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Weitsichtigkeit: Hyperopie, Übersichtigkeit und Hypermetropie

27.04.2026
Priv.-Doz. Dr. med. Anja Liekfeld
Medizinische Fachautorin

Bei der Weitsichtigkeit ist die optische Abstimmung im Auge nicht ideal. Entweder ist die Brechkraft des Auges zu gering oder der Augapfel zu kurz. Dadurch werden die einfallenden Lichtstrahlen nicht genau auf der Netzhaut fokussiert, sondern erst hinter der Netzhaut. Vor allem in der Nähe wirkt das Bild dadurch häufig unscharf. In vielen Fällen helfen Brille oder Kontaktlinsen. Je nach Befund ist auch eine operative Korrektur der Weitsichtigkeit möglich.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie ausgewählte Spezialisten für Weitsichtigkeit.

ICD-Codes für diese Krankheit: H52.0

Kurzübersicht:

Die Weitsichtigkeit heißt im medizinischen Fachjargon Hyperopie oder Hypermetropie. Die Ursache für Weitsichtigkeit ist oft ein zu kurzer Augapfel oder eine zu geringe Brechkraft von Hornhaut und Augenlinse. Viele Betroffene sehen in jungen Jahren noch recht gut, weil die Linse fehlende Schärfe teilweise ausgleichen kann. Dieser Mechanismus über die inneren Augenmuskeln nennt man Akkommodation. Mit zunehmendem Alter nimmt die Elastizität der Linse ab. Dann treten häufiger Kopfschmerzen, Ermüdung der Augen oder Schwierigkeiten beim Lesen auf. Die Behandlung der Hyperopie ist in den meisten Fällen gut möglich.

Artikelübersicht

Definition: Weitsichtigkeit des Auges

Die Weitsichtigkeit ist eine Fehlsichtigkeit. Im gesunden Sehorgan werden Lichtreize so gebrochen, dass die Strahlen auf der Netzhaut gebündelt ankommen und ein scharfes Bild entsteht. Bei dieser Form der Fehlsichtigkeit werden die Strahlen jedoch nicht stark genug gebündelt. Dadurch fällt der Brennpunkt hinter die Ebene des scharfen Sehens.

Medizinisch unterscheidet man verschiedene Formen. Ist der Augapfel zu kurz gebaut, sprechen Fachleute von Achsenhyperopie. Liegt die Ursache eher in einer zu geringen optischen Wirkung, etwa im Verhältnis zur Brechkraft von Hornhaut oder Linse, handelt es sich um eienn Brechungshyperopie. Der Grund für die Hyperopie liegt also entweder in der Achsenlänge oder in der optischen Leistung.

Viele junge Menschen sind zunächst nur leicht betroffen. Wer leicht weitsichtig ist, kann das in jungen Jahren noch gut kompensieren. Die Augenlinse verändert dann ihre Form und erhöht vorübergehend die Brechkraft der Linse. Diese Akkommodation hilft, zeitweise wieder scharf sehen zu können. Dennoch bleibt dieser Sehfehler behandlungsbedürftig, wenn Beschwerden auftreten.

Bei Kleinkindern kann eine Weitsichtigkeit ein bestehendes Schielen verstärken.

Weitsichtigkeit

Abbildung: Schematische Darstellung eines weitsichtigen Auges. Es entsteht ein unscharfes Bild auf der Netzhaut.

Ursachen für Weitsichtigkeit

Die Entwicklung einer Weitsichtigkeit ist im Wesentlichen genetisch vorprogrammiert. Die Hyperopie ist also meistens vererbt und damit meist angeboren. Oft liegt ein kurzer Augapfel vor, das bedeutet der Augapfel ist meist angeboren etwas kürzer, als es für die vorhandene optische Leistung günstig wäre.

Bei Säuglingen ist eine leichte Ausprägung oft noch physiologisch. Mit dem Wachstum des Augapfels kann sich das Verhältnis zwischen Länge und Optik normalisieren. Deshalb kann eine gerine Form im Kindesalter wieder kleiner werden. Bleibt die anatomische Situation bestehen, bleibt auch die Weitsichtigkeit bestehen.

