Zur Begriffserklärung: Der medizinische Ausdruck Ventrikel umfasst die beiden Herzkammern. Septum bezeichnet die Herzscheidewand. Der Begriff Defekt kennzeichnet einen Fehler, in diesem Fall das Loch in der Herzscheidewand.
Entsprechend der anatomischen Lage werden drei Defekte unterschieden:
- Membranöser Ventrikelseptumdefekt: Häufigste Form von Defekten der Herzkammerscheidewand. Das Loch manifestiert sich im membranartigen oberen Teil der Scheidewand.
- Perimembranöser Ventrikelseptumdefekt: Das Loch befindet sich im membranartigen und im muskulösen Anteil der Scheidewand.
- Muskulärer Ventrikelseptumdefekt: Defekt im Herzmuskelanteil der Scheidewand. Er weist oftmals mehrere Löcher auf.
Die Hauptaufgabe des Herzens ist es, sauerstoffarmes Blut aus dem Körper durch die Lungen zu pumpen. Das Blut gelangt danach mit Sauerstoff angereichert wieder zurück zum Herzen. Von der linken Herzkammer aus wird es wieder in den Körperkreislauf gepumpt. Der Druck in der linken Herzkammer ist höher als der Druck in der rechten Herzkammer, die für den Lungenkreislauf maßgeblich ist.
Ein Ventrikelseptumdefekt bedeutet, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Herzkammern gibt. Dadurch fließt das sauerstoffreiche Blut von der linken Herzkammer wieder in die rechte Herzkammer zurück. Dieses Blut wird dann gemeinsam mit dem sauerstoffarmen Blut aus dem Körperkreislauf in den Lungenkreislauf gepumpt.
Die Umkehr des Blutflusses ist auch unter dem medizinischen Fachbegriff Eisenmenger-Reaktion bekannt. Der Vorgang belastet das Lungengefäßsystem, die Herzkammern sowie das gesamte Herz stark.

Schematische Darstellung des menschlichen Kreislaufsystems © LuckySoul | AdobeStock
Das Ausmaß der Belastung ist von der Größe des Defektes in der Herzscheidewand abhängig. Ist das Loch sehr klein, kommt es in der Regel nicht zu Beschwerden.
Bei einer größeren Fehlbildung leiden die Säuglinge unter Atemnot und zu schnellem Atmen. Den Kindern fällt das Trinken als zusätzliche körperliche Belastung schwer und sie geraten dabei ins Schwitzen. Außerdem bleiben die Neugeborenen in ihrer allgemeinen Entwicklung zurück. Das äußert sich vor allem darin, dass sie kaum an Gewicht zunehmen.
Darüber hinaus besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, insbesondere der Atemwege. Unbehandelt verursacht der chronische Sauerstoffmangel
- blau verfärbte Finger- und Zehenspitzen sowie
- eine Blaufärbung der Zunge
bei den Kindern.
Der angeborene Herzfehler ist zumeist auf einen Defekt im Erbgut zurückzuführen. Durch eine Fehlentwicklung des Embryos verläuft das Wachstum der Herzkammern fehlerhaft.
Verantwortlich dafür kann eine Infektion im Verlauf der Schwangerschaft sein, wie zum Beispiel
- Röteln oder
- Viren der Herpes-Gruppe.
Als weitere Ursache kommen während der Schwangerschaft konsumierte schädigende Stoffe in Betracht, etwa
- Medikamente oder
- Alkohol.
In den meisten Fällen sind jedoch keine spezifischen Ursachen erkennbar.
Für die Diagnose stehen dem Kinderarzt oder dem Kinderkardiologen verschiedene Methoden zur Verfügung:
- Abhören: Mit Hilfe des Stethoskops werden Veränderungen der Herzgeräusche bereits bei Babys erkannt
- Ultraschalluntersuchung: Eine spezielle Form des Ultraschalls, die Echokardiographie, stellt den Blutstrom des Herzens dar
- EKG: Das EKG dient der Erfassung der Herzströme und der Belastung des Herzens
- Röntgen: Röntgenbilder des Brustraums ermöglichen die Beurteilung der Herzgröße und der Lage des Herzens
Können diese Diagnosemethoden die Löcher nicht ausreichend genau nachweisen, sind weitere, noch präzisere Untersuchungen notwendig. Dazu gehören die Magnetresonanztomographie (MRT) sowie die Herzkatheteruntersuchung. Um zu kontrollieren, wie viel Sauerstoff in das Blut gelangt, ist zudem eine Überwachung der Sauerstoffsättigung erforderlich.
Kleinere Ventrikelseptumdefekte verschließen sich in den ersten Lebensjahren oft von selbst. Falls der Defekt mittelgroße bis größere Ausmaße annimmt, ist eine Operation unumgänglich. Der Eingriff sollte dann so früh wie möglich erfolgen.
Das Kind sollte bis zur Operation keinen größeren körperlichen Belastungen ausgesetzt sein. Der Arzt kann bis dahin außerdem eine Therapie mit Medikamenten veranlassen. Sie erleichtert dem Herzen die Arbeit und mindert die Beschwerden des Kindes.
