Wechseljahre: Informationen & Spezialisten für Wechseljahre

05.01.2022
Prof. Dr. med. Markus Wallwiener
Medizinischer Fachautor

Als Wechseljahresbeschwerden werden krankheitsähnliche Symptome bezeichnet, an denen Frauen leiden, wenn sich der Hormonhaushalt wandelt. Wechseljahresbeschwerden können einen großen Einfluss auf das Lebensgefühl und die allgemeine Stimmungslage haben. Die Behandlung und Linderung von Wechseljahresbeschwerden ist daher für Ärzte und ihre Patientinnen in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für die Wechseljahre.

ICD-Codes für diese Krankheit: N95

Empfohlene Spezialisten für Wechseljahre

Wechseljahre Fälle in Deutschland

7.723 Fälle im Jahr 2020
7.840 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Wechseljahresbeschwerden: Definition

Das Klimakterium, wie die Wechseljahre im Fachjargon bezeichnet werden, tritt in der Regel zur Mitte des Lebens ein. Das Klimakterium wird in drei Abschnitte unterteilt:

  1. Der Zeitraum vor der letzten Monatsblutung ist die Perimenopause. Er kündigt sich mit Zyklusstörungen (Verkürzung des Zyklus, unregelmäßige Blutungsabstände) an und beginnt durchschnittlich mit 47,5 Jahren.
  2. Im Schnitt kommen Frauen im Alter von etwa 52 Jahren in die Menopause. Dieser Begriff bezeichnet die letzte Regelblutung (Menstruation) im Leben einer Frau. 
  3. Die Phase nach der Menopause ist die Postmenopause.

Die Zeit vor dem Klimakterium wird auch Prämenopause genannt. Die Eierstöcke produzieren in dieser Phase bereits weniger Hormone, was auch schon zu Zyklusunregelmäßigkeiten führen kann.

Das Verhältnis der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron (ein Gestagen) sowie des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zueinander verändert sich: Zunächst wird weniger Progesteron gebildet. Es kommt in der Prä- und Perimenopause daher zu einer Östrogendominanz im Verhältnis zum Progesteron, das heißt einem relativen Östrogenüberschuss.

Zeitverzögert wird weniger Östrogen produziert. Das spiegelt sich in einem absoluten Östrogenmangel während der fortgeschrittenen Peri- und der Postmenopause wider.

Schließlich wird die Produktion der weiblichen Hormone komplett eingestellt, dadurch bleiben der Zyklus und die Menstruation aus. Die Bildung der männlichen Hormons nimmt dagegen nur allmählich ab.

Ältere körperbewusste Frauen
In den Wechseljahren ändert sich der Körper und das Befinden © oneinchpunch | AdobeStock

Neun von zehn Frauen in den Wechseljahren leiden während dieser Hormonumstellung unter einem oder mehreren Symptomen. Diese werden als störend, ungewohnt und einschränkend wahrgenommen. Dadurch kann es auch zu psychischen Folgesymptomen kommen.

Die Wechseljahre sind ein Abschnitt hormoneller Wandlungsprozesse. Er wird von den Betroffenen als belastende Zeit empfunden, in der es zu vielfältigen Problemen mit der eigenen Körpererfahrung kommt.

Die Symptomatik der Wechseljahresbeschwerden ist vielschichtig. Sie hängt mit den relativen und absoluten Hormonkonzentrationen während der verschiedenen Phasen der Wechseljahre zusammen.

Erste Anzeichen von Wechseljahresbeschwerden

Wer in die Wechseljahre kommt, wundert sich zunächst meistens über Unregelmäßigkeiten im Zyklus. Die Periode ist kürzer oder länger als gewohnt und die Blutung oftmals stärker.

Die Östrogendominanz kann auch ein Spannungsgefühl in der Brust und Unterbauchschmerzen zur Folge haben. Manchmal gehen diese Beobachtungen mit einer erhöhten Trockenheit der Schleimhäute einher.

Es kann, je nach individuellem Fall, aber auch vorkommen, dass sich der Beginn des Klimakteriums nicht ankündigt, sondern plötzlich und unvermutet eintritt.

Physische Symptome – Hitzewallungen und Co

Untrennbar mit den Wechseljahren verbunden ist der Begriff Hitzewallungen. Eine große Mehrheit von Frauen im Klimakterium berichtet von regelmäßigen Hitzewallungen.

Darunter sind Ausbrüche von extremer Wärmeempfindung zu verstehen. Sie breiten sich oftmals vom Kopf über den gesamten Körper aus und dauern meistens nur einige Minuten. Nicht selten sind sie mit einem gesteigerten Herzklopfen verbunden. Gelegentlich ist die Wärmeempfindung so stark, dass der Körper beginnt, Schweiß zu produzieren.

Die Hitzewallungen setzen die Betroffene zudem auch unter Stress, zum Beispiel wenn die Symptomatik in der Öffentlichkeit auftritt.

