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Erkrankung · Geburtshilfe

Vasa praevia: Erkennung, Risikofaktoren und Vorbeugung schwerer Komplikationen

Sabine SchneiderChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: P02, O69, P50

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Bei Vasa praevia liegen fetale Blutgefäße ungeschützt in den Membranen beziehungsweise Eihäuten nahe dem Muttermund. Ein wichtiger Risikofaktor ist unter anderem eine Insertio velamentosa; auch bestimmte Plazentaanomalien können mit Vasa praevia verbunden sein. Reißen die Gefäße beim Blasensprung, kann eine fetale Blutung rasch lebensbedrohlich werden. Eine vorgeburtliche Erkennung und eine geplante Entbindung per Kaiserschnitt verbessern die Prognose erheblich.

Vasa praevia bezeichnet eine seltene, aber potenziell schwerwiegende Komplikation während der Schwangerschaft. Dabei verlaufen fetale Blutgefäße innerhalb der Eihäute ungeschützt und in unmittelbarer Nähe zum inneren Muttermund. Anders als Gefäße in der Nabelschnur sind diese fetalen Gefäße dort nicht ausreichend durch schützendes Gewebe umgeben.

Besonders beim Blasensprung oder mit Einsetzen der Wehen besteht deshalb die Gefahr einer Blutung. Da das verlorene Blut vom Fötus stammt, kann bereits ein vergleichsweise geringer Blutverlust schwerwiegende Folgen haben. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung und insbesondere des Farbdopplers können Vasa praevia häufig bereits vor der Entbindung erkannt werden. Wird die Diagnose einer Vasa praevia frühzeitig gestellt, kann die Geburt entsprechend geplant und das Risiko für das ungeborene Kind deutlich reduziert werden.

Was ist eine Vasa praevia?

Die Nabelschnur ist ein bis zwei Zentimeter dick und 50 bis 60 Zentimeter lang. Sie verbindet das ungeborene Kind über die Plazenta mit dem mütterlichen Körper und versorgt es so mit Blut und Nährstoffen. Die kindlichen Nabelschnurgefäße verlaufen normalerweise nicht in den Einhäuten, sondern direkt von der Plazenta zum Kind.

Befinden sich jedoch kindliche Nabelschnurgefäße in den Eihäuten, spricht man von einer Insertio velamentosa. Sind sie dann zusätzlich auch noch in den Eihäuten vor dem inneren Muttermund lokalisiert, handelt es sich um eine Vasa praevia.

Sollten die Membranen reißen, können diese Blutgefäße platzen. Dadurch verliert der Fötus unter Umständen eine kritische Menge an Blut. Sollte es zu schweren Blutungen kommen, kann dies den Tod für den Fötus bedeuten.

Welche Symptome treten bei einer Vasa praevia auf?

Zum einen ist bei einer Vasa praevia eine langsame Herzfrequenz des Kindes zu beobachten. Zum anderen setzen bei betroffenen Frauen vaginale Blutungen ein, wenn es zum Reißen der Membranen kommt. Diese Blutungen sind häufig schmerzlos und beginnen in der Regel kurz nachdem die Wehen eingesetzt haben.

Welche Ärzte sind Experten bei Vasa praevia?

Experten und Ansprechpartner bei einer Vasa praevia sind Gynäkologen, also Fachärzte für Frauenheilkunde, und insbesondere Spezialisten für Geburtshilfe.

Abhängig vom Status der Schwangerschaft sollten Sie sich an Ihren Frauenarzt wenden oder direkt ins Krankenhaus einweisen lassen.

Schwangerschaft Babybauch
Bei einer Vasa praevia verläuft die Nabelschnur vor dem inneren Muttermund © bilderzwerg | AdobeStock

Wie erfolgt die Diagnose bei einer Vasa praevia?

Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen sind Bestandteil der medizinischen Schwangerschaftsbegleitung. Sie sollten auch in der frühen Schwangerschaft bereits stattfinden. Mithilfe von Ultraschall lassen sich verschiedene Anomalien der Plazenta feststellen.

Um die Diagnose einer Vasa praevia zu sichern, wird ein sogenannter transvaginaler Ultraschall durchgeführt. Dazu führt der Arzt ein Ultraschallgerät in die Scheide der Frau ein. Damit kontrolliert er, ob sich Blutgefäße in der Nähe oder über der Öffnung des Gebärmutterhalses befinden.

Eine besonders sichere Diagnose lässt sich mit dem Farbdopplerultraschall stellen. Hierdurch lässt sich der Blutfluss innerhalb der Gefäße sowie die Insertion an den Eihäuten oder der Plazenta erkennen.

Wie erfolgt die Behandlung einer Vasa praevia?

Sollte eine Vasa praevia noch vor dem Einsetzen der Wehen festgestellt werden, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Die Behandlung hängt anderem davon ab, wie weit die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist.

In jedem Fall sollte die werdende Mutter engmaschig von ihrem Frauenarzt betreut werden. Während der 30. bis 32. Schwangerschaftswoche kann auch eine Einweisung in ein Krankenhaus sinnvoll sein. Hierdurch ist eine permanente Überwachung des ungeborenen Kindes möglich.

Zusätzlich kann der Arzt bestimmte Medikamente verabreichen, die das Wachstum der Lunge des ungeborenen Kindes anregen. Diese Medikamente werden als Kortikosteroide bezeichnet.

