Der Morbus Dupuytren ist eine Erkrankung, bei der sich in der Palmaraponeurose knotige und später strangartige Veränderungen entwickeln, die zu einer zunehmenden Kontraktur der Finger führen. Viele Patienten bemerken die ersten Anzeichen des Morbus Dupuytren erst spät, obwohl die Krankheit bereits im frühen Stadium beginnt und oft an beiden Händen häufig fortschreitet. Die typische Dupuytren-Kontraktur kann im Verlauf ein deutliches Streckdefizitverursachen und die Funktion eines oder mehrerer Finger erheblich beeinträchtigen.
In der Ätiologie und Behandlungspielen genetische Faktoren, assoziierte Fibromatosen wie Morbus Ledderhose oder Induratio penis plastica sowie mögliche Komplikationen eine wichtige Rolle. In frühen Stadien lassen sich die Erkrankung und ihre Progressionteilweise verlangsamen, etwa durch konservative Maßnahmen wie Radiotherapie oder Nadelfasziotomie. Bei fortgeschrittener Beugekontraktur wird häufig eine Fasziektomie, eine limitierte oder vollständige, notwendig, wobei das Rezidivrisiko und die Rezidivrate je nach Ausmaß variieren.
Kurzübersicht:
Artikelübersicht
- Was ist Morbus Dupuytren?
- Wie entsteht der Morbus Dupuytren?
- Wie äußert sich der Morbus Dupuytren?
- Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
- Wie wird der Morbus Dupuytren behandelt?
- Muss eine Dupuytren´sche Kontraktur immer operiert werden?
- Morbus Dupuytren-Spezialisten als Fachärzte für Hand und plastische Chirurgie
- Postoperativ: Epidemiologie und Fibromatosen im Überblick
- FAQ
Was ist Morbus Dupuytren?
Der Morbus Dupuytren wird primär durch eine Bewegungseinschränkung der Finger charakterisiert. Die Betroffenen können ihre Finger nicht mehr strecken, sodass sich diese in Richtung der Handfläche krümmen. Die Erkrankung ist nach dem französischen Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren benannt, der das Phänomen der gekrümmten Finger erstmals im Jahr 1832 beschrieb.
Wie entsteht der Morbus Dupuytren?
Beim Morbus Dupuytren strukturiert sich das Bindegewebe im Bereich der Handflächen um und es bildet sich vermehrt Kollagen. Dadurch entstehen verdickte Stränge und Knoten sowohl im Bereich der Handinnenflächen als auch der Finger. Diese schränken die Beweglichkeit der Finger stark ein, sodass sich schlussendlich die sogenannte Dupuytren-Beugekontraktur entwickelt.
Was genau diese Veränderungen an den Händen hervorruft, ist noch nicht vollständig geklärt. Da die Dupuytren´sche Erkrankung familiär gehäuft auftritt, gehen Forscher davon aus, dass genetische Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. Vermutlich stören Veränderungen in bestimmten Genarealen die Zellfunktion und führen so zu den bindegewebigen Umbauprozessen. Die Umbauprozesse werden bei Menschen mit der entsprechenden Veranlagung offenbar durch Verletzungen oder andere Auslöser initiiert.
Ferner lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Morbus Dupuytren und anderen Erkrankungen beobachten. Dazu gehören:
- Leberzirrhose
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Hypertriglyzeridämie (erhöhte Blutfettwerte)
- Epilepsie
Häufige Symptome wie Streckdefizit und Diagnose des Morbus-Dupuytren in jedem Stadium
Wie äußert sich der Morbus Dupuytren?
Grundsätzlich entwickelt sich die Erkrankung eher langsam. Zu Beginn bemerken die Patienten oft nur weiche knotige Veränderungen oder Dellen im Bereich der Handflächen. Erst in einem späteren Stadium zeigen sich die typischen derben Knoten und die festen Stränge an den Finger und/oder Handflächen.
