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Tränenwegsoperation bei Tränenwegsstenose: Dakryozystorhinostomie und endonasale Verfahren in der Augenheilkunde

Die Tränenwegsoperation ist ein wichtiger Eingriff in der Augenheilkunde zur Behandlung von verengten oder verschlossenen Tränenwegen. Besonders bei einer Tränenwegsstenose kommt es zu einem gestörten Abfluss der Tränenflüssigkeit. In der Augenklinik wird häufig die Dakryozystorhinostomie durchgeführt, um eine neue Verbindung zwischen Tränensack und Nasenhöhle zu schaffen.

Diese Operation kann klassisch oder als endoskopische und endonasale Methode erfolgen. Ziel ist es, den natürlichen Abflussweg wiederherzustellen und Beschwerden wie tränende Augen zu reduzieren. Der Eingriff wird oft unter Vollnarkose durchgeführt und kann durch einen Schlauch unterstützt werden. Moderne Verfahren ermöglichen eine schonende Behandlung. Der Augenarzt entscheidet individuell über die geeignete Methode.

Empfohlene Tränenwegsoperation-Spezialisten

Kurzübersicht:

Die Tränenwegsoperation behandelt einen Verschluss oder eine Verengung der Tränenwege. Dabei wird ein neuer Abflussweg zwischen Tränensack und Nasenhöhle geschaffen. Die Operation erfolgt häufig in der Augenklinik unter Vollnarkose. Endoskopische Verfahren ermöglichen eine schonende und effektive Behandlung.

Artikelübersicht

Tränenwegsoperation - Weitere Informationen

Anatomischer Hintergrund

Die Tränendrüse am Auge produziert stetig Tränenflüssigkeit. Diese Flüssigkeit ist notwendig, um

  • die Augenoberfläche ständig zu befeuchten und
  • um Fremdkörper aus dem Auge spülen zu können.

Überschüssige Flüssigkeit sammelt sich normalerweise am unteren Lid. Von dort fließt sie über die Tränenwege zur Nase ab.

Der Tränenweg beginnt an den sogenannten „Tränenpunkten“. Das sind zwei kleine Öffnungen im oberen und unteren Augenlid. Durch diese Öffnungen gelangt die Flüssigkeit in einen kleinen Kanal („Canaliculus lacrimalis“). Der Kanal mündet in den Tränensack zwischen dem inneren Augenwinkel und der Nase. Der Tränensack führt dann in den Tränennasengang. Dieser verläuft durch die knöchernen Strukturen rund um die Nase.

Die Tränenflüssigkeit gelangt somit schlussendlich in die Nasenhöhle.

Anatomie des Tränenwegsystems des Auges
Anatomie des menschlichen Tränenwegsystems © Erin Silversmith | Wikimedia / Lizenz: CC BY-SA 2.5

Das Blinzeln mit den Augenlidern verteilt Tränenflüssigkeit gleichmäßig über die Augenvorderseite. So bleibt sie feucht und gesund. Dabei drücken die Lider gleichzeitig Flüssigkeit in die Tränenpunkte, durch die sie in den Tränenkanal gelangt.

Durch eine Blockade oder Verengung der Tränenwege (Tränenwegsstenose) kann die Flüssigkeit nicht abfließen. In der Folge kann sie nur über die Augenlider schwappen. Betroffene sehen dadurch so aus, als würden sie ständig weinen.

Darüber hinaus ist das Sehen beeinträchtigt. Patienten haben den Eindruck, „durch ein Aquarium zu schauen“. Vor allem beim Lesen fällt das auf.

Durch Tränen, die dauerhaft im Tränensack verbleiben, kann sich zudem eine sekundäre Infektion entwickeln.

Indikation für eine Tränenwegsoperation

Das häufigste Symptom einer Fehlfunktion des Tränenkanals ist eine übermäßige Tränenbildung. Diese kann von

  • Schleimbildung,
  • Augenreizung und
  • einer schmerzhaften Schwellung am inneren Augenwinkel

begleitet werden.

Eine genauere Untersuchung zeigt die Lage der Verengung und deren Ursache auf. Diese Verengung muss in der Regel durch einen operativen Eingriff beseitigt werden.

