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Dialyseshunt: Chirurgische Shuntanlage, Funktion & mögliche Komplikationen

Ein Dialyseshunt ist für Dialysepatientinnen und -patienten ein zentraler Bestandteil der Behandlung, da er einen dauerhaften Zugang zum Blutkreislauf ermöglicht. Die chirurgisch angelegte Verbindung zwischen Arterie und Vene sorgt dafür, dass während der Hämodialyse ein ausreichend hoher Blutfluss gewährleistet ist. Dialyseshunts – ob am Unterarm, Oberarm oder in seltenen Fällen als Prothesenshunt – gelten als Methode der ersten Wahl für Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz. Gleichzeitig birgt die Shuntanlage typische Risiken wie Stenosen, Thrombosen oder Infektionen, die eine regelmäßige Nachkontrolle erforderlich machen. Moderne gefäßchirurgische und nephrologische Verfahren tragen jedoch dazu bei, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und den Shunt möglichst lange funktionsfähig zu halten. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über Anlage, Funktion und mögliche Probleme eines Dialyseshunts – sowie Hinweise für Betroffene und Dialysezentren.

Empfohlene Dialyseshunt-Spezialisten

Kurzübersicht:

Ein Dialyseshunt verbindet eine Arterie mit einer Vene und schafft einen dauerhaften Zugang für die Hämodialyse. Er wird meist chirurgisch am Unterarm angelegt und ermöglicht hohe Blutflussraten, die für eine effektive Dialyse notwendig sind. Typische Komplikationen umfassen Stenosen, Thrombenbildung, Fehlpunktionen und Infektionen. Regelmäßige Kontrollen in der Gefäßchirurgie oder Nephrologie tragen dazu bei, den Shunt möglichst lange offen und punktierbar zu halten.

Artikelübersicht

Dialyse-Shuntanlage - Weitere Informationen

Was ist ein Dialyseshunt?

Ein Dialyseshunt ist eine operativ angelegte Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene, die den hohen Blutfluss für die Hämodialyse ermöglicht. Durch diesen arteriovenösen Kurzschluss werden die venösen Blutgefäße erweitert und besser punktierbar. Die Anlage erfolgt meist im Bereich des Unterarms und stellt die bevorzugte Form des vaskulären Zugangs bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz dar. Die Shuntchirurgie gehört zu den Standardverfahren in der Gefäßchirurgie und zeichnet sich durch gute Haltbarkeit und hohe Zuverlässigkeit aus.

Dialyseshunt – Dauerzugang für Nierenpatienten

Patienten mit terminaler Nierenerkrankung können ihr Blut nicht mehr selbständig von Schadstoffen reinigen. Diese lebenswichtige Funktion der Niere muss daher regelmäßig durch eine ärztlich begleitete Blutwäsche (Dialyse) ersetzt werden.

Für die Dialyse benötigen Betroffene eine dauerhafte Zugangsstelle zum Blutkreislauf: Den sogenannten Dialyseshunt. Das ist eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Arterie und einer Vene.

Ziel ist es, einen einfachen Zugang zum Blutkreislauf zu haben, an den die Dialysemaschine angeschlossen werden kann. In dieser dauerhaft angelegten Gefäßverbindung besteht auch das Hauptrisiko für Komplikationen.

Dialyseshunt
Eine Dialyse-Shuntanlage dient als einfacher Zugang zum Blutkreislauf © ひろみ きたはし | AdobeStock

Technische Grundlagen & Shuntanlage

Die chirurgische Shuntanlage erfolgt meist in Lokalanästhesie. Hierbei verbinden Gefäßchirurgen eine oberflächliche Vene – häufig die Vena cephalica – mit einer geeigneten Arterie wie der Arteria radialis. Diese sogenannte Anastomose bildet die Grundlage für den späteren hohen Blutfluss. Die Wahl des Gefäßpaares hängt von der Gefäßqualität, eventuellen Voroperationen und der Durchblutungssituation des Arms ab. Ziel ist ein Shunt, der dauerhaft punktierbar ist und stabile Blutflussraten liefert. Moderne gefäßsonografische Verfahren helfen dabei, geeignete Stellen am Arm präzise auszuwählen.