Die Unbeweglichkeit der Finger nimmt mit fortschreitender Krankheitsdauer zu, Schmerzen treten jedoch nicht auf. Menschen mit einem Morbus Dupuytren können zunächst einen, später dann mehrere Finger nicht mehr strecken. Nach und nach krümmen sich die Finger immer mehr nach innen in Richtung Handfläche. Am häufigsten sind der Ringfinger und der kleine Finger von der Kontraktur betroffen. Bei einem Großteil der Patienten tritt der Morbus Dupuytren an beiden Händen auf.

Typisches Erscheinungsbild: Strangartige Verhärtungen in der Handfläche führen zur zunehmenden Krümmung der Finger.
Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
Bei Verdacht auf eine Fibromatose der Palmarfaszie untersucht der Arzt zunächst die Hände. Wenn sich die Finger nicht strecken lassen und/oder zur Handfläche geneigt sind, deutet dies auf einen Morbus Dupuytren hin. In der Handfläche sind ferner Knötchen und strangartige bindegewebige Veränderungen zu ertasten. Ebenso fallen meist Verdickungen der Finger (Fingerknöchelpolster) auf.
Einer eingeschränkten Fingerbeweglichkeit können jedoch auch andere Ursachen zugrunde liegen. Zum Ausschluss anderer möglicher Grunderkrankungen, wie beispielsweise einer Arthrose der Fingergelenke, kann der Arzt eine Röntgenuntersuchung veranlassen.
Zusätzlich zur klinischen Untersuchung spielt beim Morbus Dupuytren – Ätiologie die genaue Analyse der idiopathischen Fibrosierung der Palmaraponeurose eine zentrale Rolle, da das betroffenen Gewebe palmar und knapp dorsal der Sehnenscheide charakteristische Veränderungen zeigt. Studien zur Epidemiologie zeigen, dass Dupuytren’s Disease bei Männern 3- bis 4-mal häufiger auftritt und oft gemeinsam mit weiteren Fibromatosen wie der Prävalenz von Fibromatosis plantaris oder sogar Morbus Peyronie beobachtet wird.
Die genaue Ursache bleibt trotz intensiver Forschung unklar, weshalb die Diagnostik im Rahmen der Dupuytren – Ätiologie und Behandlung immer auch andere systemische Einflussfaktoren berücksichtigt. Besonders wichtig ist die Beurteilung des spiralförmigen Verlaufs der Fingernerven, da das Gewebe palmar und knapp dorsal zu den neurovaskulären Bündeln verläuft und in fortgeschrittenen Stadien deren Funktion beeinträchtigen kann.
Beim Morbus Dupuytren achtet der Arzt daher darauf, ob die Gebrauchsfähigkeit der Hand bereits eingeschränkt ist und ob ein Eingriff notwendig wird. Die Diagnostik unterstützt darüber hinaus die Entscheidung, ob eine konservative Phase das Stadium zum Stillstand kommen lassen kann oder ob eine operative Therapie erforderlich wird. Moderne Leitlinien zum Management of Dupuytren’s Diseasebetonen, dass frühzeitiges Handeln die Erkrankung verlangsamen oder aufhalten kann. Auch bei komplexeren Befunden, etwa wenn neurovaskuläre Bündel sowie palmar der Sehnenscheide auf der Beugeseite des Fingers entfernt liegen, liefert die differenzierte Diagnostik entscheidende Hinweise für die weitere Behandlung.
Therapie des Morbus-Dupuytren - konservative und operative Therapie
Wie wird der Morbus Dupuytren behandelt?
Die Therapie der Dupuytren´schen Erkrankung besteht vor allem in weiter fortgeschrittenen Erkrankungsstadien in der Operation der Hände. Um die Beweglichkeit der Finger wiederherzustellen, können verschiedene chirurgische Eingriffe sinnvoll sein. So kann der verdickte Bindegewebsstrang durchtrennt oder herausgeschnitten werden. Je nach Ausprägung der Erkrankung wird die Bindegewebeplatte der Hand sogar komplett oder zum Teil entfernt. Dabei gilt: Je großzügiger der Chirurg das betroffene Gewebe entfernt, desto geringer ist das Rückfallrisiko.
