Wenn eine Frau mit mehr als einem Embryo in der Gebärmutter schwanger ist, spricht man von einer Mehrlingsschwangerschaft. Je nachdem wie viele Embryonen es sind, spricht man von einer Zwillings-, Drillings-, Vierlings- oder Sechslings-Schwangerschaft.
Dabei können eineiige und zweieiige Zwillingen entstehen:
Eineiige Zwillinge entstehen aus einer befruchteten Eizelle (Zygote). Beide Embryonen sind genetisch identisch. Sie sind gleichgeschlechtlich. Eine eineiige Zwillingsschwangerschaft heißt auch monozygotische Schwangerschaft (mono = einzig). Zweieiige Zwillinge entstehen aus zwei befruchteten (unterschiedlichen) Eizellen heran. Diese Form nennen Experten dizygotische Schwangerschaft (di = zwei). Beide Eizellen reifen zwar in den Eierstöcken gleichzeitig heran, sie stammen aber von zwei unterschiedlichen Spermien. Die Geschwister sind genetisch unterschiedlich.

Neugeborene Zwillingsbuben @ Vad-Len / AdobeStock
Mehrlingsschwangerschaften entstehen häufig nach künstlichen Befruchtungen (In-vitro-Fertilisation, IVF, ICSI). Ärzte setzen der werdenden Mutter ein, zwei oder maximal drei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter ein.
Das oberste Ziel einer Kinderwunschbehandlung ist es, die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Deshalb nehmen Ärzte und werdende Mütter das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft in Kauf.
Mehrlingsschwangerschaften sind - ohne hormonelle Unterstützung - sehr selten. Natürliche Faktoren sind das steigende Alter oder eine genetische Veranlagung der Mutter. Beispielsweise wenn die Mutter selbst ein Mehrling ist.

Siamesische Zwillinge @ lunamarina /AdobeStock

Schwangerschaftsdiagnostik mittels Ultraschall @ Alexander Raths / AdobeStock
Schwangerschaften mit Mehrlingen gehören zu den Risikoschwangerschaften. Das bedeutet, dass sie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt haben.
Deshalb sollten Frauen, die mit Mehrlingen schwanger sind, öfter zur ärztlichen Kontrolle. Bis zur 28. Schwangerschaftswoche alle 14 Tage. Danach wöchentlich. Die Untersuchungen erfolgen mittels CTG (Kardiotokografie). Das CTG ist ein Gerät, mit dem die Ärzte die Herzfrequenz der ungeborenen Babys und die Wehentätigkeit aufzeichnen können.
Bei Mehrlingsschwangerschaften treten die üblichen Schwangerschaftsbeschwerden in verstärkter Form auf:
- Starke Übelkeit mit häufigem Erbrechen
- Wassereinlagerungen (Stauungsödeme) und Kribbeln in den Beinen ab der 14. Schwangerschaftswoche
- Rückenschmerzen aufgrund der Gewichtszunahme
- Atemlosigkeit (durch Druck der Mehrlinge auf die Lunge)
- Starke Tritte und Stöße gegen die Bauchdecke

Schwangere Frau mit Rückenschmerzen @ Nutlegal / AdobeStock
- Präeklampsie: Bluthochdruck mit Eiweißausscheidung im Urin
- Erhöhtes Frühgeburtsrisiko: Eine Geburt, die vor der 37. Schwangerschaftswoche stattfindet, bezeichnen Ärzte als Frühgeburt. Anzeichen einer Frühgeburt sind beispielsweise vorzeitige Wehen, ein vorzeitiger Blasensprung oder ein stark verkürzter Gebärmutterhals (Cervix uteri) mit weniger als 3 Zentimeter
- Akute oder chronische Plazentainsuffizienz: Der Stoffaustausch und die Durchblutung sind unzureichend. Dadurch ist eine Schädigung des Fötus bzw. der Föten möglich.
- Vermindertes Größenwachstum oder Schrumpfen des Fötus (Hypotrophie)
- Neurologische Schädigung des Fötus bzw. der Föten: Im Falle einer verminderten Sauerstoff- oder Nährstoffversorgung
- Fehlgeburt (Abort): Wenn die Schwangerschaft vor der 23. bzw. 24. Schwangerschaftswoche (SSW) endet. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kinder noch nicht lebensfähig. Um den Entwicklungsstand der Feten nach einer Mehrlingsschwangerschaft festzustellen, sind die ersten Untersuchungen beim Kinderarzt wichtig.

Gebärende Frau, der Mann hält ihre Hand @ Gorodenkoff / AdobeStock
- Blutungen: Bei Blutungen rufen Sie bitte sofort die Rettung.
- Bauchschmerzen: Sollten Sie schnellstmöglich von einem Arzt abklären lassen.
- Fieber: Deutet auf eine Infektion oder eine andere Komplikation hin.
- Starke Schmerzen in einem Bein oder in den Beinen: Können auf eine Beinvenenthrombose hindeuten.
- Ein Rückgang der Kindsbewegungen: Ist dringend ärztlich abzuklären.
- Abgang von Fruchtwasser
- Brennende Schmerzen beim Wasserlassen: Deuten auf einen behandlungsbedürftigen Harnwegsinfekt hin.
- Verschlechterter Allgemeinzustand durch eine Präeklampsie (erhöhter Blutdruck und krankhafte Eiweißausscheidung über den Urin).

