Die Schilddrüse ist ein wichtiges hormonproduzierendes Organ, welches sämtliche Stoffwechselprozesse steuert. Die Schilddrüse wird von der Hirnanhangsdrüse gesteuert und je nach Bedarf entweder aktiviert oder gehemmt. Schilddrüsenknoten sind kleine Gewebeveränderungen in der Schilddrüse, die sich bei vielen Menschen im Laufe ihres Lebens entwickeln. Für betroffene Patienten bedeutet dies häufig Verunsicherung und den Bedarf an umfangreicher medizinischer Aufklärung. Schilddrüsenknoten können das Hormongleichgewicht beeinflussen und zu einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse führen.
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Schilddrüsenknoten machen fast nie Beschwerden, erst wenn sie sehr groß werden können sie zu einem Druckgefühl oder Schluckbeschwerden führen @ New Africa /AdobeStock
Schilddrüsenknoten verursachen oft keine Beschwerden und werden daher meist zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. Wenn Symptome auftreten, können diese sehr unterschiedlich sein:
- Schluckbeschwerden: Ein Knoten kann auf die Speiseröhre drücken und das Schlucken erschweren. Dies ist anfangs häufig nur ganz gering ausgeprägt und kann im Laufe der Zeit zunehmen.
- Atemprobleme: Größere Knoten können die Luftröhre einengen, was die Atmung erheblich erschweren kann. Dass Schilddrüsenknoten Atemprobleme hervorrufen, ist eine Seltenheit und erst in sehr fortgeschrittenem Stadium und erheblicher Größenzunahme der Schilddrüse zu erwarten. Atemprobleme treten daher meist erst dann auf, wenn die Schilddrüse bereits äußerlich sichtbar erheblich vergrößert ist
- Schwellungen am Hals: Eine zunächst nur tastbare, in fortgeschrittenem Stadium auch sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse, ist das häufigste Zeichen von Schilddrüsenknoten. Viele Patienten berichten auch, dass ihre ersten Beschwerden eine Schwellung des Halses und tastbare Schilddrüsenknoten waren.
- hormonelle Veränderungen: Schilddrüsenknoten gehen häufig mit einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse einher, da sie sämtliche Stoffwechselfunktionen steuert. Bei einer Überfunktion können Symptome wie Nervosität, Gewichtsverlust und Herzrasen auftreten, wohingegen bei einer Unterfunktion Müdigkeit, Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit typische Zeichen sind.
Die meisten Knoten der Schilddrüse verursachen kein Druckgefühl oder Schluckbeschwerden
In den meisten Fällen bleiben Knoten der Schilddrüse unbemerkt, da sie keine Schmerzen, kein Druckgefühl und keine Schluckbeschwerden verursachen. Beschwerden treten meist erst auf, wenn die Schilddrüse stark vergrößert ist oder mehrere Knoten auf umliegende Strukturen drücken. Häufig entsteht die Knotenbildung durch wenig Jod in der Ernährung, was zu einer kompensatorischen Vergrößerung des Schilddrüsengewebes führt.
Die Unterscheidung von Schilddrüsenknoten erfolgt mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall und Szintigraphie. Dabei zeigt sich, ob die Knoten hormonell aktiv ) oder inaktiv sind – eine entscheidende Information für die weitere Behandlung und Prognose.
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Schilddrüsenknoten sind nicht immer klar. Es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren:
1. Jodmangel
Ein niedriger Jodgehalt in der Ernährung kann die Entstehung von Schilddrüsenknoten begünstigen. Jodmangel ist ein sehr weit verbreitetes Problem. Ausnahme hiervon sind küstennahe Bundesländer aufgrund des erhöhten Fischkonsums und dadurch eine durchschnittlich höhere Aufnahme jodhaltiger Nahrungsmittel. Jod ist der wichtigste Bestandteil von Schilddrüsenhormonen, daher kann eine zu geringe Jodzufuhr zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen führen. Daraufhin versucht die Hirnanhangsdrüse die Schilddrüse zu einer vermehrten Hormonproduktion zu aktivieren, woraufhin es als Folge zu einer Vergrößerung des Schilddrüsengewebes kommt.
2. Alter
Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für Schilddrüsenknoten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass mit zunehmendem Alter die Dauer der Hormonaktivierung des Schilddrüsengewebes zunimmt und dadurch auch die Wahrscheinlichkeit beziehungsweise das Risiko für Gewebewucherungen steigt. Letztere können auch entarten und so werden die Knoten an der Schilddrüse bösartig, was ebenfalls mit zunehmendem Alter wahrscheinlicher wird.
