Zum Inhalt springen
Leading Medicine Guide Logo

Erkrankung · Handchirurgie

Sklerodermie und systemische Sklerose (SSc): seltene Erkrankung des Bindegewebes

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: L94, M34

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Sklerodermie ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen eine Verhärtung des Bindegewebes im Vordergrund steht. Bei der systemischen Sklerose kann die Erkrankung neben der Haut auch innere Organe und Blutgefäße befallen. Raynaud-Syndrom und Hautveränderungen können wegweisend sein, während eine Organbeteiligung beispielsweise Lunge oder Verdauungstrakt betreffen kann. Eine frühe Diagnose, regelmäßige Kontrollen und eine individuell abgestimmte Therapie sind wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung und mögliche Organschäden möglichst zu begrenzen.

Sklerodermie umfasst seltene Erkrankungen, die insbesondere mit Veränderungen und einer Verhärtung der Haut und des Bindegewebes einhergehen. Die systemische Sklerose, kurz SSc, ist eine Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen und kann neben der Haut auch innere Organe betreffen. Häufig beginnt die Erkrankung mit Veränderungen der Blutgefäße und einem Raynaud-Syndrom an Fingern und Zehen. Im weiteren Krankheitsverlauf können unter anderem Lunge, Speiseröhre, Darm oder andere Organe beteiligt sein.

Typische Hautveränderungen sind eine zunehmende Verdickung und Verhärtung der Haut, die beispielsweise Gesicht, Finger und Hände betreffen kann. Die Diagnose stützt sich auf die klinischen Symptome sowie Untersuchungen wie Antikörperbestimmungen und Kapillarmikroskopie. Da Verlauf und Organbeteiligung individuell unterschiedlich sein können, werden Diagnostik und Therapie an die jeweilige Ausprägung der systemischen Sklerose angepasst.

Sklerodermie – Autoimmune Verdickung der Haut

Die Sklerodermie, auch als systemische Sklerose bezeichnet, ist eine Autoimmunerkrankung, die zu den sogenannten Bindegewebskrankheiten (Kollagenosen) zählt. Die Sklerodermie verläuft chronisch-progredient und führt zu einer Vermehrung und Verhärtung des Bindegewebes in der Haut und in einer Vielzahl von Organen, wie z. B. der Lunge. Darüber hinaus stellt die Krankheit eine große psychische Belastung für Patienten dar. Betroffene sollten frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um den Krankheitsverlauf mithilfe einer Therapie günstig beeinflussen zu können.

Welche Formen der Sklerodermie gibt es?

In der Regel erkranken Frauen häufiger als Männer. Dennoch zählt die Sklerodermie mit etwa 50 Fällen pro 100.000 Einwohner zu den seltenen Erkrankungen. Zudem werden zwei Formen der Sklerodermie unterschieden, die jede für sich ein eigenes Krankheitsbild darstellt:

  1. Die zirkumskripte (eng umschriebene) Sklerodermie, welche streng lokalisiert in der Haut auftritt.
  2. Die progressive, systemische Sklerodermie, welche neben der Haut auch andere Organe befällt. 

Ursachen der Erkrankung

Die genauen Ursachen bzw. möglichen Auslöser der Sklerodermie sind nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich sind Fehler in der körpereigenen Immunabwehr beteiligt. Darüber hinaus liegen bei Betroffenen Fehlbildungen im kollagenen Bindegewebe vor, was dazu führt, dass es zu einer Überproduktion von Kollagen kommt. Dieses Überangebot an kollagenen Fasern lässt die Haut verhärten, Mediziner nennen diesen Vorgang Sklerotisierung. 

Welche Symptome treten im Rahmen der Sklerodermie auf?

Ein für beide Formen der Sklerodermie typisches Frühsymptom ist das sogenannte „Raynaud-Syndrom“. Dabei kommt es unter Kälteeinfluss oder Stress zu einem plötzlichen, teils schmerzhaften Erblassen der Finger mit anschließend auftretender reaktiver Hyperämie, einer verstärkten Durchblutung der Finger. Ursache dafür sind durch die Sklerotisierung der Haut und Blutgefäße auftretende Durchblutungsstörungen.

