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Erkrankung · Geburtshilfe

Beckenendlage erkennen und Möglichkeiten der Geburt abwägen

Kurzübersicht — das Wichtigste zuerst

Lage des Kindes
Bei der Beckenendlage zeigt der Po zum Beckenausgang, während der Kopf oben in der Gebärmutter liegt.
Feststellung
Mit Ultraschall lassen sich die Lage des Kindes und die Lage der Plazenta erkennen.
Äußere Wendung
Bei einer unkomplizierten Einlingsschwangerschaft soll die äußere Wendung ab 36+0 Schwangerschaftswochen angeboten werden.
Geburtsweg
Eine vaginale Geburt ist häufig möglich; als Alternative kann ein geplanter Kaiserschnitt infrage kommen.
Erfahrenes Team
Eine geplante vaginale Beckenendlagengeburt sollte von einer darin erfahrenen Fachkraft begleitet werden.

Bei einer Beckenendlage liegt das Kind mit dem Po nach unten. Je nach Befund kommen eine äußere Wendung, eine vaginale Geburt oder ein Kaiserschnitt infrage.

Für die Geburtsplanung prüfen Ärztinnen, Ärzte und Hebammen, welcher Geburtsweg für Mutter und Kind geeignet ist. Dabei zählen die genaue Lage des Kindes, weitere Befunde und die Erfahrung des geburtshilflichen Teams.

Was bedeutet Beckenendlage?

Liegt das Kind gegen Ende der Schwangerschaft mit dem Po nach unten, spricht man von einer Beckenendlage oder Steißlage. Der Po ist dann der vorangehende Körperteil, bei einer Fußlage ein Fuß oder beide Füße. In Schädellage liegt dagegen der Kopf nach unten.

Eine Beckenendlage beschreibt zunächst nur die Lage des Kindes und legt den Geburtsweg nicht automatisch fest. Bedeutsam wird der Befund vor allem für die Planung der Geburt.

Bei reiner Steißlage geht der Po voran, während die Beine bei vollständiger Steißlage anders angewinkelt sind. In einer Beobachtungsstudie musste die Geburt des Kopfes dabei häufiger mit einer Geburtszange unterstützt werden als bei reiner Steißlage. Eine Fußlage spricht gegen eine geplante vaginale Beckenendlagengeburt.

In einer Untersuchung von erstmals Schwangeren in Großbritannien lagen in der 36. Schwangerschaftswoche rund 5 % der Kinder in Beckenendlage. Wie häufig diese Lage vorkommt, hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Untersuchung ab.

Welche Symptome hat eine Beckenendlage?

An den eigenen Körperempfindungen lässt sich eine Beckenendlage nicht zuverlässig erkennen. Manche Schwangere spüren Bewegungen an Stellen, die auf eine Lage ohne vorangehenden Kopf hindeuten können. Gewissheit geben diese Eindrücke jedoch nicht.

  • Tritte im Unterbauch: Die Bewegungen können tief im Bauch zu spüren sein.
  • Bewegungen nahe der Blase: Auch sie sind bei einer Beckenendlage möglich.

Selbst wenn es sich so anfühlt, als würde das Kind mit dem Po nach unten liegen, ist eine geburtshilfliche Untersuchung notwendig. Nur damit lässt sich seine Lage verlässlich feststellen.

Beckenendlage
© 川本まる | AdobeStock

Was begünstigt die Lage mit dem Po nach unten?

Für eine Beckenendlage lässt sich nicht immer ein einzelner Auslöser bestimmen. Beobachtet wurden Zusammenhänge mit der Fruchtwassermenge sowie mit Besonderheiten des mütterlichen Beckens, der Gebärmutter oder des Kindes. Das bedeutet jedoch nicht, dass der jeweilige Faktor die Lage sicher verursacht.

  • Wenig Fruchtwasser: Die eingeschränkte Beweglichkeit kann mit der Lage zusammenhängen.
  • Verengte Beckenform: Sie wurde bei Beckenendlagen häufiger beobachtet.
  • Veränderungen der Gebärmutter: Die Form des verfügbaren Raums kann abweichen.
  • Besonderheiten des Kindes: Auch kindliche Veränderungen wurden häufiger festgestellt.

Nach einer früheren Beckenendlage muss sich diese Lage nicht zwangsläufig wiederholen. In einer Untersuchung von Geburten am Termin trat sie erstmals bei rund 4 % der ersten sowie jeweils rund 2 % der zweiten und dritten Schwangerschaften auf.

Wie wird die Beckenendlage festgestellt?

Die Lage des Kindes wird durch eine geburtshilfliche Untersuchung beurteilt und mit Ultraschall bestätigt. Auf dem Bild sind sowohl das Kind als auch die Lage der Plazenta zu erkennen. Das Ergebnis ist verlässlicher als die Stelle, an der eine Schwangere Bewegungen spürt.

