Eine Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität) ist eine Form der Extrauteringravidität, bei der sich die befruchtete Eizelle im Eileiter statt in der Gebärmutter einnistet. Eine Eileiterschwangerschaft kann nicht ausgetragen werden und muss frühzeitig erkannt und behandelt werden, da sie unbehandelt zu schweren Komplikationen führen kann.
Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Spezialisten und Zentren für Eileiterschwangerschaften.
Was ist eine Eileiterschwangerschaft?
Normalerweise wandert die Eizelle nach dem Eisprung durch den Eileiter in die Gebärmutter. Wird sie von einer Samenzelle befruchtet, setzt sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut fest. Dort kann sich der Embryo entwickeln.
Sind die Eileiter verklebt, vernarbt oder abgeknickt, kann eine Eizelle die Gebärmutter nicht erreichen. Stattdessen nistet sich die befruchtete Eizelle (Zygote) in der Schleimhaut ein.
Die Eileiterschwangerschaft ist die häufigste Form einer Extraunteringravidität (EUG), bei der sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnistet. Da sich die Schwangerschaft in diesem Fall im Eileiter befindet, wird auch von einer Tubargravidität gesprochen.
In vielen Fällen stirbt der Embryo im Eileiter innerhalb weniger Tage oder Wochen von selbst ab. Geschieht diese nicht, wächst der Embryo zunächst weiter. Austragen lässt sich die Eileiterschwangerschaft jedoch nicht, da der Eileiter nicht für eine Schwangerschaft ausgelegt ist.
Die statistische Wahrscheinlichkeit einer Tubargravidität im Vergleich zu einer regulären Schwangerschaft liegt bei etwa 1 bis 2 Prozent.
Spezialisten für die Betreuung einer Schwangerschaft sind vor allem Fachärzte der Geburtshilfe und Perinatalmedizin.

Bei einer Eileiterschwangerschaft entwickelt sich der Fötus nicht in der dafür gedachten Gebärmutter, sondern in einem Eileiter © Henrie | AdobeStock
Symptome einer Eileiterschwangerschaft
Die Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft gleichen zu Beginn denen einer normalen Schwangerschaft. Ein Schwangerschaftstest fällt positiv aus, die Periode bleibt aus und viele Frauen spüren morgendliche Übelkeit sowie ein Spannungsgefühl in den Brüsten. Wie bei einer normalen Schwangerschaft bildet sich auch das Schwangerschaftshormon Beta-HCG (Humanes Choriongonadotropin).
Symptome einer Eileiterschwangerschaft sind oft
- stark ziehende Schmerzen im Unterbauch,
- unregelmäßige Blutungen oder Schmierblutungen,
- Schwindel und Kreislaufprobleme,
- allgemeine Beschwerden wie Übelkeit oder ein Druckgefühl im Bauchraum.
Bleibt die Eileiterschwangerschaft unerkannt und wächst der Embryo weiter, kann der Eileiter reißen und innere Blutungen auslösen. Meist werden wichtige Blutgefäße (Seitenäste der Arteria ovarica oder der Arteria uterina) verletzt.
Die Eileiter sind nicht für eine Schwangerschaft gedacht. Sie können sich nicht genügend dehnen, um sich an die wachsende Größe des Fötus anzupassen. Durch den wachsenden Embryo kann der betroffene Eileiter deswegen aufreißen (Ruptur).
Eine Ruptur kann eine lebensgefährliche Blutung in der Bauchhöhle auslösen, verbunden mit Kreislaufversagen und Schock.
Die Anzeichen einer Eileiter-Ruptur sind heftige und plötzlich einsetzende Schmerzen. In diesem lebensbedrohlichen Notfall brauchen Sie sehr schnelle ärztliche Hilfe.
Wann sollten Sie sofort ärztliche Hilfe aufsuchen?
Treten plötzlich starke, einseitige Unterbauchschmerzen zusammen mit Schwindel, Kreislaufproblemen oder einer stärkeren Blutung auf, kann dies auf eine Ruptur des Eileiters mit innerer Blutung hindeuten. Diese Situation ist lebensbedrohlich und erfordert eine sofortige Vorstellung in einer Klinik. Auch bei geringeren, aber anhaltenden Beschwerden sollte bei bekannter Frühschwangerschaft zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden, damit eine mögliche Eileiterschwangerschaft frühzeitig ausgeschlossen oder bestätigt werden kann.
