Bei einem Emphysem (oft als Folge von COPD) sind die feinen Lungenbläschen zerstört. Es bilden sich große, schlaffe Lufträume. Die Folge: Die eingeatmete Luft kann nicht mehr vollständig ausgeatmet werden (Air Trapping). Dies führt zu einer massiven Lungenüberblähung. Das Problem ist mechanisch: Die überblähte Lunge drückt das Zwerchfell flach nach unten. Das Zwerchfell, unser wichtigster Atemmuskel, kann nicht mehr effektiv arbeiten. Die Emphysemchirurgie zielt darauf ab, diese Mechanik zu korrigieren.
Nicht jeder Patient ist für eine Operation geeignet. Die Indikationsstellung erfolgt interdisziplinär durch Pneumologen und Thoraxchirurgen in einem spezialisierten Zentrum.
Zur Abklärung gehören:
- Lungenfunktionstests: Messung der Kapazität.
- Computertomographie des Brustkorbs (CT): Um die Verteilung des Emphysems zu sehen (z.B. schwerpunktmäßig im Oberlappen).
- Perfusionsszintigraphie: Zeigt, welche Areale noch durchblutet sind.
Eine Indikation besteht meist, wenn trotz maximaler konservativen und medikamentösen Therapie eine schwere Symptomatik vorliegt und die Lungenanteile heterogen (ungleichmäßig) betroffen sind.

Präzisionsmedizin in der Thoraxchirurgie: Digitale Planung einer Lungenvolumenreduktion zur Behandlung des fortgeschrittenen Emphysems.
Es gibt verschiedene Verfahren in der Klinik für Thoraxchirurgie, die je nach Befund angewendet werden.
1. Lungenvolumenreduktion (LVR)
Die Lungenvolumenreduktion (LVRS - Lung Volume Reduction Surgery) ist das Standardverfahren. Hierbei wird das am stärksten zerstörte, funktionslose Lungengewebe (meist an den Spitzen der Lungenlappen) reseziert (entfernt).
- Effekt: Durch die Reduktion des Lungenvolumens um etwa 20–30 % kann sich das benachbarte Gewebe, das noch funktionstüchtig ist, wieder ausdehnen. Das Zwerchfell wölbt sich wieder nach oben und kann kräftiger arbeiten.
- Methode: Der Eingriff erfolgt heute fast immer minimalinvasiv mittels videoassistierten Thorakoskopie (VATS). Eine große Eröffnung des Brustkorbes (Thorakotomie oder Sternotomie) ist nur noch selten nötig. Dies hält die postoperative Morbidität gering.
2. Bullektomie
Manche Patienten leiden unter sogenannten "Riesenbullae". Eine Bulla ist eine große, luftgefüllte Blase, die das gesunde Gewebe verdrängt. Bei einer Bullektomie werden diese Bullae gezielt operativ entfernt. Dies entlastet den Thorax sofort und verbessert die Belüftung der restlichen Lunge.
3. Endobronchiale Ventile (Nicht-chirurgisch)
Als Alternative zur Resektion gibt es die endoskopische Lungenvolumenreduktion. Dabei werden über eine Bronchoskopie kleine Ventile in die Atemwege (Bronchien) eingesetzt. Diese lassen Luft aus den kranken Bereichen heraus, aber keine neue hinein. Dies führt zu einem gezielten Kollaps (Atelektase) des kranken Lungenlappens. Obwohl dies eine invasive Maßnahme ist, zählt sie streng genommen zur interventionellen Pneumologie, wird aber oft im Kontext der Emphysemtherapie gemeinsam evaluiert.
Studien haben gezeigt, dass die chirurgische Lungenvolumenreduktion bei selektierten Patienten gegenüber der medikamentösen Therapie Vorteile bietet:
- Verbesserung der Lungenfunktion (FEV1).
- Steigerung der körperlichen Belastbarkeit (Gehstrecke).
- Erhöhung der Lebensqualität und Überlebensrate bei spezifischen Emphysem-Typen.
Da das Gewebe oft sehr empfindlich ist, werden moderne Operationstechniken genutzt (z.B. Klammernahtgeräte mit verstärktem Vlies), um Luftlecks (Fisteln) zu vermeiden. Postoperativ ist eine intensive physiotherapeutische Betreuung und Atemgymnastik essenziell.
Die Emphysemchirurgie ist kein Heilmittel für die Grunderkrankung COPD, aber sie ist eine hocheffektive therapeutisch-palliative Maßnahme. Durch die operative Entfernung von überblähten Arealen erhalten Patienten buchstäblich "neue Luft". Ob eine Lungenvolumenreduktion, eine Bullektomie oder eine Ventil-Implantation die besten Ergebnisse verspricht, muss individuell in einer Klinik für Thoraxchirurgie geklärt werden.
Wann ist eine Lungenvolumenreduktion sinnvoll?
Eine operative Lungenvolumenreduktion (LVRS) ist sinnvoll, wenn ein schweres Lungenemphysem vorliegt, das ungleichmäßig verteilt ist (heterogenes Emphysem), meist mit Schwerpunkt in den Oberlappen. Die Patienten müssen trotz optimaler Medikamente unter starker Luftnot leiden, aber noch eine ausreichende Restkapazität für die Narkose haben.
Wie wird die Operation durchgeführt?
Der Eingriff erfolgt meist minimalinvasiv mittels Schlüsselloch-Chirurgie (Videoassistierte Thorakoskopie, VATS). Über kleine Schnitte am seitlichen Brustkorbs werden Kamera und Instrumente eingeführt. Die zerstörten Areale werden mit speziellen Klammernahtgeräten abgetrennt. Das Verfahren ist schonend und vermeidet große Schnitte.
Was ist der Unterschied zwischen Bullektomie und Volumenreduktion?
Bei der Bullektomie wird gezielt eine einzelne (oder wenige) riesige Luftblase (Bulla) entfernt, die das gesunde Gewebe verdrängt. Bei der Lungenvolumenreduktion wird hingegen diffuses, zerstörtes Emphysemgewebe (ganze Areale eines Lappens) entfernt, um die Überblähung insgesamt zu reduzieren.
Welche Risiken gibt es bei der OP?
Wie bei jedem Eingriff an der Lunge gibt es Risiken. Das häufigste Problem ist ein persistierendes Luftleck, da das emphysematöse Gewebe sehr brüchig ist. Daher werden oft Drainagen mit Unterdruck (Sog) verwendet. Ernste Komplikationen wie ein Pleuraempyem (Vereiterung) sind selten. Vor der OP wird zudem geprüft, ob andere Risiken (wie Herzerkrankungen oder bösartige Erkrankungen) vorliegen.
Gibt es Alternativen zur Operation?
Ja, für Patienten, die für eine Operation zu krank sind oder ein homogenes Emphysem haben, kommen interventionelle Verfahren infrage. Dazu zählen Ventile, die endoskopisch in die Bronchie eingebracht werden (Ventiltherapie), oder Coils (Spiralen). Diese Verfahren erfordern keine Schnitte, sondern erfolgen über die Luftröhre.