Nach der Menopause gehen die Hitzewallungen allmählich zurück, bei manchen Frauen hören sie allerdings nie ganz auf. Im Durchschnitt dauern die Hitzewallungen aber 5,2 Jahre an.

Ältere Frau mit Fächer bei Hitzewallung
Hitzewallungen sind ein typisches Symptom der Wechseljahre © missty | AdobeStock

Des Weiteren ist ein gestörter Schlafrhythmus typisch für die Wechseljahre. Das Einschlafen fällt schwerer, der Nachtschlaf ist unruhig und die Wachphasen sind in der Nacht lang. Dementsprechend ausgeprägt ist morgens das Gefühl der Müdigkeit und Kraftlosigkeit.

Der mangelnde und wenig erholsame Schlaf trägt dazu bei, dass auch

  • Mattigkeit,
  • eine abnehmende Leistungsfähigkeit und
  • Erschöpfungsempfindungen

zu den Wechseljahresbeschwerden gezählt werden. Ob diese Symptome von den Hormonschwankungen ausgelöst werden oder Folgebeschwerden des gestörten Schlafrhythmus sind, ist in medizinischen Fachkreisen nicht abschließend geklärt. Es ist jedoch unbestritten, dass die Symptome auftreten und für Unbehagen sorgen.

Aufgrund des Östrogenmangels werden die Schleimhäute schlechter durchblutet. Dies äußert sich in einer Trockenheit der Schleimhäute im Bereich

  • der Vagina,
  • der Harnröhre und
  • Harnblase.

Durch die veränderte Schleimzusammensetzung kann es häufiger zu Harnwegsinfektionen und vaginalen Infektionen mit Pilzen und Bakterien kommen.

Die Trockenheit der Scheidenschleimhaut kann auch zur Folge haben, dass Geschlechtsverkehr als sehr schmerzhaft empfunden wird. Gleitmittel auf Wasserbasis, die in jeder Apotheke gekauft werden können, können hier Abhilfe schaffen.

Ein erhöhter Harndrang kann sich im Extremfall bis zu einer vorübergehenden Inkontinenz steigern. 

Durch den Hormonmangel nimmt auch das Risiko für

  • Osteoporose,
  • Gelenk- und Knochenproblemen sowie
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

zu. Nicht selten kommt es auch zu einer Gewichtszunahme.

Psychische Symptome bei Wechseljahresbeschwerden

Die Wechseljahre sind ein kraftraubender Vorgang, der sich auch in der psychischen Konstitution niederschlägt. Oftmals ist der Zeitraum vor und nach der Menopause für die Betroffenen eine Phase der psychischen Belastung.

Durch das

  • vielfach chronische Erschöpfungsgefühl,
  • die verschiedenen Schmerzempfindungen und
  • das Hadern mit dem eigenen Selbstbild

induzieren die Wechseljahre negative Stimmungen, die in vielen Fällen zu einer depressiven Verstimmung führen können.

Die nagenden Bedenken und hormonellen Unregelmäßigkeiten führen

  • eine verstärkte Reizbarkeit,
  • Stimmungsschwankungen und
  • Nervosität

herbei, die in manchen Fällen die sozialen Kontakte erschweren.

Was tun bei Wechseljahresbeschwerden?

Der erste Ansprechpartner beim Problemkomplex Wechseljahre ist der Frauenarzt. Dieser ist bestens mit den Besonderheiten des weiblichen Hormonhaushalts vertraut.

Die Hormonersatztherapie (HET) hat Vor- und Nachteile

Eine Möglichkeit, die Symptome der Wechseljahre zu lindern, ist die Hormonersatztherapie, auch HET genannt.Diese Therapie greift jedoch in den Hormonhaushalt ein. Sie darf daher nicht ohne medizinische Notwendigkeit und Abwägung von Vor- und Nachteilen eingesetzt werden.

So empfehlen die aktuellen Leitlinien der wichtigsten deutschen und schweizerischen gynäkologischen Gesellschaften gesunden Frauen mit Gebärmutter bei medizinischer Notwendigkeit die HET zur Behandlung der Wechseljahresbeschwerden über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Die Behandlung kann auch länger andauern, die Dosierung sollte aber immer möglichst gering sein.

Laut der genannten Leitlinien hat die Hormonersatztherapie positive Auswirkungen auf

  • Hitzewallungen,
  • Scheidentrockenheit,
  • Schlafstörungen,
  • depressive Verstimmungen,
  • Leistungs- und Gedächtnisverminderung sowie
  • Knochen- und Gelenkprobleme.

Die Autoren sind auch der Meinung, dass eine HET das Risiko für einige Erkrankungen verringert, darunter

Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
Eine Hormonersatztherapie kann die Symptome der Wechseljahre deutlich abmindern © RFBSIP | AdobeStock

Das erhöhte Risiko für Brustkrebs und Gefäßverschlüsse wird als gering eingeschätzt. Es wird aber auch betont, dass jährlich überprüft werden sollte, ob eine Hormontherapie überhaupt noch notwendig ist. Frauen über 60 Jahre sollten keine HET erhalten.

