Eine Plazentainsuffizienz liegt vor, wenn die Funktion der Plazenta eingeschränkt ist und die Versorgung des ungeborenen Kindes beeinträchtigt sein kann. Über den Mutterkuchen erhält das Ungeborene während der Schwangerschaft Sauerstoff und wichtige Nährstoffe aus dem mütterlichen Blut. Bei einer Mutterkuchenschwäche kann dieser Stoffaustausch mangelhaft sein und eine Unterversorgung entstehen. Unterschieden werden die akute Plazentainsuffizienz und die chronische Plazentainsuffizienz.
Während die akute Form plötzlich auftreten und rasch zu Sauerstoffmangel führen kann, entwickelt sich eine chronische Störung häufig über einen längeren Zeitraum. Risikofaktoren können unter anderem Bluthochdruck, Präeklampsie, Diabetes oder bestimmte mütterliche Vorerkrankungen sein. Ultraschalluntersuchung, Dopplerverfahren und gegebenenfalls CTG beziehungsweise Kardiotokografie helfen dabei, Wachstum und Sauerstoffversorgung des Kindes zu beurteilen.
Definition Plazentainsuffizienz
Wenn die Durchblutung der Plazenta gestört ist, beziehungsweise der Mutterkuchen nur unzureichend funktioniert, liegt eine Insuffizienz (Unzulänglichkeit, Schwäche) vor.
Das ungeborene Kind verfügt in diesem Fall nicht über eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Die unerkannte und unbehandelte Mangelversorgung und der damit einhergehende Sauerstoffmangel können schwere gesundheitliche Folgen für ihr Baby haben.

Gesunde Plazenta @ Artemida-psy /AdobeStock
Bei der Plazentainsuffizienz gibt es drei Varianten, die unterschiedliche Ursachen haben:
- Akute Form (Entstehung binnen Minuten oder wenigen Stunden)
- Subakute Form (Bildung innerhalb einiger Tage)
- Chronische Form (Entwicklung im Verlauf von mehreren Wochen oder Monaten)
Symptome bei einer Plazentainsuffizienz
In den meisten Fällen stellt der behandelnde Arzt im Verlauf der regulären Vorsorgeuntersuchungen fest, dass eine Plazentainsuffizienz vorliegt. Die Symptome zeigen sich bei Ihrem ungeborenen Kind.
Bei einer ungenügend funktionierenden Plazenta ist der Fötus häufig zu klein oder inaktiver als im Normalfall. Auch die Fruchtwassermenge ist häufig geringer als bei einem gesunden Verlauf. Viele schwangere Frauen stellen bei sich selbst keine Symptome fest. Dadurch besteht die Gefahr, von einer Plazentainsuffizienz nichts mitzubekommen.
Häufige Symptome sind:
- Bluthochdruck
- Bluthochdruck in Verbindung mit einer vermehrten Eiweißausscheidung über den Urin (Präeklampsie)
Haben Sie einen chronischen Erkrankungsverlauf, zeigt sich dies möglicherweise an einer geringen Gewichtszunahme und einem vergleichsweise kleinen Bauchumfang. Eine akute Plazentainsuffizienz ist ein medizinischer Notfall und ist für Ihr Baby lebensbedrohlich. Möglich ist die plötzliche Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand (vorzeitige Plazentalösung).
Symptome sind stärkste Bauchschmerzen oder spontane Blutungen. Ein schneller Arztbesuch ist entscheidend, um den Fötus zu retten. Je nachdem, welchen Grund die akute Plazentainsuffizienz hat, ist eine notfallmäßige Entbindung per Kaiserschnitt (Not-Sectio) unvermeidbar.
Unbehandelt ist das Leben des Babys erheblich gefährdet. Bei den langfristigen Folgeschäden des Kindes kommen Entwicklungsrückstände und schwerste geistige und körperliche Behinderungen vor.