Wo wird ein Dialyseshunt bevorzugt gelegt?

In der Regel sind beide Arme gleichermaßen geeignet, um einen Dialyseshunt anzulegen. Allerdings hat es sich bewährt, bei Rechtshändern bevorzugt den linken Arm zu nutzen, bei Linkshändern entsprechend umgekehrt. Nach Möglichkeit legen die Mediziner einen Unterarmshunt, den sogenannten Cimino-Shunt.

Bei Menschen mit Herzinsuffizienz ist die Anlage eines Dialyseshunts nicht möglich, da die Belastung für das Herz zu groß ist.

Die Punktion des Dialyseshunts ist für Dialysepatienten meist am Anfang noch etwas schmerzhaft. Die dafür verantwortlichen Schmerzfasern bilden sich mit der Zeit aufgrund der wiederholten Punktionen im Shuntbereich zurück. Die Schmezen verringern sich also.

Gibt es Alternativen zur Anlage eines Dialyseshunts?

Ist die Anlage eines Dialyseshunts am Unter- oder Oberarm nicht möglich, können die Fachärzte auch auf den Vorhofkatheter ausweichen. Dabei wird jedoch ein deutlich geringerer Blutfluss erreicht. Darüber hinaus ist auch die Bauchfelldialyse möglich.

Neben der dauerhaften Durchführung einer Dialyse ist aber die Nierentransplantation die beste Option für den Patienten. Damit wird die natürliche Blutreinigung mithilfe der Niere wiederhergestellt. Eine Dialyse ist dann nicht mehr nötig.

Allerdings herrscht leider ein Mangel an Spenderorganen und die Suche nach einem passenden Spender ist meist sehr langwierig. Deswegen ist die Dialyse für viele Patienten mit terminaler Nierenerkrankung auf längere Sicht die einzig verfügbaren Option.

Dialyseshunt: Klinische Anwendungen & Bedeutung

Ein funktionierender Dialyseshunt ist für die Durchführung der Hämodialyse unverzichtbar. Nur über stabile Blutflussraten kann das Blut ausreichend gereinigt werden, um die Folgen der Niereninsuffizienz zu kontrollieren. In der Nephrologie ist der arteriovenöse Shunt daher der vaskuläre Zugang der ersten Wahl. Er ermöglicht eine langfristige Dialyse, ist vergleichsweise komplikationsarm und lässt sich durch Punktion mehrfach nutzen. Die regelmäßige Beurteilung durch erfahrene Nephrologen und Gefäßchirurgen ist entscheidend, um Shuntinsuffizienz und Engstellen frühzeitig zu erkennen.

Welche Komplikationen können bei einem Dialyseshunt auftreten?

Der Kurzschluss zwischen dem arteriellen und dem venösen Blutstrom ist eigentlich kein natürlicher Zustand. Daher kommt es im Laufe der Lebensdauer eines Dialyseshunts häufig zum langsamen Verschluss bis hin zum Verlust des Shunts.

Die folgenden Komplikationen können bei einem Dialyseshunt auftreten:

  • zu geringer Blutfluss (< 200 ml/min) macht die Dialyse unzureichend,
  • Blutgerinnsel (Thromben) im Bereich des Shunts führen zu einem Verschluss und zu einer geringeren Blutflussmenge,
  • Veränderung und Vernarbung der Gefäßwände fördern die Shuntinsuffizienz,
  • Shuntaneurysmen bilden sich nach dem Ausdünnen der Gefäßwände und erhöhen das Risiko zur Thrombenbildung,
  • Shuntstenosen sind Engstellen innerhalb des Dialyseshunts, die den Blutfluss einschränken können,
  • die Belastung des Herzens infolge einer Shuntanlage fördert das Risiko für die Herzinsuffizienz,
  • Hämatome (Einblutungen und „blaue Flecken“) nach Fehlpunktionen sowie
  • Shuntinfektionen.

