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Erkrankung · Angiologie

May-Thurner-Syndrom (MTS): Angeborene Verengung der Venen als mögliche Ursache einer Beinvenenthrombose - Alles über das May Thurner Syndrom

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich May-Thurner-Syndrom. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand:

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Beim May-Thurner-Syndrom wird typischerweise die linke Beckenvene durch die darüber verlaufende rechte Beckenarterie gegen die Wirbelsäule komprimiert. Diese anatomische Verengung kann den venösen Blutfluss beeinträchtigen und eine linksseitige Schwellung sowie eine tiefe Beinvenenthrombose begünstigen. Zur Diagnostik können neben der körperlichen Untersuchung und Ultraschalluntersuchung unter anderem CT- oder MR-Venographie eingesetzt werden. Bei einem symptomatischen MTS reichen die Behandlungsmöglichkeiten je nach Befund von konservativen Maßnahmen bis zu endovaskulären Verfahren wie der Versorgung mit einem Stent.

Das May-Thurner-Syndrom ist ein venöses Kompressionssyndrom im Beckenbereich, das auch als MTS oder Iliac Vein Compression Syndrome (IVCS) bezeichnet wird. Typischerweise wird die linke Beckenvene beziehungsweise Vena iliaca communis zwischen der rechten Arteria iliaca communis und der Lendenwirbelsäule zusammengedrückt. Dadurch kann der Blutfluss aus dem linken Bein behindert werden, sodass sich ein erhöhter Druck in den Venen entwickelt.

Das Syndrom kann lange unbemerkt bleiben, aber auch Schwellung, Schmerzen im Bein, Krampfadern oder andere Zeichen einer chronisch venösen Abflussstörung verursachen. Bei ausgeprägter Verengung kann das Risiko für eine tiefe Venenthrombose beziehungsweise Beinvenenthrombose steigen.  Eine solche Thrombose kann wiederum zu Komplikationen wie einer Lungenembolie oder einem postthrombotischen Syndrom führen.

Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich danach, ob Beschwerden, eine relevante Engstelle oder bereits ein Blutgerinnsel vorliegen.

Ursachen und Entstehung des May-Thurner-Syndroms

Das May-Thurner-Syndrom bezeichnen Experten auch als Vena iliaca-Kompressionssyndrom. Die Vena iliaca befindet sich im Bauchraum auf Höhe des Kreuzbeins. In ihr vereint sich das Blut aus den Beinen und dem Becken- und Gesäßbereich, das zum Herzen zurückströmt.

Parallel zur Vena iliaca verläuft die Arteria iliaca. Auf der linken Seite überkreuzt die Arterie die Vene kurz und übt dadurch Druck auf diese aus. Durch die Lage direkt an der Wirbelsäule kann sie nicht ausweichen. Daher entsteht unter Umständen eine Engstelle in der Vene.

Führt der Druck durch die Arterie zu einer Venenverengung, werden die Gefäßwände an dieser Stelle besonders beansprucht. 

Durch häufige Reparaturen verdickt sich die Venenwand mit der Zeit, das Gefäß wird immer enger. Ein hoher Blutdruck (Hypertonie) fördert ebenfalls Verletzungen und Abnutzungserscheinungen an den Gefäßwänden.

Spezialisten für Diagnostik und Therapie bei Patienten mit May-Thurner-Syndrom sind Phlebologen. Sie sind Experten für das May-Thurner-Syndrom und andere Venenerkrankungen. Sie kennen sich bestens mit dem Aufbau und der Gesundheit von Blutgefäßen aus. Folgt eine Operation, dann ziehen die Phlebologen Gefäßchirurgen hinzu.

Symptome und Folgen beim May-Thurner-Syndrom

Das May-Thurner-Syndrom verläuft in der Regel lange Zeit asymptomatisch. Die bloße Anlage einer Engstelle im Bereich der Kreuzbeinvenen ist noch nicht problematisch. Durch die unweigerlich zunehmende Verengung kann das Blut aus dem linken Bein mit der Zeit jedoch immer schwerer abfließen. Das Blut staut sich in den Venen. Der Körper versucht daraufhin, das Blut über andere Gefäße zur Hohlvene zu leiten. Diese werden durch die erhöhte Last unter Umständen allerdings auch beschädigt.

Im fortgeschrittenen Stadium zeigt sich das Cockett-Syndrom folgendermaßen:

  • Eine Schwellung des linken Beins
  • Eine vermehrten Entstehung von Krampfadern
  • Schmerzen im Bein und an der verengten Stelle

Die schlimmste Folge des Vena-iliaca-Kompressionssyndroms ist eine tiefe Venenthrombose. Durch den Blutstau und andere Folgen der Venenverengung steigt das Thromboserisiko signifikant an: Durch die verminderte Fließgeschwindigkeit kann das Blut dort gerinnen und einen Thrombus bilden, der das ganze Gefäß verstopft. So leidet etwa jeder fünfte Patient mit einem May-Thurner-Syndrom an einer tiefen Venenthrombose. Meist erkennen Ärzte das May-Thurner-Syndrom erst, wenn eine Thrombose auftritt.

