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Ernährung bei Osteoporose: Präparate einordnen

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Sabine Schneider ·

Frau prüft Calcium- und Vitamin-D-Präparate, daneben Schnittbild von gesundem und osteoporotischem Knochen

Beim Thema Osteoporose zeigt eine finnische Studie, dass zusätzliches Vitamin D3 bei einer überwiegend ausreichend versorgten älteren Studiengruppe das Risiko für Knochenbrüche nicht senkte. Für ältere Erwachsene, darunter viele Frauen nach den Wechseljahren, spricht das Ergebnis gegen eine pauschale Einnahme. Es erlaubt aber keine Aussage zur zusätzlichen Einnahme von Calcium.

Verordnete Präparate sollten Sie deshalb nicht eigenständig absetzen. Entscheidend sind die persönliche Versorgung, ein mögliches Risiko für einen Mangel und die gesamte Osteoporose-Therapie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ergebnis der Studie: Vitamin D3 schützte die überwiegend ausreichend versorgten Teilnehmenden nicht vor Knochenbrüchen.
  • Versorgung statt Pauschalrezept: Die Leitlinie empfiehlt eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D, aber nicht automatisch zwei Präparate.
  • Verordnung nicht selbst ändern: Wer Calcium oder Vitamin D auf ärztlichen Rat einnimmt, sollte Änderungen mit der behandelnden Praxis besprechen.
  • Behandlung breiter planen: Bei festgestellter Osteoporose können je nach Risiko Training und knochenschützende Medikamente zur Therapie gehören.
  • Präparate haben Risiken: In einer Studienauswertung war die gemeinsame Einnahme von Calcium und Vitamin D mit mehr Nierensteinen verbunden.

Was ist Osteoporose?

Bei einer Osteoporose nimmt die Knochendichte stärker ab, als es beim normalen Altern zu erwarten wäre. Der Knochenaufbau hält mit dem Abbau nicht Schritt, sodass die Knochen nach und nach an Stabilität verlieren. Dieser Knochenabbau kann lange unbemerkt bleiben, weil die Erkrankung anfangs häufig keine spürbaren Beschwerden verursacht. Eine niedrige Knochendichte allein beschreibt das persönliche Knochenbruchrisiko allerdings nicht vollständig.

Für die Beurteilung betrachtet die Ärztin oder der Arzt den Messwert zusammen mit weiteren Risikofaktoren und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Auch das Alter und die persönliche Vorgeschichte fließen ein. Die Knochendichtemessung ist daher ein Teil der Abklärung und keine isolierte Antwort auf alle Fragen.

Was hat die finnische Vitamin-D-Studie untersucht?

Die finnische Vitamin-D-Studie untersuchte 2495 Menschen, darunter Männer ab 60 Jahren und Frauen ab 65 Jahren. Frauen und Männer wurden nach dem Zufallsprinzip unterschiedlichen Gruppen zugeteilt und über 5 Jahre beobachtet. Durch diese zufällige Zuteilung lassen sich Unterschiede zwischen den Gruppen möglichst verlässlich der untersuchten Behandlung zuordnen.

Verglichen wurde zusätzlich eingenommenes Vitamin D3 mit einem Placebo, also einem Präparat ohne den untersuchten Wirkstoff. Zusätzliches Calcium oder die gemeinsame Einnahme von Calcium und Vitamin D waren nicht Gegenstand der Studie. Schlagzeilen über die Wirkung einer kombinierten Einnahme gehen deshalb über die untersuchte Frage hinaus.

Vitamin D3 verringerte in der Studiengruppe das Risiko für Knochenbrüche nicht. Die meisten Teilnehmenden waren allerdings schon ausreichend mit Vitamin D versorgt. Das Ergebnis lässt sich daher nicht ohne Weiteres auf Menschen mit einem Mangel oder einem deutlich erhöhten Mangelrisiko übertragen.

