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Erkrankung · Allgemeine HNO

Morbus Meniere erkennen: Symptom Schwindel bei Morbus Menière richtig einordnen

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Morbus Menière. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Autor des FachartikelsLeading Medicine Guide RedaktionStand: ICD-10: H81.0

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Morbus Menière, auch Menière-Krankheit genannt, betrifft das Innenohr mit Gleichgewichtsorgan und Hörschnecke. Typisch sind plötzlich einsetzende Schwindelanfälle, die oft mit Übelkeit und Erbrechen, Tinitus sowie einer schwankenden Schwerhörigkeit verbunden sind. Die genaue Ursache ist nicht abschließend geklärt, als wichtiger Mechanismus gilt ein Flüssigkeitsstau im Innenohr. (medizinisch auch endolymphatischer Hydrops). Die Behandlung soll akute Beschwerden lindern, die Häufigkeit der Anfälle senken und das Hörvermögen möglichst lange erhalten. Erste Ansprechpartner sind HNO Fachärzte bei Bedarf auch Neurologen oder Kardiologen.

Morbus Meniere ist eine seltene Ekrankung des Innenohrs, bei der Betroffene anfallsartig unter starkem Drehschwindel leiden. Ein Anfall kann Minuten bis Stunden anhalten und das Gleichgewicht so stark beeinträchtigen, dass Stürze möglich sind. Häufig kommen Tinnitus, Ohrgeräusche, ein Druckgefühl sowie eine Hörminderung hinzu. 

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über Morbus Meniere, typsiche Beschwerden, Diagnostik, Symptome und Therapie sowie darüber, welche Fachärzte die Erkrankung behandeln.

Häufigkeit von Morbus Meniere

Morbus Menière tritt vor allem im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Etwa 13 von 100.000 Menschen erkranken in Mitteleuropa jedes Jahr neu an Morbus Menière.

Darüber hinaus kann Morbus Menière auch mit weiteren Erkrankungen assoziiert sein. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Komorbiditäten. Am häufigsten treten dabei Migräne oder eine rheumatoide Arthritis auf.

Definition: Was ist Morbus Menière

Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, die anfallsartig mit Drehschwindel, Hörminderung und Tinnitus einhergeht. Diese Kombination gilt als klassische Symptom-Trias.

Nicht bei allen Betroffenen treten jedoch von Beginn an alle Beschwerden gleichzeitig auf. Manche bemerken zunächst nur ein Symptom, etwa einen Hörsturz oder ein Ohrgeräusch.

Benannt ist sie Erkrankung nach dem französischen Arzt Prosper Menière.  Der Arzt Meniere beschrieb 1861 erstmals den Zusammenhang zwischen Schwindel Hörproblemen und dem Innenohr. Damals war das wichtig, weil Schwindel vorher häufig eher dem Gehirn zugeschrieben wurde.

Die Schreibweise Morbus Meniere findet sich ebenfalls häufig; korrekt ist im deutschen meist Morbus Menière.

Die Erkrankung betrifft in der Regel nur ein Ohr. Im Verlauf können in seltenen Fällen aber auch beide Ohren beteiligt sein. Besonders belastend ist, dass eine Attacke plötzlich auftreten kann und Betroffene währenddessen ihre Umgebung als rotierend erleben. Ebenso ist eine häufige Frequenz der Anfälle sehr belastend.

Welche Ursachen hat Morbus Menière?

Die genauen Ursachen für den anfallartigen Drehschwindel sind auch heute noch nicht vollständig geklärt.

Als zentraler Auslöser gilt meistens ein endolymphatischer Hydrops (vermehrte Bildung von Endolymphe) in Kombination mit einer gestörten Innenohrhomöostase.

Diese Flüssigkeit (Lymphe) ist wichtig, für die Funktion der Sinneszellen in der Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan. Gerät das Verhältnis von Endolymphe und Perilymphe aus dem Gleichgewicht, verändert sich der Druck im Innenohr. Dadurch tritt unkontrolliert Lymphe aus, was das Gehirn fälschlicherweise als Lageänderung des Körpers versteht. So entsteht das Schwindelgefühl.

Das spontane Verkleben der gerissenen Membranen wiederum beendet dann schließlich den Schwindelanfall.

Als Risikofaktoren werden familiäre Veranlagung, Durchblutungsstörungen, Autoimmunprozesse und weitere Begleiterkrankungen diskutiert. In einem Teil der Fälle finden sich mehrere Erkrankte in einer Familie. Bei Beginn der Erkrankung im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter ist daher eine positive Anamnese in der Familie besonders wichtig. Außerdem tritt sie teils zusammen mit Migräne oder rheumatoider Arthritis auf.

