Präeklampsie ist eine ernstzunehmende Komplikation in der Schwangerschaft, die sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind erhebliche Folgen haben kann. In Deutschland sind etwa zwei Prozent der Schwangeren davon betroffen. Wird Präeklampsie während der Schwangerschaft frühzeitig erkannt, lässt sich das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich senken. Entscheidend ist, dass Ärzt*innen eine Präeklampsie rechtzeitig erkennen, damit geeignete Maßnahmen eingeleitet werden können. Gelingt dies nicht, muss die Schwangerschaft engmaschig begleitet werden. In schweren Fällen wird die Geburt eingeleitet, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen.
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie ausgewählte Präeklampsie-Spezialisten.
Was genau ist eine Präeklampsie?
Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsspezifische Erkrankung, die durch das gleichzeitige Auftreten von Bluthochdruck und einer erhöhten Eiweißausscheidung gekennzeichnet ist.
Hauptmerkmale sind erhöhter Blutdruck (Hypertonie) und vermehrte Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie).
Besonders gefährlich ist der stark erhöhte Blutdruck, da er innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Dadurch entsteht ein hohes Risiko für die Gesundheit von Mutter und Kind. Wird Präeklampsie festgestellt, sollte die Schwangerschaft engmaschig überwacht werden. Je nach Schweregrad der Präeklampsie kann es notwendig werden, dass die Geburt eingeleitet wird, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden.
Eine Präeklampsie ist dadurch der häufigste Grund für eine Frühgeburt des Kindes.
Weltweit sind zwischen fünf bis acht Prozent der Schwangeren von einer Präeklampsie betroffen. In Deutschland leiden etwa zwei Prozent der Schwangeren unter einer Präeklampsie.
Früher wurde die Präeklampsie auch als EPH-Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet. Von diesen veralteten Bezeichnungen nimmt die Medizin heute jedoch Abstand. Die Vermutung, es handele sich bei einer Präeklampsie um eine Vergiftung des Körpers, ließ sich nicht bestätigen.
Ursache der Beschwerden sind vielmehr komplexe Veränderungen der Plazenta und der mütterlichen Gefäße. Nach heutigem Kenntnisstand wird angenommen, dass als Folge im Mutterkuchen Durchblutungsstörungen entstehen, die wesentlich zur Entstehung der Präeklampsie beitragen.
Symptome einer Präeklampsie
Die Symptome einer Präeklampsie können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Während einige Schwangere zunächst kaum Beschwerden bemerken, entwickeln andere innerhalb kurzer Zeit schwerwiegende Symptome. Deshalb ist es wichtig, mögliche Anzeichen einer Präeklampsie frühzeitig ernst zu nehmen und bei Unsicherheiten den behandelnden Frauenarzt oder die Geburtsklinik zu kontaktieren und die Beschwerden abklären zu lassen.
Zu den möglichen Symptomen einer Präeklampsie zählen unter anderem
- Schmerzen im rechten Oberbauch,
- Bluthochdruck,
- starke innere Unruhe,
- sichtbare Schwellungen durch Wassereinlagerungen, v.a. an Händen, Füßen und im Gesicht
- eine schnelle Gewichtszunahme (teilweise mehr als ein Kilogramm pro Woche),
- Sehstörungen und
- starke Kopfschmerzen
Vor allem plötzlich auftretende Wassereinlagerungen oder wenn Ringe nicht mehr passen, können auf eine Präeklampsie hinweisen. Zwar sind leichte Schwellungen in der Schwangerschaft häufig und meist harmlos, ausgeprägte Ödeme in Verbindung mit erhöhtem Blutdruck oder weiteren Beschwerden sollten jedoch ärztlich abgeklärt weden.
Nicht jede Betroffene entwickelt alle Beschwerden gleichzeitig. Teilweise fällt die Präeklampsie zunächst ausschließlich durch erhöhte Blutdruckwerte oder Veränderungen im Urin auf. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Blutdruckmessungen und Urinkontrollen sind daher wichtiger Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge.