Symptome einer Venenthrombose sind:

  • Schwellung des Beins mit Spannungsgefühl
  • Gerötete Haut, eventuell auch mit Verfärbung ins Bläuliche
  • Überwärmung und Wärmegefühl im Bein
  • Schmerzen, die durch Hochlagerung besser werden

Eine tiefe Venenthrombose führt im schlimmsten Fall zu einer Lungenembolie. Dies ist der Fall, wenn sich das Blutgerinnsel von der Gefäßwand löst und im Blutkreislauf bis zur Lunge wandert. Weil die Venen dort klein und eng sind, bleibt das Gerinnsel stecken und verursacht Atemnot und starke Schmerzen.

Venen-Stents für das Bein
Bei einer tiefen Venenthrombose bildet sich das Blutgerinnsel in einer der tief in den Muskelschichten liegenden Venen @ hriana /AdobeStock

Bei einem May-Thurner-Syndrom im Anfangsstadium sind die Symptome nur leicht, da die Vene noch nicht zu stark verengt ist. Im weiteren Verlauf nimmt die Durchflusskapazität aber weiter ab. Die Beschwerden werden akut und eine Behandlung wird dringlich.

Eine Thrombose oder ein (fast) vollständiger Venenverschluss ist immer ein medizinischer Notfall. Durch den Blutstau und den Druck ist das gesamte Gewebe des Beins in Gefahr. Außerdem kann eine lebensgefährliche Lungenembolie folgen. Daher ist sofortiges Handeln notwendig.

Diagnose des May-Thurner-Syndroms

Den Verdacht auf eine Verengung der Vena iliaca können Spezialisten mittels eines Ultraschalls überprüfen. Oft kommt auch die sogenannte Venographie zum Einsatz. Bei dem auch als Phlebographie bekannte Verfahren injiziert ein Arzt ein starkes Röntgenkontrastmittel in die oberflächlichen Venen. Anschließend fertigt er Röntgenaufnahmen des Beins an. Auf diesen ist der Verlauf der Venen sichtbar. Experten nehmen in regelmäßigen Abständen mehrere Aufnahmen auf, um bestehende Engstellen abzubilden.

Eine Venographie darf aufgrund der Strahlenbelastung nicht bei heranwachsenden, schwangeren oder niereninsuffizienten Patienten zum Einsatz kommen. Bei diesen Patienten machen Ärzte einen Ultraschall oder ein MRT. Gerade bei großen Venen eignen sich diese Verfahren, weil sie zusätzliche Informationen über die Beschaffenheit des Gewebes liefern.

Therapie beim May-Thurner-Syndrom

Bei einem leichten Vena-iliaca-Kompressionssyndrom (leichte Schwellung des linken Beins) verschreibt der behandelnde Arzt das Tragen eines Kompressionsstrumpfs. Dieser verhindert den Blutstau im Bein und senkt das Thromboserisiko, weil sich die Venen im Bein nicht erweitern können.

Besteht bereits eine Thrombose und diagnostizieren Ärzte das May-Thurner-Syndrom, steht die Therapie der Thrombose im Vordergrund. Spezielle Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, löst sich der sogenannte Thrombus wieder auf. Wenn keine akute Gefahr mehr besteht, folgt die Anamnese und wie es zu der Entstehung kommen konnte.

Bei einer starken Schädigung oder Verengung der Vena iliaca im Rahmen des Cockett-Syndroms besteht ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist das Tragen eines Kompressionsstrumpfs nicht mehr ausreichend, um die Venenerweiterung zu verhindern. 

Damit sich die betroffene Stelle nicht weiter verengt, führen Ärzte eine Operation durch. Bei dieser setzen die Ärzte sogenannte Stents in die Venen ein. Die kleinen Röhrchen aus Metallgeflecht unterstützen die Gefäßwand und sorgen dafür, dass sie sich nicht mehr verengen. Sie bleiben lebenslang im Körper und werden in der Regel nicht als Fremdkörper angegriffen.

Thrombose am Bein
Erweiterungsmöglichkeiten eines verengten Blutgefäßes am Bein @ Solarisys /AdobeStock

Zusammenfassung

Das May-Thurner-Syndrom, kurz MTS oder IVCS, ist eine anatomische Verengung der Beckenvenen, die angeboren beziehungsweise entwicklungsbedingt vorhanden sein kann. Beim klassischen May Thurner wird die linke Vena iliaca communis von der rechten Arteria iliaca communis überkreuzt und gegen die Lendenwirbelsäule zusammengedrückt. Durch diese Engstelle und den anhaltenden Druck auf die Venenwand kann das Blut schlechter abfließen, wodurch sich Umgehungskreisläufe bilden und das Thromboserisiko steigen kann.

