Die Bariatrie, von griechisch báros (Schwere, Gewicht) und iatrós (Arzt), beschäftigt sich mit der Vorbeugung und Behandlung von krankhaftem Übergewicht (Adipositas).
Oftmals helfen bei hochgradig adipösen Menschen keine konventionellen Maßnahmen zur dauerhaften Gewichtsreduktion mehr. Dann bleibt nur noch eine Operation im Rahmen der bariatrischen Chirurgie.
Verschiedene Verfahren stehen dem Spezialisten zur Verfügung. Sie haben das Ziel, den Magen zu verkleinern oder ihn zu umgehen. Das hilft, das Hungergefühl, aber auch die Menge der aufgenommenen Nahrung zu begrenzen. Dadurch verstoffwechselt der Körper deutlich weniger Kalorien.
Typischerweise umfasst die Bariatrie eine Reihe medizinischer Teilgebiete, die gemeinsam an einer Gewichtsreduktion der Patienten arbeiten. Dazu gehören z. B.
Ziel der bariatrischen Chirurgie ist es, die negativen Auswirkungen auf den Stoffwechsel und den Körper zu verringern. Angestrebt wird, das Gewicht des Betroffenen dauerhaft zu reduzieren.
Damit einhergehend soll das Risiko für Folgeerkrankungen, wie beispielsweise Diabetes mellitus Typ 2, gemindert werden. Auch der Gelenkverschleiß kann durch eine Gewichtsreduktion verlangsamt werden.
Die Wirksamkeit der bariatrischen Chirurgie wurde in zahlreichen Studien belegt. Allerdings ist ein eindeutig lebensverlängernder Effekt der Operation bisher nicht zweifelsfrei belegt. Es gibt darüber hinaus Studien, die zeigen, dass Männer etwa fünfmal häufiger innerhalb der ersten 30 Tage nach der OP verstarben als Frauen. Auch die Langzeitsterblichkeit der Männer könnte womöglich weiter erhöht bleiben.
In der Adipositaschirurgie wird vornehmlich der Magen operativ verkleinert. Für die Volumenverkleinerung des Magens kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:
Die letzteren beiden umgehen den Magen nahezu komplett und befördern die Nahrung direkt zu den Dünndarmanteilen.

Beispiele für Formen der bariatrischen Chirurgie © rumruay | AdobeStock
In der Regel erfolgen diese Operationsverfahren über die Schlüssellochtechnik, d. h. minimal-invasiv. In spezialisierten Fachkliniken werden die Eingriffe zudem oft robotisch assistiert vorgenommen. Dann kommt etwa das DaVinci-Operationssystem zum Einsatz, das die einzelnen Schritte präziser durchführen kann als ein Chirurg.
Die aktuelle bariatrische Leitlinie nennt die folgenden Bedingungen für eine OP:
- Patienten mit einem BMI > 40 kg/m², die keine Begleiterkrankungen haben
- Patienten mit einem BMI > 35 kg/m², die unter Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen wie z. B. Diabetes, Fettleber, Herzinsuffizienz oder Asthma leiden
Voraussetzung für eine bariatrische OP ist auch, dass die konservativen Maßnahmen der Patienten zur Gewichtsreduktion nicht erfolgreich waren.
Ein Eingriff wird nicht stattfinden, wenn Sie vor der OP-Planung z. B.:
Nach Therapie oder Abschluss dieser Erkrankungen oder Zustände kann erneut eine Prüfung auf Tauglichkeit für eine bariatrische Chirurgie erfolgen.
Die Rolle der Psyche
Fettleibigkeit resultiert in den wenigsten Fällen aus rein körperlichen Gründen. Fast immer ist die Psyche beteiligt. Umso wichtiger ist vor und auch nach einem bariatrischen Eingriff eine begleitende psychologische Betreuung.
Die Operation bedeutet nicht automatisch, dass angewöhnte Verhaltensmuster per Knopfdruck abgelegt werden. Vor dem Eingriff bekommen die Patienten deshalb immer auch einen Behandlungsvertrag, in dem darauf hingewiesen wird, dass eine dauerhafte Nachbehandlung erforderlich ist, um das Ergebnis zu sichern.

Nach einer magenverkleinernden OP ist eine lebenslange Nachsorge und Erfolgskontrolle erforderlich. Das ist wichtig, um eine nachhaltige Gewichtsreduktion erreichen zu können.
Zur Nachsorge der Bariatrie zählen
- regelmäßige Gewichtskontrollen,
- ausreichend Bewegung und
- Sport.
Regelmäßige Laborkontrollen kontrollieren den Bedarf an Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen. Damit lässt sich möglichen Mangelerscheinungen infolge der Magenverkleinerung vorbeugen.
Solche Laborkontrollen sollen nach sechs und zwölf Monaten vorgenommen werden. Danach erfolgen sie in einem jährlichen Rhythmus je nach gewählter Operation und möglichen Begleiterkrankungen.
Um den Therapieerfolg zu sichern, empfiehlt sich auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen sowie die Untersuchung auf psychische Erkrankungen.
Behandelte Frauen sollten in den zwei Jahren nach der bariatrischen Chirurgie nicht schwanger werden.
Infolge des massiven Gewichtsverlusts kann es zu sogenannten Hautschürzen- und Hautlappenbildungen kommen. Sie bilden sich nicht mehr von allein zurück. In diesen Fällen können Sie sich plastisch-chirurgisch beraten und körperform-rekonstruierend behandeln lassen.
Ein relevantes Thema der bariatrischen Chirurgie sind für einige Patienten auch die Kosten, die nur bei leitliniengerechter Indikation von den Krankenkassen übernommen werden.
Dazu zählen ein BMI von mindestens über 35 kg/m2 sowie der Nachweis über eine vorangegangene konservative erfolglose Behandlung innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Außerdem muss bei einem Body-Mass-Index von unter 40 kg/m2 mindestens eine Begleiterkrankung wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck etc. vorliegen.
Unterstützung bei der Antragstellung auf Kostenübernahme der bariatrischen Operation bieten in der Regel Adipositas-Fachzentren an. Im Leading Medicine Guide finden Sie ausgewiesene Experten und Adressen dazu.
Je nach Operationstechnik variieren die Preise.