Die Heilung verläuft bei vielen Patienten nur sehr langsam. Es besteht das Risiko einer Narbenkontraktur, bei der schrumpfendes Narbengewebe die Beweglichkeit der Finger erneut einschränkt. Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen können die Rehabilitation nach der Operation sinnvoll unterstützen, sodass die Patienten schneller wieder die gewünschte Mobilität in ihrer Hand und den Fingern erreichen können.
In der chirurgischen Praxis wird die Behandlungsentscheidung häufig anhand der Summe der Streckdefizite aller Gelenke getroffen, wobei besonders die Gelenke des am stärksten betroffenen Fingers entscheidend sind.
Fachautoren wie Robert Michael und Mike Ruettermann beschreiben im Deutschen Ärzteblatt, dass die limitierte Fasziektomie in vielen Fällen eine wirksame Option darstellt – besonders dann, wenn die Beweglichkeit zwar deutlich eingeschränkt ist, aber eine vollständige Entfernung der Palmarfaszie nicht notwendig erscheint.
Dieses Verfahren zielt darauf ab, das krankhaft veränderte Gewebe selektiv zu lösen, die Handfunktion zu verbessern und gleichzeitig das Risiko größerer Eingriffe zu reduzieren. Eine sorgfältige postoperative Nachsorge bleibt dennoch essenziell, um das Ergebnis zu stabilisieren und erneute Bewegungseinschränkungen möglichst zu vermeiden.
Muss eine Dupuytren´sche Kontraktur immer operiert werden?
Zur Behandlung des Morbus Dupuytren stehen auch nicht-chirurgische Maßnahmen zur Verfügung. So kann Röntgenstrahlung im Rahmen einer Strahlentherapie den Erkrankungsverlauf verlangsamen. Ebenso können die verhärteten Bindegewebsstränge der Finger mithilfe einer sogenannten Nadelfasziotomie behandelt werden. Die nicht-operativen Therapieoptionen eignen sich vor allem für die frühen Stadien der Erkrankung. Da viele Patienten jedoch erst mit fortgeschrittener Kontraktur einen Arzt aufsuchen, kommt vielfach nur die Handchirurgie zur Behandlung des Morbus Dupuytren infrage. Insbesondere bei einer Fingerbeugung von mehr als 30 Grad ist eine Operation dringend zu empfehlen.
Beim Morbus Dupuytren handelt es sich also um eine Erkrankung, die vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsstadium mit deutlichen Bewegungseinschränkungen für die Patienten verbunden ist. Eine frühe Behandlung kann die Beweglichkeit der Finger verbessern und eventuell einer Operation vorbeugen.
Morbus Dupuytren-Spezialisten als Fachärzte für Hand und plastische Chirurgie
Morbus Dupuytren-Spezialisten sind qualifiziert ausgebildete Fachärzte für Hand und plastische Chirurgie. Vor der Spezialisierung haben die Fachmediziner eine mehrjährige chirurgische Grundausbildung an entsprechenden Kliniken absolviert. Im Anschluss daran erfolgt die Facharztausbildung zum Plastischen Chirurgen an Kliniken für Plastische und Handchirurgie. Spezialisten für Morbus Dupuytren blicken sowohl auf eine umfassende chirurgische Facharztausbildung als auch hochspezialisierte Weiterbildung auf dem neuesten Forschungsstand an Spezialkliniken im In- und Ausland zurück.
Postoperativ: Epidemiologie und Fibromatosen im Überblick
Nach einer operativen Behandlung rückt das postoperative Management of Dupuytren's Disease in den Mittelpunkt, um Komplikationen zu vermeiden und die Beweglichkeit langfristig zu verbessern. Die idiopathische Fibrosierung der Palmaraponeurose bleibt jedoch eine chronische Veränderung, die auch nach einem Eingriff weiter fortschreiten kann. Entscheidend ist daher, das Stadium der Erkrankung vor und nach der Operation genau zu erfassen, da hiervon sowohl Prognose als auch Therapieoptionen abhängen.
