Ein unglücklicher Sturz beim Sport, ein Arbeitsunfall oder ein emotionaler Moment mit einem Faustschlag gegen die Wand – die Ursachen für eine Verletzung der Hand sind vielfältig. Wenn die Handfläche schmerzt und der Handrücken anschwillt, liegt oft ein Mittelhandbruch vor. Diese Fraktur der Röhrenknochen, die das Handgelenk mit den Fingern verbinden, schränkt die Greiffunktion massiv ein. Ob ein solcher Bruch konservativ mit einer Schiene ausheilt oder ob eine Operation erforderlich ist, hängt stark von der Art der Fraktur und der Fehlstellung ab. In der Handchirurgie wird differenziert zwischen Schaftfrakturen, Basisfrakturen wie der Bennett-Fraktur und den typischen Köpfchenbrüchen. Eine präzise Diagnose und Therapie sind entscheidend, damit die Beweglichkeit der Hand vollständig zurückkehrt.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Anatomie und Entstehung: Mittelhandbruch oder Mittelhandknochenbruch?
- Symptome: Wann besteht Verdacht auf einen Mittelhandbruch?
- Spezielle Formen: Bennett-Fraktur und Rolando-Fraktur
- Diagnostik: Das Röntgenbild gibt Klarheit
- Konservative Behandlung: Wann reicht eine Schiene?
- Operative Behandlung: Platten, Schrauben und Drähte
- Heilung und Prognose
- FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Mittelhandbruch
Anatomie und Entstehung: Mittelhandbruch oder Mittelhandknochenbruch?
Die menschliche Hand ist ein Wunderwerk der Mechanik. Zwischen der Handwurzel und den Fingern liegen die fünf Mittelhandknochen. Ein Bruch dieser Knochen wird als Mittelhandbruch oder Mittelhandknochenbruch bezeichnet. Jeder dieser Knochen besteht aus einer Basis (nahe der Handwurzel), einem Schaft und einem Köpfchen (nahe den Fingern).
Die häufigste Ursache für einen Bruch ist direkte Gewalteinwirkung. Ein Mittelhandbruch entsteht meist durch einen Sturz auf die Hand oder durch Faustschläge gegen harte Widerstände. Besonders der 5. Mittelhandknochen (kleiner Finger) ist gefährdet. Ein typischer Bruch mit Abkippen des Knochenkopfes wird hier als Boxerfraktur bezeichnet. Doch auch Schaftfrakturen der anderen Strahlen sind keine Seltenheit. Je nach Ausmaß der Gewalteinwirkung kann es sich um einfache Brüche oder komplexe Trümmerbrüche handeln.
Symptome: Wann besteht Verdacht auf einen Mittelhandbruch?
Ein Mittelhandbruch ist schmerzhaft und führt fast immer zu einer sofortigen Funktionseinschränkung. Der Verdacht auf einen Mittelhandbruch liegt nahe, wenn nach einem Trauma folgende Symptome auftreten:
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Schwellung: Eine deutliche Schwellung am Handrücken ist fast immer vorhanden, da das Gewebe (Weichteile) stark reagiert.
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Schmerzen: Druck auf den Mittelhandknochen oder Zug am Finger löst Schmerzen aus.
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Fehlstellung: Oft ist der betroffene Finger verkürzt oder rotiert. Beim Faustschluss überkreuzen sich die Finger (sogenannter Fingerscissoring), was auf einen Mittelhandbruch hindeuten kann.
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Beweglichkeit: Die Beweglichkeit der Hand ist stark eingeschränkt, die Faust kann nicht mehr geschlossen werden.
Begleitverletzungen an Sehnen, Nerven oder Gefäßen müssen immer ausgeschlossen werden, da ein Bruch durch zusätzliche Verletzungen kompliziert werden kann. Offene Frakturen, bei denen Knochenbruchstücke die Haut durchspießen oder zusätzliche Verletzungen des Haut-Weichteilmantels offen liegen, sind Notfälle.
Spezielle Formen: Bennett-Fraktur und Rolando-Fraktur
Besondere Aufmerksamkeit in der Handchirurgie erfordern Brüche an der Basis des 1. Mittelhandknochens (Daumen).
