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Bandscheibenvorfall der HWS – Halswirbelsäule, Symptome und Therapie

09.01.2026
Prof. Dr. med. Michael Haake
Medizinischer Fachautor

Ein Bandscheibenvorfall an der HWS ist eine häufige Ursache für Nackenschmerzen, ausstrahlende Beschwerden in Schulter, Arm oder Hand sowie neurologische Symptome. Die Halswirbelsäule besteht aus sieben beweglichen Wirbeln, zwischen denen die Bandscheiben als Puffer wirken. Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule, kann Bandscheibengewebe auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark drücken.

Abhängig von Lokalisation, Ausmaß und Symptomatik reicht die Behandlung von konservativer Therapie bis hin zu einer Operation. Besonders wichtig sind eine sorgfältige Diagnostik mittels MRT und eine individuell angepasste Therapie.

ICD-Codes für diese Krankheit: M50

Kurzübersicht:

Der Bandscheibenvorfall der HWS entsteht meist durch degenerative Veränderungen der Bandscheiben oder akute Fehlbelastungen der Halswirbelsäule. Typische Symptome sind Nackenschmerzen, Kribbeln, Gefühlsstörungen oder Kraftminderung im Arm. Die Mehrzahl der Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule kann konservativ behandelt werden, etwa durch Physiotherapie, Schmerztherapie und Schonung. Operative Eingriffe kommen bei anhaltenden Beschwerden, neurologischen Ausfällen oder Druck auf das Rückenmark infrage. Die Prognose ist bei frühzeitiger Behandlung in der Regel gut.

Artikelübersicht

Was ist ein Bandscheibenvorfall an der HWS?

Die sieben Halswirbel sitzen am oberen Teil der Wirbelsäule und tragen den Schädel, mit dem die obersten zwei Halswirbel das Kopfgelenk bilden.

Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule tritt Bandscheibengewebe aus dem Gallertkern (Nukleus) durch den Faserring der Bandscheibe (Annulus) nach hinten aus der Bandscheibe heraus. Die Erkrankung ist unter dem ICD-Code M50 gelistet.

Ein solcher Bandscheibenschaden kann an jeder der 24 Bandscheiben der Wirbelsäule auftreten. Am stärksten belastet ist die Lendenwirbelsäule (LWS). Auch an der Halswirbelsäule (HWS) ist der Bandscheibenvorfall eine vor allem im mittleren Lebensalter häufige Erkrankung

Zervikaler Bandscheibenvorfall
Diese Grafik zeigt den Erkrankungsmechanismus bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule © Henrie / Fotolia

Zu unterscheiden sind:

  • der Bandscheibenprolaps (Vorfall), bei dem der Faserring aufbricht und den innenliegenden Nukleus austreten lässt,
  • die Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung), bei der hingegen die Bandscheibe bei noch intaktem Faserring verformt ist.

Wird ein größerer Prolapsanteil in den Spinalkanal hineinverlagert, so spricht man von einem freien Sequester. In jedem Fall wird Druck auf Spinalnerven ausgeübt, der zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen führt.

Bandscheibenschäden
Die verschiedenen Stadien eines Bandscheibenvorfalls © bilderzwerg / Fotolia

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls an der Halswirbelsäule

Die Ursache ist in erster Linie eine angeborene Schwäche des Bandscheibengewebes. Das Gewebe ist dabei weniger elastisch und stabil.

Bandscheiben selbst sind nicht durchblutet und erhalten ihre Nährstoffe nur durch Gewebeflüssigkeit, die bei Bewegung regelmäßig hinein- und hinausgepresst wird. Im Schlaf regenerieren die Bandscheiben, indem sie sich wieder mit Wasser vollsaugen - schließlich bestehen sie zu 90% aus Wasser.

