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Erkrankung · Allgemeine Zahnheilkunde

Pulpitis: Wenn das Zahnmark akut entzündet ist und Zahnschmerz verursacht - Welche Symptome für die Entzündung gibt es und wie sieht die Behandlung der Infektion bei akuter Pulpitis aus?

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Pulpitis. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: K04.0

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Die Pulpitis ist eine Entzündung der Pulpa beziehungsweise des Zahnmarks und wird besonders häufig durch Karies und Bakterien verursacht. Bei der reversiblen Pulpitis kann eine frühzeitige Behandlung des auslösenden Reizes ausreichen, während eine irreversible Pulpitis in der Regel eine weitergehende zahnärztliche Behandlung erfordert. Typische Symptome einer Pulpitis sind Zahnschmerz und eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber thermischen Reizen. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sich die Entzündung ausbreiten und das Gewebe der Pulpa schließlich absterben.

Eine Pulpitis ist eine Entzündung der Zahnpulpa, also des weichen Gewebes im Zahninneren, das unter anderem Nerven sowie Blut- und Lymphgefäße enthält. Häufigste Ursache ist eine fortgeschrittene Karies, durch die Bakterien in die Pulpa eindringen können. Ein typisches Symptom sind Zahnschmerzen sowie eine erhöhte Empfindlichkeit des Zahns gegenüber Kälte oder Wärme. Bei einer reversiblen Pulpitis kann sich das entzündete Zahnmark nach Beseitigung des auslösenden Reizes wieder erholen.

Eine irreversible Pulpitis ist dagegen so weit fortgeschritten, dass die Entzündung nicht mehr reversibel ist und meist eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich wird. Unbehandelt kann die Infektion über die Wurzelspitze hinaus in den Kieferknochen gelangen und beispielsweise eine apikale Parodontitis oder einen Abszess verursachen. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen sollte deshalb frühzeitig ein Zahnarzt aufgesucht werden, damit Diagnose und Behandlung der Pulpitis erfolgen können.

Was ist eine Pulpitis?

Eine Entzündung des Zahnmarks im Inneren des Zahnes nennt man Pulpitis. Sie wird durch

  • mechanische, thermische oder chemische Reizung, wie sie z.B. während einer Zahnbehandlung auftreten, oder
  • Bakterien, die durch Kariesdefekte oder Risse in der Zahnoberfläche in den Zahn eindringen

verursacht. Der entzündliche Prozess kann sich bis in den Wurzelkanal und den Kieferknochen ausdehnen. Im schlimmsten Fall droht ein kompletter Zahnverlust.

Umgangssprachlich spricht man bei einer Pulpitis auch von einer Zahnnerventzündung. Dies ist jedoch nur bedingt richtig. Nicht nur der Zahnnerv ist entzündet, sondern das komplette Zahnmark im Zahninnenraum. Hier verlaufen auch Blut- und Lymphgefäße. Generell unterscheidet man zwischen einer reversiblen und einer irreversiblen Pulpitis.

Ist die Reizung des Zahnmarks nur von kurzer Dauer und wird schnell behandelt, tritt oft schnell eine Besserung ein. Die Pulpitis kann dann vollständig geheilt werden. Sie ist also reversibel.

Wird die Pulpitis nicht behandelt, ist das Zahnmark einer andauernden Reizung ausgesetzt. Die Entzündung wird dann chronisch und die Pulpitis in vielen Fällen irreversibel. Es bilden sich in der Folge lokale

  • Infarkte,
  • Nekrosen und schließlich
  • Mikroabszesse in der Pulpa.

Das Gewebe im Zahninneren stirbt ab. Wenn der Zahn erhalten, also nicht gezogen werden soll, ist dann eine Wurzelbehandlung notwendig. Das Verfahren ist aufwendig und recht schmerzhaft. Dabei wird der abgestorbene Nerv und weitere Gewebe im Zahninneren entfernt und Löcher verschlossen.

Die Entwicklung von Karies im Zahn
Darstellung der verschiedenen Zahnkaries-Stadien © Peter Hermes Furian | AdobeStock

Ursachen der Pulpitis

Die Pulpitis kann viele verschiedene Ursachen haben. Mit etwa 95 Prozent der Fälle ist die Karies mit Abstand der häufigste Auslöser für eine Entzündung der Pulpa.

Bei tiefer Karies entstehen Aushöhlungen im Zahn. Sie reichen bis zur Pulpa und ermöglichen Bakterien ungehindert Zugang zum empfindlichen Zahnmark.

Deutlich seltener ist die Pulpitis die Folge einer Verletzung des Zahnes oder einer offenen Zahnbehandlung. Auch durch Unfälle oder während Zahnbehandlungen kann die Pulpa freiliegen und durch Bakterien angegriffen werden. Offene Zahnverletzungen sollten deshalb schnellstmöglich behandelt werden, um Folgeschäden wie die Pulpitis zu verhindern.

Symptome einer Zahnmarkentzündung

Eine akute Pulpitis ist im Anfangsstadium schmerzlos. Der Betroffene reagiert lediglich empfindlich auf äußere Reize wie

  • Kälte und Wärme,
  • Süßes und Saures.

