Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, bezeichnen eine natürliche Lebensphase, in der sich der Hormonhaushalt des weiblichen Körpers verändert. Häufig beginnt diese Phase der Wechseljahre etwa ab Mitte 40, wenn die Eierstöcke allmählich weniger Östrogen produzieren. Viele Frauen bemerken als erste Anzeichen der Wechseljahre Veränderungen der Regelblutung oder typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlafstörungen.
Auch Stimmungsschwankungen und Scheidentrockenheit können als Beschwerde auftreten. Die Menopause bezeichnet die letzte Regelblutung und kann erst rückblickend sicher bestimmt werden. Die Zeit rund um die Menopause wird unter anderem in Perimenopause und Postmenopause eingeteilt. Wie stark die Symptome der Wechseljahre ausgeprägt sind, ist individuell unterschiedlich – einige Frauen erleben starke Beschwerden, andere leichte oder keinerlei Beschwerden. Die hormonelle Umstellung ist keine Erkrankung, sondern ein natürlicher Abschnitt im Leben einer Frau.
Wechseljahresbeschwerden: Definition
Das Klimakterium, wie die Wechseljahre im Fachjargon bezeichnet werden, tritt in der Regel zur Mitte des Lebens ein. Das Klimakterium wird in drei Abschnitte unterteilt:
- Der Zeitraum vor der letzten Monatsblutung ist die Perimenopause. Er kündigt sich mit Zyklusstörungen (Verkürzung des Zyklus, unregelmäßige Blutungsabstände) an und beginnt durchschnittlich mit 47,5 Jahren.
- Im Schnitt kommen Frauen im Alter von etwa 52 Jahren in die Menopause. Dieser Begriff bezeichnet die letzte Regelblutung (Menstruation) im Leben einer Frau.
- Die Phase nach der Menopause ist die Postmenopause.
Die Zeit vor dem Klimakterium wird auch Prämenopause genannt. Die Eierstöcke produzieren in dieser Phase bereits weniger Hormone, was auch schon zu Zyklusunregelmäßigkeiten führen kann.
Das Verhältnis der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron (ein Gestagen) sowie des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zueinander verändert sich: Zunächst wird weniger Progesteron gebildet. Es kommt in der Prä- und Perimenopause daher zu einer Östrogendominanz im Verhältnis zum Progesteron, das heißt einem relativen Östrogenüberschuss. Zeitverzögert wird weniger Östrogen produziert. Das spiegelt sich in einem absoluten Östrogenmangel während der fortgeschrittenen Peri- und der Postmenopause wider.
Schließlich wird die Produktion der weiblichen Hormone komplett eingestellt, dadurch bleiben der Zyklus und die Menstruation aus. Die Bildung der männlichen Hormons nimmt dagegen nur allmählich ab.

Neun von zehn Frauen in den Wechseljahren leiden während dieser Hormonumstellung unter einem oder mehreren Symptomen. Diese werden als störend, ungewohnt und einschränkend wahrgenommen. Dadurch kann es auch zu psychischen Folgesymptomen kommen.
Die Wechseljahre sind ein Abschnitt hormoneller Wandlungsprozesse. Er wird von den Betroffenen als belastende Zeit empfunden, in der es zu vielfältigen Problemen mit der eigenen Körpererfahrung kommt. Die Symptomatik der Wechseljahresbeschwerden ist vielschichtig. Sie hängt mit den relativen und absoluten Hormonkonzentrationen während der verschiedenen Phasen der Wechseljahre zusammen.
Erste Anzeichen von Wechseljahresbeschwerden
Wer in die Wechseljahre kommt, wundert sich zunächst meistens über Unregelmäßigkeiten im Zyklus. Die Periode ist kürzer oder länger als gewohnt und die Blutung oftmals stärker.
Die Östrogendominanz kann auch ein Spannungsgefühl in der Brust und Unterbauchschmerzen zur Folge haben. Manchmal gehen diese Beobachtungen mit einer erhöhten Trockenheit der Schleimhäute einher. Es kann, je nach individuellem Fall, aber auch vorkommen, dass sich der Beginn des Klimakteriums nicht ankündigt, sondern plötzlich und unvermutet eintritt.