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz müssen Ärzte die Schwangerschaft in den meisten Fällen sofort mittels Notkaiserschnitt beenden @ samrith /AdobeStock
Ursachen der Erkrankung und Risikofaktoren
Die Gründe für die Entstehung einer Plazentainsuffizienz variieren erheblich und basieren häufig auf den Risikofaktoren.
Ursachen bei einem akuten Verlauf sind:
- Vorzeitige Plazentaablösung
- Durchblutungsstörungen der Nabelschnur oder
- Mütterliche Eklampsie (Krampfanfall)
Eine weitere Möglichkeit ist das Vena-Cava-Kompressionssyndrom, bei dem das Kind Druck auf die untere Hohlvene ausübt. So ist der Blutfluss zum Herzen der werdenden Mutter gestört. Bei der subakuten Plazentainsuffizienz und der chronischen Plazentainsuffizienz verläuft die Schädigung langsamer, benötigt aber trotzdem eine medizinische Behandlung.
Hier sind mehrere auslösende Grunderkrankungen denkbar wie:
- Diabetes
- Nierenleiden
- Bluthochdruck oder
- Präeklampsie
Darüber hinaus gilt der Konsum von Nikotin, Alkohol und Drogen als relevanter Risikofaktor.
Untersuchungsmethoden und Diagnostik
Grundsätzlich ist die Teilnahme an den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft wesentlich. Hier lässt sich zeitnah erkennen, ob eine ungenügende Plazentafunktion vorliegt.
Ihr Gynäkologe befragt sie zunächst zu Ihrem Befinden und zu eventuellen Vorerkrankungen. Anschließend nimmt er eine Untersuchung per Ultraschall vor. Hier stellt er anhand der Größe des Kindes im Verhältnis zur Schwangerschaftswoche den Entwicklungsverlauf fest.
Ein deutlich zu kleines Baby ist ein erster Hinweis auf eine unzureichende Nährstoffversorgung. Auch eine geringe Größe oder ungewöhnliche Form des Mutterkuchens sind Hinweise auf eine Plazentainsuffizienz.
Ergänzend zur Diagnose führt Ihr Arzt ein CTG (Kardiotokografie) durch. Dies ist eine Untersuchung, bei der Ihr Gynäkologe die Wehentätigkeit und die Herzschlagfrequenz des Fötus erfasst. Im Bedarfsfall kommen weitere bildgebende Verfahren in Betracht.

Durch die Messung der Herztöne ermöglicht das CTG eine Einschätzung der Sauerstoffversorgung des Babys @ Kzenon /AdobeStock
Möglichkeiten der Behandlung
Bei einem akuten Verlauf führt der Arzt Notfallmaßnahmen durch, meist in Form einer frühen Geburtseinleitung, häufig per Kaiserschnitt.
In einem weniger akuten Fall ist eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus zur Überwachung und regelmäßigen Kontrolle möglich. Zusätzlich soll sich die Schwangere körperlich schonen.
Bei einem chronischen Verlauf erstellt Ihr Arzt, ein Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, einen Geburtsplan mit Ihnen. Dieser enthält die jeweiligen Maßnahmen bei konkreten Anzeichen einer Verschlechterung.
Grundsätzlich lässt sich die Plazentainsuffizienz als solche nicht behandeln. Therapeutische Maßnahmen beziehen sich auf die ursächlichen Erkrankungen. Diese behandelt Ihr Arzt, um Risiken zu minimieren. Körperliche Schonung und ein gesunder Lebensstil sind zusätzlich sinnvoll.
Verlauf der Erkrankung und Prognose
Der Krankheitsverlauf ist nicht einheitlich, sondern hängt vom Schweregrad der Plazentainsuffizienz ab. Im Vergleich zu einer komplikationslosen Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko einer Totgeburt.
Die Grenze zur Lebensfähigkeit bei Frühgeborenen liegt bei der 25. Schwangerschaftswoche. Somit spricht man in diesem Fall von einer extremen Frühgeburtlichkeit mit sehr hohen kindlichen Risiken. Gute Aussichten auf eine normale Entwicklung haben frühgeborene Kinder jenseits der 35. Schwangerschaftswoche.