Auch der mögliche Nutzen einer kombinierten Einnahme für bestimmte Risikogruppen bleibt damit offen. Die Studie zeigt vor allem, dass zusätzliches Vitamin D bei ausreichender Versorgung kein allgemeiner Schutz vor Brüchen ist. Wer Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte den persönlichen Zweck der Einnahme ärztlich prüfen lassen.

Wer sollte Calcium und Vitamin D weiter einnehmen?

Eine ärztliche Verordnung sollten Sie nur nach Rücksprache mit der behandelnden Praxis ändern. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, weshalb Calcium oder Vitamin D empfohlen wurde und ob dieser Grund weiterhin besteht. Das gilt besonders bei einer diagnostizierten Osteoporose, einem vermuteten Mangel oder einer laufenden medikamentösen Therapie.

Die Osteoporose-Leitlinie empfiehlt eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D. Das bedeutet nicht, dass alle Menschen beide Nährstoffe pro Tag als Tablette einnehmen sollten. Maßgeblich ist, ob Ernährung und andere individuelle Quellen den Bedarf bereits decken.

Vitamin D beeinflusst, wie viel Calcium der Körper aus der Nahrung aufnimmt. Es fördert die Aufnahme des Mineralstoffs aus dem Darm in den Körper. Erkrankungen, die diese Aufnahme im Darm beeinträchtigen, können deshalb für die ärztliche Bewertung relevant sein.

Beide Nährstoffe hängen funktionell zusammen, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Eine ausreichende Calciumzufuhr ersetzt kein Vitamin D. Zusätzliches Vitamin D gleicht umgekehrt eine unzureichende Zufuhr von Calcium nicht automatisch aus.

Eine ärztliche Prüfung ist vor allem in folgenden Situationen sinnvoll:

  • Mangelrisiko: Vitamin-D-Präparate können dann sinnvoll sein.
  • Alters- oder Pflegeheim: Calcium und Vitamin D können das Knochenbruchrisiko senken.
  • Bestehende Verordnung: Änderungen mit der behandelnden Praxis abstimmen.
  • Unklare Versorgung: Ernährung, Gesundheitszustand und persönliche Risiken gemeinsam bewerten.

Calcium- und Vitamin-D-Präparate sind nicht grundsätzlich risikofrei. In einer Studienauswertung war die gemeinsame Einnahme mit mehr Nierensteinen verbunden. Nahrungsergänzungsmittel sollten deshalb einen nachvollziehbaren Zweck haben und nicht vorsorglich ohne individuelle Abklärung eingenommen werden.

Welche Warnzeichen sollten abgeklärt werden?

Neu aufgetretene starke Rückenschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, besonders bei bekannter Osteoporose. Die Erkrankung selbst bleibt zunächst häufig unbemerkt. Auch ein Wirbelbruch kann kaum Beschwerden verursachen, während er bei anderen Betroffenen starke Schmerzen auslöst.

Ein Knochendichtewert wird stets zusammen mit weiteren Risikofaktoren und dem Gesundheitszustand beurteilt. Ob eine Untersuchung sinnvoll ist und welche Konsequenzen das Ergebnis hat, hängt von der persönlichen Situation ab. Im höheren Alter kann eine mangelhafte Vitamin-D-Versorgung das Bruchrisiko erhöhen, besonders bei bereits bestehender Osteoporose.

Wie wird Osteoporose behandelt?

Die Behandlung einer Osteoporose umfasst mehr als Calcium und Vitamin D. Ziel der Therapie ist es, weitere Knochenbrüche zu vermeiden und die Knochen zu schützen. Welche Maßnahmen infrage kommen, richtet sich nach dem persönlichen Risiko, dem Gesundheitszustand und der körperlichen Belastbarkeit.