Bleibt die Pulpitis unentdeckt und unbehandelt, reagiert das Zahnmark auf die Entzündung. Das Gewebe wird stärker durchblutet, um den entzündlichen Veränderungen entgegenzuwirken. Aus den kleinen Blutgefäßen der Pulpa gelangt nun vermehrt Serum in das umliegende Gewebe. Das führt zu einer Schwellung des Zahnmarks.

Das Zahnmark kann sich wegen der festen Zahnwände jedoch nicht unbegrenzt ausdehnen. Daher kommt es zu einem deutlichen Druckaufbau im Inneren des Zahnes. Nerven, Lymph- und Blutgefäße werden zusammengedrückt. Dadurch entstehen spontan teilweise pochende oder klopfende Schmerzen. Sie treten am Anfang in heftigen, jedoch recht kurzen Schmerzintervallen auf. Die Schmerzen strahlen in den meisten Fällen in alle Richtungen des Kiefers aus. Deshalb fällt eine genaue Lokalisierung sehr schwer. Viele Patienten können nur die betroffene Gesichtsseite als Schmerzauslöser nennen, nicht den genau betroffenen Zahn.

Mit der Zeit verkürzen sich die schmerzfreien Abstände zwischen dem Auftreten der Schmerzen jedoch immer mehr. Dann tritt ein andauernder pochender und sehr heftiger Schmerz ein.

Wird die Pulpitis jetzt nicht behandelt, so kann es zu einer Nekrose der Pulpa kommen. Darunter versteht man das komplette Absterben des Zahnmarks. Wenn der Nerv im Zahn stirbt, kann er keine Schmerzen weiterleiten. Diese lassen also nach und verschwinden ganz. Das wirkt für den Patienten erleichternd, ist aber ein negatives Anzeichen für eine schwere, arbeitende Entzündung. Bei einer schweren Pulpitis, die sich bereits auf den Wurzelkanal des Zahnes ausgedehnt hat, kann es zusätzlich noch zu einer Bildung von Eiter im Zahninneren kommen. Der Eiter bricht in der Folge nach außen auf und verursacht Mundgeruch und einen unangenehmen Geschmack im Mund.

Dringt die Entzündung bis in den Kieferknochen vor, kann es dort zur Bildung einer Eiterhöhle kommen. Der Eiter frisst sich in das Knochengewebe hinein, was mit heftigen Schmerzen verbunden ist. Zudem verursacht er Schäden am Zahnhalteapparat und am Kieferknochen. In der Folge kann sich der Zahn lockern und ausfallen. Unbehandelt kann es im Extremfall auch zu einer Streuung der Entzündung kommen. Das heißt es kann sich die gesamte Mundhöhle entzünden oder auch eine Blutvergiftung entstehen.

Diagnose einer Pulpitis

Generell sollten Sie bei Zahnschmerzen einen Zahnarzt aufsuchen. Im Anamnesegespräch fragt er Sie nach den genauen Symptomen und eventuellen Begleiterkrankungen.

Während der darauf folgenden Untersuchung kontrolliert der Arzt den betroffene Zahn auf Auffälligkeiten wie

  • Kariesläsionen und
  • Schmerzhaftigkeit.

Mit einer zahnärztlichen Sonde klopft der Zahnarzt leicht gegen den Zahn. Ein gesunder Zahnnerv registriert nur das Klopfen. Ein entzündeter Zahnnerv reagiert schon allein auf die Berührung mit einem Schmerzreiz.

Während der Untersuchung muss der Zahnarzt weitere mögliche Ursachen für die Beschwerden ausschließen. Ähnliche Symptome bestehen bspw. bei

  • einer Parodontitis oder
  • einfacher Karies ohne Entzündung des Zahnmarks.

Zur weiteren Diagnostik und um das Ausmaß der Pulpitis zu bestimmen, wird ein Röntgenbild erstellt. Es gibt schnell Aufschluss über

  • eine versteckte Karies (etwa unter einer Krone oder einer Füllung),
  • das Ausmaß der Kariesausbreitung und
  • ob bereits eine entzündliche Veränderung an der Wurzelspitze des Zahnes vorliegt.

Behandlung der Zahnwurzelentzündung

Frühe Behandlung einer akuten Pulpitis

Bei einer akuten, nicht-chronischen Entzündung des Zahnmarks ist die Behandlung noch recht einfach. Hier hilft in vielen Fällen schon eine Behebung der ursächlichen Erkrankung. Es reicht dann aus, die Karies aus dem Zahn zu entfernen und das entstandene Loch sachgerecht zu schließen. Das Zahnmark ist dann keinen direkten Reizen mehr ausgesetzt. In den meisten Fällen geht die Entzündung dann von alleine zurück.

Zur unterstützenden Wirkung können entzündungshemmende Medikamente verschrieben werden. Sie sind in Form von Tabletten oder Gels zur lokalen Anwendung verfügbar.