Eine Shuntinfektion kann unerkannt einen Shuntverschluss verursachen. Bei folgenden Symptomen sollten Sie daher umgehend einen Arzt konsultieren:

  • Schwellung,
  • Rötung,
  • Schmerzen,
  • Fieber,
  • Schüttelfrost
  • Eiter bis hin zur
  • Sepsis (Blutvergiftung).

Neben den typischen Problemen wie Thromben, Stenosen oder Infektionen spielen in der Shuntchirurgie auch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Implantate, die bei Prothesenshunts verwendet werden, müssen biokompatibel sein und eine ausreichende Stabilität bieten. Die Operation selbst stellt einen chirurgischen Eingriff dar, bei dem Nerven, Gefäße und umliegende Strukturen geschont werden müssen. Veränderungen neuronaler Strukturen, Minderdurchblutungen oder Druckschäden sind selten, aber möglich. Zudem können Materialermüdung, Gefäßveränderungen oder eine inadäquate Punktion langfristigen Schaden verursachen. Eine enge sonografische Verlaufskontrolle ist daher elementar.

Sind diese Komplikationen vermeidbar?

Viele der zuvor genannten Komplikationen beim Dialyseshunt liegen in der Sache der Anlage dieses Gefäßkurzschlusses begründet. Daher ist es besonders wichtig, eine enge Nachkontrolle der Patienten zu gewährleisten. Nur so lassen sich Probleme frühzeitig erkennen und behandeln. 

Hämatome und Verletzungen sind vermeidbar, indem Fehlpunktionen vermieden werden. Das Infektionsrisiko korreliert zudem mit den angewandten Hygienemaßnahmen. Je strenger die Hygiene eingehalten wird, desto weniger Sorge besteht mit Blick auf das Infektionsrisiko bei Anlage eines Dialyseshunts.

Im Allgemeinen gilt, dass insbesondere auch die Shuntnachbehandlung in die Hände erfahrener Ärzte gehört. Nur so lässt sich Schaden von den Patienten abhalten. 

FAQ zum Dialyseshunt

Was bedeutet es, wenn ein Dialyseshunt punktiert wird?
Beim Dialyseshunt wird die Punktion mit zwei Dialysenadeln durchgeführt, um Blut aus dem Körper zur Maschine und wieder zurückzuleiten. Die Punktion erfolgt mit einem geeigneten Punktionswinkel, damit die Vene geschont wird und der Blutfluss nicht beeinträchtigt wird. Gerade im Bereich des Dialyseshunts ist eine sorgfältige Technik wichtig, um Fehlpunktionen, Schmerzen oder spätere Komplikationen zu vermeiden.

Welche Rolle spielen Venen und arterielle Gefäße bei einem Dialyseshunt?
Ein Dialyseshunt verbindet eine Vene und eine Arterie. Durch diese arteriovenöse Verbindung entstehen venöse Gefäße mit hohem Blutfluss, die später gut punktiert werden können. Je stabiler die Venen sind, desto länger hält der Shunt. Probleme entstehen häufig durch eine Stenose, also eine Engstelle im Gefäß, die den Fluss reduziert.

Was ist ein Cimino-Shunt und warum wird er meist am Unterarm angelegt?
Der Cimino-Shunt ist die klassische Form eines Dialyseshunts und wurde bereits 1966 erstmals beschrieben. Dabei wird am Unterarm eine direkte Verbindung zwischen der Arteria radialis und einer geeigneten Vene angelegt. Ein Cimino-Shunt gilt als besonders zuverlässig, lange haltbar und gut punktierbar. Deshalb ist diese Form in der Nephrologie und der Gefäßchirurgie Standard.