3. Geschlecht
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, wobei die Ursachen hierfür nicht vollständig geklärt sind. Frauen sind ca. 10-15 mal häufiger betroffen als Männer, im Alter von 45 Jahren hat mittlerweile jede zweite Frau Schilddrüsenknoten. Es wird ein Zusammenhang mit hormonellen Einflüssen vermutet, zudem auch genetische Informationen auf dem X-Chromosom, von dem Frauen zwei und Männer nur eines besitzen. Auch Einflüsse in der Schwangerschaft werden diskutiert, desweiteren das bei Frauen grundsätzlich stärker aktivierte Immunsystem mit einem hieraus resultierenden höheren Risiko der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen.
4. Genetische Veranlagung
Auch eine familiäre Häufung von Schilddrüsenerkrankungen wird beobachtet und kann daher das Risiko erhöhen. Die überwiegende Mehrzahl der Schilddrüsenknoten ist allerdings erworben, wobei auch eine familiäre Häufung nicht zwingend eine genetische Ursache hat. Auch in diesen Fällen können die Veränderungen der Schilddrüse aufgrund von Erziehung, Lebens- und Ernährungsgewohnheiten gehäuft familiär auftreten.
5. Strahlenexposition
Eine vorherige Strahlenbehandlung im Halsbereich kann das Risiko für Knoten erhöhen. Auch eine beruflich bedingte Strahlenbelastung kann das Risiko erhöhen. In jedem Fall muss allerdings auch an bösartige Entartungen und der Notwendigkeit der weiteren Abklärung mittels Gewebeuntersuchung (Biopsie) gedacht werden.
Was tun bei Schilddrüsenknoten?
Bei neu entdeckten Schilddrüsenknoten ist zunächst eine genaue Abklärung wichtig, um ihre Größe, Lage und Aktivität zu beurteilen. Ärztinnen und Ärzte empfehlen in der Regel eine Ultraschalluntersuchung und eine Hormonanalyse, um festzustellen, ob der Knoten harmlos oder behandlungsbedürftig ist. Je nach Befund kann eine medikamentöse Behandlung, eine Radiojodtherapie oder eine operative Entfernung sinnvoll sein. Kleine, unauffällige Knoten werden meist regelmäßig kontrolliert, um Veränderungen frühzeitig zu dokumentieren und bei Bedarf einzugreifen.
Die Diagnose von Schilddrüsenknoten erfolgt in mehreren Schritten:
1. Anamnese
Bei der Anamnese wird eine ausführliche Krankengeschichte erhoben und familiäre Schilddrüsenbelastungen sowie Vorerkrankungen, aber auch Medikamenteneinnahmen abgefragt. Hier sollten auch Beschwerden, die auf eine Schildrüsenerkrankung hinweisen könnten, abgefragt werden. Hierzu gehören insbesondere
- Schmerzen,
- Schluckstörungen,
- Heiserkeit und
- Atemnot sowie
- Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion (Nervosität, Unruhe und Gewichtsverlust trotz Heißhunger) oder
- Schilddrüsenunterfunktion (Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitverlust und Gewichtszunahme).
Voroperationen an der Schilddrüse sind in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig, sowie eine berufliche oder medizinische beziehungsweise private Strahlenexposition.
2. Körperliche Untersuchung
Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung ist die körperliche Untersuchung neben der Erhebung der Krankengeschichte die wichtigste Untersuchungmethode. Hierbei wird der Hals abgetastet und auf Knotenbildungen hin untersucht. Zudem wird auf eine Schwellung geachtet, die im fortgeschrittenen Stadium bereits bei der Inspektion auffällt, im fortgeschrittenen Stadium ertastet werden kann. Bei der Tastuntersuchung wird auch auf einen Druckschmerz sowie die Konsistenz der Knoten geachtet, was bedeutet, dass untersucht wird, ob der Knoten hart oder weich, verschiebbar oder fest fixiert ist.
Bei größeren Veränderungen kann die gesamte Schilddrüse tastbar vergrößert erscheinen, während sich bei einem einzelnen Knoten nur ein begrenzter Bereich der Schilddrüse verdickt anfühlt. Patienten berichten häufig über ein Druckgefühl im Hals oder Beschwerden beim Schlucken, insbesondere wenn der Knoten auf die Speiseröhre oder Luftröhre drückt. Auch Zysten in der Schilddrüse können solche Symptome verursachen. Knoten mit einem Durchmesser von über einem Zentimeter sollten grundsätzlich genauer untersucht werden, um das Risiko einer funktionellen oder strukturellen Veränderung einzuschätzen.
3. Ultraschalluntersuchung
Mit dieser Methode lassen sich Knoten sichtbar machen und ihre Beschaffenheit beurteilen.
Der Ultraschall ist die wichtigste bildgebende Untersuchung, um festzustellen, ob Knoten vorhanden sind, wie groß sie sind und ob es sich um feste oder zystische Strukturen handelt. Fachkundige Expertinnen und Experten können anhand der Darstellung genau einschätzen, ob ein Knoten unregelmäßige Ränder aufweist oder sich von gesundem Gewebe abgrenzt.