Bei Präeklampsie leiden Schwangere oft unter stark erhöhtem Blutdruck © interstid | AdobeStock
Verschiedene Formen und Verlauf
Eine Präeklampsie kann verschiedene Verläufe und Formen annehmen. In der Medizin unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Formen der Präeklampsie:
- die frühe Präeklampsie, tritt vor der 34. Schwangerschaftswoche auf, und
- die späte Präeklampsie, tritt nach der 37. Schwangerschaftswoche auf.
Eine mild verlaufende Präeklampsie ist lediglich mit der Ausscheidung von Eiweiß über den Urin sowie Bluthochdruck verbunden. Die Eklampsie sowie das HELLP-Syndrom zählen dagegen zu den schweren Verlaufsformen. Eine schwere Präeklampsie kann lebensbedrohliche Folgen haben und in weitere Krankheitsbilder übergehen.
Eklampsie
Wird eine Präeklampsie nicht therapiert, kann sich eine Eklampsie entwickeln. Die als Eklampsie bezeichneten Krampfanfälle treten glücklicherweise nur selten auf. Es sind weniger als ein Prozent der Frauen, die unter einer schweren Präeklampsie leiden, betroffen.
Das Risiko für schwere Verlaufsformen besteht vor allem bei einer frühen Präeklampsie, ist aber insgesamt gering.
Sollte die Präeklampsie erst im späteren Schwangerschaftsverlauf auftreten, nimmt sie beinahe immer einen milden Verlauf. Schwerwiegende Komplikationen wie das HELLP-Syndrom oder eine Eklampsie sind dann nicht zu erwarten.
HELLP-Syndrom
Etwa eine oder zwei von zehn Frauen, die unter einer schweren Präeklampsie und Eklampsie leiden, sind vom HELLP-Syndrom betroffen. Das HELLP-Syndrom ist von diesen Beschwerden gekennzeichnet:
- Hämolyse (vermehrter Abbau von roten Blutkörperchen),
- erhöhte Werte von Leberenzymen (dieser Umstand deutet auf eine Schädigung der Leber hin) sowie
- eine sinkende Anzahl an Blutplättchen, was zu einer mangelhaften Gerinnungsfähigkeit des Blutes führt. Das bedeutet, dass die Mutter ein höheres Risiko für stärkere Blutungen während und nach der Entbindung hat.
Dadurch steigt insbesondere rund um die Entbindung das Risiko für stärkere Blutungen. Sowohl Präeklampsie und Eklampsie als auch das HELLP-Syndrom erfordern daher eine sofortige intensivmedizinische und geburtshilfliche Betreuung.
Diagnose einer Präeklampsie bei Mutter und Kind
Die Medizin spricht von einer Präeklampsie, wenn bei der Schwangeren
- mehrfach ein Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg oder
- einmalig ein Blutdruck von mehr als 160/100 mmHg festgestellt wird.
Gleichzeitig müssen sich mehr als 0,3 Gramm Eiweiß in einer 24-Stunden-Urinprobe befunden haben.
Das Risiko für eine Präeklampsie lässt sich bei jeder Schwangeren bereits vor Auftreten der genannten Symptome exakt bestimmen. Dazu muss der Test auf Präeklampsie zwischen der 12. und der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Dieser Test ist meist Teil des Ersttrimester-Screenings, er wird vom Frauenarzt durchgeführt. Ziel ist es, eine Präeklampsie be einer Schwangeren einschätzen und frühzeitig vorbeugende Maßnahmen einleiten zu können.
Zu diesem Screening zählen
- ein Ultraschall mit Kontrolle der Durchblutung der Gebärmutterarterien,
- eine Messung des Blutdrucks sowie
- ein Bluttest auf bestimmte Hormone und Eiweißsstoffe.
Diese Untersuchungen ermöglichen es, das Risiko für die Entwicklung einer Präeklampsie bereits in der frühen Schwangerschaft entscheidend zu beurteilen. So können Ärzt*innen eine Präeklampsie rechtzeitig erkennen und gegebenenfalls eine vorbeugende Therapie beginnen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe lassen sich dadurch schwere Verläufe vermeiden.
Ursachen und Risikofaktoren für eine Präeklampsie
Bis heute konnten die exakten Ursachen für das Auftreten einer Präeklampsie nicht abschließend geklärt werden. Somit ist es der Medizin bisher unklar, weshalb es zum Ausbruch einer Präeklampsie kommen kann.
