Bandscheibenvorfall an der HWS: Informationen und Kliniken

22.01.2022
Prof. Dr. med. Michael Haake
Medizinischer Fachautor

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln, die mit C1 bis C7 benannt sind (C steht für cervix, lateinisch für Hals oder Nacken). Zwischen diesen Wirbeln liegen Bandscheiben als wasserhaltige Pufferscheiben mit einem festen Faserring. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule meint eine Schädigung an einer oder mehrerer Bandscheiben in diesem Wirbelsäulenabschnitt. Er wird auch zervikaler Bandscheibenvorfall genannt. Dieser kann mit einer Verengung des Spinalkanals im Halswirbelsäulenbereich, der sogenannten Spinalkanalstenose, verbunden sein. Häufig besteht dabei ein Schulter-Nacken-Schmerz, der in die Arme und Hände ausstrahlen kann. Auch neurologische Symptome wie Gangstörungen sind möglich. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Kliniken für Bandscheibenvorfälle an der HWS.

ICD-Codes für diese Krankheit: M50

Empfohlene Kliniken für Bandscheibenvorfälle an der HWS

Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule Fälle in Deutschland

33.844 Fälle im Jahr 2020
34.156 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist ein Bandscheibenvorfall an der HWS? Ein Bandscheibenvorfall, d. h. das Hervortreten von Bandscheibenmaterial aus den Räumen speziell zwischen den Wirbelkörpern der Halswirbelsäule.
  • Ursache: Eine angeborene Bindegewebsschwäche führt dazu, dass das Bandscheibengewebe weniger elastisch und stabil ist und sich dadurch verlagern kann.
  • Symptome: Häufig tritt Schulter-Nacken-Schmerz auf. Auch motorische Probleme, wie etwa Gangstörungen, können sich zeigen.
  • Behandlung: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der HWS kann gut konservativ behandelt werden. Dazu erhält der Patient schmerzstillende Medikamente und absolviert eine Physiotherapie.
  • Operation: Eine OP ist nötig, wenn konservative Maßnahmen keinen Erfolg zeigen. Die beschädigte Bandscheibe wird entfernt und entweder durch eine Prothese ersetzt oder die angrenzenden Wirbel werden aneinander fixiert.
  • Risiken bei einer OP: Wird nicht sorgfältig operiert, können Bandscheibenreste im Spinalkanal übersehen werden, auch Nervenverletzungen oder Blutungen sind möglich.
  • Nachsorge: An die konservative Therapie schließt sich eine Krankengymnastik an. Nach einer OP oft eine dreiwöchige Reha notwendig.
  • Prognose: Meistens reicht eine konservative Behandlung aus, um die Erkrankung nachhaltig zu heilen. Bei schweren Vorfällen jedoch kann sich die Heilung deutlich verlängern, auch bleibende Schäden sind dann möglich.

Artikelübersicht

Was ist ein Bandscheibenvorfall an der HWS?

Die sieben Halswirbel sitzen am oberen Teil der Wirbelsäule und tragen den Schädel, mit dem die obersten zwei Halswirbel das Kopfgelenk bilden.

Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule tritt Bandscheibengewebe aus dem Gallertkern (Nukleus) durch den Faserring der Bandscheibe (Annulus) nach hinten aus der Bandscheibe heraus. Die Erkrankung ist unter dem ICD-Code M50 gelistet.

Ein solcher Bandscheibenschaden kann an jeder der 24 Bandscheiben der Wirbelsäule auftreten. Am stärksten belastet ist die Lendenwirbelsäule (LWS). Auch an der Halswirbelsäule (HWS) ist der Bandscheibenvorfall eine vor allem im mittleren Lebensalter häufige Erkrankung

Zervikaler Bandscheibenvorfall
Diese Grafik zeigt den Erkrankungsmechanismus bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule © Henrie / Fotolia

Zu unterscheiden sind:

  • der Bandscheibenprolaps (Vorfall), bei dem der Faserring aufbricht und den innenliegenden Nukleus austreten lässt,
  • die Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung), bei der hingegen die Bandscheibe bei noch intaktem Faserring verformt ist.

Wird ein größerer Prolapsanteil in den Spinalkanal hineinverlagert, so spricht man von einem freien Sequester. In jedem Fall wird Druck auf Spinalnerven ausgeübt, der zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen führt.