Etwas anders sieht es die amerikanische US Preventive Services Task Force (USPSTF). Zwar empfiehlt auch sie die HET für die kurzfristige Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und bezeichnet sie in dieser Anwendung als sicher.

In den aktuellen Empfehlungen lehnt sie aber die Gabe von Hormonpräparaten nach der Menopause zur Vorbeugung von Erkrankungen ab. Die Nachteile - wie erhöhtes Risiko für u.a.

  • invasives Mammakarzinom (besonders bösartige Form des Brustkrebses),
  • venöse Gefäßverschlüsse (Thromboembolien)

die Vorteile überwiegen würden.

Eine Hormonersatztherapie sollte also immer mit Bedacht und eher zurückhaltend eingesetzt werden. Der Frauenarzt wird zusammen mit der Patientin entscheiden,

  • ob eine Hormonersatztherapie medizinisch indiziert ist und
  • ob der Nutzen das mögliche Risiko übersteigt.

Durchführung der Hormonersatztherapie

Eine Hormonersatztherapie unterliegt keinem festen Schema, sondern muss auf die hormonellen Eigenheiten jeder Frau abgestimmt werden. Aus diesem Grund sollten Betroffene ihrem Frauenarzt bei der Planung einer HET alle relevanten Informationen

zum Verlauf des Zyklus und

etwaigen Besonderheiten

bereitstellen. Nur so kann dieser das richtige Maß der Behandlung finden. Beispielweise werden die Symptome bei Frauen nach Brustkrebs oder nach Gebärmutterentfernung anders behandelt.

Im Rahmen einer HET werden dem Organismus die vormals körpereigenen Hormone zumeist im Rahmen einer Kombinationstherapie verabreicht. Kombiniert werden die Hormone Östrogen und Gestagene.

Auf diese Weise kann die Symptomatik der Wechseljahre wirkungsvoll eingedämmt werden. Betroffene spüren dadurch weniger oder sogar gar keine der hormonellen Vorgänge im eigenen Körper.

Hormonpräparate gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Sie werden als

  • Tabletten,
  • Cremes,
  • Zäpfchen,
  • Pflaster oder
  • Spritzen

verabreicht. Die deutsch-schweizerischen Gesellschaften empfehlen die Anwendung von Cremes empfehlen.

Pflanzliche Heilmittel gegen Wechseljahresbeschwerden

Als Alternative für eine medikamentöse HET gibt es pflanzliche Arzneimittel wie Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze. Gegen Schlafstörungen hilft Baldrian.

Allerdings ist der Nutzen von pflanzlichen Präparaten wissenschaftlich nicht belegt.

Hitzewallungen können unter Umständen auch mit speziellen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern behandelt werden. Auch hier sind wie bei den pflanzlichen Arzneimitteln die Langzeitrisiken bislang unbekannt.

Je nach Beschwerdebild können weitere Präparate zur akuten Behandlung von Symptomen infrage kommen.

Mönchspfeffer als Heilkraut
Heilkräutern wie Mönchspfeffer schreibt man bei Wechseljahresbeschwerden eine lindernde Wirkung zu © fgsmiles | AdobeStock

Änderung des Lebensstils

Auch Änderungen des Lebensstils, wie

  • mehr Bewegung,
  • bewusste Ernährung und
  • Verzicht auf Rauchen

verringert das Risiko auf die Entwicklung von Hormonmangel-bedingten Erkrankungen wie

Leichte Kleidung, ein kalter Waschlappen oder ein Kühlpack in Nacken oder auf der Stirn können Hitzewallungen erträglicher machen. Frauen, die unter Schlafstörungen leiden, sollten nachmittags koffeinhaltige Getränke meiden und das Abendessen etwas früher einnehmen.

Mit dem richtigen Therapieansatz ist es möglich, die Wechseljahresbeschwerden auf ein sehr erträgliches Maß zu reduzieren.

Quellen

  • aerzteblatt.de (2017) Kein sicheres „Timing“: US-Leitlinie lehnt Hormone zur Krankheitsprävention nach der Menopause weiter ab. Ärzteblatt vom 13. Dezember 2017
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Berufsverband der Frauenärzte, Deutsche Menopause Gesellschaft et al. (2015) Anwendungsempfehlungen zur Hormonsubstitution in Klimakterium und Postmenopause. Aktualisierte gemeinsame Empfehlungen. Frauenarzt 56(8): 657-660
  • Krebsinformationsdienst (2016) Hormone und Krebsrisiko. Für gesunde Frauen: Was tun gegen Beschwerden in den Wechseljahren? Deutsches Krebsforschungszentrum. https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/hormonersatztherapie1/
  • NICE guideline (2015) Menopause: diagnosis and management. NICE, nice.org.uk/guidance/ng23
  • US Preventive Services Task Force (2017) Hormone Therapy for the Primary Prevention of Chronic Conditions in Postmenopausal WomenUS Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA 318(22):2224-2233. doi:10.1001/jama.2017.18261
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