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Physische Symptome – Hitzewallungen und Co
Untrennbar mit den Wechseljahren verbunden ist der Begriff Hitzewallungen. Eine große Mehrheit von Frauen im Klimakterium berichtet von regelmäßigen Hitzewallungen.
Darunter sind Ausbrüche von extremer Wärmeempfindung zu verstehen. Sie breiten sich oftmals vom Kopf über den gesamten Körper aus und dauern meistens nur einige Minuten. Nicht selten sind sie mit einem gesteigerten Herzklopfen verbunden. Gelegentlich ist die Wärmeempfindung so stark, dass der Körper beginnt, Schweiß zu produzieren. Die Hitzewallungen setzen die Betroffene zudem auch unter Stress, zum Beispiel wenn die Symptomatik in der Öffentlichkeit auftritt.
Nach der Menopause gehen die Hitzewallungen allmählich zurück, bei manchen Frauen hören sie allerdings nie ganz auf. Im Durchschnitt dauern die Hitzewallungen aber 5,2 Jahre an.

Des Weiteren ist ein gestörter Schlafrhythmus typisch für die Wechseljahre. Das Einschlafen fällt schwerer, der Nachtschlaf ist unruhig und die Wachphasen sind in der Nacht lang. Dementsprechend ausgeprägt ist morgens das Gefühl der Müdigkeit und Kraftlosigkeit.
Der mangelnde und wenig erholsame Schlaf trägt dazu bei, dass auch
- Mattigkeit,
- eine abnehmende Leistungsfähigkeit und
- Erschöpfungsempfindungen
zu den Wechseljahresbeschwerden gezählt werden. Ob diese Symptome von den Hormonschwankungen ausgelöst werden oder Folgebeschwerden des gestörten Schlafrhythmus sind, ist in medizinischen Fachkreisen nicht abschließend geklärt. Es ist jedoch unbestritten, dass die Symptome auftreten und für Unbehagen sorgen.
Aufgrund des Östrogenmangels werden die Schleimhäute schlechter durchblutet. Dies äußert sich in einer Trockenheit der Schleimhäute im Bereich
- der Vagina,
- der Harnröhre und
- Harnblase.
Durch die veränderte Schleimzusammensetzung kann es häufiger zu Harnwegsinfektionen und vaginalen Infektionen mit Pilzen und Bakterien kommen. Die Trockenheit der Scheidenschleimhaut kann auch zur Folge haben, dass Geschlechtsverkehr als sehr schmerzhaft empfunden wird. Gleitmittel auf Wasserbasis, die in jeder Apotheke gekauft werden können, können hier Abhilfe schaffen.
Ein erhöhter Harndrang kann sich im Extremfall bis zu einer vorübergehenden Inkontinenz steigern.
Durch den Hormonmangel nimmt auch das Risiko für
- Osteoporose,
- Gelenk- und Knochenproblemen sowie
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
zu. Nicht selten kommt es auch zu einer Gewichtszunahme.
Psychische Symptome bei Wechseljahresbeschwerden
Die Wechseljahre sind ein kraftraubender Vorgang, der sich auch in der psychischen Konstitution niederschlägt. Oftmals ist der Zeitraum vor und nach der Menopause für die Betroffenen eine Phase der psychischen Belastung.
Durch das
- vielfach chronische Erschöpfungsgefühl,
- die verschiedenen Schmerzempfindungen und
- das Hadern mit dem eigenen Selbstbild
induzieren die Wechseljahre negative Stimmungen, die in vielen Fällen zu einer depressiven Verstimmung führen können.
Die nagenden Bedenken und hormonellen Unregelmäßigkeiten führen
- eine verstärkte Reizbarkeit,
- Stimmungsschwankungen und
- Nervosität
herbei, die in manchen Fällen die sozialen Kontakte erschweren.
Was tun bei Wechseljahresbeschwerden?
Der erste Ansprechpartner beim Problemkomplex Wechseljahre ist der Frauenarzt. Dieser ist bestens mit den Besonderheiten des weiblichen Hormonhaushalts vertraut.
Die Hormonersatztherapie (HET) hat Vor- und Nachteile
Eine Möglichkeit, die Symptome der Wechseljahre zu lindern, ist die Hormonersatztherapie, auch HET genannt.Diese Therapie greift jedoch in den Hormonhaushalt ein. Sie darf daher nicht ohne medizinische Notwendigkeit und Abwägung von Vor- und Nachteilen eingesetzt werden.