Akupunktur
Beim Raynaud-Syndrom werden einzelne Finger blass, taub oder sie schmerzen @ Petra Richli /AdobeStock

Im weiteren Verlauf treten Entzündungen und Schwellungen an Haut, Unterschenkeln, Zehen und Fingern auf. Die Haut verdickt zunehmend und wird schlechter durchblutet, was ihr ein wachsartiges, blasses Aussehen verleiht. Durch die zunehmende Verdickung der Haut, werden auch Gelenke unbeweglich. Zusätzlich kann es im Spätstadium der Sklerodermie zu charakteristischen Veränderungen an Fingern und im Gesicht kommen, beispielsweise lässt sich der Mund nur noch schwer öffnen.

Bei der systemischen Sklerodermie können ebenso die inneren Organe betroffen sein, häufig vor allem die Lunge. Lungenfibrose, Atemnot und Husten sind dabei die Folge. Auch sind nicht selten Herz und Nieren betroffen, in seltenen Fällen kann dies sogar zu einem Nierenversagen führen.

Welche Diagnosemöglichkeiten haben Ärzte?

Die Diagnose Sklerodermie wird vor allem durch die Symptomatik gestellt. Neben dem klassischen Erscheinungsbild der Haut werden Gewebeproben entnommen und untersucht. Darüber hinaus können im Labor ebenfalls die Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie mögliche Autoantikörper bestimmt werden. In den meisten Fällen finden sich beispielsweise Kernantikörper (ANA) im Blut der Betroffenen. Besonders häufig werden der Anti-Scl-70 (Anti-Topoisomerase-I-)- oder der Anti-Zentromer-Antikörper beschrieben. 

Anhand der Laborwerte lassen sich zudem auch Organbeteiligungen bei der Sklerodermie entdecken. So sind dabei regelmäßig veränderte Nierenwerte und Muskelenzyme auffällig. Im Röntgenbild werden knöcherne und verhärtete Strukturen in Haut und Organen sichtbar. EKG, Ultraschalluntersuchungen oder Computertomografie (CT) lassen zudem eine Lungen- und/oder Herzbeteiligung erkennen.

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

Grundsätzlich sollten Patienten mit Sklerodermie ihre Krankheit immer von einem Arzt behandeln lassen. Mit fortschreitender Erkrankung ist ohne Therapie mit starken Einschränkungen der Lebensqualität zu rechnen. 

Insbesondere, wenn Durchblutungsstörungen auftreten oder langanhaltende Hautblässe und Schmerzen auf eine Sklerodermie hinweisen, sollten Betroffene ihre Symptome ärztlich abklären lassen. 

Welche Fachärzte behandeln Sklerodermie?

Sklerodermie-Patienten finden insbesondere beim Allgemeinmediziner („Hausarzt“) sowie beim Orthopäden erste Anlaufstellen für eine Behandlung. Ob weitere Facharztgruppen mit hinzugezogen werden müssen, entscheidet sich je nach Ausprägung und Schwere der Sklerodermie. 

Behandlungsoptionen bei Sklerodermie

Die Therapie der Sklerodermie richtet sich nach der jeweiligen Symptomatik. Eine kausale, das heißt, ursachenbezogene Behandlung gibt es nicht. Allerdings schränkt eine behandelte Sklerodermie oder systemische Sklerose die Lebenserwartung nicht ein.

Eine Besserung der Lebensqualität wird meist bereits durch entsprechende Krankengymnastik oder Ergotherapie erzielt. Zusätzliche Entlastung bringen

  • Wärmebehandlungen,
  • Akupunktur und
  • Massagen. 
Raynaud-Syndrom
Die Akupunktur kann bei Sklerodermie die Durchblutung fördern und chronische Schmerzen lindern @ Andrey Popov /AdobeStock

Mögliche Komplikationen der Sklerodermie schließen unter anderem Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und schwere Entzündungsverläufe ein. Hier kommen dann in der Regel antientzündliche Medikamente zum Einsatz, wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, Immunsuppressiva, aber ebenso ACE-Hemmer oder Glukokortikoide.

Prognose

Die Sklerodermie ist mit derzeitigen Mitteln nicht heilbar. Auch eine Selbstheilung ist nicht zu erwarten. Die Behandlung der systemischen Sklerose richtet sich daher vor allem nach der jeweiligen Symptomatik und zielt im Wesentlichen darauf, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Der Verlauf der Erkrankung kann nicht vorhergesagt werden.

