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Erkrankung · Geburtshilfe

Plazenta praevia (Placenta praevia): Was die Fehllage der Plazenta für die Schwangerschaft bedeutet

Hier finden Sie ausgesuchte medizinische Experten und Spezialisten in Kliniken und Praxen für die Diagnose, Behandlung, Operation und Rehabilitation im Bereich Plazenta praevia (Plazentafehllage). Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

Sabine_Schneider.pngChefredakteurinSabine SchneiderStand: ICD-10: O44, P02

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Bei einer Plazenta praevia liegt die Plazenta im unteren Bereich der Gebärmutter und kann den inneren Muttermund bedecken. Je nach Lage werden unterschiedliche Formen der Praevia unterschieden, wobei insbesondere eine vollständige oder teilweise Überdeckung des Muttermundes für die Geburtsplanung relevant ist. Blutungen bei einer Plazenta praevia können während der Schwangerschaft auftreten und müssen ärztlich abgeklärt werden. Bei einer Placenta praevia partialis oder totalis ist in der Regel eine Entbindung per Kaiserschnitt vorgesehen.

Die Plazenta praevia, medizinisch auch Placenta praevia genannt, bezeichnet eine besondere Lage der Plazenta während der Schwangerschaft. Dabei befindet sich die Plazenta ungewöhnlich tief in der Gebärmutter und kann den inneren Muttermund teilweise oder vollständig bedecken. Diese Fehllage des Mutterkuchens kann je nach Ausprägung unterschiedliche Auswirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft und die Entbindung haben. Ein charakteristisches Symptom ist eine meist schmerzlose vaginale Blutung, insbesondere in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft.

Wird eine Praevia festgestellt, kontrolliert der Gynäkologe die Lage der Plazenta mittels Ultraschalluntersuchung. Je nachdem, wie nah die Plazenta am Muttermund liegt beziehungsweise ob sie diesen bedeckt, kann eine natürliche Geburt ausgeschlossen sein und ein Kaiserschnitt erforderlich werden. Besonders bei starken Blutungen ist eine rasche medizinische Abklärung wichtig, da eine Placenta praevia eine ernsthafte Komplikation für Mutter und Kind darstellen kann.

Hintergrundinformationen zur Plazenta

Die Plazenta (auch Mutterkuchen) ist ein wichtiges Organ zur Versorgung von heranwachsenden Babys mit Nährstoffen innerhalb der Gebärmutter. Der Embryo ist über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Eine weitere wichtige Funktion der Plazenta ist die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron, um die Schwangerschaft zu erhalten.

In der Plazenta verbinden sich der mütterliche und der kindliche Blutkreislauf über eine mehrschichtige Filtermembran, die Plazentaschranke.

Hier erfolgt die genau Kontrolle, welche Stoffe und Substanzen in das kindliche Blut übergehen, zum Beispiel:

  • Sauerstoff
  • Glukose oder
  • Stoffe des Immunsystems

Ganz ausgereift hat die Plazenta ein Gewicht von etwa 500 Gramm bei einer Größe von ungefähr 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser. Normalerweise liegt die Plazenta im oberen Bereich der Gebärmutter.

Während der Schwangerschaft wandert die Plazenta nach oben, der Geburtsweg ist für das ungeborene Kind damit frei.

Bei der Plazenta Fehllage bleibt diese Wanderung der Plazenta nach oben aus. Der Mutterkuchen bleibt im unteren Teil der Gebärmutter. So kann der natürliche Geburtsweg ganz oder teilweise bedeckt sein.

Plazenta praevia: Wenn die Plazenta (Mutterkuchen) in der Gebärmutter falsch liegt

Die Plazenta praevia ist die Fehllage der Plazenta im Bereich des inneren Endes des Gebärmutterhalses (innerer Muttermund).

Es zeigt sich in drei verschiedenen Ausprägungsformen:

  1. Plazenta praevia totalis: Die Plazenta überdeckt den inneren Muttermund (Ostium uteri internum) vollständig
  2. Plazenta praevia partialis: Der innere Muttermund ist nur teilweise von Plazentagewebe überragt
  3. Plazenta praevia marginalis: Die Plazenta berührt nur den Muttermund

Allen Formen gemeinsam ist die zu tiefliegende Plazenta im inneren Muttermund. Infolge des fortschreitenden Wachstums des Uterus ist es möglich, dass sich die Plazenta in den Gebärmutterkörper verlagert. Bleibt der Geburtsweg von Plazentagewebe versperrt, muss die Entbindung als Kaiserschnitt erfolgen.

Typische Anzeichen bei einer Plazenta praevia

Typisches Anzeichen und oftmals der einzige Hinweis ist eine plötzliche, schmerzlose und hellrote Blutung aus der Scheide (vaginale Blutung). Meist geschieht dies ab der 20. Schwangerschaftswoche (zweite Schwangerschaftshälfte).

