Die häufigste Fehlstellung der Beinachse ist das sogenannte O-Bein. Der Grund für O-Beine ist eine Fehlstellung des Schienbeins. Auch Verschleißungen des Knorpels an der Innenseite des Kniegelenks oder am Innenmeniskus sind möglich. Patienten mit O-Beinen verspüren in der Regel Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenks. Beim X-Bein hingegen ist der äußere Gelenkbereich überlastet.
Neben dem O- und dem X-Bein gibt es weitere Fehlstellungen der Knochen im Ober- und Unterschenkel (Torsionsfehlstellungen). Diese führen auf Dauer zu Schmerzen und Abnutzung des Gelenkknorpels.
Eine Fehlstellung der Beinachse macht sich in der Regel erst im Erwachsenenalter bemerkbar. Der Arzt zieht eine Beinachsenkorrektur in Erwägung, wenn sich die Schmerzen trotz konservativer Therapie nicht bessern.
Die konservative Therapie beinhaltet:
- Gelenkschonender Sport (Fahrradfahren, Schwimmen)
- Krankengymnastik
- Schuheinlagen oder achsenmodulierende Orthesen: Diese führen zu einer teilweisen Entlastung des inneren oder äußeren Teils des Kniegelenkes. Sie werden allerdings meist nur zeitlich begrenzt vertragen, da der Tragekomfort beschränkt ist.
Patienten bis zu einem Alter von 60 Jahren, deren Beinachse eine hohe Abweichung aufweist, profitieren von einer Beinachsenkorrektur.

Unbehandelte X- oder O-Beine können langfristig zu einer Arthrose führen @ TarikVision / AdobeStock
Bei der ersten Untersuchung ermittelt der Arzt Art und Grad der Fehlstellung, um die beste OP-Methode zu wählen. Hier spielt die Ganzbeinaufnahme (Röntgenaufnahme des gesamten Beins) eine entscheidende Rolle.
Bei der Beinachsenkorrektur durchtrennt der Chirurg den Knochen und verbindet ihn anschließend mit einer Platte. Der Knochen wächst so in korrekter Stellung wieder zusammenwachsen.
Welche Methode zum Einsatz kommt und wo der Arzt den Knochen durchtrennt, hängt von der Art der Fehlstellung ab:
- Bei O-Beinen besteht die Fehlstellung im Schienbein. Deshalb durchtrennt der Arzt den Knochen etwa 4 cm unterhalb des Schienbeinkopfes. Er spreizt den Knochen einige Millimeter weit auf. Unterstützt wird die Operation durch eine computergestützte Planung. Danach fixiert der Arzt den Knochen mit einer Titanplatte und -schrauben.
- Bei X-Beinen ist das Verfahren ähnlich. Allerdings muss der Arzt den Knochen hier nicht aufspreizen, sondern einen Knochenkeil entfernen. Bei der Korrektur von X-Beinen dauert die Rehabilitation etwas länger.
- Falls auch eine Fehlstellung im Oberschenkelknochen vorliegt, erfolgt die Operation an der entsprechenden Stelle.
- Bei kombinierten Abweichungen kann die kombinierte Korrektur des Oberschenkel- und des Unterschenkelknochens notwendig sein.
Nach etwa drei bis fünf Tagen kann der Patient die Klinik wieder verlassen. Im Regelfall nutzt der Patient sechs Wochen lang Unterarmgehstützen. Während der gesamten Zeit unterstützt eine gezielte Physiotherapie den Erhalt der Beweglichkeit.
Die Dauer der Rehabilitation variiert von Patient zu Patient. Im Regelfall können Patienten aber spätestens sechs Wochen nach der Operation wieder kürzere Strecken ohne Gehstützen zurücklegen. Um die volle Mobilität zurückzuerlangen, sollten Betroffene etwa drei Monate lang regelmäßig zur Physiotherapie gehen.
Etwa 12 bis 18 Monate nach der Operation entfernt der Arzt die Titanplatten. Bei Bedarf führt der Chirurg auch eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durch, um den Knorpel zu untersuchen. Wenn nötig, behandelt er nicht vollständig geheilte Knorpelstellen.
Während der Heilungszeit sollte der Patient zu den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gehen. Mit der Zeit erreicht das Bein wieder die volle Belastbarkeit. Wer einen Beruf ohne körperliche Belastung hat, kann diesen bald nach der Operation wieder ausüben. Bei Berufen mit körperlicher Belastung kehrt der Patient nach rund 12 Wochen wieder zurück.
