Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein Stolpern auf dem Gehweg oder ein Sturz beim Sport – und schon ist es passiert. Reflexartig versuchen wir, den Fall mit der Hand abzufangen. Die Wucht des Aufpralls kann jedoch zu viel für unsere Knochen sein, und ein Handgelenksbruch ist die schmerzhafte Folge. Diese Verletzung zählt zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt und betrifft Menschen jeden Alters, vom aktiven Kind bis zum Senior. Doch was passiert genau im Handgelenk, wenn es bricht? Ist immer eine Operation notwendig oder reicht ein Gips? In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über die Diagnose, moderne Therapieverfahren wie die Plattenosteosynthese und wie Sie die Beweglichkeit Ihrer Hand schnellstmöglich wiedererlangen.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Anatomie und Ursachen: Wenn der Radius bricht
- Symptome: Schwellung und Fehlstellung
- Diagnostik in der Orthopädie und Unfallchirurgie
- Konservative Behandlung: Gips und Ruhigstellung
- Operative Therapie: Wann muss operiert werden?
- Nachbehandlung und Rehabilitation
- FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Handgelenksbruch
Anatomie und Ursachen: Wenn der Radius bricht
Das Handgelenk ist ein komplexes Gelenk, das aus den beiden Unterarmknochen Speiche (Radius) und Elle (Ulna) sowie den acht Handwurzelknochen besteht. Bei einem Handgelenksbruch bricht am häufigsten der distale, also körperferne Teil der Speiche. Daher sprechen Mediziner meist von einer distalen Radiusfraktur. Dieser Bruch macht etwa 25 Prozent aller Frakturen bei Erwachsenen aus und ist damit der häufigste Knochenbruch beim Menschen.
Die klassische Ursache ist ein Sturz, den man mit der Hand abfangen möchte. Bei jüngeren Menschen sind oft Sportunfälle oder Stürze aus größerer Höhe (Hochrasanztrauma) verantwortlich. Hierbei wirken enorme Kräfte auf den Knochen, was oft zu komplizierten, offenen Brüchen oder Begleitverletzungen an Bändern und Weichteilen führt.
Bei älteren Menschen hingegen genügt oft schon ein Bagatelltrauma, wie ein Stolpern in der Wohnung. Der Grund dafür liegt oft in der Knochenstruktur. Ältere Menschen, insbesondere Frauen nach den Wechseljahren, leiden häufig unter Knochenschwund. Bei Menschen mit Osteoporose ist die Knochendichte vermindert, sodass der Knochen schon bei geringer Belastung brechen kann. Mehr Informationen zu den Ursachen und der Behandlung dieser Grunderkrankung finden Sie in unserem Artikel über Osteoporose.
Symptome: Schwellung und Fehlstellung
Ein Handgelenksbruch macht sich meist unmittelbar bemerkbar. Die betroffene Hand schmerzt stark, besonders bei Bewegung. Innerhalb kurzer Zeit tritt eine deutliche Schwellung auf, oft begleitet von einem Bluterguss. Ein sicheres Zeichen für einen verschobenen Bruch ist eine sichtbare Fehlstellung des Handgelenks, die oft als Bajonett-Stellung beschrieben wird.
Zusätzlich können Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit in den Fingern auftreten, wenn durch die Schwellung oder verschobene Knochenfragmente Nerven bedrängt werden. Dies ist ein Warnsignal und sollte sofort ärztlich abgeklärt werden. Auch eine Bewegungseinschränkung ist typisch; Greifen oder Drehen des Unterarms ist kaum noch möglich.
Diagnostik in der Orthopädie und Unfallchirurgie
Der Weg zur Diagnose führt zunächst über das klinische Gespräch und die Untersuchung der Handfunktion, Durchblutung und Sensibilität. Um den Verdacht zu bestätigen und die Art der Fraktur genau zu bestimmen, ist eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen unerlässlich. Das Röntgenbild zeigt, ob es sich um einen einfachen Bruch, einen Trümmerbruch oder eine Gelenkbeteiligung handelt.
Bei komplexen Brüchen, insbesondere wenn die Gelenkfläche betroffen ist, wird zusätzlich eine Computertomographie (CT) durchgeführt. Diese Schichtbildaufnahme ermöglicht eine präzise Planung der Versorgung des Bruches, da sie die Lage der einzelnen Knochenfragmente dreidimensional darstellt. In seltenen Fällen, etwa zum Ausschluss von Bandverletzungen, kann auch eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) sinnvoll sein.
Konservative Behandlung: Gips und Ruhigstellung
Nicht jeder Handgelenksbruch muss operiert werden. Wenn der Bruch stabil ist und sich die Knochenteile nicht oder nur minimal verschoben haben, ist eine konservative Behandlung das Mittel der Wahl. Auch bei Patienten, deren Allgemeinzustand eine Operation nicht zulässt, wird konservativ behandelt.
Dabei wird der Bruch zunächst, falls nötig, durch Zug und Druck in die korrekte Position gebracht (Reposition). Anschließend wird das Handgelenk in einem Gips oder einer festen Schiene ruhiggestellt. Die Ruhigstellung dauert in der Regel 4 bis 6 Wochen. Regelmäßige Röntgenkontrollen sind wichtig, um ein erneutes Abkippen der Fraktur im Gips rechtzeitig zu erkennen.

Anatomie der menschlichen Hand @ Alila Medical Media /AdobeStock
Operative Therapie: Wann muss operiert werden?