Die Ursache der Vaginalblutung muss nicht zwangsläufig eine Fehllage der Plazenta sein. Erst durch eine Ultraschalluntersuchung ist die Plazenta Praevia überhaupt erkennbar.

Die medizinische Schwangerenvorsorge beinhaltet auch zwei Ultraschalluntersuchungen, bei denen Ärzte Fehllagen der Plazenta erkennen. Daher sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sehr wichtig.

Ursachen, Risiken und Schwangerschaftsverlauf

Bei der Plazenta praevia nistet sich die Blastozyste in der Nähe des Muttermundes ein. Normalerweise sollte dies an der hinteren oder vorderen Uteruswand geschehen.

Die Blastozyste entsteht aus der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle zur Zygote. Diese teilt sich mehrfach und wandert als Morula (Zellhaufen) durch den Eileiter in die Gebärmutter. Dort nistet sie sich als Blastozyste in die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ein. Die Auslöser für die gestörte Einnistung im inneren Muttermund sind unbekannt.

Risikofaktoren, die eine Plazenta Praevia begünstigen sind:

  • Rauchen
  • Gebärmutterschleimhautentzündung (Endometritis)
  • Hohes Alter der Mutter
  • Schwangerschaftsabbrüche
  • Früherer Kaiserschnitt (Sectio)
  • Ausschabung des Endometriums (Kürettage)

Treten bei einer Plazenta praevia keine Blutungen auf, verläuft die Schwangerschaft ungestört. Es gibt allerdings Vorsichtsmaßnahmen für kooperative Patienten.

Zu vermeiden sind:

  • Tragen schwerer Lasten
  • Geschlechtsverkehr und vaginale Manipulationen
  • Fernreisen

Diagnosemethoden bei Blutungen und Verdacht auf Plazenta praevia

Schwangere sind aufgefordert, die Termine der Vorsorgeuntersuchungen einzuhalten und bei einer vaginalen Blutung sofort die Klinik zur Abklärung aufzusuchen.

Vor der 20. Schwangerschaftswoche erfolgt eine Untersuchung der Vagina und des äußeren Muttermundes, um Blutung, Ursache und Stärke zu lokalisieren. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist die erste, wichtigste Methode die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauch- und Beckenraumes.

Plazentafehllagen Plazenta praevia Leading Medicine Guide
Sie stellt die Lage der Plazenta bildlich dar und führt zur Diagnose einer Plazenta praevia.

Der Arzt kann zur weiteren Diagnostik eine vaginale Sonographie oder Farbdoppler-Sonografie (farbige Darstellung des Blutflusses) einsetzen. Wegen des hohen Blutungsrisikos sollte der Arzt die Vagina und den Muttermund nicht abtasten.

Welche Behandlungen kommen in Frage?

Nach Auftreten einer vaginalen Blutung ab der 20. Schwangerschaftswoche ist eine klinische, konservative Behandlung empfehlenswert.

Sie erfolgt unter stationären Bedingungen und zielt zunächst auf das Fortführen der Schwangerschaft bis mindestens zur 34. Schwangerschaftswoche ab. Dazu muss die Blutung kontrollierbar sein.

Zum Management zählen die Gabe von:

  • Corticosteroiden zur Beschleunigung der Lungenreife des Fetus, z.B. Betamethason
  • Tokolytika zur Hemmung der Wehentätigkeit und Senkung des Frühgeburtsrisikos
  • Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen
  • Transfusionen zum Ausgleich des Blutverlustes und zur Kreislaufstabilisierung der Mutter

Minimieren sich im Verlauf der Schwangerschaft die Risiken einer erneuten Blutung, ist das Erreichen der 37. Schwangerschaftswoche erstrebenswert. Ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgt bei einer Plazenta praevia totalis die Entbindung als Kaiserschnitt. In der aktiven Behandlung der Plazenta praevia führen Ärzte unabhängig von der Schwangerschaftswoche einen Kaiserschnitt durch.

Die Spezialisten für die Betreuung von Schwangeren mit Plazenta praevia sind Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sie stehen in den Mutter-Kind- und Perinatal-Zentren der verschiedenen Kliniken zur Verfügung. Sie sind neben der Schwangerenbetreuung auch auf geburtshilfliche Notfälle spezialisiert. Bei einer Blutung während der Schwangerschaft suchen Sie sofort und direkt die Klinik auf. Scheuen Sie sich nicht davor, den Rettungsdienst zu rufen.

Wie gut wirken die verschiedenen Behandlungsmethoden?

Die Behandlungsmethoden führen zu einer mütterlichen Sterblichkeit von weniger als einem Prozent.