Daneben spielt die optische Qualität der vorderen und inneren Strukturen eine Rolle. Ist die Brechkraft von Hornhaut und Linse insgesamt zu gering, entsteht ebenfalls eine Hyperopie. Anders als bei der Kurzsichtigkeit werden die Lichtstrahlen hier nicht vor, sondern hinter der Bildebene fokussiert. Genau deshalb ist die Weitsichtigkeit so gebündelt, dass Nähe schlechter erkannt wird.

Mit dem Alter verändern sich die Beschwerden zusätzlich. Im Laufe des Lebens nimmt die Elastizität des optischen Systems ab. Vor allem lässt die Elastizität der Linse nach. Mit fortschreitendem Alter und besonders ab Mitte 40 kommt häufig Alterssichtigkeit hinzu. Diese zusätzliche Presbyopie verstärkt Probleme beim Lesen oder bei Bildschirmarbeit. Dadruch bemerken viele weitsichtige Menschen den Sehfehler später deutlich.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist fehlsichtig, davon wiederum die Hälfte weitsichtig (also insgesamt ein Viertel der Bevölkerung). 

Symptome der Hyperopie und Presbyopie

Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt von der Stärke der Weitsichtigkeit ab. Bei geringer Weitsichtigkeit fallen manchmal lange keine klaren Einschränkungen auf. Bei starker Weitsichtigkeit oder ausgeprägter Weitsichtigkeit treten Symptome früher auf.

Im Schul- oder Erwachsenenalter kann die Weitsichtigkeit durch Kopfschmerzen und Probleme vor allem beim Sehen in der Nähe auffallen, z.B. Probleme Gegenstände in der Nähe zu erkennen. Nahe Objekte erscheinen häufig unscharf, obwohl der Blick in die Ferne auf zunächst noch besser funktioniert. Viele Betroffene berichten über Druckgefühl, rasche Ermüdung und Konzentrationsprobleme bei Naharbeit. Auch Schwierigkeiten beim Lesen oder einen Brennen in den Augen ist möglich.

Weitsichtigkeit bei Kindern kann durch Schielen auffallen. Muss das Kind dauerhaft ausgleichen, können die Augen nach innen abweichen. Deshalb sollte schielen immer frühzeitig abgeklärt werden.

Lange Zeit kann das Auge die fehlende Schärfe noch ausgleichen. Doch dann sinkt die Sehschärfe, obwohl das Problem lange unbemerkt war. Besonders deutlich zeigt sich das bei Weitsichtigkeit im Alter.

Diagnose durch Sehtest beim Augenarzt und Korrektur der Weitsichtigkeit

Die Diagnose der Weitsichtigkeit stellt der Augenarzt anhand eines Sehtest. Dafür vermisst und refraktioniert er die Augen (er hält verschiedene Brillengläser vor das Auge, so lässt sich feststellen, welcher Brechwert erforderlich ist). Dies muss mit einer sogenannten Zyklo-Refraktion erfolgen. Vorher erhält der Patient Augentropfen, die die Pupillen weiten. So schalten Ärzte die Akkommodationsfähigkeit für die Messung aus.

Weitsichtigkeit wird in Dioptrien gemessen und in Dioptrien angegeben. Ein positiver Brechwert in dpt. Eine relevante Ausprägung kann schon bei 3 Dioptrien vorliegen, vor allem wenn Beschwerden bestehen.

Bei Bedarf misst der Augenarzt zusätzlich die Länge des Augapfels sowie die optische Wirkung von Hornhaut und Linse. So lässt sich die genaue Form unterscheiden. Da ist v.a. wichtig, wenn neben konservativen Maßnahmen weitere Behandlungsmöglichkeiten geprüft werden.

Behandlungsmöglichkeiten der Weitsichtigkeit

Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Weitsichtigkeit ist das Tragen einer Brille. Dabei sollten bei Kindern die Brillen alltags- und sporttauglich sein. Standard ist eine Sammellinse, die den Sehfehler ausgleicht.