Bleibt eine Fehlfunktion des Tränenkanals unbehandelt, kann sich in der Folge eine Infektion entwickeln. Daraus wiederum entsteht manchmal

  • ein Abszess,
  • Zellulitis (Weichteil-Infektion) oder
  • eine Fistel (ein abnormer Tränenkanal, der vom Tränensack in die Haut führt).

Bei einem Abszess oder bei Zellulitis ist eine topische und systemische Antibiotika-Behandlung nötig. Dadurch verschwindet die Infektion.

Sobald dies erreicht ist, ist eine Tränenwegsoperation notwendig. Sie hat das Ziel,

  • den Tränenüberschuss im Zusammenhang mit der Fehlfunktion des Tränenkanals zu beseitigen und
  • eine wiederkehrende Infektion zu verhindern.

Auch alle anderen Fälle einer Fehlfunktion des Tränenkanals machen eine Tränenwegsoperation erforderlich.

Die Operationsmethode hängt von der genauen Diagnose ab.

Vorgehen bei einer Tränenwegsoperation

Alle Tränenwegsoperationen werden unter Vollnarkose durchgeführt. Eine Tränenwegsoperation kann entweder von außen mittels Toti-OP oder minimal-invasiv endoskopisch erfolgen.

Eine Toti-OP ist bei einer langstreckigen Verengung des Tränenkanals zwischen dem Tränensack und der Nase notwendig. Die OP wird auch Dakryozystorhinostomie (DCR) genannt. Bei dieser Tränenwegsoperation wird die Fehlfunktion des Tränenkanals operativ umgangen, es wird ein sogenannter Bypass angelegt. Der Operateur schafft einen neue Weg zur Nase, durch den die Tränenflüssigkeit abgeleitet wird.

Diese Tränenwegsoperation wird 

  • durch einen Hautschnitt (mit einer Erfolgsquote von 90 bis 95 Prozent) oder
  • einen Lasereingriff ohne Hautschnitt (mit einer Erfolgsquote von 75 Prozent)

durchgeführt.

Für eine endoskopische DCR muss der Chirurg die nasale Endoskopie beherrschen. Manchmal ist sie notwendig, um Anomalien der Nasenscheidewand oder der Nasenmuscheln zu korrigieren. Nur so ist in diesen Fällen ein Zugang möglich.

Nach dem Eingriff wird für drei Monate ein feines, weiches Silikonröhrchen platziert. Das Röhrchen stellt sicher, dass der chirurgische Bypass während der postoperativen Heilungsphase offen und funktionsfähig bleibt.

Sind die Tränenwege verengt, aber nicht vollständig verschlossen, spricht man von einer relativen Tränenwegsstenose. Hier kann eine Sondierung und Erweiterung der Tränenwege mittels Ballondilatation erfolgen. Die Tränenwege werden also mechanisch wieder erweitert. Nach dem Eingriff verbleibt für drei Monate ein Silikonröhrchen als Tränenwegsschienung.

Die Röhrchen halten den vergrößerten Tränenpunkt während der Heilungsphase offen. Das erhöht die Chance, dass diese Struktur dauerhaft vergrößert und funktionsfähig bleibt.

Tränenwegsoperation bei Kindern

Bei Kindern mit einer Fehlfunktion der Tränenwege ist die Ursache oftmals ein unvollständig entwickelter Tränennasengang. Bis zu 7 Prozent der Kinder sind von diesem Problem betroffen. Bei einigen Kindern öffnet sich der Tränenkanal spontan während des ersten Lebensjahres.

Passiert das nicht und bleiben die Symptome bestehen, ist eine kurze Tränenwegsoperation nötig. Dazu wird eine feine Metallsonde durch

  • die entscheidenden Teile des Tränenkanals (Tränenpunkte, Canaliculus, Tränensacks) und
  • die Kreuzung des Tränennasengangs mit der Nase (die sogenannte Hasner’sche Klappe)

geschoben.

Bei schweren oder wiederholten Fällen oder bei Kindern, deren Behandlung sich verzögert hat, wird die Sondierung in Verbindung mit einer Silikon-Intubation durchgeführt. Die Behandlung einer Stenose der Tränenwege über das Sondieren oder eine Silikon-Intubation hat eine extrem hohe Erfolgsquote.

