Shunt: Definition, Anlage und Nutzen für die Dialyse

Ein Shunt ist eine künstlich angelegte Gefäßverbindung zwischen einer Arterie und einer Vene und wird in der Regel für die Hämodialyse benötigt. Häufig wird der Dialyseshunt am Unterarm, seltener am Oberarm angelegt, damit ein hoher Blutfluss für die Blutwäsche erreicht und die Vene zuverlässig punktiert werden kann. Die Shuntanlage erfolgt operativ und kann je nach Befund ambulant unter örtlicher Betäubung oder in Narkose durchgeführt werden. Nach der Operation reift der Shunt über mehrere Wochen, bis die Gefäßwand stabil genug ist und die Punktion sicher gelingt. Mögliche Probleme sind Engstellen oder ein Shuntverschluss, die sich meist frühzeitig erkennen und behandeln lassen. Neben dem Dialyseshunt gibt es weitere medizinische Shunts, etwa portosystemische Verbindungen, im Fokus steht hier jedoch die Versorgung für die Nierendialyse.

Empfohlene Shuntchirurgen

Kurzübersicht:

Ein Shunt bezeichnet eine arteriovenöse Fistel als dauerhaft nutzbaren Zugang für die Dialyse. Durch die Verbindung von Arterie und Vene entsteht ein hoher Blutfluss, der eine effektive Dialyse ermöglicht. Die Shuntanlage wird geplant, operativ geschaffen und nach einer Reifephase regelmäßig punktiert. Regelmäßige Kontrollen helfen, Komplikationen wie Engstellen oder einen Shuntverschluss frühzeitig zu behandeln.

Artikelübersicht

Shunt - Weitere Informationen

Was ist ein Shunt eigentlich?

In der Medizin wird ein Shunt als Kurzschluss bezeichnet. Gemeint ist damit eine Verbindung zwischen zwei Blutgefäßen, die normalerweise getrennt sind.

Eine solche Verbindung entsteht entweder natürlich oder wird von Medizinern künstlich angelegt. Die Anlage eines Shunts dient dem Zweck, eine Therapie zu unterstützen.

Natürliche Shunts sind z.B. angeborene Fehlbildungen, die bereits im Embryonalstadium entstehen. Manche Shunts sind im Embryonalstadium normal (= physiologisch) und bilden sich nach der Geburt zurück. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist der Shunt zwischen großer Hauptschlagader und Lungenvene, welcher wichtig für den Embryonalkreislauf ist.

Welcher Shunt wird in der Medizin am häufigsten angelegt?

Der am häufigsten chirurgisch angelegte Shunt ist der Dialyseshunt. Hierbei wird meistens am Arm (beim Rechtshänder der linke, beim Linkshänder umgekehrt der rechte Arm) eine Verbindung zwischen der Arterie am Handgelenk und einer danebenliegenden Vene hergestellt. Dieser Shunt wird nach seinem Erstbeschreiber Ciminoshunt genannt. Wenn die Blutgefäße am Unterarm allerdings zu dünn oder verkalkt sind, wird die Verbindung in der Ellenbeuge oder am Oberarm angelegt.

Dialyseshunt
Darstellung eines Dialyseshunts © ひろみ きたはし| AdobeStock

Gibt es auch krankhafte Shunts?

Es können auch unbeabsichtigt Shunts entstehen, die in der Folge Probleme machen können. Zu nennen sind hier Shunts nach Punktion in der Leiste oder am Handgelenk im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung. Hierdurch kann eine Verbindung zwischen (bewußt angestochener) Schlagader und (unbeabsichtigt durchstochener) Vene entstehen, die sich im Laufe der Zeit ausdehnen. Im Extremfall führt der erhöhte Blutfluß in der Vene zu einer Belastung des rechten Herzens (hier fließt das venöse Blut hin) und es droht ein Herzversagen. Dann kann es notwendig sein, den Shunt (= arteriovenöse Fistel) durch eine Operation zu verschließen.

Wie funktioniert ein Dialyseshunt?

Bei der Dialyse muss ein Blutgefäß mit zwei dicken Nadeln angestochen werden, um über die eine Nadel das Blut aus dem Körper abzusaugen und im Dialysegerät zu reinigen. Nachdem das Dialysegerät die Funktion der Nieren übernommen und Giftstoffe aus dem Blut entfernt hat, wird das so gereinigte Blut über die andere Nadel wieder in den Körper zurückgeleitet. Diese Blutwäsche muß normalerweise 3x in der Woche durchgeführt werden und dauert jeweils ca. 3-5 Stunden.

