Lagerungsschwindel zählt zu den häufigsten Ursachen für plötzlich auftretendendes Schwindelgefühl. Besonders häufig tritt der gutartige Lagerungsschwindel bei älteren Menschen zwischen 40 und 70 Jahren auf. Typisch sind kurze Schwindelattacken, die durch bestimmte Bewegungen des Kopfes oder beim Hinlegen ausgelöst werden.
Der benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel entsteht durch eine Ablösung kleiner Otolithen im Innenohr. Diese Steinchen gelangen in die Bogengänge des Innenohrs und reizen dort das Gleichgewichtsorgan. Dadurch entstehen Drehschwindel, Nystagmus, Übelkeit und manchmal Erbrechen.
Die Behandlung erfolgt meist durch spezielle Lagerungsmanöver oder Befreiungsmanöver, die die Kristalle wieder aus den Bogengängen entfernen sollen. Lagerungsschwindel ist die häufigste gutartige Schwindelform und in den meisten Fällen gut behandelbar.
Definition: Was ist Lagerungsschwindel?
Bei Lagerungsschwindel leiden die Betroffenen unter wiederkehrenden Schwindelattacken. Sie treten immer dann auf, wenn der Betroffene seine Lage verändert – beispielsweise wenn er sich hinlegt, den Kopf dreht, hebt oder senkt.
Lagerungsschwindel entsteht nur durch schnelle Lageänderungen. Im Sitzen, im Liegen oder beim Laufen sind die Patienten schwindelfrei.
Besonders charakteristisch ist, dass der Schwindel mit einer kurzen Zeitverzögerung nach der Bewegung auftritt. Der Schwindelanfall hält im Schnitt 30 Sekunden bis maximal 2 Minuten an.
Es handelt sich um eine harmlose Erkrankung, die den Alltag und die Lebensqualität jedoch stark beeinträchtigen kann. Umso wichtiger ist es daher, dass Betroffene lernen, mit den Symptomen zu leben. Akute Schwindelattacken lassen sich durch bestimmte Manöver deutlich lindern.
Typische Symptome bei Lagerungsschwindel
In den meisten Fällen kommt es zu schubartigem Drehschwindel, der wenige Sekunden bis hin zu maximal zwei Minuten andauern kann.
Wie andere Schwindelformen auch geht der Lagerungsschwindel häufig mit Begleitsymptomen wie
- Übelkeit und Erbrechen,
- durch die Bewegungen im Bett auch Schlafstörungen
einher. Vor allem ältere Patienten haben zudem ein erhöhtes Sturzrisiko.
Unbehandelter Lagerungsschwindel kann außerdem zu einem Vermeidungsverhalten führen. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Körperhaltung aus. Nicht zuletzt haben unbehandelte Betroffene häufiger depressive Verstimmungen.
Wodurch wird Lagerungsschwindel verursacht?
Im Innenohr befinden sich kleine Kristalle, die die Schwerkraft an den Sinneszellen verstärken, die sogenannten Otholiten (Ohrensteine). Unter bestimmten Umständen können sie sich von ihrem ursprünglichen Standort lösen und in den mit Flüssigkeit gefüllten Bogengang wandern.
Bei Bewegungen des Kopfes geschieht nun Folgendes: Die Otholiten bewegen sich mit und senden Signale an das Gehirn. Dieses kann die eingehenden Informationen jedoch nicht mit denen der anderen Organe – etwa der Augen – vereinbaren. Dadurch kommt es zu Schwindelgefühlen und Gleichgewichtsstörungen.
Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr © Henrie - Adobe Stock.
Die Ablösung der Otholiten ist ein vollkommen natürlicher Alterungsprozess. Lagerungsschwindel tritt daher meist bei älteren Menschen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Des Weiteren wird die Entstehung des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels durch folgende Faktoren begünstigt:
- Schädelhirntrauma/Kopfverletzungen
- Entzündung des Innenohrs
- Entzündung des Gleichgewichtsorgans
- Operative Eingriffe am Kleinhirn
- Migräne
- Morbus Menière
Untersuchung & Diagnose: Was macht der Arzt?
Bei wiederkehrenden Schwindelattacken empfiehlt es sich, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen. Auch der Hausarzt kann erste Anlaufstelle sein. Er überweist den Patienten bei Bedarf an einen HNO-Arzt oder einen Neurologen.
Zu Beginn der Untersuchung findet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch statt, die sogenannte Anamnese. Bereits dieses Gespräch kann dem Arzt wichtige Hinweise auf die Ursache des Schwindels geben.
Er führt anschließend einen Hörtest durch und testet zudem das Gleichgewichts- und Hörorgan. So kann er bestimmte Erkrankungen – beispielsweise einen Hörsturz – ausschließen.