Die Sterblichkeit des Kindes innerhalb der ersten 7 Lebenstage liegt bei ca. 3 %. Sie ist damit etwa dreimal höher als bei einem normalen Plazentasitz. Patientinnen mit Plazenta praevia erhalten abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen einen Kaiserschnitt.

Zusammenfassung

Allen Formen der Plazenta praevia gemeinsam ist die zu tiefliegende Plazenta im inneren Muttermund. Bleibt der Geburtsweg von Plazentagewebe versperrt, muss die Entbindung als Kaiserschnitt erfolgen. Typisches Anzeichen und oftmals einziger Hinweis ist eine plötzliche, schmerzlose und hellrote Blutung aus der Scheide.

Treten bei einer Plazenta praevia keine Blutungen auf, verläuft die Schwangerschaft ungestört. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig für den Schwangerschaftsverlauf. Bei einer vaginalen Blutung sollten Sie sofort die Klinik zur Abklärung aufsuchen.

Ziel der klinischen, konservativen Behandlung ist das Fortführen der Schwangerschaft bis zum Erreichen der Lungenreife des Kindes. Die Lungenreifung ist nach 34 abgeschlossenen Schwangerschaftswochen in der Regel gegeben.

In der aktiven Behandlung der Plazenta praevia erfolgt die Entbindung unabhängig von der Schwangerschaftswoche sofort nach Kreislaufstabilisierung der Schwangeren. Patientinnen mit Plazenta praevia erhalten abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen einen Kaiserschnitt.

FAQ

Was ist eine Plazenta praevia?
Die Plazenta praevia beziehungsweise Placenta praevia ist eine Fehllage des Mutterkuchens. Normalerweise befindet sich die Plazenta im oberen Bereich der Gebärmutter. Bei einer Praevia liegt die Plazenta dagegen tief in der Gebärmutter und überdeckt den inneren Muttermund teilweise oder vollständig. Die Plazenta versorgt das ungeborene Kind während der Schwangerschaft mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Welche Formen der Placenta praevia gibt es?
Traditionell werden unter anderem Placenta praevia totalis und Placenta praevia partialis unterschieden. Bei der Praevia totalis wird der innere Muttermund vollständig, bei der Praevia partialis teilweise von der Plazenta bedeckt. Daneben finden sich Begriffe wie Praevia marginalis beziehungsweise Placenta praevia marginalis und tiefsitzende Plazenta. Für die konkrete Diagnose und Geburtsplanung ist entscheidend, wo sich der Plazentarand im Verhältnis zum Muttermund befindet.

Welche Symptome verursacht eine Plazenta praevia?
Ein wichtiges Symptom ist eine vaginale Blutung beziehungsweise Blutung aus der Scheide, die insbesondere in der späteren Schwangerschaft auftreten kann. Eine solche Blutung kann schmerzlos sein und unterschiedlich stark ausfallen. Starke Blutungen können eine Gefahr für Mutter und Kind darstellen und müssen umgehend medizinisch beurteilt werden. Auch wenn bereits eine Praevia festgestellt wurde, sollte eine neue Blutung nicht abgewartet werden.

Ist bei einer Plazenta praevia eine natürliche Geburt möglich?
Ob eine natürliche Geburt beziehungsweise vaginale Entbindung infrage kommt, hängt vor allem von der genauen Lage der Plazenta ab. Bedeckt die Plazenta den inneren Muttermund, kann sie den Geburtskanal blockieren. Für eine Placenta praevia partialis oder totalis empfiehlt die einschlägige deutsche Sectio-Leitlinie die primäre Entbindung per Kaiserschnitt. Die individuelle Planung erfolgt abhängig von Befund, Schwangerschaftsverlauf und möglichen Blutungen.

Welche Risikofaktoren gibt es für eine Plazenta praevia?
Das Risiko für eine Plazenta praevia kann unter anderem nach vorausgegangenen Kaiserschnitten und anderen Eingriffen an der Gebärmutter erhöht sein. Hat eine Frau bereits eine Ausschabung oder andere uterine Eingriffe hinter sich, wird dies bei der Beurteilung möglicher Risikofaktoren berücksichtigt. Entscheidend für die Diagnose Placenta praevia ist jedoch die bildgebend festgestellte Lage der Plazenta. Bei Verdacht auf Placenta praevia erfolgt deshalb eine gezielte gynäkologische Ultraschalldiagnostik.

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Über den Fachautor

Sabine Schneider

Chefredakteurin

Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.

Vollständiges Expertenprofil ansehen
Quellen
  • https://www.bggf.de/cms/index.php
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Placenta_praevia
  • https://deximed.de/home/b/schwangerschaft-geburtshilfe/patienteninformationen/komplikationen-in-der-schwangerschaft/placenta-praevia/
  • Dr. med. Schoppmeyer, Marianne: Lehrbuch für Pflegeberufe. Anatomie und Physiologie. München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier, 2017

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