In der Regel werden Patientinnen mit Vasa praevia zwischen 34 und 37 Schwangerschaftswochen per Kaiserschnitt entbunden. Ein solcher Kaiserschnitt muss unter Umständen in einem Notfall vorgenommen werden. Ein solcher Notfall liegt beispielsweise vor, wenn

  • die Frau starke vaginale Blutungen hat,
  • die Fruchtblase geplatzt sein sollte,
  • Gefahr für die Frau oder das ungeborene Kind besteht oder
  • eine Vasa praevia erst festgestellt wird, nachdem bereits die Wehen eingesetzt haben.

Müssen Nabelschnurkomplikationen immer zu einem Kaiserschnitt führen?

Unter Umständen ist auch eine vaginale Geburt möglich. Voraussetzung ist, dass sich die kindlichen Blutgefäße weiter als 2 cm vom inneren Muttermund entfernt befinden (Insertio velamentosa).

Die Früherkennung ist eine wichtige Voraussetzung, um eine möglichst sichere Geburt zu planen. Erfahrene Ärzte können per Ultraschall bereits frühzeitig in der Schwangerschaft Auffälligkeiten hinsichtlich der Nabelschnur erkennen.

Zusammenfassung

Eine Vasa praevia kann zu sehr starken Blutungen beim ungeborenen Kind führen. Dies geschieht in der Regel kurz bevor die Wehen einsetzen.

Eine solche Komplikation lässt sich häufig bereits während der frühen Schwangerschaft erahnen. Sollte der Verdacht auf eine Vasa praevia bestehen, wird der Arzt eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide durchführen.

Nach der Diagnose Vasa praevia ist eine engmaschige Betreuung durch den Frauenarzt notwendig. Sollten sich Probleme bemerkbar machen, ist ein Kaiserschnitt notwendig. Symptomfreie Patientinnen werden in der Regel zwischen 34. und 37. Schwangerschaftswochen per Kaiserschnitt entbunden.

FAQ

Was ist Vasa praevia?

Bei Vasa praevia verlaufen fetale Blutgefäße ungeschützt innerhalb der Eihäute und nahe oder über dem Gebärmutterhals beziehungsweise inneren Muttermund. Die Gefäße sind dabei weder durch Plazentagewebe noch durch den schützenden Anteil der Nabelschnur ausreichend geschützt. Vasa praevia sind selten, stellen in der Geburtshilfe jedoch eine schwerwiegende Schwangerschaftskomplikation dar, da eine Verletzung der Gefäße zu einem schnellen Blutverlust des Fötus führen kann.

Welche Symptome verursacht eine Vasa praevia?

Vasa praevia vor der Geburt verursachen häufig keine eindeutigen Symptome. Besonders gefährlich wird die Situation, wenn nach einem spontanen oder künstlichen Blasensprung eine vaginale, meist schmerzlose Blutung auftritt und sich gleichzeitig die Herzfrequenz des Fötus auffällig verändert. Eine Bradykardie kann beispielsweise auf eine akute Gefährdung hinweisen. Bei einer solchen Blutung handelt es sich um einen geburtshilflichen Notfall, der sofort medizinisch behandelt werden muss.

Welche Risikofaktoren gibt es für Vasa praevia?

Zu den bekannten Risikofaktoren gehören insbesondere eine Insertio velamentosa sowie eine mehrlappige Plazenta oder ein kleiner zusätzlicher Plazentalappen. Auch eine tief liegende Plazenta beziehungsweise bestimmte Plazentaanomalien können mit einem erhöhten Risiko verbunden sein. Bei Schwangeren mit Risikofaktoren kann deshalb eine gezielte Ultraschalldiagnostik sinnvoll sein.

Wie erfolgt die Diagnose einer Vasa praevia?

Die Diagnose Vasa praevia erfolgt vor allem mittels Ultraschall und Doppler-Sonografie. Dadurch lassen sich fetale Blutgefäße und ihr Verlauf in der Nähe der Zervix beziehungsweise des inneren Muttermunds darstellen. Wird das Vorhandensein von Vasa praevia bereits während der Schwangerschaft erkannt, kann die weitere Betreuung engmaschig geplant werden. Die vorgeburtliche Diagnostik ist entscheidend, weil sich dadurch die Überlebenschancen des Kindes erheblich verbessern.

Wie wird Vasa praevia behandelt und wie ist die Prognose?

Die Behandlung einer Vasa praevia zielt vor allem darauf ab, einen spontanen Blasensprung beziehungsweise den Beginn der Geburt vor der geplanten Entbindung zu vermeiden. Bei bestätigter Diagnose wird die Geburt in der Regel durch einen geplanten Kaiserschnitt vor Einsetzen der Wehen vorgesehen; der genaue Zeitpunkt wird individuell festgelegt. Kommt es zur Ruptur der fetalen Blutgefäße mit schweren Blutungen oder Zeichen einer Gefährdung des Kindes, ist ein sofortiger Kaiserschnitt erforderlich. Bei einer bereits vor der Geburt erkannten Vasa praevia ist die Prognose wesentlich besser als bei einer erst während der Geburt erkannten Gefäßruptur.

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Sabine Schneider

Über den Fachautor

Sabine Schneider

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Sabine Schneider ist ausgebildete Medizinische Praxisassistentin und verfügt über langjährige praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld.

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