Auch diese Tränenwegsoperationen am Tränenkanal werden unter Vollnarkose durchgeführt.

Nach der Tränenwegsoperation

Schmerzen sind nach der Tränenwegsoperation meist gering und es ist kein Verband erforderlich. Patienten tragen für 7 bis 10 Tage vor dem Schlafengehen eine antibiotische Salbe auf.

Wenn ein Hautschnitt durchgeführt wurde, hängt es vom verwendeten Nahtmaterial ab, ob die Fäden gezogen werden müssen. Bei Verwendung von selbstresorbierenden Fäden ist das nicht nötig.

Das Silikonröhrchen bleibt für etwa 3 Monate an Ort und Stelle. In den meisten Fällen dauert es lediglich 30 Sekunden, um dieses Röhrchen ambulant beim sitzenden Patienten im Sprechzimmer zu entfernen.

Risiken und Komplikationen einer Tränenwegsoperation

Blutungen und Infektionen, beides potenzielle Risiken einer Tränenwegsoperation, kommen sehr selten vor. Kleinere Quetschungen und Schwellungen sind an der Operationsstelle für ein bis zwei Wochen zu erwarten.

Gelegentlich kann sich später Narbengewebe bilden, das möglicherweise den neu geschaffenen Tränenkanal blockiert. In diesem Fall ist eine erneute chirurgische Tränenwegsoperation sinnvoll.

Die meisten Patienten erleben eine geringere Tränenbildung nach der Operation. Schmerzen treten nach der OP, wenn überhaupt, nur sehr leicht auf.

Zusatzwissen zur Tränenwegschirurgie

Die Chirurgie der Tränenwege ist eine Unterdisziplin der Augenheilkunde. Sie konzentriert sich auf Erkrankungen der Augenlider und des Tränenkanals.

In den 1970er und 1980er Jahren fielen die meisten Erkrankungen von Augenlid und Tränendrüse in den Zuständigkeitsbereich der allgemeinen Augenärzte. Heute sind die Umstände ein wenig anders. Erkrankungen von Augenlid und Tränendrüse kommen sehr häufig vor. Kleinere Störungen bilden einen bedeutenden Teil der Arbeitsbelastung der allgemeinen Augenheilkunde.

Manchmal können Störungen an Augenlid und Tränendrüse ohne OP behandelt werden. Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, werden sie zunehmend von Experten der Tränenwegschirurgie behandelt.

Die Chirurgie der Tränenwege bleibt Bestandteil des Ausbildungslehrplans zum Facharzt für Augenheilkunde. Allgemeine Augenärzte nehmen allgemein weniger komplexe Operationen vor, wie Korrekturen von Entropium und Ektropium.

Auf Tränenwegschirurgie spezialisierte Augenärzte haben häufig zusätzliche Weiterbildungen absolviert. Sie arbeiten teilweise ausschließlich in dieser Unterdisziplin.

Chirurgisches Repertoire des Tränenwegschirurgen 

Das chirurgische Repertoire des Tränenwegschirurgen umfasst

  • die Korrektur von Lidfehlstellungen (zum Beispiel Entropium, Ektropium, Ptosis, Lidretraktion aufgrund einer Fehlfunktion der Schilddrüse)
  • die Operation von eingewachsenen Wimpern
  • die Entfernung von Tumoren an den Lidern und dem umgebenden Gewebe
  • den Wiederaufbau dieses Gewebe nach der Tumorentfernung

Tränenwegschirurgen werden auch bei

  • übermäßiger Augennässe aufgrund einer Augenlid-Fehlstellung oder
  • einer Fehlfunktion des Tränenkanals

oft konsultiert.

Interdisziplinäre Behandlungsformen

Einige Chirurgen der Tränenwege nehmen auch ästhetische oder kosmetische Operationen vor. Sie bearbeiten die Augenlider und das periokuläre Gewebe, also das Gewebe um das Auge herum. Denkbar sind dabei

  • die optische Verjüngung des periokulären Gewebes
  • eine Änderung der Form der Augenbrauen
  • die Korrektur kleinerer Abweichungen der Augenlider

Diese operativen Eingriffe fallen normalerweise nicht in das Behandlungsgebiet eines HNO-Arztes. Viele der Techniken der ästhetischen Chirurgie ähneln denen der Chirurgie der Tränenwege.