Bandscheibenschäden
Die verschiedenen Stadien eines Bandscheibenvorfalls © bilderzwerg / Fotolia

Ursachen eines Bandscheibenvorfalls an der Halswirbelsäule

Die Ursache ist in erster Linie eine angeborene Schwäche des Bandscheibengewebes. Das Gewebe ist dabei weniger elastisch und stabil.

Bandscheiben selbst sind nicht durchblutet und erhalten ihre Nährstoffe nur durch Gewebeflüssigkeit, die bei Bewegung regelmäßig hinein- und hinausgepresst wird. Im Schlaf regenerieren die Bandscheiben, indem sie sich wieder mit Wasser vollsaugen - schließlich bestehen sie zu 90% aus Wasser.

Im Lauf des Lebens altern die Bandscheiben und knöchernen Wirbel. Die Regenerationsfähigkeit der Bandscheiben nimmt ab. Die Wirbel reagieren auf Fehlbelastungen nun mit Verschleiß und Verknöcherung der kleinen Wirbelgelenke (Facettensyndrom bzw. Spondylarthrose). Das Video zeigt diese Symptomatik:

 

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Diese Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule werden auch Spondylose genannt. Sie können den Spinalkanal, der durch die runde Aussparung in der Mitte der Wirbel gebildet wird, verengen. Bei der sogenannten Spinalkanalstenose entsteht also ein Platzmangel. Dieser wirkt sich wiederum negativ auf das Rückenmark und die daraus abzweigenden Spinalnerven aus.

Nervenkompressionen und Druck auf das Rückenmark lösen starke Schmerzen aus.

Symptome und Diagnose beim zervikalen Bandscheibenvorfall

Ein frischer Bandscheibenvorfall kann zur akuten Kompression einer Nervenwurzel führen. Die Schmerzausstrahlung erfolgt dann entlang der Nervenwurzel zu einzelnen Fingern hin. Entsprechend dieser Radikulopathie kann es zu Funktionsausfällen, also motorischen Problemen, kommen.

Häufig besteht ein Schulter-Nacken-Schmerz. Fast alle Patienten leiden darüber hinaus unter einer Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule.

Frau mit schmerzhafter Verspannung
 Schulter-Nacken-Schmerzen gehören zu den typischen Symptomen eines Bandscheibenvorfalls an der HWS © detailblick-foto / Fotolia

Die Spinalkanalstenose an der HWS kann schwer diagnostizierbare neurologische Symptome verursachen. Durch druckbedingte Veränderungen im Rückenmark kann es beispielsweise auch zu Gangstörungen kommen.

Behandlung bei Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose an der HWS

Man unterscheidet zwischen konservativer und operativer Therapie. Gerade im Bereich der Halswirbelsäule sind die Erfolgsraten der konservativen Therapie gut.

Konservative (nicht-operative) Therapie 

Ein Bandscheibenvorfall ist ein akutes Entzündungsgeschehen mit angeschwollenem Gewebe und Nervenkompression. Prinzipiell kann sich ein Bandscheibenvorfall gut alleine zurückbilden und das ausgetretene Bandscheibengewebe wird vom Körper abgebaut. Dafür braucht es Zeit und medikamentöse Unterstützung.

Am Anfang der Therapie stehen die Gabe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen). Gegen starke Muskelverspannungen helfen Muskelrelaxantien (verschreibungspflichtig, zum Beispiel Methocarbamol) sowie physiotherapeutische Behandlungen. Eine manuelle Therapie und lokale Wärmeanwendung wird in der Regel gut vertragen. Für die konservative Therapie sind ein Zeitraum von rund 8 Wochen einzuplanen.

Hoch wirksam und mit Studien gut belegt sind

  • Injektionen in den Bereich der betroffenen Nervenwurzel sowie
  • die technisch anspruchsvolle Gabe von Medikamenten in den Spinalkanal der HWS.

Sehen Sie den Ablauf einer solchen interventionellen Schmerztherapie bei einem HWS-Bandscheibenvorfall im Video:

 

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Operation bei Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose an der HWS

Die operative Ausräumung der Bandscheibe (Nukleotomie) und des Bandscheibenvorfalles ist die Therapie der Wahl bei

  • chronischen Beschwerden trotz konservativer Therapie oder
  • akutem Bandscheibenvorfall mit Lähmungen.

