Morbus Menière - Informationen und Spezialisten

10.05.2022
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Der Morbus Menière, oder auch anfallartiger Drehschwindel genannt, ist eine Art von Schwindel, die plötzlich (anfallartig) einsetzt und dann für Minuten bis Stunden bestehen kann. Die Fallneigung ist zu dieser Zeit stark erhöht. Ursächlich für den Morbus Menière ist ein Lymphstau im Innenohr, der zu einem Druckanstieg und zu Membranschäden führt. Letztere ermöglichen einen unkontrollierten Lymphaustritt, den das Gehirn fälschlicherweise als Lageänderung des Körpers versteht. Die Folge: Schwindel.

Wie ein solcher Morbus Menière erkannt und behandelt wird und bei welchen Fachärzten Sie sich damit vorstellen sollten, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

ICD-Codes für diese Krankheit: H81.0

Empfohlene Spezialisten für Morbus Menière

Artikelübersicht

Wie häufig ist der Morbus Menière?

Der Morbus Menière tritt vor allem im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Frauen sind von ihm häufiger betroffen als Männer. Etwa 13 von 100.000 Menschen erkranken in Mitteleuropa jedes Jahr neu am Morbus Menière.

Darüber hinaus kann der Morbus Menière auch mit weiteren Erkrankungen assoziiert sein. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Komorbiditäten. Am häufigsten treten dabei Migräne oder eine rheumatoide Arthritis auf.

Welche Ursachen hat der Morbus Menière?

Die genauen Ursachen für den anfallartigen Drehschwindel sind auch heute noch weitestgehend unbekannt. Im Regelfall wird von einem sogenannten endolymphatischen Hydrops (vermehrte Bildung von Endolymphe) in Kombination mit einer gestörten Innenohrhomöostase ausgegangen. Das heißt, dass es im Innenohr zu einer Veränderung der Druckverhältnisse der Lymphe kommt, welche die empfindlichen Membranen im Innenohr schädigt und zu Mißempfindungen im Lagesinn führen kann. Das spontane Verkleben der gerissenen Membranen wiederum soll dann schließlich das Ende des Schwindelanfalls verursachen.

Hinzu zu rechnen sind in etwa 7–15 % der Fälle erbliche Ursachen. So finden sich häufig bei Kindern mit Morbus Menière weitere Fälle in der Familie (= positive Familienanamnese).

Welche Symptome deuten auf einen Morbus Menière?

Der Morbus Menière umfasst neben dem ausgeprägten Drehschwindel noch weitere charakteristische Symptome, welche gemeinsam eine sogenannte Symptom-Trias bilden:

  • akuter Drehschwindel, der sogar Übelkeit und Erbrechen verursachen kann
  • Tinnitus, der einseitig und mit tiefem Rauschen auftritt
  • Hörminderung, welche mit einem Druckgefühl im betroffenen Ohr einhergeht

Während einer Attacke kommt es häufig zu schnellen Augenbewegungen (Augenzittern, Nystagmus). Allerdings leidet nur etwa jeder fünfte Betroffene unter allen drei typischen Symptomen (Drehschwindel, Tinnitus, Hörminderung) für den Morbus Menière. Etwa 40 % der Menschen mit anfallartigem Drehschwindel leiden anfangs unter einem Hörsturz als einzigem Anzeichen für ihre Erkrankung. Die anderen zeigen überwiegend das Gleichgewicht betreffende Beschwerden.

Diagnostik beim anfallartigen Drehschwindel

Der Morbus Menière kann über verschiedene diagnostische Verfahren entdeckt werden. Dazu gehören z. B. die Audiometrie, die Untersuchung in der Kernspintomografie oder sogenannte Gleichgewichtstests.

Mit der Audiometrie wird beispielsweise die Hörminderung im mittleren und tiefen Frequenzbereich festgestellt. Die Untersuchung im Kernspintomografen (MRT) zeigt unter Kontrastmittel z. B. den Endolymphhydrops an, womit sich die Diagnose eines Morbus Menière sichern lässt. 