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Bennett-Fraktur: Dies ist eine Verrenkungsfraktur an der Basis des 1. Mittelhandknochens mit Gelenkbeteiligung. Durch den Zug der Sehne des langen Daumenabspreizers kommt es zu einer Fehlstellung. Da die Gelenkfläche betroffen ist, ist fast immer eine operative Behandlung notwendig.
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Rolando-Fraktur: Sie ähnelt der Bennett-Fraktur, ist jedoch meist ein T- oder Y-förmiger Trümmerbruch an der Basis. Auch hier ist die Prognose ohne exakte Rekonstruktion schlechter, da Arthrose droht.
Diagnostik: Das Röntgenbild gibt Klarheit
Die Diagnose wird durch die klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren gesichert. Der Arzt prüft Durchblutung, Motorik und Sensibilität (DMS-Kontrolle), um Schäden an einem Gefäß oder Nerv auszuschließen.
Die Röntgenuntersuchung ist der Goldstandard. Eine Röntgenaufnahme in zwei Ebenen zeigt die Lokalisation des Bruchs (Basis, Schaft, Köpfchen) und den Verlauf der Bruchlinien. Ein Röntgenbild hilft auch, Luxationen in der Handwurzel auszuschließen. Bei komplexen Brüchen der Handwurzel oder Basisfrakturen kann eine Computertomographie (CT) nötig sein.
Frakturen im Mittelhandknochen bezeichnen Experten oft auch als Boxerfrakturen, weil sie häufig durch einen Schlag auf einen harten Gegenstand entstehen @ bilderzwerg /AdobeStock
Konservative Behandlung: Wann reicht eine Schiene?
Nicht jeder Bruch muss operiert werden. Ob eine konservative oder operative Behandlung erfolgt, hängt von der Verschiebung der Knochenbruchstücke ab. Ist der Bruch stabil und liegt keine Rotationsfehlstellung vor, ist eine konservative Behandlung ausreichend.
Hierbei wird die Hand in einer Gipsschiene oder einem Cast ruhiggestellt. Die Ruhigstellung erfolgt meist in der sogenannten Intrinsic-Plus-Stellung, um eine Schrumpfung der Bänder zu verhindern. Die konservative Behandlung kann in den meisten Fällen ambulant erfolgen. Wichtig sind regelmäßige Röntgenkontrollen, um ein Abrutschen (sekundäre Dislokation) zu erkennen. Die Schiene verbleibt meist für 3 bis 5 Wochen.
Operative Behandlung: Platten, Schrauben und Drähte
Ist der Mittelhandbruch instabil, offen oder liegt eine Gelenkbeteiligung vor (wie bei der Bennett-Fraktur), ist eine Operation erforderlich. Auch bei einem Bruch des Mittelhandknochens entsteht beim ungerichteten Faustschlag oft eine starke Abkippung (Boxerfraktur), die operativ korrigiert werden sollte, wenn sie das Greifen stört.
Die operative Behandlung erfolgt in der Regel in der Handchirurgie. Um die Operation schmerzfrei durchführen zu können, erhält der Patient eine Vollnarkose oder eine Plexusanästhesie (Betäubung des Armnervengeflechts).
Gängige Verfahren sind:
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Kirschner-Draht-Osteosynthese: Ein Draht wird in den Knochen eingebohrt, um das Bruchstück zu stabilisieren. Dies wird oft minimalinvasiv (perkutan) unter Röntgenkontrolle gemacht.
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Plattenosteosynthese: Bei Schaftfrakturen werden Mini-Titanplatten auf den Knochen geschraubt. Dies erlaubt eine übungsstabile Versorgung, sodass die Hand nicht lange ruhiggestellt werden muss.
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Schrauben: Lange Spiralbrüche lassen sich oft allein durch Schrauben fixieren.
Wird der Mittelhandbruch operiert, kann oft schon am Tag nach Operation mit vorsichtigen Bewegungsübungen begonnen werden. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber der konservativen Therapie, da die Hand geschont, aber bewegt wird.
Für weitere Informationen zu verwandten Verletzungen lesen Sie auch unsere Artikel über Fingerbruch und Handgelenksbruch.