Aufgrund der unzureichenden Nährstoffversorgung des Kindes bei einer Plazentainsuffizienz besteht im höheren Lebensalter ein deutliches Risiko für verschiedene Erkrankungen.
Dazu zählen beispielsweise:
- Erhebliches Übergewicht (Adipositas)
- Diabetes
- Arteriosklerose (Verkalkung der Gefäße) und
- Bluthochdruck
Je früher die Diagnose und Behandlung bei einer Plazentainsuffizienz erfolgen, desto besser lassen sich Komplikationen verhindern. Leider ist eine Heilung nicht immer möglich.
Im schlimmsten Fall kann es bis zu einem Versterben des Kindes im Mutterleib kommen. Sehr häufig sind jedoch ein Kaiserschnitt oder eine frühe Geburtseinleitung zum Schutz des Kindes möglich.
FAQ
Was ist eine Plazentainsuffizienz?
Eine Plazentainsuffizienz bezeichnet eine eingeschränkte Funktion der Plazenta, durch die die Versorgung des ungeborenen Kindes beeinträchtigt sein kann. Die Plazenta übernimmt während der Schwangerschaft den Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind und versorgt den Fötus über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ist diese Funktion mangelhaft, kann eine Unterversorgung beziehungsweise Mangelversorgung entstehen.
Was ist der Unterschied zwischen akuter und chronischer Plazentainsuffizienz?
Eine akute Plazentainsuffizienz entwickelt sich plötzlich und kann die Sauerstoffversorgung des Kindes innerhalb kurzer Zeit beeinträchtigen. Eine chronische Plazentainsuffizienz entwickelt sich dagegen über einen längeren Zeitraum und kann unter anderem mit einer eingeschränkten Entwicklung beziehungsweise einem verminderten Wachstum des Kindes verbunden sein. Bei einer akuten Form können beispielsweise eine vorzeitige Plazentalösung oder eine ausgeprägte mütterliche Blutung die Versorgung gefährden.
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es für eine Plazentainsuffizienz?
Zu den möglichen Risikofaktoren einer gestörten Plazentafunktion gehören unter anderem mütterliche Erkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen. Bluthochdruck, Präeklampsie oder Diabetes können bei der Beurteilung des individuellen Risikos eine Rolle spielen. Auch akute Ereignisse wie eine vorzeitige Ablösung der Plazenta können die Versorgung des Kindes gefährden. Welche Ursache vorliegt, muss individuell frauenärztlich abgeklärt werden.
Wie wird eine Plazentainsuffizienz festgestellt?
Bei Verdacht auf eine Plazentainsuffizienz werden die Entwicklung und Versorgung des Kindes engmaschig kontrolliert. Eine Ultraschalluntersuchung kann Hinweise auf das Wachstum des Kindes und die Fruchtwassermenge liefern. Dopplersonografische Untersuchungen beurteilen den Blutfluss in relevanten Gefäßen; abhängig von der Situation kann zusätzlich ein CTG zur fetalen Zustandsdiagnostik eingesetzt werden. Die aktuelle AWMF-Leitlinie zur fetalen Wachstumsrestriktion behandelt die entsprechende Diagnostik und das Management ausführlich.
Wie wird eine Plazentainsuffizienz behandelt und wann ist eine Entbindung notwendig?
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Schwangerschaftswoche und Zustand von Mutter und Kind. Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz können engmaschige Kontrollen notwendig sein, um Wachstum, Blutfluss und Versorgung des Kindes zu überwachen und den geeigneten Zeitpunkt für die Geburt festzulegen. Bei einer akuten Verschlechterung kann eine rasche Entbindung erforderlich werden; abhängig von der geburtshilflichen Situation kann auch ein Kaiserschnitt notwendig sein. Das konkrete Vorgehen wird individuell anhand der mütterlichen und fetalen Befunde festgelegt.
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Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/infektionen-und-schwangerschaftsspezifische-erkrankungen/schwangerschaftserkrankungen-beschwerden/
- https://flexikon.doccheck.com/de/Plazentainsuffizienz