Das MTS kann insbesondere eine linksseitige Beinvenenthrombose beziehungsweise TVT begünstigen, bei der sich akut ein Blutgerinnsel in den Beinvenen bildet. Mögliche Folgen sind Schmerzen im Bein, Hautveränderungen, eine chronisch venöse Insuffizienz, ein postthrombotisches Syndrom oder bei einem Verschluss durch Blutgerinnsel eine Lungenembolie. Wird ein MTS diagnostiziert, gehören Anamnese, körperliche Untersuchung und Ultraschalluntersuchung zur Abklärung; für die Darstellung der verengten Gefäße im kleinen Becken können MRT beziehungsweise Magnetresonanztomographie, Kernspintomographie oder Untersuchungen mit Kontrastmittel eingesetzt werden.

Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach Beschwerden, Ausmaß der Venenverengung und individuellem Thromboserisiko und reichen von Blutverdünnung und Kompressionsstrümpfen bis zur Thrombolyse oder Behandlung mit einem Stent. Ein gesunder Lebensstil, ausreichend Bewegung und die Reduktion von Übergewicht können ergänzend sinnvoll sein, insbesondere wenn langes Stehen oder Sitzen den venösen Blutfluss zusätzlich belastet.

FAQ

Was ist das May-Thurner-Syndrom?
Das May-Thurner-Syndrom, kurz MTS, ist ein anatomisches venöses Kompressionssyndrom. In der klassischen Form wird die linke Vena iliaca communis beziehungsweise linke Beckenvene von der rechten Arteria iliaca communis gegen die Lendenwirbelsäule gedrückt. Dadurch kann eine Engstelle entstehen, die den Blutfluss aus dem linken Bein beeinträchtigt. Die anatomische Kompression allein kann asymptomatisch bleiben; von einem klinisch relevanten May-Thurner-Syndrom wird insbesondere bei entsprechenden Beschwerden oder Komplikationen gesprochen.

Welche Symptome verursacht das May-Thurner-Syndrom?
Mögliche Beschwerden sind eine meist linksseitige Schwellung, Schmerzen im Bein, ein Spannungsgefühl, Krampfadern und Hautveränderungen. Bei einer stärkeren Venenverengung kann sich das Blut zurückstauen. Bildet sich zusätzlich ein Blutgerinnsel, kann eine tiefe Venenthrombose beziehungsweise TVT auftreten. Bei plötzlich auftretender einseitiger Beinschwellung und Schmerzen sollte deshalb eine Thrombose zeitnah ärztlich ausgeschlossen werden.

Ist das May-Thurner-Syndrom angeboren?
Dem klassischen May-Thurner-Syndrom liegt eine anatomische Konstellation zugrunde, bei der die rechte Arteria iliaca communis die linke Beckenvene überkreuzt und gegen die Wirbelsäule komprimieren kann. Diese anatomische Variante ist nicht automatisch eine Erkrankung und kann vollständig symptomlos bleiben. Erst wenn die Kompression den venösen Abfluss relevant beeinträchtigt und Beschwerden oder eine Thrombose verursacht, erhält sie klinische Bedeutung.

Wie wird das May-Thurner-Syndrom diagnostiziert?
Zur Diagnostik gehören Anamnese und körperliche Untersuchung sowie bildgebende Verfahren. Eine Ultraschalluntersuchung dient häufig als erster Schritt, insbesondere um eine Venenthrombose in den Beinvenen zu erkennen. Da die Beckenvenen mit Ultraschall nicht immer vollständig beurteilbar sind, können CT-Venographie oder MRT beziehungsweise MR-Venographie notwendig werden, um die Engstelle und den venösen Blutfluss genauer darzustellen.

Wie wird das May-Thurner-Syndrom behandelt?
Die Behandlungsmöglichkeiten hängen davon ab, wie ausgeprägt die Verengung ist und ob bereits eine akute Thrombose besteht. Bei venösen Beschwerden können unter anderem Kompressionsstrümpfe eingesetzt werden. Bei einer Thrombose sind eine Blutverdünnung und in ausgewählten Fällen eine kathetergestützte Thrombolyse beziehungsweise Entfernung des Blutgerinnsels mögliche Bestandteile der Behandlung. Bei einer klinisch relevanten Venenverengung kann die Beckenvene endovaskulär mit einem Stent offengehalten werden

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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Quellen
  • https://www.medizin-kompakt.de/vena-iliaca-kompressionssyndrom
  • https://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2018/oeaez-18-25092018/endovaskulaere-venoese-rekanalisation-stents-fuer-die-venen.html
  • https://en.wikipedia.org/wiki/May%E2%80%93Thurner_syndrome#Diagnosis
  • Jöres, A. & Diehm, N. Einseitige Beinschwellung post partum, Radiologe (2013) 53: 341
  • https://eref.thieme.de/cockpits/0/0/coRadOGW00576/0
  • https://www.kenhub.com/de/library/anatomie/vena-iliaca-communis

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