So empfehlen die aktuellen Leitlinien der wichtigsten deutschen und schweizerischen gynäkologischen Gesellschaften gesunden Frauen mit Gebärmutter bei medizinischer Notwendigkeit die HET zur Behandlung der Wechseljahresbeschwerden über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Die Behandlung kann auch länger andauern, die Dosierung sollte aber immer möglichst gering sein.
Laut der genannten Leitlinien hat die Hormonersatztherapie positive Auswirkungen auf
- Hitzewallungen,
- Scheidentrockenheit,
- Schlafstörungen,
- depressive Verstimmungen,
- Leistungs- und Gedächtnisverminderung sowie
- Knochen- und Gelenkprobleme.
Die Autoren sind auch der Meinung, dass eine HET das Risiko für einige Erkrankungen verringert, darunter
- Darmkrebs,
- Diabetes,
- Herzinfarkt und
- Schlaganfall.

Das erhöhte Risiko für Brustkrebs und Gefäßverschlüsse wird als gering eingeschätzt. Es wird aber auch betont, dass jährlich überprüft werden sollte, ob eine Hormontherapie überhaupt noch notwendig ist. Frauen über 60 Jahre sollten keine HET erhalten.
Etwas anders sieht es die amerikanische US Preventive Services Task Force (USPSTF). Zwar empfiehlt auch sie die HET für die kurzfristige Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und bezeichnet sie in dieser Anwendung als sicher.
In den aktuellen Empfehlungen lehnt sie aber die Gabe von Hormonpräparaten nach der Menopause zur Vorbeugung von Erkrankungen ab. Die Nachteile - wie erhöhtes Risiko für u.a.
- invasives Mammakarzinom (besonders bösartige Form des Brustkrebses),
- venöse Gefäßverschlüsse (Thromboembolien)
die Vorteile überwiegen würden.
Eine Hormonersatztherapie sollte also immer mit Bedacht und eher zurückhaltend eingesetzt werden. Der Frauenarzt wird zusammen mit der Patientin entscheiden,
- ob eine Hormonersatztherapie medizinisch indiziert ist und
- ob der Nutzen das mögliche Risiko übersteigt.
Durchführung der Hormonersatztherapie
Eine Hormonersatztherapie unterliegt keinem festen Schema, sondern muss auf die hormonellen Eigenheiten jeder Frau abgestimmt werden. Aus diesem Grund sollten Betroffene ihrem Frauenarzt bei der Planung einer HET alle relevanten Informationen zum Verlauf des Zyklus und etwaigen Besonderheiten bereitstellen. Nur so kann dieser das richtige Maß der Behandlung finden. Beispielweise werden die Symptome bei Frauen nach Brustkrebs oder nach Gebärmutterentfernung anders behandelt.
Im Rahmen einer HET werden dem Organismus die vormals körpereigenen Hormone zumeist im Rahmen einer Kombinationstherapie verabreicht. Kombiniert werden die Hormone Östrogen und Gestagene.
Auf diese Weise kann die Symptomatik der Wechseljahre wirkungsvoll eingedämmt werden. Betroffene spüren dadurch weniger oder sogar gar keine der hormonellen Vorgänge im eigenen Körper.
Hormonpräparate gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Sie werden als
- Tabletten,
- Cremes,
- Zäpfchen,
- Pflaster oder
- Spritzen
verabreicht. Die deutsch-schweizerischen Gesellschaften empfehlen die Anwendung von Cremes empfehlen.
Pflanzliche Heilmittel gegen Wechseljahresbeschwerden
Als Alternative für eine medikamentöse HET gibt es pflanzliche Arzneimittel wie Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze. Gegen Schlafstörungen hilft Baldrian.
Allerdings ist der Nutzen von pflanzlichen Präparaten wissenschaftlich nicht belegt. Hitzewallungen können unter Umständen auch mit speziellen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern behandelt werden. Auch hier sind wie bei den pflanzlichen Arzneimitteln die Langzeitrisiken bislang unbekannt. Je nach Beschwerdebild können weitere Präparate zur akuten Behandlung von Symptomen infrage kommen.