Im Allgemeinen ist es notwendig, dass Betroffene verschiedene Medikamente regelmäßig und in entsprechender Dosierung einnehmen, um den Fortgang der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten. Kontrollen beim Arzt sorgen zudem dafür, dass Veränderungen an den Organen möglichst frühzeitig erkannt werden. 

FAQ

Was ist Sklerodermie und was ist die systemische Sklerose?

Sklerodermie beschreibt Erkrankungen, bei denen insbesondere eine Verdickung und Verhärtung der Haut auftreten kann. Bei der lokalisierten Sklerodermie beziehungsweise Morphea bleiben die Veränderungen im Wesentlichen auf Haut und hautnahe Strukturen begrenzt. Die systemische Sklerose ist dagegen eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der zusätzlich Blutgefäße und innere Organe betroffen sein können. Die systemische Sklerodermie wird auch als progressive systemische Sklerose bezeichnet, wobei heute vor allem der Begriff systemische Sklerose verwendet wird.

Welche Symptome treten bei Sklerodermie häufig auf?

Ein häufiges frühes Symptom der systemischen Sklerose ist das Raynaud-Syndrom mit anfallsartigen Durchblutungsstörungen der Finger und Zehen. Hinzukommen können Schwellung, Hautveränderungen, eine Verhärtung der Haut, eingeschränkte Beweglichkeit oder eine kleinere Mundöffnung. Bei Beteiligung innerer Organe sind beispielsweise Sodbrennen, Beschwerden der Speiseröhre oder eine Beteiligung der Lunge möglich. Teleangiektasien, Geschwüre an den Fingerspitzen und weitere Veränderungen können ebenfalls auftreten.

Wie erfolgt die Diagnose und Diagnostik bei systemischer Sklerose?

Für die Diagnose werden Beschwerden, körperliche Untersuchung und charakteristische Befunde gemeinsam beurteilt. Wegweisend können das Raynaud-Syndrom, typische Hautveränderungen, bestimmte Antikörper und Veränderungen der kleinen Blutgefäße sein. Eine Kapillarmikroskopie kann hierbei wichtige Hinweise liefern. Weitere diagnostische Untersuchungen richten sich insbesondere auf eine mögliche Beteiligung der inneren Organe, da diese für den Krankheitsverlauf und die Therapie entscheidend sein kann.

Welche Formen der Sklerodermie gibt es?

Grundsätzlich muss insbesondere zwischen lokalisierter Sklerodermie und systemischer Sklerose unterschieden werden. Zur lokalisierten Form gehört beispielsweise die zirkumskripte Sklerodermie beziehungsweise Morphea. Bei der systemischen Erkrankung werden unter anderem eine limitierte Form und eine diffuse Form unterschieden. Das Ausmaß der Hautbeteiligung und die Beteiligung innerer Organe können sich zwischen diesen Formen unterscheiden.

Wie wird Sklerodermie behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Form, Schwere der Erkrankung und betroffenen Organen. Bei systemischer Sklerose existiert deshalb keine einzelne Therapie, die für alle Erkrankten gleichermaßen geeignet ist. Je nach Organbeteiligung kommen unterschiedliche Medikamente und unterstützende Maßnahmen zum Einsatz, beispielsweise zur Behandlung des Raynaud-Syndroms, von Durchblutungsstörungen oder einer Lungenfibrose. Eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig, um eine Beteiligung der Lunge und anderer Organe möglichst früh zu erkennen und die Therapie entsprechend anzupassen. Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie betont ausdrücklich die frühzeitige Diagnose und individuell an die Organmanifestationen angepasste Behandlung.

Beitrag teilen

Sabine_Schneider.png

Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen →
Quellen

amboss.com/de/wissen/Systemische_Sklerose

flexikon.doccheck.com/de/Sklerodermie

medlexi.de/Sklerodermie

rheuma-liga.de/rheuma/krankheitsbilder/sklerodermie

S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der zirkumskripten Sklerodermie. AWMF-Register-Nr. 013/066 [Stand: 07/2014]

Geprüfte Expertise

Empfohlene Spezialisten

4 Spezialisten

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Sklerodermie. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Medizinisches Spektrum

Medizinisch verwandte Themen

Weiterführende Informationen zu Erkrankungen, Anatomie, Behandlung, Diagnostik und passenden medizinischen Spezialisierungen.

Sie suchen den passenden Ansprechpartner? Die empfohlenen Spezialisten bleiben der zentrale nächste Schritt.

Zu den Spezialisten