Bislang galt in der Ernährungswissenschaft die Annahme, dass das Körpergewicht steigt, wenn der Mensch mehr Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht. Eine neue internationale Studie zeigt jedoch, dass die Hintergründe für Übergewicht und Adipositas nicht allein dadurch zu begründen sind. Hilft Sport, um Adipositas vorzubeugen?
Warum werden Menschen übergewichtig: Weil sie sich zu wenig bewegen oder zu viel essen?
Eine Forschungsgruppe aus Amerika wollte wissen, inwiefern Ernährung und Bewegung für die Entstehung von Fettleibigkeit verantwortlich sind. Welcher Bereich hat den größeren Einfluss?
Dafür untersuchten die Wissenschaftler den Gesamtenergieverbrauch, Grundumsatz und die körperliche Aktivität, den Körperfettanteil sowie den Body-Mass-Index von 4.213 erwachsenen Personen aus 34 Bevölkerungen auf sechs Kontinenten. Die Lebensstile der Probanden unterschieden sich teilweise erheblich: darunter Jäger und Sammler, Viehzüchter, Ackerbauer und Industrienationen.
Trotz unterschiedlicher Lebensgewohnheiten ähnlicher Energieverbrauch
Überraschend kam dabei heraus, dass der Energieverbrauch der Angehörigen eines ostafrikanischen Jäger-Sammler-Volks nahezu mit dem einer Industrienation wie der USA übereinstimmt. Zwei völlig unterschiedliche Lebensstile, einer mit deutlich mehr körperlicher Aktivität als der andere, und trotzdem ist der tägliche Energieverbrauch etwa gleich hoch bzw. bei einer Person aus der industrialisierten Bevölkerung sogar etwas höher. Woran liegt das?
Das liege am in der Regel sehr gleichmäßigen Gesamtenergieverbrauch eines Menschen innerhalb von 24 Stunden, sagt PD Dr. Tim Hollstein vom Institut für Diabetologie und Klinische Stoffwechselforschung der Universitätsklinik Schleswig-Holstein. Durch vermehrte Bewegung spare der Körper an anderer Stelle Energie, etwa bei der Atmung, Organtätigkeit oder Hirnleistung. Umgekehrt kann der Mensch, der sich weniger bewegt, mehr Energie für den Grundumsatz nutzen. Sport erhöht dabei nur kurzfristig den Energieverbrauch, langfristig betrachtet bleibt er gleich.
Das bedeutet, dass die reduzierte körperliche Aktivität bei Bevölkerungen aus Industrienationen kaum ausschlaggebend für die Zunahme von Adipositas sein kann. Hingegen zeigten die erhöhten Werte beim Körperfettanteil der Studienteilnehmer aus Industrienationen einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Übergewicht. Laut der Forschungsgruppe, die alle Daten auswertete, soll Überernährung etwa zehnmal stärker zum Anstieg von Adipositas beitragen als unzureichende Bewegung.
Dabei verglichen die Wissenschaftler die Mahlzeiten der einzelnen Bevölkerungsgruppen miteinander und sahen eine Verbindung von hohem Körperfettanteil zu den hoch verarbeiteten Lebensmitteln sowie hohem Kohlenhydrat-Konsum der Wirtschaftsnationen.
Studienautorin Amanda McGrosky von der Elon University in North Carolina fasste es so zusammen: “Behalten Sie die Kalorien im Blick, die Sie zu sich nehmen, nicht die, die Sie verbrennen. Es ist viel schwieriger, mehr Kalorien verbrennen zu wollen, als weniger zu sich zu nehmen.”
Hilft Sport bei der Gewichtsabnahme und beim Kampf gegen Adipositas?
Die neuen Studienergebnisse stützen damit auch den schon länger bekannten Fakt, dass Sport allein auf Dauer wenig Einfluss auf die Gewichtsabnahme von Adipositas-Patienten hat. Viel besser hilft eine dauerhafte Ernährungsumstellung – hin zu kleineren, wenigen Mahlzeiten mit ausgewogener und frischer Ernährung sowie reduziertem Kohlenhydratgehalt.
Im Umkehrschluss bedeutet das nicht, dass Adipositas-Patienten und Normalgewichtige deshalb nun auf regelmäßige Bewegung verzichten sollten. Im Gegenteil, Sport kurbelt den Stoffwechsel an, schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist zudem ein wichtiger Faktor bei der Verbesserung der psychischen Gesundheit.
Fazit
Die Studienergebnisse legen nahe, dass Überernährung und wahrscheinlich zusätzlich die oftmals hochverarbeiteten Lebensmittel der Industrienationen hauptverantwortlich für die Entwicklung von Adipositas sind. Bewegungsmangel habe darauf kaum einen Einfluss.
Leading Medicine Guide unterstützt Adipositas-Patienten bei der Suche nach Zentren und Spezialisten für bariatrische Eingriffe wie Magenverkleinerung durch Schlauchmagen, Magenband oder Magenbypass.
Die spezialisierten Ärzte und Ernährungswissenschaftler können Sie zudem zu einer kalorienarmen Ernährungsumstellung beraten und Konzepte zu unterstützenden Bewegungseinheiten integrieren.
Quellen
- https://www.br.de/nachrichten/wissen/studie-ernaehrung-beeinflusst-adipositas-staerker-als-sport,UrffmnQ
- https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2420902122
- https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/ernaehrung-sport-bewegung-stoffwechsel-100.html
- https://www.uksh.de/diabetologie-kiel/Wir+%C3%BCber+uns/News/Meldungen/2024/Tim+Hollstein+erh%C3%A4lt+den+Forschungspreis+der+Deutschen+Adipositas+Gesellschaft.html