Allerdings sind verschiedene Faktoren bekannt, die das Risiko auf eine Präeklampsie erhöhen. Hierzu zählen
- ein sehr junges oder ein sehr hohes Alter der Schwangeren,
- Bluthochdruck bereits vor der Schwangerschaft,
- genetische Komponenten, etwa eine Präeklampsie bei der Großmutter, der Mutter oder der Schwester,
- Mehrlingsschwangerschaften,
- Erkrankungen der Niere,
- Übergewicht (Adipositas) oder
- Diabetes.
Das Vorliegen von Risikofaktoren bedeutet nicht zwangsläufig, dass Betroffene eine Präeklampsie entwickeln. Es erhöht jedoch das Risiko für das Auftreten der Erkrankung deutlich. Deshalb profitieren insbesondere Frauen mit bekannten Vorerkrankungen von einem frühzeitigen Screening und einer engmaschigen Betreuung während der Schwangerschaft.
Wie lässt sich einer Präeklampsie und Eklampsie vorbeugen?
Die Teilnahme am Screening gilt als beste Möglichkeit, um einer Präeklampsie vorzubeugen.
Sollte das Screening ein erhöhtes Präemlampsie-Risiko ergeben, beginnt eine präventive Behandlung. Die Schwangere erhält niedrigdosiertes Aspirin, das sie in der Regel bis zur 34. Schwangerschaftswoche einnehmen soll. Sie muss es spätestens bis zur 36. Schwangerschaftswoche wieder absetzen.
Diese Behandlung muss vor der 20. Schwangerschaftswoche und noch vor dem Auftreten der ersten Symptome starten. Dann lässt sich der Ausbruch einer Präeklampsie in mehr als 80 Prozent der Fälle vermeiden.
Der einzige bisher bekannte Risikofaktor für eine Präeklampsie, auf den die Schwangere selbst Einfluss nehmen kann, ist Übergewicht. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Frauen vor und während ihrer Schwangerschaft auf eine gesunde Ernährung achten.
Essen Sie nicht "für Zwei", sondern beachten Sie den tatsächlichen Kalorienbedarf. Dieser Ratschlag hat natürlich unabhängig vom Thema Präeklampsie für jede Schwangere Gültigkeit und sollte entsprechend beherzigt werden.
Behandlung einer Präeklampsie
Die Behandlung einer Päeklampsie richtet sich nach dem Schwangerschaftsalter, dem Gesundheitszustand der Mutter und dem Schweregrad der Präeklampsie. Beschwerden die nach der 20. Schwangerschaftswoche auftreten müssen sorgfältig überwacht werden. Je nach Ausprägung erfolgt die Betreuung ambulant durch den Frauenarzt oder stationär in der Geburtsklinik.
Ziel der Behandlung ist es, die Schwangerschaft möglichst lange fortzuführen, ohne die Gesundheit von Mutter und Kind zu gefährden. Gleichzeitig werden der Blutdruck und das Wohlbefinden des ungeborenen Kindes regelmäßig kontrolliert. Bei Bedarf kommen blutrucksenkende Medikamente zum Einsatz.
Steigt der Blutdruck stark an oder verschlechtert sich der Zustand der Mutter oder des Kindes, muss die Schwangerschaft häufig beendet werden. In diesen Fällen wird die Entbindung bzw. die Geburt zum medizinisch günstigsten Zeitpunkt geplant. Vor allem bei einer frühen Präeklampsie ist dabei eine enge Zusammenarbeit der Fachbereiche Gynäkologie und Geburtshilfe sowie weiterer Spezialisten erforderlich.
Nach der Entbindung klingt die Präeklampsie in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage oder Wochen nach der Entbindung wieder ab. Dennoch sollten Frauen mit Präeklampsie auch nach der Geburt ärztlich nachkontrolliert werden, da Blutdruck und Organgfunktionen noch einige Zeit verändert sein können.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- S2k-Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie“ (AWMF-Register-Nr. 015-018), Stand 17.07.2024: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-018
- https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/schwangerschaftshochdruck-praeeklampsie/
- https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/schwangerschaftskomplikationen/pr%C3%A4eklampsie-und-eklampsie?ruleredirectid=740
