Bariatrie | Spezialisten und Informationen

Die bereits in den 1960er Jahren geprägte Bariatrie bezeichnet im Wesentlichen die Behandlung der Adipositas, auch bekannt als krankhaftes Übergewicht. Typischerweise umfasst die Bariatrie eine Reihe medizinischer Teilgebiete, die gemeinsam an einer Gewichtsreduktion der Patienten arbeiten. Dazu gehören z. B. Endokrinologen, Fachärzte der Inneren Medizin, Radiologen und vor allem auch Chirurgen.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zum Fachgebiet Bariatrie sowie ausgewählte Spezialisten für Bariatrie.

Empfohlene Spezialisten für Bariatrie

Artikelübersicht

Bariatrie - Weitere Informationen

Definition: Was ist Bariatrie?

Die Bariatrie beschäftigt sich mit der Vorbeugung und Behandlung von krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Die operative Behandlung von Adipositas, auch bekannt als bariatrische Chirurgie oder Adipositas-Chirurgie, ist für Menschen mit höhergradiger Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 oft die einzige verbliebene Option für eine dauerhafte Gewichtsabnahme. Durch die Magenverkleinerung werden Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme reduziert, was die Kalorienaufnahme deutlich verringert.

Wofür wird die bariatrische Operation genutzt?

Die bariatrische Chirurgie ist ein Teilgebiet der Bariatrie, der Adipositas-Behandlung. Da hier dem Namen nach chirurgisch behandelt wird, brachte der Bariatrie auch den Beinamen Adipositas-Chirurgie ein. Das Ziel der bariatrischen Chirurgie ist es, die Adipositas und ihre negativen Auswirkungen auf den Stoffwechsel und den Körper zu verringern.

Es geht dabei vor allem um eine auf konventionellem Weg nicht erreichbare dauerhafte Gewichtsreduktion. Damit einhergehend soll das Risiko für Folgeerkrankungen, wie beispielsweise einen Diabetes mellitus Typ 2 gemindert werden. Ebenso kann der Gelenkverschleiß durch eine Gewichtsreduktion verlangsamt werden. Die Wirksamkeit der bariatrischen Chirurgie wurde zudem in zahlreichen Studien belegt und lässt sich auch bei den auf diese Weise behandelten Patienten beobachten.

Allerdings ist ein eindeutig lebensverlängernder Effekt der Operation bisher nicht zweifelsfrei belegt. Es gibt darüber hinaus auch Studien, die zeigen konnten, dass Männer etwa fünfmal häufiger innerhalb der ersten 30 Tage nach der Operation verstarben als Frauen – auch die Langzeitsterblichkeit der Männer könnte womöglich weiter erhöht bleiben.

Welche Arten der bariatrischen Chirurgie gibt es?

Bei der Bariatrie wird vornehmlich der Magen operativ verkleinert, um die Nahrungs- und damit einhergehend auch die Kalorienaufnahme zu drosseln. Für die Volumenverkleinerung des Magens kommen heutzutage verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz:

  1. Anlage eines Schlauchmagens,
  2. das Magenband, welches Teile des Magens einengt,
  3. der Magen-Bypass sowie
  4. die biliopankreatische Diversion, wobei die letzteren beiden den Magen nahezu komplett umgehen und eine direkte Verbindung von einer kleinen Magentasche zu den Dünndarmanteilen fördern.

In der Regel werden diese Operationsverfahren über die Schlüssellochtechnik, d. h. minimal-invasiv erfolgen. In spezialisierten Zentren werden die Eingriffe zudem heute bereits robotisch assistiert vorgenommen, z. B. mit dem sogenannten DaVinci-Operationssytem.

Wer sollte sich der bariatrischen Chirurgie unterziehen?

Die aktuelle Leitlinie zu Adipositas-chirurgischen Eingriffen nennt die folgenden Bedingungen, die für eine bariatrische OP erfüllt sein müssen:

  • Patienten mit einem BMI > 40 kg/m2, die keine Begleiterkrankungen haben und bei denen die konservativen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion nicht erfolgreich waren, sollen nach eingehender Aufklärung über die Chancen und Risiken der Operation, eine bariatrische Behandlung erhalten.
  • Ebenso sollen Patienten mit einem BMI > 35 kg/m2, die unter Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen wie z. B. Diabetes, Fettleber, Herzinsuffizienz oder Asthma leiden, nach Ausschöpfung der konservativen Behandlungsmöglichkeiten eine bariatrische Operation erhalten.

Patienten können diese Voraussetzungen für einen bariatrischen Eingriff auch noch einmal in der Patientenleitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ nachlesen.

Welche Gründe sprechen gegen die bariatrische Chirurgie?

Eine Operation wird nicht stattfinden, wenn Sie vor der OP-Planung z. B.:

Sofern die hier genannten Zustände zu einem späteren Zeitpunkt erfolgreich behandelt oder kuriert worden sind, kann jedoch eine erneute Prüfung auf Tauglichkeit für eine bariatrische OP erfolgen.

Prognose und Nachsorge in der Bariatrie

Nach einer magenverkleinernden, bariatrischen OP ist eine lebenslange Nachsorge und Erfolgskontrolle erforderlich. Dies ist wichtig, um das Therapieziel, nämlich die nachhaltige Gewichtsreduktion, auch dauerhaft erreichen zu können.

Zur Nachsorge der Bariatrie zählt die regelmäßige Gewichtskontrolle ebenso wie die die Ermunterung zu mehr Bewegung und Sport. Regelmäßige Laborkontrollen sollen den Bedarf an Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen bestimmen, um möglichen Mangelerscheinungen infolge der Magenverkleinerung vorzubeugen. Solche Laborkontrollen sollen nach sechs und zwölf Monaten vorgenommen werden, danach in einem jährlichen Rhythmus je nach gewählter Operation und möglichen Begleiterkrankungen.

Darüber hinaus sollen Patienten an Selbsthilfegruppen teilnehmen können und regelmäßig auf psychische Erkrankungen hin untersucht werden, um die Therapieerfolge zu sichern. Für behandelte Frauen ist es zudem wichtig, dass sie innerhalb der ersten zwei Jahre nach der bariatrischen Chirurgie nicht schwanger werden sollten.

Infolge der Bariatrie kann es nach dem massiven Gewichtsverlust zu sogenannten Hautschürzen- und Hautlappenbildungen kommen, die nicht mehr zurückgebildet werden können. In diesen Fällen geht die Leitlinie ebenso auf Möglichkeiten ein, sich plastisch-chirurgisch beraten und sich körperform-rekonstruierend behandeln zu lassen.

Quellen

adipositas-zuerich.ch/bariatrische-chirurgie/#/
aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Bariatrische%20Chirurgie?s=&p=1&n=1&nid=128032
S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. AWMF-Register Nr. 088-001. Version 2.3 (Februar 2018). www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-001l_S3_Chirurgie-Adipositas-metabolische-Erkrankugen_2018-02.pdf
Patientenleitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. AWMF-Register. 1. Ausgabe April 2020. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-001p_S3_Chirurgie-Adipositas-metabolische-Erkrankugen_2020-06.pdf
sges-ssta-ssda.ch/behandlung/bariatrische-chirurgie/
Whatsapp Twitter Facebook VKontakte YouTube E-Mail Print