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Raynaud-Syndrom: Wenn Finger und Zehen plötzlich weiß werden
Melanie Al Tikriti, BSc · 17. August 2026
Kälte und Stress können die Durchblutung vorübergehend deutlich einschränken.
Plötzlich werden die Finger weiß, fühlen sich taub an und beginnen zu kribbeln oder zu schmerzen. Was zunächst beunruhigend wirkt, steckt häufig hinter dem sogenannten Raynaud-Syndrom. Dabei ziehen sich die kleinen Blutgefäße in Fingern oder Zehen für kurze Zeit stark zusammen, sodass die betroffenen Körperstellen nur noch unzureichend durchblutet werden.
Die Beschwerden treten meist anfallsartig auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder von selbst. Obwohl das Raynaud-Syndrom häufig harmlos verläuft, kann es in manchen Fällen auch auf eine andere Erkrankung hinweisen. Deshalb sollten wiederkehrende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.

Warum sich die Blutgefäße plötzlich verengen
Beim Raynaud-Syndrom reagieren die kleinen Blutgefäße überempfindlich auf Kälte oder emotionalen Stress. Sie ziehen sich stärker zusammen als normalerweise notwendig und verringern dadurch vorübergehend die Durchblutung. Während eines Anfalls gelangt nur wenig Blut in die Finger oder Zehen. Dadurch verlieren sie ihre normale Hautfarbe und fühlen sich kalt oder taub an. Sobald sich die Blutgefäße wieder erweitern, kehrt die Durchblutung zurück und die Beschwerden lassen nach.
Mediziner unterscheiden zwischen einem primären und einem sekundären Raynaud-Syndrom. Die primäre Form tritt ohne erkennbare Grunderkrankung auf und verläuft meist harmlos. Die sekundäre Form entsteht dagegen als Folge anderer Erkrankungen, beispielsweise rheumatischer Erkrankungen oder Gefäßerkrankungen.
Kälte ist nicht der einzige Auslöser
Viele Betroffene bemerken die Beschwerden vor allem im Winter oder beim Kontakt mit kaltem Wasser. Doch auch andere Faktoren können einen Anfall auslösen.
Dazu gehören unter anderem:
- kalte Temperaturen
- kaltes Wasser
- starke Temperaturschwankungen
- emotionaler Stress
- Angst oder Aufregung
- Rauchen
- vibrierende Werkzeuge
- bestimmte Medikamente
Nicht jeder Mensch reagiert auf dieselben Auslöser. Viele Betroffene lernen mit der Zeit, ihre persönlichen Trigger zu erkennen.
Typisch ist der Farbwechsel der Finger
Das auffälligste Merkmal des Raynaud-Syndroms ist die plötzliche Veränderung der Hautfarbe. Häufig verfärben sich zunächst einzelne Finger oder Zehen weiß, anschließend blau und nach dem Ende des Anfalls rötlich.
Typische Beschwerden sind:
- weiße oder bläuliche Finger
- kalte Hände oder Füße
- Taubheitsgefühl
- Kribbeln
- Schmerzen beim Wiedererwärmen
- Spannungsgefühl
- eingeschränkte Beweglichkeit während des Anfalls
Meist sind mehrere Finger gleichzeitig betroffen, der Daumen bleibt jedoch häufig ausgespart.
Wann mehr hinter den Beschwerden stecken kann
Nicht immer handelt es sich um die harmlose Form des Raynaud-Syndroms. Treten die Beschwerden erstmals im höheren Alter auf oder entwickeln sich zusätzlich Hautveränderungen, schlecht heilende Wunden oder starke Schmerzen, sollte die Ursache genauer untersucht werden.
Das sekundäre Raynaud-Syndrom kann unter anderem mit Autoimmunerkrankungen wie Sklerodermie, Lupus oder rheumatoider Arthritis zusammenhängen. Auch Erkrankungen der Blutgefäße oder bestimmte Medikamente kommen als Auslöser infrage. Eine frühzeitige Abklärung hilft dabei, mögliche Grunderkrankungen rechtzeitig zu erkennen.
So wird die Diagnose gestellt
Bereits die typische Beschreibung der Beschwerden liefert wichtige Hinweise. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Auslösern, der Dauer der Anfälle und möglichen Begleiterkrankungen.
Zusätzlich werden die Hände untersucht und die Durchblutung beurteilt. Mithilfe einer sogenannten Nagelfalz-Kapillarmikroskopie können kleinste Blutgefäße sichtbar gemacht werden. Blutuntersuchungen helfen dabei entzündliche oder rheumatische Erkrankungen auszuschließen. Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein.
Welche Behandlungsmöglichkeiten helfen
Bei der primären Form stehen vor allem vorbeugende Maßnahmen im Vordergrund. Wichtig ist es, Hände und Füße möglichst warm zu halten und bekannte Auslöser zu vermeiden.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder liegt eine sekundäre Form vor, können gefäßerweiternde Medikamente eingesetzt werden. Sie verbessern die Durchblutung und können Häufigkeit und Stärke der Anfälle verringern. Liegt eine andere Erkrankung zugrunde, steht deren Behandlung im Mittelpunkt.
Was Betroffene selbst tun können
Schon kleine Veränderungen im Alltag helfen vielen Betroffenen dabei, Anfälle zu vermeiden oder abzumildern.
Dazu gehören:
- Hände und Füße warmhalten
- Handschuhe bereits vor dem Aufenthalt im Freien anziehen
- kaltes Wasser möglichst meiden
- auf das Rauchen verzichten
- Stress reduzieren
- regelmäßige Bewegung
- Finger bei beginnenden Beschwerden aktiv bewegen
Auch warme Getränke oder das langsame Erwärmen der Hände können helfen die Durchblutung wieder anzuregen.
Fazit: Wer seine persönlichen Auslöser kennt, kann viele Anfälle vermeiden.
Das Raynaud-Syndrom ist für viele Betroffene zwar unangenehm, verläuft jedoch häufig harmlos. Mit einfachen Schutzmaßnahmen lassen sich die Beschwerden oft deutlich reduzieren. Treten die Anfälle besonders häufig auf oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden um mögliche Grunderkrankungen rechtzeitig zu erkennen.
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Über den Fachautor
Melanie Al Tikriti, BSc
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Melanie Al-Tikriti, BSc – Fachautorin: Entdecken Sie medizinische Expertenbeiträge im Leading Medicine Guide.
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