zystozele kann schwerwiegend werden und in seltenen Fällen zu einem Knick in den Harnleitern führen, was die Nierenfunktion beeinträchtigen kann.

Quellen

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