Welche Symptome deuten auf Morbus Menière?

Morbus Menière umfasst charakteristische Symptome. Sie bilden gemeinsam eine sogenannte Symptom-Trias und treten meist plötzlich auf:

Allerdings leidet nur etwa jeder fünfte Betroffene unter allen drei typischen Symptomen.

Während einer Attacke kommt es außerdem häufig zu schnellen Augenbewegungen (Augenzittern, Nystagmus). Etwa 40 % der Betroffenen leiden anfangs unter einem Hörsturz als einzigem Anzeichen für ihre Erkrankung. Die anderen zeigen überwiegend Gleichgewichtsbeschwerden.

Der Anfall kann Minuten bis Stunden anhalten und wird häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Der Tinnitus ist meist einseitig und wird oft als tiefes Rauschen oder Brummen beschrieben. Viele berichten auch über Ohrgeräusche, ein Druckgefühl oder ein Völlgefühl im betroffenen Ohr. Die Hörminderung betrifft anfangs häufig den Tieftonbereich. Deshalb fällt manchen Betroffenen zunächst auf, dass tiefe Stimmen oder tiefe Töne schlechter wahrgenommen werden.

Außerdem zählen zu den Symptomen auch Schwankungen des Hörvermögens. Nach einer Attacke kann sich das Hörvermögen zunächst wiedre bessern, im weiteren Verlauf der Krankheit aber zunehmend eingeschränkt bleiben. Daraus kann eine dauerhafte Schwerhörigkeit entstehen. In schweren Fällen kommt es im Krankheitsverlauf zur kompletten Schädigung.

Diagnostik bei Morbus Menière und Lagerungsschwindel

Die Diagnostik stützt sich auf die Beschwerden, Anamnese und verschiedene Untersuchungen.

Ärzte können Morbus Menière mittels verschiedener diagnostischer Verfahren diagnostizieren. Dazu gehören z. B.

  • eine Audiometrie,
  • Hörtestts,
  • eine Kernspintomographfie (MRT) oder
  • Gleichgewichtstests.

Mit der Audiometrie wird die Hörminderung im mittleren und tiefen Frequenzbereich festgestellt. Die Untersuchung im Kernspintomographen zeigt unter Kontrastmittel den Endolymphhydrops an. Damit lässt sich die Diagnose eines Morbus Menière sichern. 

Zu den Gleichgewichtstests – medizinisch: Neuro-otologische Tests – gehören u.a.:

  • Nystagmus-Prüfung zum Nachweis der schnellen Augenbewegungen bei Schwindel
  • Unterberger-Tretversuch, bei dem Betroffene mit geschlossenen Augen 50 Mal auf der Stelle treten sollen, Dabei weichen sie dann bis zu 45° von der Ausgangsposition ab
  • Kopfimpulstest, bei dem der Patient gebeten wird, einen festen Punkt mit den Augen zu fixieren, z. B. die Nase des Arztes. Dieser wird den Kopf des Patienten dann schnell nach rechts und links drehen und die Augenbewegung dokumentieren.

Wichtig ist zudem, die Symptome des Morbus Menière auch differenzialdiagnostisch abzuklären. Welche andere Erkrankung könnte also diese Symptome verursachen? Ärzte führen daher im Zweifelsfall weitere Untersuchungen durch, um z. B.

auszuschließen.

Ein MRT kann helfen, andere Ursachen auszuschließen und unter bestimmten Bedingungen einen endolymphatischen Hydrops sichtbar zu machen. 

Älterem Mann ist schwindelig
Bei Morbus Menière tritt bei Betroffenen anfallartig Schwindel auf © Satjawat | AdobeStock

Wie wird Schwindel, Übelkeit, Tinnitus und Hörverlust bei Morbus Menière behandelt?

Für die Therapie von Morbus Menière stehen medikamentöse sowie operative Eingriffe zur Verfügung. Letztere kommen nur bei schweren Krankheitsfällen zur Anwendung, z.B. wenn Medikamente nicht oder nicht ausreichend helfen.

Die symptomatische Therapie während eines Anfalls basiert insbesondere auf Bettruhe und Sturzvermeidung. Zusätzlich können dann Medikamente gegen die Auswirkungen des Schwindels und einer damit verbundenen Übelkeit gegeben werden, sogenannte Antiemetika (z.B. Gentamicin) und Antivertiginosa wie Betahistin. Betroffene sollten in der Zeit des akuten Anfalls auch Genussmittel wie Alkohol, Kaffee oder gesalzenes Essen vermeiden.