Die Operation kann nicht am schlagenden Herzen durchgeführt werden. Das Herz muss dafür stillgelegt werden. Daher wird der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Diese übernimmt für die Dauer der Operation die Funktion des Herzens. Sie reichert das Blut mit Sauerstoff an und pumpt es in den Körper.
Zunächst eröffnet der Chirurg den Brustkorb und den rechten Herzvorhof. Dann behandelt er das Loch in der Herzscheidewand durch die Herzklappe hindurch zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer.
Das Loch wird entweder vernäht oder mit einem aus Kunststoff bestehenden Flicken versehen. Bei kleineren Defekten kann das Loch mithilfe eines Katheters mit einem Schirmchen verschlossen werden. Das Schirmchen wird durch die Leistenvene bis zur entsprechenden Stelle im Herzen gebracht. Nach der Operation wird der Patient auf einer Intensivstation überwacht.
Dank der hochentwickelten Medizin kommt es heute kaum noch zu Komplikationen. Dem Kind geht es bereits wenige Tage nach der Operation besser. Es kann wieder normal atmen und holt nun auch Gewichtsdefizite schnell auf. Bei älteren Kindern kann in Abstimmung mit dem Arzt leichte sportliche Betätigung für den Verlauf der Genesung nützlich sein.
Im Laufe seines weiteren Lebens unterliegt das Kind keinen körperlichen Einschränkungen. Die OP ermölglicht eine normale
- Lebensqualität,
- Berufswahl oder
- Schwangerschaft.
Die Lebenserwartung des Kindes unterscheidet sich nicht von der herzgesunder Menschen. Dennoch sind lebenslange Kontrolluntersuchungen der Herzfunktion, insbesondere der Herzkammern, notwendig.
Was ist ein Ventrikelseptumdefekt und welche Symptome verursacht er?
Ein Ventrikelseptumdefekt ist ein angeborener Defekt der Herzscheidewand zwischen rechter und linker Herzkammer. Durch das Loch in der Herzscheidewand kann Blut zwischen den Herzkammern fließen. Ist der VSD sehr klein, zeigen betroffene Kinder häufig keine Symptome und der Defekt fällt möglicherweise nur durch ein charakteristisches Herzgeräusch beim Abhören auf. Bei großen Defekten können Säuglinge unter anderem Trinkschwäche, schnelle Atmung oder Zeichen einer Herzinsuffizienz entwickeln.
Kann sich ein Ventrikelseptumdefekt von selbst verschließen?
Ja, insbesondere kleine Löcher können sich im Laufe der Entwicklung spontan verschließen. Die Wahrscheinlichkeit hängt unter anderem von der Größe und Lage des VSD ab. Muskuläre Ventrikelseptumdefekte verschließen sich häufiger spontan als manche andere Formen. Ein kleiner VSD ohne relevante Belastung von Herz und Lungengefäßen wird deshalb häufig zunächst regelmäßig durch die pädiatrische Kardiologie kontrolliert.
Wann muss ein VSD operiert werden?
Eine Operation kann notwendig werden, wenn ein großer Ventrikelseptumdefekt einen ausgeprägten Links-rechts-Shunt verursacht, zu Herzinsuffizienz führt oder die Lungengefäße dauerhaft belastet. Der Verschluss des Defektes erfolgt bei einer klassischen Operation am offenen Herzen mit einem Patch oder, abhängig von Lage und Anatomie, durch direkten Verschluss. Für ausgewählte Defekte kann auch ein interventioneller Verschluss mittels Katheter infrage kommen. Welche Behandlung notwendig ist, entscheidet die Kinderkardiologie beziehungsweise Kinderherzchirurgie individuell.
Welche Folgen kann ein unbehandelter Ventrikelseptumdefekt haben?
Ein kleiner VSD kann ohne relevante Auswirkungen bleiben. Bei einem großen Defekt gelangt dagegen vermehrt sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer in die rechte Herzkammer und anschließend erneut zur Lunge. Der erhöhte Blutfluss durch die Lunge kann langfristig die Lungengefäße schädigen und einen Lungenhochdruck beziehungsweise eine pulmonale Hypertonie verursachen. Deshalb müssen hämodynamisch bedeutsame Ventrikelseptumdefekte regelmäßig kardiologisch beurteilt und gegebenenfalls rechtzeitig behandelt werden.
Wie ist die Lebenserwartung bei einem Ventrikelseptumdefekt?
Bei einem kleinen, unkomplizierten oder erfolgreich behandelten Ventrikelseptumdefekt ist die Prognose in der Regel sehr gut und eine normale Lebenserwartung grundsätzlich möglich. Auch nach einem operierten Ventrikelseptumdefekt können viele Betroffene ein weitgehend normales Leben führen. Die individuelle Prognose hängt jedoch von der Größe des Lochs, möglichen Begleitfehlbildungen, dem Zustand der Lungengefäße und eventuellen Komplikationen ab. Auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern sollten abhängig vom individuellen Befund kardiologisch betreut werden.