Bandscheibenvorfälle an der HWS werden überwiegend von vorne operiert und so die erkrankte Bandscheibe ausgeräumt.

Bei jungen Patienten ohne Wirbelgelenksarthrose können

zum Einsatz kommen, die die defekte Bandscheibe ersetzen. Bei Patienten mittleren und höheren Alters wird eine Fusion der benachbarten Wirbelkörper mit einem Knochenblock oder einem Platzhalter anstelle der Bandscheibe durchgeführt.

 

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Bei einer Spinalkanalstenose im Bereich der HWS kann die Ursache der Einengung auch von rückseitigen Strukturen ausgehen. In diesen Fällen wird eine sogenannte dorsale Dekompression in verschiedenen Techniken ausgeführt. Hierbei werden knöcherne Wirbelbögen entfernt oder aufgeklappt, um für das Rückenmark mehr Platz zu schaffen.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei einer operativen Therapie 

Die Indikation zur Bandscheiben-Operation ist sehr sorgfältig zu stellen. Dann sind Komplikationsraten gering und betreffen in erster Linie die mögliche Verletzung der Rückenmarkshaut oder eine Fehllage des Platzhalters.

Wird nicht sorgfältig unter Zuhilfenahme eines Mikroskops operiert, können Bandscheibenreste im Spinalkanal übersehen werden.

Sehr selten treten Blutungen oder Nervenverletzungen im Zugangsbereich am Hals auf.

Nachsorge bei einem Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule

Nach der konservativen Therapie oder Injektionstherapie sollte sich eine krankengymnastische Übungsbehandlung anschließen. Wichtig ist hierbei das Erlernen von Eigenübungen, die der Patient regelmäßig durchführen sollte. Bei vorgeschädigten Strukturen an der HWS ist die Vermeidung von Belastungen, besonders Zugbelastungen, der Halswirbelsäule wichtig.

Hilfreich für eine physiologische, das heißt gesunde Körperhaltung ist das Aufdehnen von verkürzten Muskeln. Besonders durch einseitige Schreibtischarbeit verkürzen sich die Brust- und Armmuskeln. Öffnende Dehnübungen können helfen und sollten zunächst unter professioneller Anleitung erfolgen.

Physiotherapie Halswirbelsäule und Schultern
Krankengymnastik ist notwendig, um die Beweglichkeit wieder voll herzustellen © pololia / Fotolia

Operationen der HWS werden in der Regel sehr gut vertragen und stellen für den Patienten nur eine geringe Belastung dar. Der postoperative Krankenhausaufenthalt beschränkt sich in der Regel auf wenige Tage.

Nach dem Eingriff kann mit einer Erholungs- und Heilungsphase von rund 6 Wochen gerechnet werden. Oft schließt sich an die Operation eine meist dreiwöchige Rehabilitation oder Anschlussheilbehandlung (AHB) an.

Heilungsaussichten bei einem zervikalen Bandscheibenvorfall

Meistens können Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule konservativ gut behandelt werden. Am wirksamsten sind dabei Injektionen. Die relativ selten notwendigen Operationen von Bandscheibenvorfällen der HWS wirken schnell gegen den Schmerz und haben eine hohe Erfolgsrate.

Die Spinalkanalstenose der HWS hat eine schwierig zu diagnostizierende, jedoch schwerwiegende Symptomatik. Sie wird daher häufig spät erkannt. Die Operation kann dann oft nur noch den Schaden begrenzen, jedoch keine Heilung mehr ermöglichen.

Bei Erkrankungen einer Bandscheibe in einem Segment sind die Erfolgsaussichten beim konservativen sowie beim operativen Vorgehen gut. Bei akutem Bandscheibenvorfall sind die Schmerzen sowohl durch die Injektionen als auch in entsprechenden Fällen durch die OP sehr gut zu therapieren. Sind Nervenschäden noch nicht so gravierend, erholen sich diese im Verlauf von einigen Monaten postoperativ.

Sind mehrere Segmente – meistens im Bereich der unteren HWS – an einem Bandscheibenverschleiß erkrankt, so kann nur eine Linderung erreicht werden.

Bei hochgradiger Spinalkanalstenose im Bereich der HWS mit Zeichen der Rückenmarkschädigung kann es zu bleibenden Schäden des Rückenmarks kommen. Diese sind dann selbst bei Durchführung einer Operation nur teilweise rückbildungsfähig.

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