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Karpaltunnelsyndrom: Der eingeklemmte Nerv im Handgelenk

31.07.2026

Kribbeln in den Fingern, ein taubes Gefühl in der Hand oder nächtliche Schmerzen werden häufig zunächst als harmlose Beschwerden angesehen. Halten die Symptome jedoch länger an oder treten sie immer wieder auf, kann ein Karpaltunnelsyndrom dahinterstecken. Dabei wird der Medianusnerv im Bereich des Handgelenks eingeengt. Dieser Nerv ist unter anderem für das Gefühl in Daumen, Zeige-, Mittel- und Teilen des Ringfingers sowie für bestimmte Bewegungen der Hand verantwortlich.

Das Karpaltunnelsyndrom zählt zu den häufigsten Nervenengpasssyndromen überhaupt. Anfangs treten die Beschwerden oft nur gelegentlich auf, mit der Zeit können sie jedoch deutlich zunehmen. Ohne Behandlung kann die dauerhafte Druckbelastung den Nerv schädigen und die Funktion der Hand einschränken. 

Karpaltunnelsyndrom

Warum der Nerv unter Druck gerät

Der Karpaltunnel ist ein schmaler Kanal an der Innenseite des Handgelenks. Durch ihn verlaufen der Medianusnerv sowie mehrere Beugesehnen der Finger. Normalerweise bietet dieser Tunnel ausreichend Platz. Schwillt das umliegende Gewebe jedoch an oder verengt sich der Tunnel, steigt der Druck auf den Nerv.

Dadurch werden die Nervenreize nicht mehr ungestört weitergeleitet. Zunächst kommt es zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen, später können Schmerzen und Kraftverlust hinzukommen. Hält der Druck über längere Zeit an, kann der Nerv dauerhaft geschädigt werden. 

Verschiedene Faktoren können das Risiko erhöhen

Nicht immer lässt sich eine eindeutige Ursache feststellen. Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.

Zu den häufigsten Risikofaktoren gehören:

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Besonders zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr tritt das Karpaltunnelsyndrom vermehrt auf. 

Die ersten Warnzeichen treten häufig nachts auf

Viele Betroffene bemerken die Beschwerden zunächst nur während der Nacht. Sie wachen auf, weil die Finger kribbeln, taub werden oder schmerzen. Oft hilft es anfangs noch, die Hand auszuschütteln oder ihre Position zu verändern.

Im weiteren Verlauf treten die Beschwerden zunehmend auch tagsüber auf. Selbst alltägliche Tätigkeiten wie Schreiben, Telefonieren oder das Halten eines Buches können unangenehm werden.

Typische Symptome sind:

  • Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
  • Taubheitsgefühle
  • nächtliche Schmerzen
  • Brennen in der Hand
  • eingeschlafene Finger
  • nachlassende Greifkraft
  • Unsicherheit beim Halten kleiner Gegenstände

In fortgeschrittenen Stadien kann sich die Muskulatur am Daumenballen zurückbilden. Dadurch werden einfache Bewegungen zunehmend schwieriger. 

Nicht jedes Kribbeln kommt vom Handgelenk

Taubheitsgefühle oder Schmerzen in der Hand können verschiedene Ursachen haben. Auch Erkrankungen der Halswirbelsäule, Nervenschädigungen oder Durchblutungsstörungen können ähnliche Beschwerden verursachen.

Deshalb sollte ein Karpaltunnelsyndrom nicht in Eigenregie diagnostiziert werden. Eine ärztliche Untersuchung hilft dabei, andere Erkrankungen auszuschließen und die passende Behandlung einzuleiten. 

So wird die Diagnose gestellt

Bereits die Beschreibung der Beschwerden liefert wichtige Hinweise. Anschließend untersucht die Ärztin oder der Arzt die Beweglichkeit, das Gefühl in den Fingern sowie die Muskelkraft der Hand. Zusätzlich kommen spezielle Funktionstests zum Einsatz, bei denen das Handgelenk in bestimmte Positionen gebracht oder leicht beklopft wird. Lassen sich dadurch die typischen Beschwerden auslösen, spricht dies für ein Karpaltunnelsyndrom.

Zur Sicherung der Diagnose wird häufig die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. Dabei lässt sich feststellen, wie stark der Medianusnerv bereits beeinträchtigt ist. 

Welche Behandlungsmöglichkeiten helfen

Welche Therapie infrage kommt, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind und ob bereits eine Schädigung des Nervs vorliegt. In frühen Stadien reicht häufig eine Handgelenksschiene aus, die besonders nachts getragen wird. Sie hält das Handgelenk in einer günstigen Position und entlastet den Nerv. Zusätzlich können entzündungshemmende Medikamente oder in bestimmten Fällen Kortison-Injektionen eingesetzt werden.

Sind die Beschwerden bereits stärker ausgeprägt oder besteht eine deutliche Einengung des Nervs, wird häufig eine Operation empfohlen. Dabei wird das Band, das den Karpaltunnel begrenzt, durchtrennt. Dadurch erhält der Nerv wieder mehr Platz und der Druck nimmt ab. 

Was Betroffene selbst tun können

Auch im Alltag können einige Maßnahmen helfen, das Handgelenk zu entlasten und Beschwerden vorzubeugen.

Hilfreich sind unter anderem:

  • einseitige Belastungen möglichst vermeiden
  • regelmäßige Pausen bei Computerarbeit einlegen
  • ergonomische Arbeitsplätze nutzen
  • Handgelenke möglichst gerade halten
  • verordnete Schienen konsequent tragen
  • Übungen aus der Physiotherapie durchführen

Wer frühzeitig auf die ersten Beschwerden reagiert, kann häufig verhindern, dass sich die Symptome weiter verschlechtern. 

Fazit: Eine rechtzeitige Entlastung des Nervs kann dauerhafte Schäden verhindern.

Das Karpaltunnelsyndrom entwickelt sich meist schleichend und beginnt oft mit scheinbar harmlosen Beschwerden wie nächtlichem Kribbeln oder eingeschlafenen Fingern. Wird der eingeklemmte Nerv rechtzeitig behandelt, lassen sich Schmerzen, Taubheitsgefühle und Kraftverlust in vielen Fällen deutlich verbessern. So kann die Hand ihre Beweglichkeit und Funktion langfristig erhalten.