Ursachen der Eileiterschwangerschaft
Verschiedene Faktoren können eine Eileiterschwangerschaft begünstigen. Grundsätzlich erhöhen operative Eingriffe im Bereich der inneren Geschlechtsorgane das Risiko, etwa Ausschabungen, Sterilisationsoperationen oder andere Operationen im Beckenbereich. Durch solche Eingriffe können Verwachsungen im Eileiter entstehen.
Auch Infektionen, etwa mit Chlamydien-Infektionen, sowie Erkrankungen wie Endometriose können die Durchgängigkeit der Eileiter stören. Ist der Eileiter dadurch verklebt oder vernarbt, kann die Eizelle nach der Befruchtung nicht in die Gebärmutter gelangen und verbleibt stattdessen im Eileiter.
Weitere Risikofaktoren für Eileiterschwangerschaften sind Spiralen, die zur Empfängnisverhütung getragen werden. Auch Kinderwunschbehandlungen und ein höheres Lebensalter sind Risikofaktoren.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Tubargravidität steigt mit dem Lebensalter der Frau.
Weitere Ursachen sind:
- Eileiterpolypen
- abgeknickte Eileiter
- vorausgegangene Eileiterschwangerschaften
- angeborene anatomische Besonderheiten wie Höhlen in der Wand des Eileiters
- erfolgte Operationen im Bauch- oder Beckenbereich
- Schwangerschaftsabbrüche
- Fehlgeburten
Sind die Eileiter grundsätzlich durchgängig, kann auch eine Störung der haarfeinen Zilien an der Eileiterinnenwand ursächlich sein. Diese Zilien transportieren die Eizelle normalerweise von den Eierstöcken in Richtung Gebärmutter. Rauchen beziehungsweise Nikotin kann diese Transportfunktion nachweislich beeinträchtigen und so das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft steigern.
Diagnose einer Eileiterschwangerschaft
Die Diagnose einer Eileiterschwangerschaft ist nicht immer einfach zu stellen, da sich eine Eileiterschwangerschaft früh im Verlauf im Ultraschall kaum erkennen lässt. Beim Ultraschall (transvaginale Sonografie) wird die Ultraschallsonde über die Scheide bis nahe an den Gebärmutterhals vorgeschoben, um die Gebärmutterhöhle zu beurteilen.
Der Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft entsteht meist dann, wenn sich nach einem positiven Schwangerschaftstest im Ultraschall keine Schwangerschaft in der Gebärmutter nachweisen lässt. Ist auch in der 6. Schwangerschaftswoche noch keine Schwangerschaft im Uterus erkennbar, ist eine Extrauteringravidität wahrscheinlich. Steigt zudem das Schwangerschaftshormon nur langsam an, erhärtet sich der Verdacht zusätzlich.
Lässt sich die Diagnose nicht eindeutig stellen, kann eine Bauchspiegelung notwendig sein, um die Eileiterschwangerschaft sicher zu bestätigen.
Eine frühzeitige Diagnose ist für die Patientin von großer Bedeutung: Ist die Eileiterschwangerschaft bereits fortgeschritten, steigt das Risiko, dass der betroffene Eileiter operativ entfernt werden muss. Je früher die Eileiterschwangerschaft zu erkennen ist, desto besser lassen sich Eileiter und Fruchtbarkeit erhalten.
Behandlung einer Eileiterschwangerschaft
Es gibt drei Behandlungsoptionen bei einer Eileiterschwangerschaft:
- die Operation,
- die medikamentöse Therapie oder
- beobachtendes Abwarten.
Welche Behandlung am besten passt, entscheidet sich nach der individuellen Situation und zu welchem Zeitpunkt die Eileiterschwangerschaft entdeckt wird.
Die operative Entfernung des Embryos oder des kompletten Eileiters
Bei der Operation werden über einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke eine Kamera sowie chirurgische Instrumente in den Bauchraum eingeführt. Dieser minimalinvasive Eingriff verkürzt sowohl die Operationszeit als auch den Krankenhausaufenthalt, der Blutverlust ist gering und die Heilung verläuft in der Regel schnell.