Was sind Aneurysmen im Bereich des Dialyseshunts?
Aneurysmen sind lokale Erweiterungen der Shuntvene, die durch wiederholtes Punktieren oder durch Gefäßwandschwäche entstehen können. Sie treten häufig im Bereich des Dialyseshunts auf und erhöhen das Risiko für Thromben oder einen Verschluss des Shunts. Eine regelmäßige Diagnostik, oft mittels Radiologie oder Ultraschall, hilft, diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Was ist das Steal-Syndrom?
Beim Steal-Syndrom fließt Blut über die Arterie in die Vene des Shunts ab, sodass die Hand zu wenig durchblutet wird. Es kann zu Taubheitsgefühl und Zyanose, Schmerzen oder einer Minderdurchblutung kommen. Das Risiko steigt, wenn der Shunt zu großen Blutfluss erzeugt. In schweren Fällen ist eine Revision der Anastomose notwendig, um die Durchblutung der Hand zu sichern.

Was bedeutet Selbstpunktion und wann ist sie sinnvoll?
Selbstpunktion bedeutet, dass Dialysepatienten ihren Shunt selbst punktieren – nach intensiver Schulung und nur, wenn dies medizinisch vertretbar ist. Vorteilhaft ist, dass der oder die Betroffene die empfindlichen Stellen der Vene gut kennt. Dennoch ist wichtig, dass jede Punktion korrekt erfolgt, um Fehlpunktionen und Infektionen zu vermeiden.

Welche Alternativen gibt es, wenn ein Shunt nicht mehr funktioniert?
Wenn ein Shunt nicht mehr ausreichend Blutfluss liefert oder verschlossen ist, kann eine PTA (perkutane transluminale Angioplastie) helfen, die Engstelle zu weiten. Bei vollständigem Verschluss ist manchmal eine Thrombektomie notwendig. Alternativ kann die Anlage eines Prothesenshunts erfolgen oder – falls möglich – ein neuer Shunt an anderer Stelle am Arm angelegt werden.

Was passiert bei einer radiologischen Diagnostik des Shunts?
Bei Verdacht auf Stenose, Rezirkulation oder Shuntinsuffizienz kann die Radiologie eine genaue Diagnostik durchführen. Häufig werden Ultraschall und Kontrastmittel eingesetzt, um Engstellen oder Gefäßwandveränderungen sichtbar zu machen. Die frühe Diagnose verhindert oft, dass der Shunt lange beeinträchtigt bleibt oder vollständig verschlossen wird.

Was bedeutet 'vascular access' im Zusammenhang mit der Dialyse?
Der Begriff „vascular access“ bezeichnet den gesamten Zugang zum Blutkreislauf, der für die Hämodialyse notwendig ist. Der Dialyseshunt ist dabei die bevorzugte Form. Alternativen wie Katheter bieten meist schlechtere Blutflusswerte und höhere Infektionsraten.

Warum ist die richtige Punktionstechnik so wichtig?
Die Punktion erfolgt immer an geeigneten Stellen entlang der Vene, damit der Shunt lange erhalten bleibt. Der Punkteur muss auf den Punktionswinkel, den Abstand zwischen den Nadeln und die Blutgerinnung achten. Fehler können zu Aneurysmen, Hämatomen, Engstellen oder einer Shuntinsuffizienz führen.

Kann ein Shunt operativ repariert werden, wenn er Probleme macht?
Ja. Wenn eine Stenose vorliegt oder die Arterie in die Vene nicht mehr ausreichend Blut leitet, kann eine operative Revision der Anastomose durchgeführt werden. In anderen Fällen kann eine PTA oder Thrombektomie notwendig sein. Je früher Probleme erkannt werden, desto besser lässt sich der Shunt erhalten.

Quellen

  • dialysecentrum.de/leistungen/hamodialyse/dialyse-shunt/?cli_action=1630436580.406
  • dialyseshunt.com/2011_Shunthygiene%20und%20Pflege.pdf
  • flexikon.doccheck.com/de/Dialyseshunt
  • Kubale R et al., Dialyseshunt – Möglichkeiten der Gefäßsonographie. Der Radiologe 2009; 49 article number: 1048
  • eref.thieme.de/cockpits/0/0/coOPChr00125/4-2489