Zur üblichen Schwangerenvorsorge in Deutschland gehören Ultraschalluntersuchungen um die 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche. Da Babys ihre Lage im Verlauf ändern können, ist für die Geburtsplanung besonders der Befund gegen Ende der Schwangerschaft bedeutsam.

Wird die Beckenendlage erst während der Geburt erkannt, erschwert das die Planung. In einer Klinikauswertung war diese Gruppe besonders häufig von einem ungeplanten Kaiserschnitt betroffen. Eine rechtzeitige Feststellung lässt dagegen Zeit, die äußere Wendung und mögliche Geburtswege zu besprechen.

Wann kann eine äußere Wendung helfen?

Bei einer äußeren Wendung versucht eine Ärztin oder ein Arzt, das Kind mit Handgriffen von außen durch die Bauchdecke zu drehen. Ob das Verfahren geeignet ist, hängt von der individuellen Schwangerschaftssituation ab.

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, Schwangeren mit unkomplizierter Beckenendlage eines einzelnen Kindes ab 36+0 Schwangerschaftswochen eine äußere Wendung anzubieten. Ein früherer Versuch kann das Risiko einer späten Frühgeburt erhöhen.

Ein Wendungsversuch gegen Ende der Schwangerschaft verringert die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind bei der Geburt weiterhin in Beckenendlage liegt. Auch ein Kaiserschnitt wird dadurch seltener notwendig. Eine erfolgreiche Drehung des Kindes ist jedoch nicht garantiert.

In einer systematischen Übersicht traten anhaltend auffällige CTG-Befunde bei 0,37 % der untersuchten Wendungsversuche auf. Das CTG zeichnet die kindliche Herzfrequenz und die Wehentätigkeit auf. Bei 0,47 % der Versuche kam es zu vaginalen Blutungen.

Nach 0,43 % der untersuchten Wendungsversuche war ein ungeplanter dringlicher Kaiserschnitt erforderlich. Die äußere Wendung sollte deshalb dort stattfinden, wo das Kind überwacht und bei einer seltenen Komplikation rasch weiterbehandelt werden kann.

Welche Möglichkeiten gibt es für die Geburt?

Bei Beckenendlage sind sowohl eine geplante vaginale Geburt als auch ein geplanter Kaiserschnitt möglich. Die Entscheidung berücksichtigt die Vor- und Nachteile beider Geburtswege. Sie richtet sich nach der Form der Beckenendlage, der Situation von Mutter und Kind sowie der Erfahrung des geburtshilflichen Teams.

VerfahrenFür wen kommt es infrage?Dauer oder ZeitrahmenVor- und Nachteile
Äußere WendungBei unkomplizierter Beckenendlage eines einzelnen Kindes und geeigneten BefundenVor der GeburtKann eine Geburt in Schädellage ermöglichen; die Drehung gelingt nicht immer.
Vaginale Geburt aus BeckenendlageBei geeigneter Ausgangslage und mit einem erfahrenen geburtshilflichen TeamWährend des GeburtsverlaufsVermeidet eine geplante Operation; in einer Metaanalyse war das kurzfristige Risiko für kindliche Erkrankungen oder Tod höher als beim geplanten Kaiserschnitt.
Geplanter KaiserschnittWenn die vaginale Geburt nicht geeignet oder nicht gewünscht istOperative GeburtSenkt bestimmte kurzfristige kindliche Risiken; in einer Cochrane-Auswertung traten etwas mehr kurzfristige gesundheitliche Probleme der Mutter auf.

Eine Fußlage spricht nach den untersuchten nationalen Leitlinien gegen eine geplante vaginale Geburt. Eine Geburtseinleitung ist bei einem Kind in Beckenendlage dagegen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ob sie sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen geburtshilflichen Situation ab.

Bei einer geplanten vaginalen Geburt aus Beckenendlage kann eine Periduralanästhesie, kurz PDA, zur Schmerzlinderung angeboten werden. Während der Beckenendlagengeburt sollte eine darin erfahrene Fachkraft anwesend sein.

Die Betreuung übernehmen Fachärztinnen und Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie erfahrene Hebammen. Bei besonderen Anforderungen kann ein Zentrum für spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin geeignet sein.

Im Gespräch mit dem geburtshilflichen Team können folgende Fragen bei der Geburtsplanung helfen:

  • Erfahrung: Wie häufig begleitet das Team vaginale Beckenendlagengeburten?
  • Voraussetzungen: Welche Befunde müssen für eine vaginale Geburt vorliegen?
  • Komplikationen: Wie geht das Team vor, wenn während der Geburt Probleme auftreten?
  • Schmerzlinderung und Wechsel des Geburtswegs: Ist eine PDA möglich, und wann wird ein Kaiserschnitt notwendig?

Kann man einer Beckenendlage vorbeugen?

Bestimmte Körperhaltungen garantieren keine Drehung in Schädellage. Für Übungen mit hochgelagertem Becken, darunter die indische Brücke, fehlen ausreichende Studienbelege dafür, dass sich Babys dadurch drehen.