Im Rahmen der Operation entfernt die Chirurgin oder der Chirurg das Schwangerschaftsgewebe. In manchen Fällen ist es möglich, den Eileiter zu erhalten, in anderen Fällen muss der gesamte betroffene Eileiter entfernt werden (Salpingektomie).
Wie bei jedem operativen Eingriff können Komplikationen auftreten. Bleiben minimale Reste des Schwangerschaftsgewebes zurück, können diese weiterwachsen, sodass es nachträglich noch zu einer inneren Blutung kommt. Eine regelmäßige Kontrolle des Schwangerschaftshormons ist daher nach der Operation unverzichtbar. Erst wenn im Blut kein HCG mehr nachweisbar ist, gilt als gesichert, dass kein Schwangerschaftsgewebe mehr im Eileiter vorhanden ist.
Die medikamentöse Therapie: Behandlung der Tubargravidität mit Methorexat
Die medikamentöse Behandlung ist nur möglich, wenn die Eileiterschwangerschaft frühzeitig erkannt wird, bevor ausgeprägte Beschwerden auftreten. Am häufigsten kommt hierbei das Zellgift Methotrexat zum Einsatz. Es hemmt Wachstum und Teilung der Zellen, die den Embryo umgeben, sodass das embryonale Gewebe abstirbt und vom Körper resorbiert wird.
Methotrexat wird intravenös oder intramuskulär verabreicht oder direkt in das Schwangerschaftsgewebe gespritzt. Eine Behandlung mit Medikamenten kommt zudem häufig zum Einsatz, wenn nach einer Operation weiterhin der Verdacht auf verbliebenes Schwangerschaftsgewebe besteht.
Beobachten und Abwarten
In seltenen Fällen ist es möglich, abzuwarten, ob sich die Eileiterschwangerschaft von selbst zurückbildet. Dieses Vorgehen kommt nur infrage, wenn die Patientin beschwerdefrei ist und die HCG-Werte im Blut niedrig sind oder abfallen. Voraussetzung ist eine engmaschige Kontrolle des Verlaufs. Tritt dennoch ein Notfall ein, ist eine sofortige klinische Behandlung mit der Möglichkeit einer unverzüglichen Operation erforderlich.
Beeinträchtigt eine Eileiterschwangerschaft die weitere Fruchtbarkeit?
Nach einer Eileiterschwangerschaft ist das Risiko für eine erneute Eileiterschwangerschaft erhöht. Ist einer der Eileiter stark geschädigt, sinken die Chancen auf eine erneute Schwangerschaft etwas. Ist der andere Eileiter gesund, bestehen jedoch weiterhin gute Chancen, wieder schwanger zu werden.
Etwa 60 Prozent der Frauen werden nach einer Eileiterschwangerschaft innerhalb von 18 Monaten erneut schwanger. Im Rahmen der Nachsorge einer Eileiterschwangerschaft raten Gynäkologinnen und Gynäkologen nach einer Bauchspiegelung in der Regel, etwa drei Monate mit dem nächsten Versuch zu warten. Nach einer offenen Bauchoperation wird empfohlen, sechs Monate zu warten, damit die Narben vollständig verheilen können.
Wer erneut schwanger ist, sollte frühzeitig eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Per Ultraschall lässt sich dann prüfen, ob sich die befruchtete Eizelle korrekt in der Gebärmutter eingenistet hat.
Gynäkologen raten Frauen nach einer Bauchspiegelung, etwa drei Monate mit den nächsten Versuchen zu warten. Nach einer offenen Bauchoperation ist die Empfehlung, sechs Monate zu warten, um alle Narben verheilen zu lassen.
Wenn Sie erneut schwanger sind, sollten Sie unverzüglich Ihren Arzt aufsuchen. Dieser sollte mittels Ultraschall untersuchen, ob sich die befruchtete Eizelle korrekt in der Gebärmutter eingenistet hat.
Häufig gestellte Fragen zu Eileiterschwangerschaften und Komplikationen in der Schwangerschaft
Beitrag teilen
Über den Fachautor
Sabine Schneider
Sabine Schneider – medizinische Fachautorin: Entdecken Sie fundierte Fachbeiträge und medizinische Expertise im Leading Medicine Guide.
Vollständiges Expertenprofil ansehen →Quellen
- https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/eileiterschwangerschaft/therapie/