Im Lauf des Lebens altern die Bandscheiben und knöchernen Wirbel. Die Regenerationsfähigkeit der Bandscheiben nimmt ab. Die Wirbel reagieren auf Fehlbelastungen nun mit Verschleiß und Verknöcherung der kleinen Wirbelgelenke (Facettensyndrom bzw. Spondylarthrose). Das Video zeigt diese Symptomatik: 

Diese Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule werden auch Spondylose genannt. Sie können den Spinalkanal, der durch die runde Aussparung in der Mitte der Wirbel gebildet wird, verengen. Bei der sogenannten Spinalkanalstenose entsteht also ein Platzmangel. Dieser wirkt sich wiederum negativ auf das Rückenmark und die daraus abzweigenden Spinalnerven aus. Nervenkompressionen und Druck auf das Rückenmark lösen starke Schmerzen aus.

Symptome und Diagnose beim zervikalen Bandscheibenvorfall

Ein frischer Bandscheibenvorfall kann zur akuten Kompression einer Nervenwurzel führen. Die Schmerzausstrahlung erfolgt dann entlang der Nervenwurzel zu einzelnen Fingern hin. Entsprechend dieser Radikulopathie kann es zu Funktionsausfällen, also motorischen Problemen, kommen.

Häufig besteht ein Schulter-Nacken-Schmerz. Fast alle Patienten leiden darüber hinaus unter einer Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule.

 

Im Lauf des Lebens altern die Bandscheiben und knöchernen Wirbel. Die Regenerationsfähigkeit der Bandscheiben nimmt ab. Die Wirbel reagieren auf Fehlbelastungen nun mit Verschleiß und Verknöcherung der kleinen Wirbelgelenke (Facettensyndrom bzw. Spondylarthrose). Das Video zeigt diese Symptomatik:

 

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Diese Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule werden auch Spondylose genannt. Sie können den Spinalkanal, der durch die runde Aussparung in der Mitte der Wirbel gebildet wird, verengen. Bei der sogenannten Spinalkanalstenose entsteht also ein Platzmangel. Dieser wirkt sich wiederum negativ auf das Rückenmark und die daraus abzweigenden Spinalnerven aus.

Nervenkompressionen und Druck auf das Rückenmark lösen starke Schmerzen aus.

Symptome und Diagnose beim zervikalen Bandscheibenvorfall

Ein frischer Bandscheibenvorfall kann zur akuten Kompression einer Nervenwurzel führen. Die Schmerzausstrahlung erfolgt dann entlang der Nervenwurzel zu einzelnen Fingern hin. Entsprechend dieser Radikulopathie kann es zu Funktionsausfällen, also motorischen Problemen, kommen.

Häufig besteht ein Schulter-Nacken-Schmerz. Fast alle Patienten leiden darüber hinaus unter einer Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule.

Frau mit schmerzhafter Verspannung
 Schulter-Nacken-Schmerzen gehören zu den typischen Symptomen eines Bandscheibenvorfalls an der HWS © detailblick-foto / Fotolia

Die Spinalkanalstenose an der HWS kann schwer diagnostizierbare neurologische Symptome verursachen. Durch druckbedingte Veränderungen im Rückenmark kann es beispielsweise auch zu Gangstörungen kommen.

Behandlung bei Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose an der HWS

Man unterscheidet zwischen konservativer und operativer Therapie. Gerade im Bereich der Halswirbelsäule sind die Erfolgsraten der konservativen Therapie gut.

Konservative (nicht-operative) Therapie 

Ein Bandscheibenvorfall ist ein akutes Entzündungsgeschehen mit angeschwollenem Gewebe und Nervenkompression. Prinzipiell kann sich ein Bandscheibenvorfall gut alleine zurückbilden und das ausgetretene Bandscheibengewebe wird vom Körper abgebaut. Dafür braucht es Zeit und medikamentöse Unterstützung.

Am Anfang der Therapie stehen die Gabe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen). Gegen starke Muskelverspannungen helfen Muskelrelaxantien (verschreibungspflichtig, zum Beispiel Methocarbamol) sowie physiotherapeutische Behandlungen. Eine manuelle Therapie und lokale Wärmeanwendung wird in der Regel gut vertragen. Für die konservative Therapie sind ein Zeitraum von rund 8 Wochen einzuplanen.