Moxibustion ist eine Wärmeanwendung aus der traditionellen chinesischen Medizin. Zusammen mit der üblichen Betreuung kann sie die Wahrscheinlichkeit einer Beckenendlage bei der Geburt wahrscheinlich etwas senken. Sie ersetzt weder die ärztliche Beurteilung noch die Planung des Geburtswegs.

Wie sind Verlauf und Prognose?

Während der Schwangerschaft beeinträchtigt die Beckenendlage das Kind in der Regel nicht. Für die Prognose sind vor allem die Lage bei Geburtsbeginn und die Form der Beckenendlage relevant.

Nach einer gelungenen äußeren Wendung dreht sich das Kind nur selten wieder zurück. Auch nach einem erfolglosen Versuch kann es sich noch spontan in Schädellage drehen; dies ist ebenfalls ungewöhnlich.

Beckenendlage
© fotoduets | AdobeStock

In einer Nachuntersuchung 2 Jahre nach geplantem Kaiserschnitt und geplanter vaginaler Beckenendlagengeburt waren die gesundheitlichen Ergebnisse der Mütter ähnlich. Diese Ergebnisse helfen dabei, mögliche langfristige Folgen einzuordnen.

Kinder in Beckenendlage haben ein erhöhtes Risiko für eine Hüftdysplasie, also eine Reifungsstörung des Hüftgelenks. Die Kindslage sollte deshalb bei den Untersuchungen nach der Geburt berücksichtigt werden.

Wann ist sofort medizinische Hilfe erforderlich?

Eine bekannte Beckenendlage ist für sich genommen kein Notfall. Bestimmte Beschwerden müssen während der Schwangerschaft jedoch unverzüglich medizinisch beurteilt werden.

  • Vorzeitige Wehen: Vor Ende der 34. Schwangerschaftswoche handelt es sich um einen Notfall.
  • Hellrote Blutungen: Sie sind während der Schwangerschaft immer ein Notfall.

Bei diesen Warnzeichen sollten Sie umgehend eine geburtshilfliche Klinik oder den Rettungsdienst kontaktieren. Bestehen keine akuten Beschwerden, kann die Geburt zeitnah mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt und der betreuenden Hebamme geplant werden.

Häufige Fragen zur Beckenendlage

Was bedeutet es, wenn das Baby mit dem Po nach unten liegt?

Dann liegt eine Beckenendlage, auch Steißlage genannt, vor. Der Kopf befindet sich oben, während der Po oder bei einer Fußlage die Füße zum Beckenausgang zeigen.

Lässt sich die Lage an den Tritten erkennen?

Nein, anhand der Bewegungen des Kindes lässt sich seine Lage nicht sicher beurteilen. Tritte tief im Bauch oder nahe der Blase können einen Hinweis geben, weisen die Beckenendlage aber nicht zuverlässig nach. Gewissheit bringt eine Ultraschalluntersuchung.

Wann kommt eine äußere Wendung infrage?

Sie kommt vor allem bei einer unkomplizierten Beckenendlage eines einzelnen Kindes infrage. Angeboten werden soll sie ab 36+0 Schwangerschaftswochen. Vor dem Versuch wird geburtshilflich geprüft, ob das Verfahren geeignet ist.

Welche Risiken hat eine äußere Wendung?

Zu den möglichen Komplikationen zählen anhaltend auffällige CTG-Befunde, vaginale Blutungen und die Notwendigkeit eines ungeplanten dringlichen Kaiserschnitts.

Kann das Kind vaginal geboren werden?

Ja, eine vaginale Geburt aus Beckenendlage ist bei geeigneten Voraussetzungen häufig möglich. Bei einer Fußlage wird sie nach den untersuchten nationalen Leitlinien nicht geplant. Eine erfahrene geburtshilfliche Fachkraft sollte die Geburt begleiten.

Ist bei der vaginalen Geburt eine PDA möglich?

Ja, auch bei einer geplanten vaginalen Beckenendlagengeburt kann eine Periduralanästhesie zur Schmerzlinderung angeboten werden. Die Beckenendlage schließt eine PDA daher nicht aus.

Helfen die indische Brücke oder Moxibustion?

Für die indische Brücke und andere Körperhaltungen mit hochgelagertem Becken fehlen ausreichende Belege für eine Drehung des Kindes. Moxibustion kann die Wahrscheinlichkeit einer Beckenendlage bei der Geburt wahrscheinlich etwas senken, ersetzt aber keine Geburtsplanung.

Bei welchen Warnzeichen ist sofort Hilfe erforderlich?

Vorzeitige Wehen vor Ende der 34. Schwangerschaftswoche und hellrote Blutungen sind Notfälle. Das gilt unabhängig davon, ob eine Beckenendlage bekannt ist.

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Über den Fachautor

Prof. Dr. med. Markus Wallwiener

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