Bei unverschobenen Brüchen reicht es aus, die Hand mit einer Schiene zu fixieren @ Katja /AdobeStock
Heilung und Prognose
Die Prognose bei einem Mittelhandbruch ist meist gut. Die knöcherne Heilung dauert etwa 6 Wochen. Schwellung und Bewegungseinschränkung können jedoch länger anhalten. Eine konsequente Physiotherapie ist entscheidend, um die Beweglichkeit der Finger und der Handfläche wiederherzustellen.
Komplikationen sind selten, können aber auftreten. Dazu gehören das Verheilen in Fehlstellung (Malunion), Pseudarthrose (Falschgelenkbildung) oder das komplex-regionale Schmerzsyndrom (CRPS). Wird der Mittelhandbruch nicht operiert, obwohl es nötig gewesen wäre, kann dies zu dauerhaften Problemen beim Greifen führen.
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Mittelhandbruch
Wie lange dauert es, bis ein Mittelhandbruch geheilt ist?
Ein Mittelhandbruch braucht in der Regel 4 bis 6 Wochen, bis der Knochen stabil verheilt ist. Bis die volle Belastbarkeit (z.B. für Sport oder schwere Arbeit) wiederhergestellt ist, können 8 bis 12 Wochen vergehen. Der Heilungsverlauf hängt stark davon ab, ob konservativ oder operativ behandelt wurde.
Wann muss ein Mittelhandbruch operiert werden?
Eine Operation ist erforderlich, wenn der Bruch instabil ist, sich die Knochenbruchstücke verschoben haben oder eine Rotationsfehlstellung der Finger vorliegt. Auch bei Brüchen mit Gelenkbeteiligung (z.B. Bennett-Fraktur oder Rolando-Fraktur) und offenen Frakturen wird operativ versorgt.
Was ist eine Boxerfraktur?
Die Boxerfraktur ist ein typischer Bruch des 5. Mittelhandknochens (kleiner Finger), meist im Bereich des Köpfchens. Sie entsteht klassischerweise durch Faustschläge gegen einen harten Gegenstand. Oft kippt das Köpfchen dabei ab, was als sichtbare Delle am Handrücken (verstrichener Knöchel) erkennbar bleibt.
Ist die Operation schmerzfrei?
Ja, während der Operation spüren Sie nichts. Der Eingriff wird in Vollnarkose oder lokaler Betäubung (Plexusanästhesie) durchgeführt. Um die Operation schmerzfrei durchführen zu können, werden starke Anästhetika verwendet. Nach der OP helfen Schmerzmittel gegen die Wundschmerzen.
Wie wird konservativ behandelt?
Bei der konservativen Behandlung wird der Bruch, falls nötig, eingerichtet und dann mit einer Gipsschiene oder einem Cast ruhiggestellt. Die Ruhigstellung erfolgt meist so, dass die Fingergelenke noch beweglich sind (Intrinsic-Plus-Stellung). Regelmäßige Röntgenkontrollen sind wichtig.
Kann ich die Hand nach der OP bewegen?
Ja, das ist oft das Ziel der Operation. Durch die Stabilisierung mit Platten oder Schrauben ist der Bruch "übungsstabil". Das heißt, Sie dürfen die Finger meist schon am Tag nach Operation bewegen, um Verklebungen der Sehnen zu vermeiden. Belasten dürfen Sie die Hand jedoch noch nicht.
Was sind Anzeichen für einen Bruch?
Starke Schwellung am Handrücken, Schmerzen bei Bewegung, Blutergüsse und eine Fehlstellung der Finger (z.B. Überkreuzen beim Faustschluss) lassen auf einen Mittelhandbruch hindeuten. Ein Röntgenbild bringt Gewissheit.
Welche Komplikationen gibt es?
Mögliche Komplikationen sind Infektionen (besonders bei offenen Brüchen oder nach OP), Nervenschäden, Sehnenverklebungen oder ein Verheilen in Fehlstellung. Auch eine verzögerte Knochenheilung ist möglich. Bei der Wahl des Behandlungsverfahrens spielen diese Risiken eine Rolle in der Abwägung.
Quellen
https://www.apotheken.de/krankheiten/4491-mittelhandbruch
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/weisseritztal/unser-angebot/unsere-fachbereiche/handchirurgie/mittelhandbruch/