Ist der Bruch instabil, sind die Knochenstücke stark verschoben oder reicht der Bruch bis in die Gelenkfläche, wird der Handgelenksbruch meist operativ behandelt. Ziel der Operation ist es, die Anatomie exakt wiederherzustellen, um eine spätere Arthrose (Gelenkverschleiß) und Fehlstellungen zu vermeiden.
Plattenosteosynthese Der Goldstandard in der Handchirurgie ist heute die Versorgung mit einer winkelstabilen Plattenosteosynthese. Dabei wird über einen Hautschnitt eine Titanplatte auf die Speiche geschraubt, die den Bruch stabilisiert. Der Vorteil: Das Handgelenk ist oft sofort übungsstabil und muss nicht lange Zeit ruhiggestellt werden.
Kirschner-Drähte und Fixateur externe Bei bestimmten Bruchformen, oft bei Kindern oder sehr weichem Knochen, können auch Drähte (Kirschner-Drähte) zur Stabilisierung eingebracht werden. Bei offenen Brüchen oder schweren Weichteilschäden kommt oft ein Fixateur externe zum Einsatz. Dies ist ein Metallgestell, das von außen am Knochen befestigt wird und den Bruch stabil hält, ohne dass direkt im verletzten Gebiet operiert werden muss.
Mehr über die Möglichkeiten der chirurgischen Versorgung an der Hand erfahren Sie in unserem Fachbereich Handchirurgie.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Egal ob operativ oder konservativ: Die Nachbehandlung ist entscheidend für den Erfolg. Wird das Handgelenk längere Zeit ruhiggestellt, neigt es zur Einsteifung. Daher sollte frühzeitig mit Bewegungsübungen begonnen werden. Hierbei unterstützen Physiotherapie und spezielle Handtherapie.
Zunächst stehen der Rückgang der Schwellung und die Erhaltung der Beweglichkeit der Finger im Vordergrund. Später folgen Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und zur Wiederherstellung der vollen Handgelenksfunktion und Handfunktion. Bis das Handgelenk wieder voll belastbar ist, können je nach Schwere des Bruches 3 bis 6 Monate vergehen.

Behandlung Speichenbruch mit Titanplatte @ Henrie /AdobeStock
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Handgelenksbruch
Wie lange dauert die Heilung bei einem Handgelenksbruch?
Die knöcherne Heilung dauert in der Regel etwa 6 Wochen. Bis die volle Belastbarkeit und Beweglichkeit wiederhergestellt sind, vergehen jedoch oft 3 bis 6 Monate. Nach einer Operation mit Plattenosteosynthese kann meist früher mit Bewegungsübungen begonnen werden als bei einer konservativen Gipsbehandlung.
Wann ist eine Operation notwendig?
Operativ behandelt werden Brüche, die instabil sind, bei denen die Knochenfragmente verschoben sind (Dislokation) oder die Gelenkfläche betroffen ist. Auch wenn Nerven oder Gefäße verletzt sind oder es sich um einen offenen Bruch handelt, ist eine Operation unumgänglich, um Fehlstellungen und Funktionsverlust zu vermeiden.
Kann ich mit einem Gips Auto fahren?
Nein, mit einem Gips oder einer Schiene am Handgelenk sind Sie im Straßenverkehr nicht sicher unterwegs. Die Versicherung kann im Falle eines Unfalls die Haftung ablehnen. Sie sollten erst wieder Auto fahren, wenn die Hand voll funktionsfähig und belastbar ist.
Was ist eine distale Radiusfraktur?
Distale Radiusfraktur ist der medizinische Fachbegriff für den klassischen Handgelenksbruch. "Distal" bedeutet körperfern, "Radius" ist die Speiche. Es bricht also das Ende der Speiche, das direkt das Handgelenk bildet. Es ist die Radiusfraktur, die am häufigsten vorkommt.
Welche Komplikationen können auftreten?
Mögliche Komplikationen sind eine Bewegungseinschränkung, chronische Schmerzen oder eine Fehlstellung, wenn der Knochen nicht korrekt zusammenwächst. Auch Verletzungen von Nerven (z.B. Karpaltunnelsyndrom) oder der Riss einer Sehne sind möglich. Eine seltene, aber ernste Komplikation ist der Morbus Sudeck (CRPS), eine schmerzhafte Durchblutungs- und Stoffwechselstörung.
Muss das Metall wieder entfernt werden?
Platten und Schrauben aus Titan können oft im Körper verbleiben, wenn sie nicht stören. Wenn sie jedoch Sehnen reizen oder bei sehr schlanken Patienten unter der Haut drücken, können sie nach vollständiger Heilung des Knochens (meist nach 6 bis 12 Monaten) in einem kleinen Eingriff entfernt werden.
Was sind Begleitverletzungen?
Oft bricht nicht nur die Speiche. Häufig reißt auch der Griffelfortsatz der Elle (Ulna) ab. Auch Bänder im Handgelenk, wie das skapholunäre Band, oder der Discus triangularis (eine Art Meniskus im Handgelenk) können verletzt sein. Solche Begleitverletzungen an den Weichteilen müssen erkannt und mitbehandelt werden, um eine Instabilität zu verhindern. Mehr dazu lesen Sie auch im Artikel zur TFCC Läsion.
Hilft Ernährung bei der Heilung?
Ja, eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D unterstützt die Knochenheilung. Besonders bei Patienten mit Osteoporose ist dies wichtig, um die Knochenqualität zu verbessern und weiteren Brüchen vorzubeugen. Rauchen hingegen kann die Knochenheilung verzögern und sollte vermieden werden.