Wie bei jeder Operation besteht auch bei der Beinachsenkorrektur die Gefahr, dass sich eine Infektion oder eine Thrombose entwickeln. Sehr selten kann es zu einer Schädigung von Gefäßen und Nerven kommen. Darüber hinaus besteht das Risiko für eine Fehlverheilung des Knochens. Beispielsweise wenn der Bruchspalt nicht vollständig verschließt (Pseudoarthrose).
Für starke Raucher oder deutlich übergewichtige Patienten ist eine Beinachsenkorrektur wenig empfehlenswert.
Allgemein lässt sich sagen, dass der Eingriff sehr sicher ist und Komplikationen ausbleiben.
Statistiken zeigen, dass Menschen, die eine Beinachsenkorrektur unternommen haben, auch langfristig einen Gelenkersatz (Gelenkprothese) benötigen. Das lässt sich allerdings durch den Eingriff um etwa 10 Jahre hinauszögern.
Die HTO ist eine operativ durchgeführte Maßnahme an der Tibia, mit der Fehlstellungen der Beine wie O-Bein, X-Beine, Genu varum oder Genu valgum behandelt werden, indem eine valgisierende Korrektur der Beinachse vorgenommen wird.
Im Rahmen der Diagnostik, ergänzt durch MRT und Arthroskopie, wird das Ausmaß der Achsabweichung exakt bestimmt, um die Indikation für eine operative Umstellungsosteotomie des Knies festzulegen. Dabei wird der Schienbeinkopfes im Bereich der Innenseite des Kniegelenkes über einen Schnitt auf der Innenseite fast komplett durchtrennt, häufig als Open-Wedge-Verfahren, und mit Platte und Schrauben stabilisiert.
Die Umstellungsosteotomie korrigiert eine Fehlbelastung des Kniegelenkes, sorgt für Entlastung der Gelenkfläche und der Knorpelanteile und kann Arthrose im Kniegelenk sowie Knorpelabnutzung und Knorpelschäden deutlich verzögern.
Nach dem stationäre Aufenthalt erfolgt eine strukturierte Nachbehandlung mit Teilbelastung, Unterarmgehstützen, Physiotherapie, physiotherapeutische Mobilisationsübungen, Thromboseprophylaxe und schrittweiser Aufbelastung des operierte Bein zur Verbesserung der Beweglichkeit und der Funktion des Kniegelenks.
Als eine der gelenkerhaltenden Operationen kann diese Form der Umstellungsosteotomien einen späteren Kniegelenkersatz oder eine Endoprothese hinauszögern, insbesondere bei Fehlstellungen der Beine infolge von Unfällen oder angeboren bedingten Achsabweichungen.
Was ist eine Umstellungsosteotomie?
Die Umstellungsosteotomie ist ein operativer Eingriff, bei dem der Knochen gezielt durchtrennt wird, um eine Fehlstellung der Beinachse zu korrigieren. Sie dient dazu, das Kniegelenk zu entlasten und Arthrose im Knie zu verzögern.
Wann ist eine Umstellungsosteotomie sinnvoll?
Eine Umstellungsosteotomie wird empfohlen, wenn eine einseitige Arthrose durch Fehlbelastung vorliegt. Die Indikation hängt vom Ausmaß der Achsabweichung, dem Zustand des Knorpels und der Beweglichkeit des Kniegelenks ab.
Was bedeutet HTO?
HTO steht für High Tibial Osteotomy und bezeichnet eine Umstellungsosteotomie am Schienbein. Dabei wird die Beinachse valgisierend oder varisierend korrigiert, um die Innenseite oder Außenseite des Kniegelenks zu entlasten.
Wie läuft die Nachbehandlung ab?
Nach der Umstellungsosteotomie erfolgt eine strukturierte Nachbehandlung mit Teilbelastung und Physiotherapie. Die Mobilisation beginnt frühzeitig, häufig mit Unterarmgehstützen und kontrollierter Aufbelastung.
Kann eine Umstellungsosteotomie eine Endoprothese vermeiden?
Ja, durch die Korrektur der Beinachse kann der Gelenkverschleiß verlangsamt werden. In vielen Fällen lässt sich ein Kniegelenkersatz oder eine Endoprothese um Jahre hinauszögern.