Zu den Gleichgewichtstests – medizinisch: Neuro-otologische Tests – gehören u.a.:

  • Nystagmus-Prüfung zum Nachweis der schnellen Augenbewegungen bei Schwindel
  • Unterberger-Tretversuch, bei dem Betroffene mit geschlossenen Augen 50 Mal auf der Stelle treten sollen, wobei sie dann bis zu 45° von der Ausgangsposition abweichen
  • Kopfimpulstest, bei dem der Patient gebeten wird, einen festen Punkt mit den Augen zu fixieren, z. B. die Nase des Arztes. Dieser wird den Kopf des Patienten dann schnell nach rechts und links drehen und die Augenbewegung dokumentieren.

Wichtig ist zudem, die Symptome des Morbus Menière auch differenzialdiagnostisch abzuklären. Was könnte also noch dahinter stecken? Ärzte werden so im Zweifelsfall weitere Untersuchungen durchführen, um z. B. einen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel, eine vestibuläre Migräne oder eine Neuropathia vestibularis auszuschließen.

Wie wird der Morbus Menière behandelt?

Für die Therapie des Morbus Menière stehen medikamentöse sowie operative Verfahren zur Verfügung. Letztere werden natürlich nur bei schweren Krankheitsfällen angewendet, die auf Medikamente nicht oder nicht ausreichend ansprechen.

Die symptomatische Therapie während eines Anfalls basiert insbesondere auf der Bettruhe und Sturzvermeidung. Zusätzlich können dann Medikamente gegen die Auswirkungen des Schwindels und einer damit verbundenen Übelkeit gegeben werden, sogenannte Antiemetika und Antivertiginosa. Betroffene sollten in der Zeit des akuten Anfalls auch Genussmittel wie Alkohol, Kaffee oder gesalzenes Essen vermeiden.

Prophylaktisch wird der Arzt Medikamente verordnen, die zukünftige Anfälle von Morbus Menière verhindern sollen. Dazu zählen u. a. Medikamente, die den Wasserhaushalt des Körpers beeinflussen, wie z. B. Diuretika zur Steigerung der Wasserausscheidung über die Nieren.

Operativ kann der Mittelohrbereich entlüftet werden, indem ein kleines Röhrchen in das Trommelfell eingebracht wird. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten auch die Funktion des Innenohrs operativ zu beeinflussen. Gegen die Hörminderung kann Patienten ein Hörgerät angepasst werden, sodass sich die Situation deutlich verbessert.

Welche Prognose hat der Morbus Menière?

Medikamentös lässt sich die Zahl der Schwindelattacken in den meisten Fällen innerhalb von 2–8 Jahren um 60–70 % verringern. Allerdings kommt es nicht selten in den ersten 10 Jahren der Erkrankung zu einer Hörminderung um bis zu 50 dB. Dabei kann die Hörleistung auch schwanken (fluktuieren). In seltenen Fällen kann es sogar zu einem beidseitigen Hörverlust kommen.

Welche Ärzte behandeln einen Morbus Menière?

Experten für den Morbus Menière sind in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis oder -Klinik zu finden. Oftmals handelt es sich um spezialisierte Schwindelmediziner. Je nach Symptomlage kann es aber insbesondere in der Diagnostik notwendig sein, auch Neurologen und Kardiologen mit einzubeziehen, um Ursachen für den Schwindel im Bereich der Nerven sowie des Herz-Kreislauf-Systems auszuschließen.

Quellen

amboss.com/de/wissen/Morbus_Meni%C3%A8re/
awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-078l_S2k_Vestibulaere-Funktionsstoerungen_2021-05.pdf
hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/schwindel/morbus-meniere.html
neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schwindel/meniere-krankheit
thieme.de/de/gesundheit/morbus-meniere-tinnitus-45185.htm
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