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Starker Juckreiz und kleine Hautveränderungen sollten ernst genommen werden
Melanie Al Tikriti, BSc ·
Skabies, umgangssprachlich auch Krätze genannt, gehört zu den häufigsten ansteckenden Hauterkrankungen weltweit. Sie wird ausgelöst durch winzige Milben, die sich in die oberste Hautschicht eingraben und dort ihre Eier ablegen. Unabhängig vom Alter, Geschlecht oder persönlicher Hygiene kann sie jeden betreffen. Der starke Juckreiz, der häufig nachts zunimmt und den Schlaf beeinträchtigen kann, wird von vielen Betroffenen als sehr belastend betrachten. Anfangs wird Skabies oft mit anderen Hauterkrankungen verwechselt. Eine frühzeitige Diagnose und die richtige Behandlung sind wichtig, um die lästigen Milben vollständig zu beseitigen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Bild KI generiert
Was verursacht Skabies?
Auslöser der Erkrankung ist die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei). Sie ist so klein, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Nach engem Hautkontakt gelangt die befruchtete weibliche Milbe auf einen neuen Wirt und gräbt wenige Millimeter lange Gänge in die oberste Hautschicht. Dort legt sie täglich Eier ab. Aus ihnen entwickeln sich nach ein paar Tagen Larven, die sich zu ausgewachsenen Milben weiterentwickeln.
Nicht die Milben selbst verursachen den starken Juckreiz, sondern die Reaktion des Immunsystems auf ihre Ausscheidungen, Eier und Körperbestandteile. Bei einer ersten Ansteckung treten Beschwerden häufig erst nach zwei bis sechs Wochen auf.
Wer bereits früher an Skabies erkrankt war, entwickelt die typischen Symptome oft nach wenigen Tagen.
Wie wird Skabies übertragen?
Die Ansteckung erfolgt in den meisten Fällen durch längeren direkten Hautkontakt. Dazu gehören beispielsweise gemeinsames Schlafen in einem Bett, enger Körperkontakt innerhalb der Familie oder Pflegehandlungen, bei denen Haut längere Zeit Haut berührt.
Außerhalb des menschlichen Körpers können Krätzemilben nur für eine kurze Zeit überleben. Deshalb spielt die Übertragung über Kleidung, Bettwäsche oder Handtücher eine deutlich geringere Rolle. Anders sieht es bei der sogenannten Borkenkrätze aus. Diese seltene, besonders ansteckende Form tritt vor allem bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem auf. Dabei befinden sich sehr viele Milben auf der Haut, wodurch das Ansteckungsrisiko deutlich steigt.
Welche Beschwerden treten auf?
Das erste Symptom, das sich am auffälligsten zeigt, ist ein starker Juckreiz, der sich besonders in den Abend- und Nachtstunden bemerkbar macht. Durch Kratzen entstehen häufig kleine Verletzungen, über die Bakterien eindringen und zusätzliche Hautinfektionen verursachen können.
Zu den typischen Hautveränderungen gehören:
- kleine gerötete Knötchen
- Bläschen oder Krusten
- feine, geschlängelte Milbengänge
- Kratzspuren
- entzündete Hautstellen
Besonders häufig sind die Fingerzwischenräume, Handgelenke, Achselhöhlen, Ellenbogen, die Region um den Bauchnabel, Gesäß, Genitalbereich und Füße betroffen. Bei Säuglingen und Kleinkindern können zusätzlich Kopfhaut, Gesicht sowie Handflächen und Fußsohlen Veränderungen zeigen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Grundsätzlich kann jeder Mensch an Skabies erkranken. Das Risiko steigt überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben oder regelmäßig engen Körperkontakt haben. Außerdem besteht bei Menschen mit geschwächten Immunsystem ein höheres Risiko, da sich die Milben stärker vermehren können.
Dazu gehören unter anderem:
- Familien mit engem Zusammenleben
- Kindergärten und Schulen
- Pflegeheime
- Krankenhäuser
- Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen
- Gemeinschaftsunterkünfte
Wie stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose?
Oft liefert bereits die Kombination aus nächtlichem Juckreiz, typischen Hautveränderungen und engem Kontakt zu betroffenen Personen wichtige Hinweise. Die Haut wird sorgfältig untersucht. Mit einer speziellen Lupe oder einem Dermatoskop lassen sich Milbengänge sichtbar machen. Zusätzlich wird manchmal eine kleine Hautprobe entnommen oder Material aus einem Milbengang untersucht, um Milben, Eier oder Kotballen nachzuweisen.
Da andere Hauterkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können, müssen beispielsweise Neurodermitis, Ekzeme, allergische Reaktionen oder Insektenstiche ausgeschlossen werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Skabies lässt sich in den meisten Fällen vollständig behandeln. Oft wird eine Creme mit dem Wirkstoff Permethrin auf den gesamten Körper aufgetragen. Sie muss für die vorgeschriebene Zeit auf der Haut bleiben und anschließend abgewaschen werden. Je nach Situation kann eine zweite Behandlung nach einigen Tagen erforderlich sein. Wenn Cremes nicht geeignet sind oder die Erkrankung stärker ausgeprägt ist, kann zusätzlich ein orales Medikament verordnet werden.
Nach erfolgreicher Behandlung kann der Juckreiz noch mehrere Wochen anhalten. Das bedeutet aber nicht, dass weiterhin lebende Milben vorhanden sind. Die Haut benötigt einfach etwas Zeit, bis sich die Entzündungsreaktion vollständig zurückgebildet hat.
Warum sollten Kontaktpersonen mitbehandelt werden?
Menschen die mit einem Betroffenen engen Körperkontakt hatten, sollten ebenfalls unbedingt mitbehandelt werden, auch wenn sie noch keine Beschwerden entwickelt haben. Denn wenn nur eine Person behandelt wird, können sich beispielsweise Familienmitglieder gegenseitig immer wieder anstecken.
Welche Hygienemaßnahmen sind sinnvoll?
Einfache Maßnahmen können helfen, das Risiko einer erneuten Ansteckung zu verringern.
Dazu gehören:
- Bettwäsche, Kleidung und Handtücher bei mindestens 60 Grad waschen.
- Textilien, die nicht gewaschen werden können, mehrere Tage luftdicht verschließen.
- Polstermöbel und Matratzen gründlich absaugen.
- Frisch gewaschene Kleidung nach der Behandlung verwenden.
- Enge Kontaktpersonen über die Erkrankung informieren.
Eine übertriebene Desinfektion der Wohnung oder spezielle Sprays sind bei der gewöhnlichen Skabies in der Regel nicht notwendig.
Wie sind die Heilungschancen?
Mit einer frühzeitigen Diagnose und der richtigen Behandlung sind die Heilungsaussichten sehr gut. Die Milben lassen sich zuverlässig beseitigen, wenn die Therapie korrekt durchgeführt und enge Kontaktpersonen einbezogen werden. Wichtig ist außerdem, Geduld zu haben. Die Haut braucht oft mehrere Wochen, bis sie sich vollständig erholt hat. Treten nach Abschluss der Behandlung erneut frische Milbengänge oder neue Hautveränderungen auf, sollte eine ärztliche Kontrolle erfolgen, um einen Rückfall oder eine erneute Ansteckung auszuschließen.
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Über den Fachautor
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