Prophylaktisch wird der Arzt Medikamente verordnen, die zukünftige Anfälle von Morbus Menière verhindern sollen. Dazu zählen u. a. Medikamente, die den Wasserhaushalt des Körpers beeinflussen, wie z. B. Diuretika zur Steigerung der Wasserausscheidung über die Nieren.

Eine Operation hat das Ziel, den Mittelohrbereich zu entlüften. Dabei wird ein kleines Röhrchen in das Trommelfell eingebracht. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, auch die Funktion des Innenohrs operativ zu beeinflussen.

Gegen die Hörminderung kann Patienten ein Hörgerät angepasst werden, sodass sich die Situation deutlich verbessert.

Eine Sakkotomie ist eine Operation am Saccus endolymphaticus, die bei schweren Symptomen der Menière-Krankheit eingesetzt werden kann. Sie soll den Flüssigkeitsstau im Mittelohr verringern und dadurch wiederkehrende Schwindelattacken lindern.

Welche Prognose und Krankheitsverlauf hat Morbus Menière?

Der Verlauf von Morbus Meniere ist individuell sehr unterschiedlich.

Medikamentös lässt sich die Zahl der Schwindelattacken in den meisten Fällen innerhalb von 2–8 Jahren um 60–70 % verringern.

Allerdings kommt es häufig in den ersten 10 Jahren der Erkrankung zu einer Hörminderung um bis zu 50 dB. Dabei kann die Hörleistung auch schwanken (fluktuieren). In seltenen Fällen kann es sogar zu einem beidseitigen Hörverlust kommen.

Besonders in den ersten Jahren nach Beginn der Erkrankung sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. So können Ärzte erkennen, ob sich der Verlauf der Krankheit stabilisiert oder ob weitere Maßnahmen nötig werden.

Welche Ärzte lindern die Symptome der Erkrankung am Innenohr?

Experten für Morbus Menière sind in der Hals-Nasen-Ohren-Praxis oder -Klinik zu finden. Oftmals handelt es sich um spezialisierte Schwindelmediziner.

Je nach Symptomlage kann es aber insbesondere in der Diagnostik notwendig sein, auch Neurologen und Kardiologen mit einzubeziehen. Sie können Ursachen im Bereich der Nerven sowie des Herz-Kreislauf-Systems für den Schwindel ausschließen.

Häufige Fragen zum Morbus Meniere Anfall und zur Menière-Krankheit

Ist Morbus Meniere gefährlich?

Morbus Menière ist in der Regel nicht lebensgefährlich. Gefährlich werden kann jedoch ein plötzlicher Anfall, weil Betroffene stürzen oder im Straßenverkehr die Kontrolle verlieren können. Deshalb sollten akute Beschwerden ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Wie fühlt sich ein Morbus Menière-Anfall an?

Ein Anfall fühlt sich meist wie starker Drehschwindel an. Viele Betroffene haben das Gefühl, die Umgebung drehe sich. Dazu können Übelkeit, Erbrechen, Tinnitus, Druck im Ohr und eine vorübergehende Hörminderung kommen.

Wie lange dauern Schwindelanfälle bei Morbus Menière?

Schwindelanfälle dauern oft 20 Minuten bis mehrere Stunden. In dieser Zeit sind Betroffene oft nicht belastbar und müssen sich hinlegen. Danach kann eine Erschöpfung zurückbleiben.

Kann Morbus Menière wieder verschwinden?

Morbus Menière verläuft chronisch, kann aber über längere Zeit ruhiger werden. Bei vielen Patienten nimmt die Häufigkeit der Schwindelattacken ab. Hörprobleme oder Tinnitius können jedoch bestehen bleiben.

Was sollte man bei Morbus Menière vermeiden?

Betroffen sollten individuelle Auslöser beachten. Häufig werden Stress, Alkohol, Nikotin, sehr salzreiche Ernährung und Schlafmangel als belastend empfunden. Sinnvoll ist eine ärztlich abgestimmte Strategie statt pauschaler Verbote.

Welcher Arzt behandelt Morbus Meniere?

Erster Ansprechpartner ist ein HNO-Facharzt. Bei unklaren Beschwerden können zusätzlich Neurologen oder Kardiologen beteiligt sein, um andere Ursachen für Schwindel auszuschließen.

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Quellen
  • amboss.com/de/wissen/Morbus_Meni%C3%A8re/
  • S2k-Leitlinie „Vestibuläre Funktionsstörungen“ (AWMF-Register-Nr. 017-078), Stand 12.05.2021: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/017-078
  • hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/schwindel/morbus-meniere.html
  • neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schwindel/meniere-krankheit

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