Hoch wirksam und mit Studien gut belegt sind

  • Injektionen in den Bereich der betroffenen Nervenwurzel sowie
  • die technisch anspruchsvolle Gabe von Medikamenten in den Spinalkanal der HWS.

Sehen Sie den Ablauf einer solchen interventionellen Schmerztherapie bei einem HWS-Bandscheibenvorfall im Video:

 

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Operation bei Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose an der HWS

Die operative Ausräumung der Bandscheibe (Nukleotomie) und des Bandscheibenvorfalles ist die Therapie der Wahl bei

  • chronischen Beschwerden trotz konservativer Therapie oder
  • akutem Bandscheibenvorfall mit Lähmungen.

Bandscheibenvorfälle an der HWS werden überwiegend von vorne operiert und so die erkrankte Bandscheibe ausgeräumt.

Bei jungen Patienten ohne Wirbelgelenksarthrose können

zum Einsatz kommen, die die defekte Bandscheibe ersetzen. Bei Patienten mittleren und höheren Alters wird eine Fusion der benachbarten Wirbelkörper mit einem Knochenblock oder einem Platzhalter anstelle der Bandscheibe durchgeführt.

 

Bitte akzeptiere zusätzliche externe Inhalte, um dieses Video anzusehen.

 

 

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Bei einer Spinalkanalstenose im Bereich der HWS kann die Ursache der Einengung auch von rückseitigen Strukturen ausgehen. In diesen Fällen wird eine sogenannte dorsale Dekompression in verschiedenen Techniken ausgeführt. Hierbei werden knöcherne Wirbelbögen entfernt oder aufgeklappt, um für das Rückenmark mehr Platz zu schaffen.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei einer operativen Therapie 

Die Indikation zur Bandscheiben-Operation ist sehr sorgfältig zu stellen. Dann sind Komplikationsraten gering und betreffen in erster Linie die mögliche Verletzung der Rückenmarkshaut oder eine Fehllage des Platzhalters.

Wird nicht sorgfältig unter Zuhilfenahme eines Mikroskops operiert, können Bandscheibenreste im Spinalkanal übersehen werden.

Sehr selten treten Blutungen oder Nervenverletzungen im Zugangsbereich am Hals auf.

Nachsorge bei einem Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule

Nach der konservativen Therapie oder Injektionstherapie sollte sich eine krankengymnastische Übungsbehandlung anschließen. Wichtig ist hierbei das Erlernen von Eigenübungen, die der Patient regelmäßig durchführen sollte. Bei vorgeschädigten Strukturen an der HWS ist die Vermeidung von Belastungen, besonders Zugbelastungen, der Halswirbelsäule wichtig.

Hilfreich für eine physiologische, das heißt gesunde Körperhaltung ist das Aufdehnen von verkürzten Muskeln. Besonders durch einseitige Schreibtischarbeit verkürzen sich die Brust- und Armmuskeln. Öffnende Dehnübungen können helfen und sollten zunächst unter professioneller Anleitung erfolgen.

Physiotherapie Halswirbelsäule und Schultern
Krankengymnastik ist notwendig, um die Beweglichkeit wieder voll herzustellen © pololia / Fotolia

Operationen der HWS werden in der Regel sehr gut vertragen und stellen für den Patienten nur eine geringe Belastung dar. Der postoperative Krankenhausaufenthalt beschränkt sich in der Regel auf wenige Tage. Nach dem Eingriff kann mit einer Erholungs- und Heilungsphase von rund 6 Wochen gerechnet werden. Oft schließt sich an die Operation eine meist dreiwöchige Rehabilitation oder Anschlussheilbehandlung (AHB) an.

Heilungsaussichten bei einem zervikalen Bandscheibenvorfall

Meistens können Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule konservativ gut behandelt werden. Am wirksamsten sind dabei Injektionen. Die relativ selten notwendigen Operationen von Bandscheibenvorfällen der HWS wirken schnell gegen den Schmerz und haben eine hohe Erfolgsrate.