Chirurgen der Tränenwege arbeiten oft eng mit Experten verwandter Disziplinen zusammen, wie etwa

Allerdings gehört die Tränenwegschirurgie streng in die Hand des okuloplastischen Chirurgen, also des Augenarztes. Er ist und bleibt primärer Ansprechpartner zur Behandlung des tränenden Auges.

Fazit

Das Fazit zeigt, dass die Tränenwegsoperation, insbesondere die DCR, ein etabliertes Verfahren der Augenheilkunde ist, das häufig in Zusammenarbeit mit der HNO durchgeführt wird. Bei einem Tränenwegsverschluss oder einer Verstopfung des Tränenkanals wird durch die Operation nach Toti eine künstliche Verbindung geschaffen, um den Tränenabfluss wiederherzustellen. Dabei kommen moderne endoskopische Verfahren zum Einsatz, bei denen ein Endoskop über die Nase eingeführt wird. Diese minimal-invasiver Eingriff ermöglicht eine schonende Behandlung ohne äußeren Schnitt.

Während der Operation wird die Nasenschleimhaut gezielt eingeschnitten, um Engstellen zu beseitigen und eine dauerhafte Öffnung zwischen Tränensack und Nasenhöhle zu schaffen. Die Tränenwegsoperation wird von der Nase aus durchgeführt, wobei die Schleimhaut vernäht und ein Schläuchlein eingesetzt werden kann, um die Tränenkanäle offen zu halten. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Tränenwegs-Intubation durchgeführt, bei der ein feiner Schlauch eingebracht wird. Dieser kann in seltenen Fällen verknotet oder erneut angepasst werden.

Nach dem Eingriff kann es kurzfristig zu verschwommenem Sehen kommen, insbesondere im Bereich des inneren Augenwinkels oder am Lid. Eine Nachsorge mit Augentropfen sowie regelmäßige Spülung des Tränenkanals sind wichtig für den Heilungsverlauf. Der Augenarzt kontrolliert den Bereich rund um den Augapfel und den Bindehautsack, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Die Erfolgsrate liegt insgesamt hoch, oft zwischen 6-12 Monaten bis zur vollständigen Stabilisierung. Besonders bei angeborenen Problemen im Kindesalter, etwa durch eine Membran oder verengte Tränenwege, kann die Operation frühzeitig helfen. Auch bei seltenen Ursachen wie einem Tumor ist ein operatives Vorgehen notwendig.

Insgesamt stellt die Tränenwegsoperation eine effektive Operationsmethode dar, um Erkrankungen der Tränenwege zu behandeln. Moderne Techniken wie endoskopischen Verfahren verbessern die Ergebnisse deutlich. Unterstützende Maßnahmen wie eine Nasentamponade helfen, den Heilungsprozess zu stabilisieren und den langfristigen Erfolg zu sichern.

FAQ

Was ist eine Tränenwegsoperation?

Eine Tränenwegsoperation ist ein operativer Eingriff zur Behandlung eines Verschlusses der ableitenden Tränenwege. Ziel ist es, den Abfluss der Tränenflüssigkeit wiederherzustellen.

Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation wird bei einer Tränenwegsstenose oder wiederkehrenden Entzündungen notwendig. Auch bei dauerhaftem Verschluss der Tränenkanäle ist ein Eingriff sinnvoll.

Wie läuft die Operation ab?

Bei der Dakryozystorhinostomie wird eine Öffnung zwischen Tränensack und Nasenhöhle geschaffen. Dies kann endoskopisch oder klassisch erfolgen.

Welche Risiken gibt es?

Mögliche Risiken sind Blutung, Nachblutung oder Infektion. Eine sorgfältige Nachsorge mit Augentropfen ist wichtig.

Wie ist die Heilung?

Nach der Operation kann eine Schwellung auftreten. Ein Silikonschlauch hält den Tränenweg offen, bis die Heilung abgeschlossen ist.