Dialyseshunt
Dialyseshunt im Einsatz © Max Tactic | AdobeStock

Kann der Shunt gleich nach der Operation benutzt werden?

Damit diese Blutwäsche gut funktioniert und innerhalb weniger Stunden durchgeführt werden kann, muß das angestochene Gefäß (Shunt) bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  1. Es muss ausreichend dickwandig sein (> 0,6mm), um durch das Anstechen mit zwei dicken Nadeln nicht kaputt zu gehen.
  2. Es muss einen ausreichenden Fluß aufweisen (> 600ml/Minute), sonst ist die Blutwäsche nicht ausreichend und würde deutlich länger als 5 Stunden dauern.
  3. Es muss oberflächlich unter der Haut liegen, der Abstand zur Hautoberfläche sollte nicht > 6mm betragen. Andernfalls gäbe es Probleme beim Anstechen mit den Nadeln.

Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, muss der Shunt „reifen“, sich also entwickeln. Dies erfolgt nach Anlage der Verbindung zwischen Schlagader (hoher Druck) und Vene aufgrund des erhöhten Blutdruckes in der Vene (normalerweise niedriger Druck). Diese Reifephase dauert ca. 4 – 8 Wochen und sollte unbedingt abgewartet werden. Während der „Reifephase“ kann ein zu frühzeitiges Anstechen der Shuntvene zu Komplikationen bis zum Verschluss des Shunts führen.

Was kann man tun, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind?

Wenn die Voraussetzungen für die Anlage eines Shunts aus körpereigenen Gefäßen (sogenannte autologe Shunts) nicht vorliegen, können auch Kunststoff-Shunts (alloplastische Shunts) eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um Kunststoffröhren, die zwischen einer Schlagader und einer Vene eingenäht und nach einer gewissen Zeit dann regelmäßig angestochen werden. Die heutzutage verfügbaren Kunststoff -Shunts sind sehr gut verträglich. Abstoßungsreaktionen treten so gut wie nie auf. Allerdings kann sich der Kunststoff infizieren. Zudem ist die Entwicklung von Engstellen oder Aussackungen deutlich häufiger als bei körpereigenen Gefäßen. Aus diesem Grund sollte, wenn möglich, auf alloplastische Shunts verzichtet und autologen Varianten der Vorzug gegeben werden. 

Welche weiteren Komplikationen können entstehen?

Das Anlegen eines Shunts in das Gefäßsystem stellt keinen physiologischen Zustand dar. Daher treten im Shuntbereich häufig Komplikationen auf. Diese können unter Umständen einen langsam voranschreitenden oder abrupten Verschluss des Shunts bzw. seinen Verlust zur Folge haben.

Häufige Komplikationen sind:

  • Unzureichender Blutfluss durch Engstellen 
  • Verschluss des Shunts durch die Bildung von Gerinnseln im Blut (Thromben)
  • Aussackungen des Gefäßes
  • Hämatome durch Fehlpunktionen, bei denen ein Gefäß durchstochen wird
  • eine Shuntinfektion, die sogar eine Blutvergiftung (Sepsis) nach sich ziehen kann
  • eine Durchblutungsstörung der Hand, da der Shunt zuviel Blut abzapft (sogenanntes Steal-Syndrom). Es kommt dann zu Taubheitsgefühlen, Kälteempfinden, Schmerzen und einer Blaufärbung der Finger
  • eine Herzschwäche durch die vermehrte Volumenbelastung

Kann man diese Komplikationen beseitigen?

Viele Probleme, wie Engstellen, Verschlüsse, Aussackungen oder Blutergüsse kann man behandeln, in dem man den erkrankten Anteil entsprechend erweitert oder einengt sowie Blutergüsse entfernt. Eine Shuntinfektion kann oft erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden, teilweise muss der Shunt aber auch entfernt und an einer anderen Stelle neu angelegt werden. Wenn der Shunt zuviel Blut abzieht und zu einer Be- bzw. Überlastung des Herzens sowie einer Durchblutungsstörung der Hand führt, kann die Stillegung des Shunts (= Absetzen der Verbindung zwischen Arterie und Vene) notwendig sein.

Wielange hält so ein Shunt für die Dialyse?

Die Frage, wie lange ein Shunt hält, kann pauschal nicht beantwortet werden. Manche Shunts verschließen sich schon nach wenigen Wochen zum ersten Mal und haben dann in regelmäßigen Abständen immer wieder Probleme. Andere funktionieren nach 10 Jahren immer noch einwandfrei. Allgemein ist es aber so, dass Oberarmshunts länger halten als Unterarmshunts und autologe Varianten langlebiger sind als alloplastische.