Knoten mit einem Durchmesser von größer als 1 cm werden in der Regel genauer beurteilt, da ab dieser Größe das Risiko einer relevanten Gewebeveränderung steigt. Sind mehrere Knoten vorhanden, spricht man von einer Knotenstruma. Der Ultraschall ermöglicht zudem die Verlaufskontrolle, um zu beobachten, ob ein Knoten abnimmt oder weiter wächst.
4. Blutuntersuchung
Die Bestimmung der Schilddrüsenhormone gehört zur Basisdiagnostik, um eine Überfunktion (Hyperthyreose) oder Unterfunktion zu erkennen. Sie liefert entscheidende Hinweise auf die aktuelle Schilddrüsenfunktion und hilft dabei, hormonelle Störungen von strukturellen Veränderungen zu unterscheiden.
Bei den meisten Schilddrüsenknoten liegt eine normale Hormonproduktion vor, doch eine Hyperthyreose kann auf einen sogenannten „heißen Knoten“ hinweisen – also einen Bereich, der eigenständig Hormone produziert. Abhängig von den Ergebnissen der Blutwerte und je nach Lage des Knotens kann eine weiterführende Diagnostik oder Behandlung sinnvoll sein, um Komplikationen zu vermeiden und die Funktion der Schilddrüse zu stabilisieren.
5. Szintigraphie
Die Szintigraphie dient dazu, „heiße“ (hormonproduzierende) und „kalte“ (nicht hormonproduzierende) Knoten zu unterscheiden. Warme Knoten zeigen eine normale Aktivität, während heiße Knoten häufig mit einer Hyperthyreose verbunden sind. Kalte Knoten sollten genauer untersucht werden, da sie in seltenen Fällen bösartig sein können. Wenn ein Knoten wächst oder die Hormonproduktion beeinflusst, kann eine Behandlung nötig werden, um Beschwerden und Folgeschäden zu vermeiden.
6. Feinnadelbiopsie
Entnahmen von Gewebeproben sind wichtig und unverzichtbar bei der Abklärung, ob Knoten gut- oder bösartig ist.
Die Therapie hängt von der Art und Größe des Knotens sowie den damit verbundenen Symptomen ab. Zu den Behandlungsoptionen gehören:
- Beobachtung: Regelmäßige Kontrollen bei asymptomatischen, gutartigen Knoten.
- Medikamentöse Therapie: Behandlung einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion.
- Radiojodtherapie: Zerstörung von Schilddrüsengewebe durch radioaktiv markiertes Jod bei überaktiven Knoten.
- Operation: Entfernung großer, symptomatischer oder verdächtiger Knoten.
Spezialisten für die konservative Behandlung von Schilddrüsenknoten sind Endokrinologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Für die operativen Eingriffe sind Chirurgen zuständig.
Schilddrüsenknoten haben in den meisten Fällen eine gute Prognose. Gutartige Knoten bleiben oft stabil oder wachsen nur langsam. Bösartige Knoten, also Schilddrüsenkrebs, sind seltener, aber durch frühzeitige Diagnose und Behandlung gut behandelbar. Regelmäßige Kontrollen und eine frühzeitige Therapie tragen wesentlich zur positiven Prognose bei.
Wie entstehen Schilddrüsenknoten und warum können sich neue Knoten bilden?
Schilddrüsenknoten entstehen meist durch Veränderungen im Schilddrüsengewebe, häufig infolge von Jodmangel oder hormonellen Einflüssen. Mit der Zeit können sich weitere Knoten bilden, besonders bei einer Struma nodosa, also einer knotig vergrößerten Schilddrüse.
Wann sollte ein Schilddrüsenknoten genauer untersucht werden?
Wenn ein Knoten wächst, Beschwerden verursacht oder sich verhärtet, sollte er ärztlich kontrolliert werden. Auch bei Knoten, die sich nicht von selbst zurückbilden, ist eine Abklärung sinnvoll, um auszuschließen, dass der Knoten bösartig ist.
Können Schilddrüsenknoten Probleme beim Schlucken verursachen?
Ja, vor allem größere Knoten oder eine ausgeprägte Struma nodosa können Probleme beim Schlucken oder ein Druckgefühl im Hals hervorrufen, wenn sie auf Speiseröhre oder Luftröhre drücken.
Wie werden Schilddrüsenknoten behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Größe, Lage und Hormonaktivität des Knotens. In vielen Fällen genügt eine Beobachtung, bei Überfunktion oder Wachstum kann eine medikamentöse Behandlung oder eine Radiojodtherapie erforderlich sein.
Können sich Knoten in der Schilddrüse wieder zurückbilden?
Manche kleine Knoten können im Laufe der Zeit abnehmen oder sich verkleinern, insbesondere wenn ein Jodmangel ausgeglichen wird. Andere bleiben stabil oder wachsen langsam weiter, weshalb regelmäßige Ultraschallkontrollen wichtig sind.