Die Spinalkanalstenose der HWS hat eine schwierig zu diagnostizierende, jedoch schwerwiegende Symptomatik. Sie wird daher häufig spät erkannt. Die Operation kann dann oft nur noch den Schaden begrenzen, jedoch keine Heilung mehr ermöglichen.

Bei Erkrankungen einer Bandscheibe in einem Segment sind die Erfolgsaussichten beim konservativen sowie beim operativen Vorgehen gut. Bei akutem Bandscheibenvorfall sind die Schmerzen sowohl durch die Injektionen als auch in entsprechenden Fällen durch die OP sehr gut zu therapieren. Sind Nervenschäden noch nicht so gravierend, erholen sich diese im Verlauf von einigen Monaten postoperativ.

Sind mehrere Segmente – meistens im Bereich der unteren HWS – an einem Bandscheibenverschleiß erkrankt, so kann nur eine Linderung erreicht werden. Bei hochgradiger Spinalkanalstenose im Bereich der HWS mit Zeichen der Rückenmarkschädigung kann es zu bleibenden Schäden des Rückenmarks kommen. Diese sind dann selbst bei Durchführung einer Operation nur teilweise rückbildungsfähig.

Fazit

Ein Bandscheibenvorfall in der HWS beziehungsweise ein Bandscheibenvorfall an der HWS ist meist Folge der anatomischen Besonderheiten, denn die Halswirbelsäule besteht aus sieben beweglichen Segmenten von C1 bis C7, wobei der Aufbau der Halswirbelsäule eine hohe Beweglichkeit bei gleichzeitiger Belastung erlaubt. Ein zervikalen Bandscheibenvorfall oder ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule kann die Symptome eines Bandscheibenvorfalls mit ausstrahlende Schmerzen, neurologische Symptome oder sogar neurologische Ausfälle verursachen, insbesondere in der akuten Phase eines akuten Bandscheibenvorfall.

Die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls liegen häufig in degenerative Veränderungen, weshalb Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule und Bandscheibenvorfällen der Halswirbelsäule mit zunehmendem Alter häufiger auftreten. Die konservative Behandlung, ergänzt durch manuelle Therapie, ist bei vielen Bandscheibenvorfalls der HWS erfolgreich und stellt einen zentralen Bestandteil der Behandlung von Bandscheibenvorfällen dar.

Persistieren die Beschwerden oder verschlechtern sich die Symptome, kann bei Bandscheibenvorfalls der Halswirbelsäule eine operative Versorgung bis hin zur Implantation einer künstliche Bandscheibe notwendig werden. Insgesamt zeigt sich, dass Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule je nach Lokalisation Symptome verursachen, die eine individuell abgestimmte Therapie erfordern.

FAQ

Was ist ein Bandscheibenvorfall der HWS?

Ein Bandscheibenvorfall der HWS liegt vor, wenn der Gallertkern der Bandscheibe durch den Faserring austritt und auf Nervenwurzeln oder das Rückenmark in der Halswirbelsäule drückt. Dies kann zu Schmerzen, Gefühlsstörungen oder motorischen Ausfällen führen.

Welche Symptome verursacht ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule?

Typische Symptome eines Bandscheibenvorfalls sind Nackenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in Schulter, Arm oder Hand, Kribbeln, Taubheitsgefühle und bei schweren Verläufen auch Lähmungen.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall der HWS diagnostiziert?

Die wichtigste Methode zur Diagnostik ist das MRT der Halswirbelsäule. Ergänzend erfolgen eine klinisch-neurologische Untersuchung sowie bei Bedarf weitere bildgebende Verfahren.

Wann ist eine Operation bei einem Bandscheibenvorfall der HWS notwendig?

Eine Operation wird erwogen, wenn konservative Therapie keine Besserung bringt, starke Schmerzen bestehen oder neurologische Ausfälle durch Druck auf das Rückenmark oder eine Nervenwurzel auftreten.

Welche konservativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die konservative Therapie umfasst Physiotherapie, Schmerztherapie, gezielte Injektionen, Schonung der Halswirbelsäule und den schrittweisen Aufbau der Nackenmuskulatur, um die Beweglichkeit zu verbessern und Beschwerden zu lindern.

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