Schwangere Frau mit Schmerzen @ KAMPUS /AdobeStock
- Eine vorzeitige Plazentaablösung nach der Geburt des ersten Zwillings.
- Ein Nabelschnurvorfall: Bei dem lebenswichtige Blutgefäße der Nabelschnur abgeklemmt werden. Dadurch entsteht eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) des Kindes.
- Starke Nachblutungen: Durch verminderte Kontraktionen der Uterusmuskulatur (Uterusatonie).
Sind Sie mit Mehrlingen schwanger, dann meiden Sie Stress und körperliche Anstrengung. Das vorrangige Ziel einer Mehrlingsschwangerschaft ist es, die Schwangerschaft lange zu erhalten.
Frauen, die vor der 34. SSW Wehen bekommen oder an einer Zervixinsuffizienz (Öffnung des Muttermundes) leiden, erhalten Medikamente wie Wehenhemmer oder Kortikosteroide. Kortikosteroide sind Medikamente, die die Lungenreife der ungeborenen Kinder beschleunigen. Sie werden meist bei Frühgeburten eingesetzt.
Der Geburtsplan beinhaltet alle wichtigen Infos über Schwangerschaft und Entbindung. Er dokumentiert ebenfalls den Gesundheitszustand der ungeborenen Kinder und den der Mutter.
Zum Beispiel:
- Ist eine natürliche vaginale Geburt möglich?
- Wurde eine Schmerzbehandlung durchgeführt?
- Ist ein Kaiserschnitt geplant?
Da eine natürliche Geburt bei Mehrlingsschwangerschaften kompliziert und riskant ist, machen die Ärzte meist einen Kaiserschnitt (Sectio caesarea).
Wie entsteht eine Mehrlingsschwangerschaft?
Eine Mehrlingsschwangerschaft kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Zweieiige Zwillinge entwickeln sich, wenn zwei verschiedene Eizellen jeweils von einem Spermium befruchtet werden. Eineiige Zwillinge entstehen dagegen aus einer einzigen Eizelle, die nach der Befruchtung eine Teilung durchläuft und sich in zwei Embryonen entwickelt. Abhängig vom Zeitpunkt dieser Teilung können eineiige Zwillinge eine eigene Plazenta und Fruchthöhle besitzen oder sich bestimmte Strukturen teilen. Drillinge und höhere Mehrlingsschwangerschaften können durch weitere Kombinationen von Befruchtung und Teilung entstehen.
Was ist der Unterschied zwischen eineiigen und zweieiigen Zwillingen?
Bei zweieiigen Zwillingen werden zwei Eizellen unabhängig voneinander befruchtet. Beide Kinder besitzen normalerweise einen eigenen Mutterkuchen und eine eigene Fruchthöhle. Eineiige Zwillinge entstehen hingegen durch die Teilung einer befruchteten Eizelle und besitzen weitgehend die gleichen Erbanlagen, weshalb sie in der Regel das gleiche Geschlecht haben. Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen unterscheiden sich zusätzlich danach, ob sich die beiden Kinder Plazenta und/oder Fruchthöhle teilen.
Welche Komplikationen können bei einer Mehrlingsschwangerschaft auftreten?
Mehrlingsschwangerschaften sind mit einem höheren Risiko für bestimmte mögliche Komplikationen verbunden als Schwangerschaften mit einem einzelnen Fötus. Dazu gehören insbesondere Frühgeburt und vorzeitige Wehen; auch eine Präeklampsie kann häufiger auftreten. Bei bestimmten Zwillingsschwangerschaften können zusätzliche Risiken entstehen, insbesondere wenn sich die Kinder einen Mutterkuchen teilen. Deshalb wird der Verlauf der Schwangerschaft durch regelmäßige Untersuchungen und Ultraschall besonders sorgfältig überwacht.
Wie wird die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft gestellt?
Die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft erfolgt in der Regel mittels Ultraschall. Dabei lässt sich feststellen, ob zwei oder mehr Kinder beziehungsweise Embryonen vorhanden sind. Zusätzlich kann beurteilt werden, wie viele Fruchthöhlen und Plazenten bestehen, was insbesondere bei Schwangerschaften mit eineiigen Zwillingen für die weitere Betreuung wichtig ist. Wer schwanger mit Zwillingen oder Drillingen ist, erhält deshalb üblicherweise engmaschigere Vorsorgeuntersuchungen.
Wie verläuft die Geburt von Mehrlingen?
Die Geburt von Mehrlingen wird individuell geplant und hängt unter anderem von der Anzahl und Lage der Kinder, der Schwangerschaftswoche und möglichen Komplikationen ab. Eine vaginale Mehrlingsgeburt kann unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein, während in anderen Situationen ein Kaiserschnitt empfohlen wird. Insbesondere bei Zwillingen oder Drillingen sollte die Entbindung in einer entsprechend ausgestatteten Klinik geplant werden. Auch für den Mutterschutz gelten bei einer Mehrlingsgeburt besondere Regelungen, unter anderem eine verlängerte Schutzfrist nach der Geburt.