Die zentralen Bausteine erfüllen unterschiedliche Aufgaben:

BausteinBedeutung für die BehandlungWas zu beachten ist
MedikamenteSie können bei Osteoporose das Risiko für einen Knochenbruch senken. Meist werden Bisphosphonate eingesetzt, eine Medikamentengruppe zur Vorbeugung osteoporosebedingter Brüche.Die Auswahl richtet sich nach dem individuellen Risiko und dem Gesundheitszustand.
Gezieltes TrainingGezieltes Training wird zur Behandlung einer Osteoporose empfohlen.Geeignete Übungen hängen von der persönlichen Situation ab. Bei Wirbelbrüchen, Schmerzen oder Unsicherheit sollte das Training fachlich angepasst werden.
Calcium und Vitamin DEine ausreichende Versorgung bleibt ein Bestandteil des Behandlungskonzepts.Die Nährstoffe ersetzen keine erforderlichen Medikamente und müssen nicht automatisch als Präparate eingenommen werden.

Gibt es die richtige Ernährung?

Bei der Ernährung für die Knochen steht eine ausreichende Versorgung im Vordergrund. Statt automatisch Präparate einzunehmen, lohnt sich zunächst ein Blick darauf, was regelmäßig gegessen oder getrunken wird. Gemüse kann Teil eines abwechslungsreichen Speiseplans sein. Eine pauschale Kost für alle Betroffenen gibt es nicht.

Milch und Milchprodukte wie Joghurt und Käse gehören zu den calciumreichen Nahrungsmitteln. Wer täglich Milch trinkt, Joghurt isst oder Käse auswählt, kann daraus den Mineralstoff erhalten. Milchprodukte unterscheiden sich jedoch in ihrer Zusammensetzung, deshalb zählt der gesamte Speiseplan.

Auch calciumreiche pflanzliche Kost kann beitragen, etwa Grünkohl. Wie viel der Mineralstoff pro Portion enthalten ist, hängt vom jeweiligen Produkt und von der Zubereitung ab. Grünkohl kann den Speiseplan abwechslungsreich ergänzen; für die Einordnung zählt jedoch die gesamte Auswahl.

Mandeln können ebenfalls Teil der Auswahl sein. Bei Mandeln hängen Zusammensetzung und Nährwert vom jeweiligen Produkt und von der Portion ab.

Fettreicher Fisch zählt zu den natürlichen Quellen von D3. Ob Fisch täglich auf dem Speiseplan steht, sagt für sich allein wenig über den individuellen Status aus. Fleisch und Fisch unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Ob Fleisch gegessen wird, entscheidet nicht allein darüber, ob die Ernährung knochenfreundlich ist. Bei einem vermuteten Defizit gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Für die Einordnung zählt die Nahrung, die insgesamt pro Tag und über längere Zeit auf dem Speiseplan steht. Einige Frühstückszerealien sowie Soja- und Haferdrinks können mit Calcium angereichert sein. Ob und wie viel sie enthalten, erkennen Sie an der Nährwertangabe auf der Verpackung. Auch Produkte derselben Lebensmittelgruppe können sich unterscheiden.

Die verschiedenen Arten von Gemüse können unterschiedlich viel Calcium enthalten. Achten Sie bei angereicherten Lebensmitteln stärker auf den Aufdruck als auf eine allgemeine Annahme über die Calciumzufuhr. Die Verpackung zeigt jedoch nicht, wie viel Calcium Sie durch Ihre gesamte Ernährung aufnehmen.

Bei Unsicherheit kann die eigene Auswahl von Lebensmitteln mit der Arztpraxis oder einer qualifizierten Ernährungsmedizin besprochen werden. Dabei lässt sich klären, ob die Ernährung ausreichend Calcium enthält oder ein Präparat erwogen werden sollte. Eine konkrete Dosierung gehört in ärztliche Hände.

Regelmäßige Bewegung ergänzt eine ausgewogene Kost. Gezieltes Training ist Teil der Behandlung, muss aber zur persönlichen Belastbarkeit passen. Auch die Belastung der Knochen richtet sich nach der körperlichen Situation. Personen mit Schmerzen, früheren Brüchen oder eingeschränkter Beweglichkeit sollten geeignete Übungen mit dem Behandlungsteam auswählen.