Behandlung einer chronischen Pulpitis

Bei einer weit fortgeschrittenen, chronischen Pulpitis ist die Behandlung nicht mehr ganz so einfach. Meistens ist dann nur eine Wurzelbehandlung und eine Entfernung der kompletten Pulpa zielführend.

Der Zahn wird unter Lokalanästhesie eröffnet. Der Zahnarzt entfernt das Zahnmark mitsamt Entzündungsherd aus dem Inneren des Zahnes. Der nun entstandene Hohlraum wird gesäubert und mit einem speziellen Füllmaterial wieder sorgfältig bakteriendicht ausgefüllt. Danach wird die Zahnöffnung wieder verschlossen.

Es kann ausreichen, erst die Eröffnung des Zahninnenraumes zum Schutz mit Zement zu versiegeln und dann den Zahn mit einer Füllung aus Amalgam oder Komposit wieder aufzubauen.

Kann diese Methode die Stabilität des Zahns nicht komplett gewährleisten, muss der Zahn mit einer Zahnkrone überkappt werden. Diese Entscheidung ist davon abhängig, wie viel gesundes Zahndentin entfernt werden musste. Die Extraktion des Zahnmarks kann ein Übergreifen der Entzündung auf den Zahnhalteapparat und den Kiefer verhindern. Dadurch ist der Erhalt des Zahnes möglich.

Behandlung bei zusätzlichem lokalem Eiterherd

Tritt zusätzlich noch ein lokaler Eiterherd auf, muss dieser in manchen Fällen eröffnet und der Eiter entfernt werden. Damit verhindert man das Übergreifen der Entzündung auf andere Teile des Gebisses.

Zusätzlich ist hier die Gabe von Antibiotika zur Rundumbehandlung erforderlich. Die Antibiotika-Behandlung erfolgt

  • entweder in Form von Tabletten, wenn der Eiter in einer abgeschlossen Kammer liegt und nicht einfach entfernt werden kann, oder
  • lokal in Form von Lösungen oder sogenannten Antibiotikastreifen, die direkt in die Wunde gelegt werden. Nach einiger Zeit werden sie entfernt und bei Bedarf erneuert.

FAQ

Was ist eine Pulpitis?
Eine Pulpitis ist eine Entzündung der Pulpa, die umgangssprachlich häufig als Zahnnerventzündung bezeichnet wird. Die Pulpa befindet sich im Zahninneren und besteht aus Bindegewebe, Nerven sowie Blut- und Lymphgefäßen. Eine Pulpitis entsteht häufig, wenn Karies den Zahnschmelz und das Dentin durchdringt und Bakterien in die Pulpa eindringen. Auch rissige oder verletzte Zähne sowie zahnärztliche Reize können eine Entzündungsreaktion auslösen.

Welche Symptome verursacht eine Pulpitis?
Die Symptome einer Pulpitis hängen davon ab, wie stark das Zahnmark entzündet ist. Ein häufiges Symptom ist eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Wärme oder anderen Reizen. Bei einer akuten Pulpitis können starke Schmerzen auftreten, die mitunter schwer zu lokalisieren sind. Bleiben Zahnschmerz oder Temperaturempfindlichkeit länger bestehen, sollte ein Zahnarzt die Ursache untersuchen.

Was ist der Unterschied zwischen reversibler und irreversibler Pulpitis?
Bei einer reversiblen Pulpitis ist die Entzündung der Zahnpulpa noch begrenzt und kann nach Entfernung des auslösenden Reizes wieder abklingen. Ist die Pulpitis irreversibel, kann sich die Pulpa nicht mehr vollständig erholen. Eine irreversible Pulpitis verursacht häufig anhaltende oder spontan auftretende Schmerzen und erfordert eine entsprechende zahnärztliche Behandlung. Ohne Behandlung kann das Zahnmark schließlich absterben und eine Pulpanekrose entstehen.

Wie erfolgt die Behandlung einer Pulpitis?
Die Behandlung der Pulpitis richtet sich danach, ob die Entzündung reversibel oder irreversibel ist. Bei einer reversiblen Pulpitis kann beispielsweise die Entfernung der Karies mit anschließender Versorgung des Zahns durch eine Füllung ausreichend sein. Bei irreversibler Pulpitis ist häufig eine Wurzelkanalbehandlung notwendig, bei der das erkrankte Gewebe aus den Wurzelkanälen entfernt wird. Ist der Zahn nicht erhaltungsfähig, kann in bestimmten Fällen eine Extraktion erforderlich sein.

Was passiert, wenn eine Pulpitis unbehandelt bleibt?
Eine unbehandelte Pulpitis kann fortschreiten, bis die Pulpa beziehungsweise der Zahnnerv abgestorben ist. Die Infektion kann anschließend über den Wurzelkanal und die Wurzelspitze in das umliegende Gewebe und den Kieferknochen gelangen. Mögliche Folgen sind eine apikale Parodontitis, Schwellung, Eiterbildung oder ein Abszess. Eine frühzeitige Behandlung in einer Zahnarztpraxis erhöht die Chance, den betroffenen Zahn zu erhalten.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

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