Der Gehörgang ist ein Durchlass im Schädelknochen, durch den Schallwellen von außen zum Trommelfell gelangen. Die äußeren zwei Drittel des Gehörgangs bestehen aus beweglichem Knorpel, ein Drittel des Gehörgangs ist knöchern.
Bei einer Gehörgangsexostose bildet sich hier eine Knochenvermehrung, die den Gehörgang verengt. Ursache dafür kann ein Reiz der Knochenhaut sein, etwa bei Schwimmern durch das Eintreten von kühlem Wasser in den Gehörgang.
Eine Gehörgangsexostose ist nicht bösartig, wie etwa ein Tumor. Die Problematik besteht vielmehr in der fortschreitenden Einengung des Gehörganges.

Der Gehörgang verbindet das äußere Ohr mit den innenliegenden Hörorganen. Eine Gehörgangsexostose verengt den Gehörgang © Henrie | AdobeStock
Durch die Einengung des Gehörganges verbleibt häufiger nach dem Baden oder Duschen Wasser im Gehörgangsbereich.
Auch Ohrenschmalz kann sich so vermehrt ansammeln und zu wiederkehrenden Gehörgangsentzündungen sorgen.
Weitere Schwierigkeiten können sich für Träger von Hörgeräten oder Lärmschutzvorrichtungen ergeben.
Der richtige Ansprechpartner für Probleme mit dem Ohr oder dem Hören ist der Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO). Er führt eine routinemäßige Gehörgangsinspektion und eine Trommelfellmikroskopie durch. Den Befund vergleicht er mit der Gegenseite, also dem anderen Ohr. Dadurch werden individuelle Unterschiede beim Patienten klarer sichtbar.
Bei diesen Untersuchungen kann der Arzt auch weitere Erkrankungen diagnostizieren, etwa
Die Knochenexostosen sind beim Abtasten (Palpation) hart und aufgrund der Knochenhaut relativ schmerzempfindlich.
Ein routinemäßiger Hörtest sollte bei einer Gehörgangsexostose präoperativ durchgeführt werden. Eine Computertomographie ist nur in Ausnahmefällen bei Fehlbildungen oder Knochenerkrankungen notwendig.
Bei entsprechender Beschwerdesymptomatik besteht die Behandlung einer Exostose im Gehörgang in der chirurgischen Abtragung (Gehörgangsplastik). Diese erfolgt in der Regel in Vollnarkose, ist jedoch auch in lokaler Betäubung durchführbar.
Der Zugangsweg zum knöchernen Gehörgang wird entweder über einen Hautschnitt vor oder hinter der Ohrmuschel geschaffen. Im Anschluss erfolgt dann das sorgfältige Präparieren und Ablösen der Gehörgangshaut von den knöchernen Anbauten – dem zusätzlichen Knochenwachstum. Das Hauptziel ist dabei die Erhaltung der Gehörgangshaut.
Die Abtragung erfolgt mit Diamantbohrern verschiedener Größe unter mikroskopischer Sicht. Damit schleift der Arzt den Knochen ab und weitet den Gehörgang.
Anschließend erfolgt die Rückverlagerung der Gehörgangshaut auf den glatt geschliffenen Knochen. Mithilfe von Silikonfolien schient der Arzt den Gehörgang.
Zum Abschluss setzt er eine Gehörgangstamponade aus Baumwollgaze oder einem Gel ein. Die Tamponade presst die Gehörgangshaut an den Knochen und begünstigt dadurch eine bessere Wundheilung.
Die Hautnaht und der Kopfverband mit Wickel beendet die Operation.
Nach dem Eingriff erfolgt eine regelmäßige Wundkontrolle. Auch eine Hörkontrolle ist notwendig, um das Resultat der Operation zu überprüfen.
Die Fäden der Hautnähte werden nach 8 bis 10 Tagen entfernt.
Die Gehörgangstamponade verbleibt für einige Tage bis hin zu wenigen Wochen im Ohr. Die Dauer hängt vom verwendeten Tamponadenmaterial und der Einschätzung des Operateurs ab. Meistens wird die Tamponade zwischen dem 5. und 21. Tag nach Operation entfernt.
Nach der Hauttransplantation von Spalthaut kann die Verwendung von Salben sinnvoll sein. Sie fördern die Wundheilung und helfen dabei, Narbenbildungen im Gehörgang zu vermeiden.
Zu den Risiken der Exostosenabtragung zählen die Verletzung
- des Trommelfells,
- des Gesichtsnerven (N. facialis),
- des Geschmacksnerven (Chorda tympani) sowie
- eine Entzündung des Wundgebietes mit Vernarbung, Wundheilungsstörung und freiliegendem Gehörgangsknochen.
Eine Hörminderung durch den Lärm und Fortleitung des Bohrlärmes über den Knochen zur Hörschnecke ist selten, ebenso wie Schwindel durch Erschütterungen.
Während der OP wird der Gesichtsnerv mithilfe von Neuromonitoring routinemäßig überwacht. Das Risiko, den Gesichtsnerven (N. facialis) zu verletzen, ist daher eine sehr seltene Komplikation.
Bei freiliegenden Knochenanteilen durch nicht zu erhaltende Gehörgangshaut kann Spalthaut hinter dem Ohr entnommen werden. Der Arzt verpflanzt sie dann in den Defekt.
Die Gehörgangsplastik mit den Diamantbohrern stellt eine gute Möglichkeit zur Entfernung von Exostosen dar. Der Patient profitiert davon durch einen deutlichen Nutzen für seine Gehörgangsengeproblematik.