Trotzdem sollte, wenn möglich, der Shunt soweit körperfern (Richtung Hand) angelegt werden wie möglich, da es sich bei der Niereninsuffizienz um eine chronische Erkrankung handelt. Bei komplett ausgefallener Nierenfunktion ist nicht mit einer Erholung zu rechnen, die Blutwäsche ist zeitlebens notwendig. Folglich sollten alle Gefäße des Armes von unten bis oben genutzt werden. Wenn ein Unterarm-Shunt im Laufe der Zeit nicht mehr funktioniert, kann anschließend ein Oberarm-Shunt angelegt werden. Wenn allerdings zuerst ein Oberarm-Shunt angelegt wird, kann im Verlauf nicht noch ein Unterarm-Shunt implantiert werden.

FAQ Häufige Fragen zum Shunt

Was ist ein Shunt in der Medizin genau?
Ein Shunt ist eine künstlich angelegte Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene, die den Blutfluss gezielt umleitet. Diese Kurzschlussverbindung, auch arteriovenöse Fistel oder AV-Fistel genannt, wird meist am Arm angelegt und dient als dauerhafter Zugang für die Dialyse. Der sogenannte Shunt ermöglicht es, dass das Blut mit ausreichendem Druck zur Blutwäsche entnommen und nach der Reinigung wieder zurückgeführt werden kann.

Wie wird ein Shunt angelegt und welche Narkose wird verwendet?
Die Shuntanlage erfolgt durch eine kleine Operation, bei der der Gefäßchirurg eine Arterie mit einer Vene verbindet. Der Eingriff kann unter örtlicher Betäubung, Teilnarkose oder in Vollnarkose erfolgen. Der klassische Shunt wird häufig am Unterarm oder Oberarm angelegt. Dabei entstehen stabile Gefäßverbindungen, die regelmäßig punktiert werden können, ohne Schaden zu nehmen. Nach der Operation muss der Shunt mehrere Wochen reifen, bevor er für die Dialyse verwendet wird.

Welche Aufgaben erfüllt ein Shunt bei der Dialyse?
Ein Shunt wird benötigt, um während der Hämodialyse eine schnelle und sichere Blutwäsche zu ermöglichen. Durch die künstlich angelegte Verbindung zwischen Arterie und Vene wird ein erhöhter Blutfluss erzeugt, der für die Behandlung erforderlich ist. Die Blutgefäße werden regelmäßig durch Ärzte in der Klinik für Nephrologie oder durch einen Radiologen kontrolliert, um Engstellen oder Gerinnsel frühzeitig zu erkennen.

Gibt es auch andere medizinische Shunts?
Ja, neben dem Dialyseshunt gibt es verschiedene Arten medizinischer Shunts. Ein portosystemischer Shunt verbindet beispielsweise das Pfortadersystem mit der unteren Hohlvene (Vena cava inferior), um den Druck in der Leber zu senken. Bei einem Hydrocephalus wird ein Shunt angelegt, um überschüssige Gehirnflüssigkeit abzuleiten. In all diesen Fällen handelt es sich um Kurzschlussverbindungen zwischen Blutgefäßen oder Körperräumen, die zur Behandlung bestimmter Erkrankungen notwendig sind.

Welche Komplikationen können bei einem Shunt auftreten?
Trotz der Routine des Eingriffs können Komplikationen nicht ausgeschlossen werden. Mögliche Probleme sind Blutgerinnsel, Engstellen in der Shuntvene oder ein Shuntverschluss. Gelegentlich kann sich die Gefäßwand entzünden oder es kommt zu einer unregelmäßigen Durchblutung. Wird ein Shunt zu früh oder unsachgemäß punktiert, kann es ebenfalls zu Störungen kommen. In solchen Fällen beurteilt der behandelnde Radiologe, ob der Shunt erweitert oder neu angelegt werden muss.

Wie lange hält ein Shunt und wie wird er überwacht?
Die Haltbarkeit eines Shunts hängt von der Art der Gefäße, dem Blutfluss und der regelmäßigen Kontrolle ab. Viele Shunts funktionieren über Jahre hinweg zuverlässig. Um Probleme frühzeitig zu erkennen, werden sie regelmäßig per Ultraschall oder durch bildgebende Verfahren überprüft. So können Engstellen oder ein drohender Verschluss rechtzeitig erkannt und behandelt werden.