Änderung des Lebensstils
Auch Änderungen des Lebensstils, wie
- mehr Bewegung,
- bewusste Ernährung und
- Verzicht auf Rauchen
verringert das Risiko auf die Entwicklung von Hormonmangel-bedingten Erkrankungen wie
Leichte Kleidung, ein kalter Waschlappen oder ein Kühlpack in Nacken oder auf der Stirn können Hitzewallungen erträglicher machen. Frauen, die unter Schlafstörungen leiden, sollten nachmittags koffeinhaltige Getränke meiden und das Abendessen etwas früher einnehmen.
Mit dem richtigen Therapieansatz ist es möglich, die Wechseljahresbeschwerden auf ein sehr erträgliches Maß zu reduzieren.
FAQ
Was sind die ersten Anzeichen der Wechseljahre?
Zu den ersten Anzeichen der Wechseljahre gehören häufig Veränderungen des Zyklus und der Regelblutungen. Zusätzlich können typische Symptome wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder eine Schlafstörung auftreten. Stimmungsschwankungen und körperliche Veränderungen sind ebenfalls möglich. Viele Frauen erleben den Beginn der Wechseljahre jedoch unterschiedlich, und manche haben zunächst keinerlei Beschwerden.
Welche Symptome sind in den Wechseljahren typisch?
Typische Wechseljahresbeschwerden sind vor allem Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Hinzukommen können Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Veränderungen der Schleimhäute wie Scheidentrockenheit. Nicht jedes Symptom ist jedoch unmittelbar auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen. Wie stark eine Beschwerde ausgeprägt ist, unterscheidet sich von Frau zu Frau.
Welche Phasen der Wechseljahre gibt es?
Rund um die Wechseljahre werden verschiedene zeitliche Abschnitte unterschieden. Begriffe wie Prämenopause, Perimenopause, Menopause und Postmenopause beschreiben unterschiedliche Stadien rund um die letzte Menstruation. Die Menopause selbst ist genau genommen keine längere Phase, sondern bezeichnet die allerletzte Regelblutung. Sie wird rückblickend festgestellt, wenn zwölf Monate keine weitere Regelblutung aufgetreten ist.
Wie lange dauern die Wechseljahre?
Die Dauer der Wechseljahre ist individuell unterschiedlich und lässt sich nicht für jede Frau exakt vorhersagen. Die hormonelle Umstellung beginnt häufig bereits einige Jahre vor der Menopause und setzt sich danach fort. Die letzte Regelblutung tritt durchschnittlich im Alter von etwa 51 Jahren auf. Wann der Beginn der Wechseljahre erfolgt und wie lange Beschwerden bestehen, kann jedoch deutlich variieren.
Was hilft bei starken Wechseljahresbeschwerden?
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Art und Stärke der Beschwerde ab. Bewegung und andere Maßnahmen können das allgemeine Wohlbefinden unterstützen, während starke Wechseljahresbeschwerden ärztlich besprochen werden sollten. Eine Hormontherapie mit Östrogen beziehungsweise einer Kombination aus Östrogen und Gestagen kann insbesondere Hitzewallungen wirksam lindern, ist jedoch mit möglichen Risiken verbunden und muss individuell abgewogen werden. Bei ungewöhnlichen oder starken Blutungen sowie anderen auffälligen Beschwerden ist eine Abklärung beim Frauenarzt beziehungsweise bei der Frauenärztin sinnvoll.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Chefredakteurin
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- aerzteblatt.de (2017) Kein sicheres „Timing“: US-Leitlinie lehnt Hormone zur Krankheitsprävention nach der Menopause weiter ab. Ärzteblatt vom 13. Dezember 2017
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Berufsverband der Frauenärzte, Deutsche Menopause Gesellschaft et al. (2015) Anwendungsempfehlungen zur Hormonsubstitution in Klimakterium und Postmenopause. Aktualisierte gemeinsame Empfehlungen. Frauenarzt 56(8): 657-660
- Krebsinformationsdienst (2016) Hormone und Krebsrisiko. Für gesunde Frauen: Was tun gegen Beschwerden in den Wechseljahren? Deutsches Krebsforschungszentrum. https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/hormonersatztherapie1/
- NICE guideline (2015) Menopause: diagnosis and management. NICE, nice.org.uk/guidance/ng23
- US Preventive Services Task Force (2017) Hormone Therapy for the Primary Prevention of Chronic Conditions in Postmenopausal WomenUS Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA 318(22):2224-2233. doi:10.1001/jama.2017.18261