Hegt er den Verdacht auf einen Lagerungsschwindel, kann er diesen z.B. durch die sogenannte Dix-Hallpike-Lagerungsprobe erhärten. Er bittet den Patienten, sich aufrecht auf die Untersuchungsliege zu setzen, den Kopf um 45 Grad zur Seite zu drehen und sich dann hinzulegen.
Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel erleidet der Patient nun eine Schwindelattacke. Häufig wird sie von unwillkürlichen, schnellen Augenbewegungen (Nystagmus) begleitet. Der Schwindel lässt innerhalb von maximal zwei Minuten wieder nach.
Wie wird Lagerungsschwindel therapiert?
Eine Therapie mit Medikamenten oder ein operativer Eingriff kommen beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel nicht infrage. Stattdessen erlernt der Patient Techniken, mit deren Hilfe er Schwindel vermeiden oder akute Schwindelattacken effektiv lindern kann.
Eventuell erhält er vom Arzt auch Anweisungen, sogenannte Befreiungsmanöver durchzuführen. Zu diesem Zweck wurden zwei Manöver entwickelt: das Eplay-Manöver und das Brandt-Daroff-Manöver. Damit könnn die Kristalle aus den Bogengängen wieder in das richtige Organ (den Utrikulus) bewegt werden.
Bei der Durchführung der Manöver sind einige Hinweise zu beachten. Daher sollten Patienten sich von ihrem HNO-Arzt oder von einem Physiotherapeuten gründlich in diese Übungen einweisen lassen. Dazu gibt es spezielle Lagerungstrainings.
Diese Manöver sind auch für Laien sehr leicht durchzuführen und in ca. 80 % der Fälle sind die Patienten nach der ersten Behandlung auch komplett beschwerdefrei. Beim Lagerungsschwindel geht es nicht um eine Gewöhnung, sondern man beseitigt durch diese Übungen die Ursache.
Verlauf und Prognose
Die Prognose bei Lagerungsschwindel ist gut, sofern sich der Patient auf die Behandlung einlässt. Er muss die vom Arzt verordneten Übungen konsequent durchführen. Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel kann sich damit vollständig zurückbilden.
In vielen Fällen tritt er jedoch schubweise immer wieder auf. Der Betroffene kann die Schwindelattacken dann durch vorab erlernte Befreiungsmanöver effektiv lindern oder verkürzen.
Fazit
Obwohl Lagerungsschwindel in der Regel harmlos ist, sollten Betroffene die Symptome nicht einfach ignorieren. Sie sollten in jedem Fall einen Spezialisten aufsuchen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
FAQ
Was ist Lagerungsschwindel?
Lagerungsschwindel ist eine gutartig verlaufende Schwindelform des Gleichgewichtsorgans. Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, auch BPLS oder Vertigo genannt, entsteht durch eine Ablösung kleiner Steinchen beziehungsweise Kristall-Strukturen im Innenohr. Diese gelangen in die Bogengänge und lösen anfallsweise Schwindelattacken aus.
Welche Symptome treten bei Lagerungsschwindel auf?
Typische Symptome des Lagerungsschwindel sind plötzlich auftretendender Drehschwindel, Schwindelgefühl, Nystagmus sowie Übelkeit und Erbrechen. Häufig treten die Beschwerden beim Umdrehen im Bett, beim Aufrichten oder bei Kopfbewegungen auf. Auch Augenbewegungen beziehungsweise Augenzittern können beobachtet werden.
Wie entsteht ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel?
Der benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel entsteht durch Otolithen, die sich von den Sinneszellen lösen. Diese Kristalle bewegen sich in den Bogengängen des Innenohrs und reizen das Gleichgewichtsorgan. Ursachen für Lagerungsschwindel können Alter, Bettlägerigkeit oder bestimmte Bewegungen des Kopfes sein.
Wie wird Lagerungsschwindel behandelt?
Die Behandlung erfolgt meist durch spezielle Lagerungsmanöver oder Befreiungsmanöver. Dabei wird der Kopf oft in einem Winkel von 45 Grad bewegt, damit die Steinchen aus den Bogengängen zurückgeführt werden. Ergänzend können Lagerungstraining oder in seltenen Fällen Medikament beziehungsweise Antivertiginosa eingesetzt werden.
Wann sollte man mit Lagerungsschwindel zum Arzt gehen?
Wenn Schwindelattacke, Übelkeit oder Schwindelanfall länger anhalten oder andere Schwindelformen wie Morbus Menière vermutet werden, sollte ärztlich eine Diagnose und Behandlung erfolgen. Besonders bei häufig auftretenden Beschwerden oder Unsicherheit über die Symptomatik ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
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