Alternativ sind Kontaktlinsen möglich, um die Hyperopie zu korrigieren. Dabei müssen Patienten unbedingt auf eine zuverlässige Handhabung der Kontaktlinsen, vor allem in Hinblick auf Reinigung und Hygiene achten.

Ob Brille oder Kontaktlinse sinnvoller ist, hängt von Befund, Gewohnheiten und Verträglichkeit ab.

Außerdem sind harten Kontaktlinsen den weichen Kontaktlinsen vorzuziehen. Harte Kontaktlinsen sind schonender für die Augen als die weichen, auch wenn die Eingewöhnung deutlich schwieriger ist.

Harte Kontaktlinsen sind allerdings nicht für gelegentliches Tragen (z.B. zum Sport) geeignet. Dann ist Tages-Linsen der Vorzug zu geben.

Kontaktlinsen bei WeitsichtigkeitSphärische Kontaktlinsen sind die gängigste Option zur Korrektur von Weitsichtigkeit @ Kitreel /AdobeStock

Operative Behandlung der Hyperopie

Grundsätzlich sind auch Operationen zur Weitsichtigkeits-Korrektur an der Hornhaut oder an der Linse möglich. Dies nennt man refraktive Chirurgie. Dafür müssen Ärzte die Augen sorgfältig untersuchen, um festzustellen, ob ein solcher Eingriff in Frage kommt.

Je nach Befund wird die Form der Hornhaut verändert oder eine künstliche Linse eingesetzt. Eine solche Korrektur kommt jedoch nur infrage, wenn die Werte stabil sind und das Auge anatomisch geeignet ist. Ziel ist, dass der Sehfehler dauerhaft korrigiert wird.

Heilungsaussichten bei Weitsichtigkeit und Alterssichtigkeit

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Weitsichtigkeit bis zu einem gewissen Grad normal. Das Auge befindet sich noch im Wachstum. 

Die kindliche Weitsichtigkeit kann sich daher noch zurückbilden, wenn die Länge das Auges zunimmt. Im ausgewachsenen Auge hingegen bildet sich eine Hyperopie nicht mehr spontan zurück. 

Sie lässt sich durch Hilfsmittel (Brille oder Kontaktlinsen) im Alltag gut bewältigen. Eine Therapie ist außerdem durch einen operativen Eingriff möglich.

Sport bei Hyperopie

Bei der Wahl der Hilfsmittel oder des refraktiven Eingriffs sollten Sie unbedingt auf Sporttauglichkeit achten. Bei der Brille sind es vor allem Material der Gläser und Gestaltung der Bügel und des Gestells. 

Es existieren spezielle Sportbrillen, über die man sich beim Optiker informieren kann. Bei den Kontaktlinsen sind es vor allem weiche Tageslinsen, die geeignet sind.

Hinsichtlich eines operativen Eingriffs zur Weitsichtigkeit-Korrektur gibt es Unterschiede bei der Sporttauglichkeit. Vor allem Kontaktsportarten (z.B. Boxen) können eine Gefährdung für das Auge nach einem LASIK-Eingriff darstellen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Weitsichtigkeit?

Weitsichtigkeit bedeutet, dass Licht im optischen System nicht passend fokussiert wird. Der Brennpunkt liegt nicht auf der Netzhaut, sondern dahinter. Vor allem Nähe wird dadurch anstrengender zu sehen.

Ist Hyperopie dasselbe wie Übersichtigkeit?

Ja, Hyperopie ist der medizinische Begriff. Umgangssprachlich wrid teils auch von Übersichtigkeit gesprochen.

Woran merkt man, dass man weitsichtig ist?

Wer weitsichtig ist, bemerkt oft Probleme beim Lesen, schnell ermüdende Augen und unscharfes Sehen in der Naharbeit. Bei Kindern kann zusätzlich Schielen auftreten.

Was hilft bei Hypermetropie?

Häufig helfen Kontaktlinsen oder eine Brille. In bestimmten Fällen ist auch eine operative Korrektur der Weitsichtigkeit möglich.

Ist Hyperopie angeboren?

Ja, sehr oft. Die Hyperopie ist meist genetisch bedingt und damit angeboren.

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