Im Alltag helfen folgende Grundsätze bei der Orientierung:

  • Versorgung prüfen: Calcium und Vitamin D nicht automatisch als Doppelpräparat einnehmen.
  • Verpackungen lesen: Bei angereicherten Lebensmitteln auf die Calciumangabe achten.
  • Verordnung beibehalten: Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verändern.
  • Passend trainieren: Übungen nach Gesundheitszustand und Belastbarkeit auswählen.
  • Risiken einordnen: Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine notwendige Therapie ansehen.

Häufige Fragen zu Osteoporose, Calcium und Vitamin D

Hilft Vitamin D wirklich gegen Knochenbrüche?

In der finnischen Studie senkte zusätzliches Vitamin D3 bei überwiegend ausreichend versorgten älteren Menschen das Knochenbruchrisiko nicht. Für Menschen mit einem Mangel oder erhöhtem Mangelrisiko lässt sich daraus keine allgemeine Aussage ableiten.

Hat die Studie auch Calciumtabletten untersucht?

Nein. Verglichen wurden Vitamin D3 und ein Placebo; zusätzliches Calcium wurde nicht nach dem Zufallsprinzip geprüft. Über die Wirksamkeit einer kombinierten Calcium-Vitamin-D-Gabe erlaubt die Studie daher keine Aussage.

Soll ich meine verordneten Präparate jetzt absetzen?

Setzen Sie verordnete Präparate nicht aufgrund einer Schlagzeile eigenständig ab. Klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, weshalb sie verordnet wurden und ob dieser Grund weiterhin besteht.

Wer kann weiterhin Vitamin D benötigen?

Bei einem erhöhten Risiko für einen Vitamin-D-Mangel können Präparate sinnvoll sein. Bei älteren Menschen kann eine mangelhafte Versorgung das Knochenbruchrisiko erhöhen, besonders wenn bereits Osteoporose besteht.

Reichen Calcium und Vitamin D bei Osteoporose aus?

Nein, nicht in jedem Fall. Medikamente können das Knochenbruchrisiko senken; meist werden dafür Bisphosphonate eingesetzt. Ein an die persönliche Situation angepasstes Training gehört ebenfalls zur Behandlung.

Können Calcium- und Vitamin-D-Präparate schaden?

Präparate können Nebenwirkungen haben. Eine Studienauswertung fand bei kombinierter Anwendung mehr Nierensteine. Ob der erwartete Nutzen das persönliche Risiko überwiegt, sollte individuell beurteilt werden.

Wie merke ich eine Osteoporose?

Osteoporose verursacht anfangs häufig keine spürbaren Beschwerden. Selbst ein Wirbelbruch kann nahezu unbemerkt bleiben, aber auch starke Schmerzen auslösen.

Welche Lebensmittel liefern zusätzliches Calcium?

Mit Calcium angereicherte Lebensmittel können zur Zufuhr beitragen. Ob ein bestimmtes Produkt Calcium enthält, erkennen Sie an der Angabe auf der Verpackung.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

Mehr über den Fachautor →
Quellen
  1. The effect of vitamin D(3) supplementation on fracture incidence in an aging population. Bone, 2026
  2. Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern. Dachverband Osteologie (DVO), 2023
  3. Bewegung und Sport bei Osteoporose. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  4. Welche Vor- und Nachteile haben Medikamente zur Vorbeugung von Knochenbrüchen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  5. Vitamin D, Calcium, or Combined Supplementation for the Primary Prevention of Fractures in Community-Dwelling Adults: Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force. JAMA, 2018
  6. Osteoporose und Knochenbrüche. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  7. Knochenuntersuchungen verstehen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  8. Kalzium. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  9. Wie hoch ist der Vitamin-D-Bedarf und wie lässt er sich decken?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  10. Die Knochen stärken und Brüchen vorbeugen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  11. Behandlung von Wirbelbrüchen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  12. Vitamin-D-Mangel. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  13. Wie kann ich meinen Kalziumbedarf decken?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 2021

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