Viele Patientinnen zeigen postoperativ zunächst ein gewisses Streckdefizit, das sich mit konsequenter Physiotherapie häufig reduziert. Dennoch können erneute bindegewebige Strangbildungen auftreten, was ein bekanntes Risiko dieser Erkrankung darstellt.
Besonders wichtig ist es, mögliche Komplikationen wie Narbenkontrakturen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Da die Erkrankung oft beide Hände betrifft, ist eine langfristige, individuelle Betreuung essenziell. Für Patientinnen bedeutet dies, dass regelmäßige Kontrollen, funktionelles Training und gegebenenfalls weitere therapeutische Maßnahmen notwendig bleiben, um die bestmögliche Handfunktion zu erhalten.
FAQ
Entwickelt sich die Erkrankung durch Fibrose immer bis zu einer deutlichen Verhärtung der Handfläche?
Die Fibrose führt bei Morbus Dupuytren meist zu einer zunehmenden Verhärtung und Verdickung des Gewebes in der Handinnenfläche. Wie schnell diese Veränderungen auftreten, ist individuell verschieden. Bei einigen Betroffenen bleibt der Verlauf mild, während bei anderen eine deutliche Strangbildung folgt. Entscheidend ist, ob sich die Veränderungen stabilisieren oder in Richtung einer Beugekontraktur fortschreiten.
Warum kommt es bei manchen Patienten zu aggressiven Verläufen der Erkrankung?
Aggressive Verläufe hängen häufig mit einer genetisch bedingten Veranlagung zusammen. Menschen, die früh erkranken oder familiäre Häufungen haben, entwickeln oft schneller Strangbildungen. Auch zusätzliche Faktoren wie Begleiterkrankungen können die Geschwindigkeit des Fortschreitens beeinflussen. Solche Verläufe erfordern engmaschige Kontrollen und eine frühzeitige Therapieplanung.
Stimmt es, dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen?
Ja – statistisch sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Zudem zeigt sich die Erkrankung bei Männern oft ausgeprägter. In vielen Fällen wird der stärksten betroffenen Fingers gebildet zuerst sichtbar, bevor weitere Finger nachfolgen. Frauen entwickeln die Erkrankung meist später und langsamer.
Welche Strukturen müssen bei einer Operation besonders geschont werden?
Bei operativen Eingriffen spielen die neurovaskulären Bündeln sowie palmar gelegene Sehnenstrukturen eine entscheidende Rolle. Sie verlaufen zum Teil nahe den krankhaft veränderten Strängen und müssen sorgfältig dargestellt und geschützt werden. Eine präzise Operationstechnik reduziert das Risiko für Sensibilitätsstörungen oder Durchblutungsprobleme.
Ist eine postoperative Nachbehandlung notwendig, und welche Rolle spielt dabei die Technik nach Ruettermann?
Postoperativ ist eine strukturierte Nachbehandlung wichtig, um Beweglichkeit und Funktion der Hand zu sichern. Dazu gehören Schienenbehandlung, manuelle Therapie und gezielte Übungen. Die Technik nach Ruettermann beschreibt ein strukturiertes Vorgehen zur Nachsorge und Rezidivprophylaxe. Sie hilft, erneute Strangbildungen zu vermeiden und die Hand langfristig funktionsfähig zu halten.
Quellen
- Deutsche Dupuytren-Gesellschaft e. V.
- Eaton, Seegenschmiedt, Bayat, Gabbiani, Werker, Wach (Hrsg.): Dupuytren’s Disease and Related Hyperproliferative Disorders. Principles, Research, and Clinical Perspectives. Heidelberg, New York 2012 [Buch]
- flexikon.doccheck.com/de/Dupuytren-Kontraktur











